James Corbett REPORTAGE Essays zur Neuen Weltordnung James Corbett REPORTAGE Essays zur Neuen Weltordnung MMXXV Copyright: Edition Shukutou | James Corbett Copyright Deutsche Ausgabe: regenauer.press Kontakt: info@regenauer.press (Montagnola, CH) Herausgeber: T.-O. Regenauer, Ra Cara 8, CH-6926 Montagnola Erstiibersetzung: Silvia Lorenz Zweitlibersetzung, Lektorat: Tom-Oliver Regenauer Satz: Buchgut (Berlin, D) Artwork: Diversified Graphic, LLC (Atlanta, USA) Umschlag Deutsche Ausgabe: Buchgut (Berlin, D) Bildmaterial: Creative Commons (wikimedia.org/wiki/ File:WTC-7_-_IMG10.jpg) Druck und Distribution im Auftrag des Autors: tredition GmbH, Heinz-Beusen-Stieg 5, 22926 Ahrensburg, Germany ISBN: 978-3-384-69025-8 Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie. Detaillierte biblio- grafische Daten sind im Internet über www.dnb.de abrufbar. regenauer.press An meine Kinder; und deren Kinder; und deren Kindeskinder: Ich habe mein Möglichstes getan. Inhalt 8 Vorwort (Whitney Webb) 13 Vorwort des Autors 18 Eine Notiz zu den Endnoten 22 Abenteuer in den neuen Medien 33 Geschäfte mit dem 9/11-Terror 44 Politik des Auf und Ab 86 Sie wollen deine Gene nicht im Genpool 113 Die Geschichte von Ptech 126 Deine Seele für ein Matrix-Steak 136 Wie man Globalismus wirklich besiegt 163 Biotech-Milliardäre und die gentechnische Apokalypse 203 Wie man seine Knechtschaft genießt 213 Drei unterschiedliche Typen 214 Das seltsame Leben des Maurice Strong 232 Die wahre Bedeutung von »Unabhängigkeit« 242 Die 9/11-Whistleblower 255 Warum wir Bilderberg entgegentreten müssen 271 Spontane Ordnung kurz erklärt 284 Wer kontrolliert die Umweltbewegung? 294 Die Flucht vom großen Schachbrett 328 Und jetzt zu etwas völlig anderem 335 Ein Brief an die Zukunft 342 Warum ich schreibe 355 Über den Autor 356 Index Vorwort (Whitney Webb) Das mediale Klima hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten stark verändert. Trotz dieser massiven Umbrüche bleiben die Medien ein zentrales Schlachtfeld im Krieg um die Herzen und den Verstand. In diesem Krieg werden wohlmeinende Menschen routinemäßig ins Visier genommen mit dem Ziel, sie dazu zu bringen, Standpunkte zu übernehmen und politische Maßnahmen zu unterstützen, die ihren Herrschern, den »Mächtigen«, mehr nützen als ihren eigenen Interessen. Dies gelingt oft mithilfe sorgfältig inszenierter Krisen, die die Öffentlichkeit in Angst versetzen, das kritische Denken ver- drängen und Menschen dazu bringen, den »vertrauenswürdigen« Stimmen in den Medien blind zu folgen. Im Zuge der Entwicklungen der letzten Jahre wurden wir Zeugen des Vertrauensverlusts in die Mainstream-Medien und des Auf- stiegs unabhängiger, alternativer Medien. Doch während Letztere inmitten der (größtenteils selbst verschuldeten) Todesspirale der etablierten Medien an Einfluss gewannen, fanden dieselben Sozial- ingenieure, die zuvor die großen Medienkonzerne manipulierten, ein neues Betätigungsfeld und zwar hinter bestimmten Akteuren der »unabhängigen« Medien, die bereit sind, die gleiche Rolle zu übernehmen wie der Mainstream wenn auch in anderer Verpackung. Infolgedessen ist es zunehmend schwieriger ge- worden, sich in der heutigen Medienlandschaft zurechtzufinden; nicht zuletzt aufgrund der Entstehung »alternativer Mainstream Medien«. Aber ein paar Veteranen der wirklich unabhängigen Medien weisen weiterhin unbeirrt den Weg. Seit fast 20 Jahren zählt James Corbett zu den beständigsten, verlässlichsten und glaubwürdigsten Stimmen der unabhängigen Medien. Generationen von Wahrheitssuchenden klärt er nicht nur über die Fakten unserer kollektiven Misere auf, sondern auch darüber, wie wir zu besseren, kritischeren und rationa- leren Denkern werden können. Darüber hinaus spricht er über Lösungsansätze, die uns hoffentlich dabei helfen, für eine bessere Welt zu kämpfen. Teile von James’ intellektueller Reise von den Anfängen des Corbett Reports bis in die Gegenwart werden in dieser Essay- Sammlung nachgezeichnet. Die Texte zeigen, wie ein wahrhaft aufrichtiger und wohlmeinender Mensch mit scharfem Verstand sich mit den größten Herausforderungen und Krisen der letzten zwei Jahrzehnte auseinandergesetzt hat und welche Lehren er daraus gezogen hat. Aufgrund seiner langjährigen Präsenz im Bereich der unabhängigen Medien hat er praktisch jedes relevante Thema behandelt und steht mit seiner Fähigkeit, über die meisten (wenn nicht alle) Aspekte, die den globalen Vormarsch hin zu einer neuen, technokratischen Weltordnung ausmachen, zu sprechen, weitgehend alleine da. James hat nie gezogert, auch »kontroverse« Themen wie die Wahrheit uber den 11. September direkt anzusprechen Themen, über die heute zwar gesellschaftlich diskutiert werden darf, deren offene An- sprache früher jedoch fast zwangsläufig zu Schwierigkeiten führte. James’ Talente, verbunden mit seinem unbeirrbaren Festhalten an der Wahrheit selbst dann, wenn sie schwer zu ertragen ist haben so vielen von uns, mich eingeschlossen, geholfen, die Lügen unserer Herrscher zu durchschauen und Dinge grundsätzlicher zu hinterfragen. Als ich vor über einem Jahrzehnt zum ersten 9 Mal auf einen Podcast des Corbett Reports stieß, war ich tief beeindruckt: Von seiner objektiven Nachrichtenanalyse, seiner sorgfältigen Quellenangabe und seinem ausgeprägten moralischen Kompass. Als es ein paar Jahre später an der Zeit war, selbst mit dem Schreiben zu beginnen, wusste ich, dass es James’ Ansatz war, dem ich nacheifern wollte. Eine der größten Stärken von James ist sein profundes Geschichts- wissen insbesondere über jene weitgehend verborgenen Aspekte, die es scheinbar nie in Schulbücher schaffen. James’ Wissensfundament in diesem Bereich ermöglicht es ihm, aktuellen Ereignissen einen kraftvollen und oft unverzichtbaren Kontext zu verleihen. Dabei zeigt sich, dass vieles, was wie ein »neues« Phänomen erscheint, in Wahrheit auf alten Plänen und lang gehegten Ambitionen beruht und genau das erklärt so vieles von der Welt, die wir heute erleben. Doch während viele, die ein ähnliches Gespür für Geschichte haben, im wahrsten Sinne des Wortes in der Vergangenheit hängen bleiben, zeichnet sich James auch dadurch aus, dass er den Blick nach vorn richtet und uns daran erinnert, dass die Zukunft trotz jahrhundertelanger Planungen der Eliten ungeschrieben ist und nur wir allein die Macht haben, sie zu verändern. Um das zu erreichen, müssen wir aufhören, nach politischen Rettern und künstlich geschaffenen Helden zu suchen. Statt- dessen gilt es zu erkennen, dass wir unsere eigene Macht zurückgewinnen müssen wenn wir unsere Zukunft selbst gestalten und diejenige ablehnen wollen, die die Mächtigen für uns vorgesehen haben. Egal, ob sie ein langjähriger Anhänger des Corbett Reports oder erst kürzlich mit James’ Werk in Kontakt gekommen sind ich 10 lade sie ein, von den Worten und Recherchen einer der wichtigsten Stimmen in den unabhängigen Medien zu lernen. Ich persönlich habe von James mehr über die Welt und unsere missliche Lage erfahren als aus jeder anderen Quelle. Wenn sie, wie ich, versuchen zu verstehen, was uns bevorsteht und sich mit Fakten zu wappnen, wenn sie dieses Wissen nutzen wollen, um einen neuen Kurs für die nächste Generation zu setzen, gibt es keine bessere Ressource als den Verstand und die Arbeit von James Corbett. Whitney Webb ist Mitherausgeberin von Unlimited Hangout und Autorin des Buches »One Nation Under Blackmail. 11 Vorwort des Autors Das Buch, das sie gerade in den Händen halten, entstand über einen Zeitraum von fünfzehn Jahren. Ich zögere ein wenig, diesen Satz überhaupt zu Papier zu bringen, weil mir klar ist, dass er fast zwangsläufig einen falschen Eindruck erweckt. Um das gleich klarzustellen: Nein, ich habe nicht die letzten fünfzehn Jahre an meinem Schreibtisch gesessen und mich Tag für Tag mit jedem einzelnen Wort dieses Buches gequält. Vielmehr habe ich vor fünfzehn Jahren mit dem ersten Essay dieser Sammlung begonnen und die anderen Essays im Laufe der Zeit immer wieder aufgegriffen ich habe geschrieben, umgeschrieben, noch einmal umgeschrieben, wann immer es die Zeit zuließ und erst vor wenigen Tagen den letzten Strich gesetzt (oder war es das letzte i-Tüpfelchen?). Wie sie sich vorstellen können, ist seit Beginn der Arbeit an dieser Sammlung im Jahr 2009 eine ganze Menge passiert sowohl in meinem persönlichen Leben als auch in der weiten Welt von Politik und Gesellschaft, die das hauptsächliche Thema dieses Buches ist. Was mich selbst betrifft: Ich habe geheiratet, zwei Kinder bekommen, ein Einfamilienhaus gekauft und irgendwo auf diesem Weg meinen bescheidenen Nebenjob als Podcaster in einen Vollzeitjob verwandelt. In der Zwischenzeit hat sich auch die Welt draußen vollkommen gewandelt. Von den wirtschaftlichen Folgen einer globalen Finanzkrise bis zu den geopolitischen Folgen weltweiter Konflikte, von der Entlarvung der Globalisten bis zum Aufstieg der Populisten, vom Homeland-Security-Paradigma der Zeit nach 9/11 bis hin zur Biosicherheitsdoktrin nach der Plandemie (im Original: 13 »Scamdemic«) die Welt des Jahres 2024 unterscheidet sich be- merkenswert stark von der Welt des Jahres 2009. Und doch ähnelt unsere Lage heute auf erstaunliche Weise derjenigen, in der wir uns befanden, als ich mit dem Buch begann. Die freie Menschheit kämpft immer noch gegen dieselbe Bande gieriger Globalisten, egozentrischer Eugeniker und machtbesessener Plutokraten, mit der wir es schon damals zu tun hatten. Sie mögen mit ihrer technokratischen Kontrollagenda weiter vorangekommen sein, aber unser Widerstand dagegen ist im Wesentlichen derselbe geblieben. In gewissem Sinne ist dieses Buch also eine Reflexion über das Paradoxon des Zeitverlaufs: Je mehr sich die Dinge ändern, desto gleicher bleiben sie. Natürlich habe ich in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten vieles dazugelernt, viele Erkenntnisse gewonnen, mein Verständnis vertieft und meine Ansichten zu unterschiedlichsten Themen verändert. Im Jahr 2009 war ich zum Beispiel noch ein Etatist, der dazu neigte, als Lösung für unsere Misere vorzuschlagen, seinem Parlamentsabgeordneten zu schreiben oder für einen Kandidaten einer dritten Partei zu stimmen. Heute bin ich ein Voluntarist, der überzeugt ist, dass der Weg zu einer besseren Welt nicht darin besteht, erneut für einen weiteren Möchtegern-Politiker zu stimmen, sondern unsere Zeit, Energie, Aufmerksamkeit und Ressourcen in den Aufbau eigener, unabhängiger Gemeinschaften von unten nach oben zu investieren. Dieses Buch dokumentiert also nicht nur die verborgene Geschichte des Tiefenstaats und enthüllt die verdeckte Agenda jener, die versuchen, globale Er- eignisse zu lenken. Es schlägt nicht nur Handlungsmöglichkeiten für all jene vor, die die Kontrolle über ihr eigenes Leben zurück- gewinnen wollen. Es gewährt auch Einblick in die Entwicklung meines eigenen Denkens zu diesen Themen über fünfzehn Jahre intensiver Recherche hinweg. 14 Die Essays in dieser Sammlung sind jedoch nicht in der Reihenfolge angeordnet, in der sie entstanden sind. Stattdessen wurden sie so zusammengestellt, dass die Themen logisch aufeinander aufbauen und Erkenntnisse aus einem Text dem Leser helfen können, die Informationen im darauffolgenden besser einzuordnen. Auf diese Weise hoffe ich, dass das Buch wenn es von vorne bis hinten gelesen wird ein schrittweises Verständnis seines zentralen Themas fördert: der Neuen Weltordnung. Was also ist die Neue Weltordnung? Eine einfache Definition dieses Begriffs wird man auf den folgenden Seiten nicht finden. Vielmehr beleuchten die Essays diverse Aspekte dieses facettenreichen Konzepts. Alle sind es sicherlich nicht. Das heißt allerdings nicht, dass man dieses Buch zwangsläufig von vorne bis hinten oder in einer bestimmten Reihenfolge lesen muss. Jedes Essay wurde für sich geschrieben und kann daher auch einzeln gelesen werden. Es steht für sich. Wenn sie ein bestimmter Titel anspricht, schlagen sie einfach die entsprechende Seite auf und beginnen sie dort. Die übrigen Essays werden immer noch da sein - selbst wenn es fünfzehn Jahre dauert, bis sie sie alle gelesen haben. Natürlich wäre es unmöglich gewesen, ein Buch wie dieses durch seine langen Geburtswehen bis zur endgültigen Veröffentlichung zu begleiten, hätte es nicht die Unterstützung vieler, vieler Geburtshelfer erfahren. Alle beim Namen zu nennen, ist schlicht unmöglich aber auch auf die Gefahr hin, jemanden zu übergehen, wäre es ein Versäumnis, nicht einige meiner Freunde, Kolleginnen und Kollegen sowie Familienmitglieder besonders hervorzuheben. Zunächst möchte ich Aritha van Herk und allen Studenten ihres Creative-Writing-Workshops an der University of Calgary in den späten 1990er Jahren aufrichtig danken. Bevor ich diesen 15 Seminarraum betrat, dachte ich, ich wüsste, wie man schreibt. Glücklicherweise haben van Herk und die beeindruckende Gruppe talentierter Autorinnen, Autoren, die Leserinnen und Leser im Workshop mich eines Besseren belehrt. Durch ihre sorgfältige Kritik habe ich (hoffentlich) gelernt, mein Schreiben ansprechend, vielleicht sogar inspirierend zu gestalten. Falls sie meinen Stil schwerfällig finden, können sie diesem Kurs aber zumindest dafür danken, dass es nicht noch deutlich schlimmer ist. Ich möchte auch allen meinen Kolleginnen und Kollegen in den unabhängigen Medien danken. Ganz besonders James Evan Pilato von Media Monarchy (mediamonarchy.com) dem einzigen Menschen, mit dem ich mir vorstellen kann, seit fünfzehn Jahren und auch weiterhin »New World Next Week« zu produzieren. Und Broc West dem einzigen Menschen, den ich mir seit zehn Jahren und auch weiterhin als meinen Video-Editor vorstellen kann. Vielen Dank euch beiden fiir eure Einsichten, eure harte Arbeit, euren Humor und dafür, dass ihr mich in verrückten Zeiten bei Verstand haltet. Man sagt, hinter jedem guten Schriftsteller stehe ein guter Editor. Ich wage es nicht, über die Qualität meines Schreibens zu urteilen, aber ich kann definitiv über die Qualität der Bearbeitung dieses Buches urteilen. Susan, aus den sonnigen Gefilden des Südens der USA, ist eine fleißige, sorgfältige Lektorin, deren zweites Paar Augen in den letzten Jahren über meine Worte gewacht hat. Sie hat nicht nur das richtige Wort zur richtigen Zeit vorgeschlagen, um einen Satz zum Funkeln zu bringen, sondern hat mir auch oft geholfen, zu erkennen, wie meine scheinbar klaren und für mich vollkommen verständlichen Gedanken fiir einen Dritten vielleicht nicht so leicht nachvollziehbar sind. Vielen Dank, Susan, für Deinen unermüdlichen Einsatz und dafür, dass Du geholfen 16 hast, diese Essays so exzellent (das ist ihr Wort, nicht meins!) zu machen, wie sie nur sein können. Ich möchte meinen aufrichtigen und herzlichen Dank auf die Mitglieder und Unterstützer des Corbett Report ausweiten, die diese Arbeit erst möglich gemacht haben. Bitte seid euch gewiss, dass eure moralische Unterstützung, eure finanziellen Beiträge, euer Feedback in den Kommentarbereichen der Webseite und eure Hilfe bei der Verbreitung der Informationen sehr geschätzt werden. Als Nächstes ein riesiges Dankeschön an meine Eltern. Mir ist mitt- lerweile klar, dass meine Mutter und mein Vater mir nicht nur ein liebevolles und unterstützendes Zuhause geboten haben obwohl sie das natürlich auch taten viel wichtiger aber ist, dass sie mir ein ausgezeichnetes Beispiel dafür gaben, wie man das gleiche Zuhause für die eigene Familie schaffen kann. Es ist mein aufrich- tiger Wunsch, dieses Geschenk an meine Kinder weiterzugeben. Zu guter Letzt kann ich mir nicht vorstellen, wo ich ohne die Geduld und Ermutigung meiner geliebten Frau wäre. Und ich möchte mir nicht vorstellen, wie mein Leben ohne das Wunder und die Freude wäre, die mein grandioser Sohn und meine be- zaubernde Tochter ihm angedeihen lassen. Dieses Buch ist für meine Kinder und für alle unsere Kinder. Auch wenn die Um- stände unterschiedlich sein mögen, so ist unsere Aufgabe doch die gleiche, die jede Generation seit Anbeginn der Menschheit vor sich hatte: Unsere Kinder in Wahrheit, Weisheit und Liebe zu erziehen. Solange wir das weiterhin tun, habe ich Vertrauen, dass die Zukunft vielversprechend sein wird. James Corbett, im Juli 2024. In den sonnigen Gefilden des westlichen Japans 17 Eine Notiz zu den Endnoten Sind sie der durchschnittliche Leser, der diese kleinen hoch- gestellten Zahlen nach einem Satz bemerkt und weiß, dass sie zu den Endnoten führen und sie direkt überspringt? Sie wissen schon, die Art von Person, die gelegentlich eine Notiz nachschlägt, wenn ein Leckerbissen im Text besonders interessant klingt, sie aber ansonsten einfach ignoriert? Großartig! Dann können sie genau hier aufhören zu lesen und zu den Essays übergehen. Diese »Notiz zu den Endnoten« ist nichts für sie. Aber da sie immer noch lesen, lassen sie mich einfach sagen: Willkommen zu meinem Buch, lieber Recherche-Nerd! Wenn es ihnen so geht wie mir, werden sie zuerst alle Endnoten durchblättern, um zu überprüfen, ob es sich um eine ernsthafte Recherche handelt oder nicht. Dann, nachdem sie sich entschieden haben, lesen sie jedes Essay mit einem Finger auf der aktuellen Seite und einem anderen Finger auf dem Endnotenabschnitt, damit sie schnell hin und her blättern können. Wahrscheinlich werden sie die interessanten Endnoten sogar markieren, um nicht zu vergessen, diese Quellen später zu überprüfen. Wenn das auf sie zutrifft, dann blättern sie weiter! Ich habe versucht, es ihnen so einfach wie möglich zu machen, meine Quellen zu finden. Wie sie gleich feststellen werden, habe ich mich in diesem Buch für Endnoten anstelle von Fußnoten entschieden. Ich persönlich finde, dass Fußnoten die Seite zu sehr überladen und damit für den normalen Leser verwirrend gestalten. Und obwohl ich es manchmal begrüße, wenn ein Autor eine Idee erweitert und zusätzliche Informationen in der Fußnote liefert, habe ich mich 18 dafür entschieden, alle relevanten Informationen zu einem Thema in den Text selbst zu packen. Die Endnoten in diesem Buch dienen nur als einfaches Zitieren von Quellen. Die Endnoten entsprechen keinem bestimmten Schreibstil. Statt- dessen habe ich mich bemüht, genauso viele Informationen zur Verfügung zu stellen, wie für eine eigenständige Suche nach der Quelle notwendig sind. Bei Büchern sind dies der Verlag und das Erscheinungsjahr; bei Webseiten der Namen der Webseite, wie er auf der Webseite selbst erscheint, und das Datum der Veröffentlichung (falls verfügbar); bei Videos der genaue Titel des Videos und der Name des Hochladenden. Rechtschreibfehler und grammatikalische Fehler in den Titeln wurden aus Gründen der Genauigkeit beibehalten. Im Internetzeitalter verweisen viele der Zitate auf Online-Publi- kationen. Als eingefleischter Rechercheur sind sie sich zweifellos bewusst, dass ein Online-Zitat zwei unterschiedliche Heraus- forderungen mit sich bringt. Zuerst gibt es da das Problem mit der Vergänglichkeit: Links neigen dazu, mit der Zeit zu veralten, was bedeutet, dass die meisten der in diesem Buch zitierten Online-Beiträge im Laufe einiger Jahre nicht mehr unter ihrer ursprünglichen Adresse zugänglich sein werden. Und zweitens gibt es da das Problem der Lesbarkeit: Lange URLs sind unhand- lich und daher für alle außer die gewissenhaftesten Leserinnen und Leser nutzlos.2 Um also zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, habe ich nach Möglichkeit versucht, Links zu archivierten Webseiten von »archive.today« zu verwenden. Für alle, die »archive.today« nicht kennen: Es handelt sich um eine Webseite zur Web-Archivierung, die Screenshots von Webseiten speichert. Diese Archivaufnahmen 19 bleiben unter dem gleichen Link erhalten, selbst wenn die Ori- ginalseite verändert oder entfernt wird. Das löst nicht nur das Problem3 der Vergänglichkeit, sondern hilft auch beim Problem der Lesbarkeit, da Archive-Links deutlich kürzer und leichter lesbar (und reproduzierbar) sind als gewöhnliche URLs. Leider lässt sich nicht jeder Inhalt über »archive.today« archi- vieren. PDFs zum Beispiel können von diesem Dienst nicht erfasst werden. Ebenso wenig lassen sich Videos archivieren. In solchen Fällen wurden Kurzlinks verwendet konkret »youtu.be«-Links für YouTube-Videos und »bit.ly«-Links für PDFs. Oder Links zur »Wayback Machine«. Es ist mir bewusst, dass Kurzlinks im besten Fall ein Albtraum für den Datenschutz und im schlimmsten Fall ein Sprung ins digitale Ungewisse sind. Wenn sie sich also unwohl dabei fühlen, solche Links zu verwenden, habe ich vollstes Ver- ständnis und respektiere diese Entscheidung. Zum Glück enthalten die Endnoten alle Informationen, die nötig sind, um die jeweilige Quelle auch ohne den angegebenen Link zu finden. Nach alldem: Viel Freude beim Lesen des Buches!4 1 Die Endnoten in diesem speziellen Nicht-Essay sind die einzigen Ausnahmen 2 Ich persönlich finde es geradezu lächerlich, wenn Autoren in den Endnoten gewissenhaft etwas wie »http://www.komplett-unlesbar.de/zitatvoller- m34ningl3ssg4rbage?=das_nur_für_maschinen_lesbar_ist« angeben. Wohlwissend, dass selbst wenn ein unglaublich gewissenhafter Rechercheur mit zu viel Zeit sich die Mühe machen würde, all das in den Browser einzutippen, er am Ende (wegen des bereits erwähnten Problems der Vergänglichkeit) höchstwahrscheinlich nur auf eine Fehlermeldung vom Typ »404 - Seite nicht gefunden« stoßen würde. 20 3 Natürlich ist mir bewusst, dass es keine Garantie dafür gibt, dass archive.today für immer existieren wird. Wie alles andere im Internet kann (und wird) auch dieser Dienst irgendwann verschwinden und kein »archivierter« Inhalt sollte als Garantie dafür verstanden werden, dass die Information dauerhaft ver- fügbar bleibt. In Anbetracht der Tatsache, dass es die derzeit beste verfügbare Option ist, und falls das Archiv eines Tages nicht mehr erreichbar sein sollte, haben Sie so dennoch alle notwendigen Angaben (Name der Webseite, Titel des Artikels, Autor, Veröffentlichungsdatum, et cetera), um die Quelle selbst wiederzufinden. 4 Und mit den Endnoten 21 Abenteuer In den neuen Medien Wie aus einem kleinen Spross eine große Eiche wächst! Angesichts der Tatsache, dass es vor mehr als 600 Jahren in Mittel- englisch geschrieben wurde, könnte man ihnen verzeihen, wenn sie diese Zeile aus Geoffrey Chaucers epischem Gedicht »Troilus and Criseyde« nicht sofort erkennen. Aber vermutlich kennen sie die moderne englische Variante: »Mighty oaks from little acorns grow« (D: Große Eichen wachsen aus kleinen Eicheln). Ich persön- lich kann die Wahrheit dieser kraftvollen Metapher bestätigen. In meinem Fall nahm die Eichel die eher unwahrscheinliche Form einer Studio-Wohnung in einem heruntergekommenen, baufälligen, schädlingsverseuchten zweigeschossigen Gebäude am Rand einer verschlafenen Stadt, die in Japans Pendant zum »Flyover Country« liegt an. Diese bescheidene Eichel wurde im Herbst 2006 nicht nur mein Zuhause, sondern auch der Geburtsort meines eigenen mächtigen Eichenbaums. Wissen sie, als 26-jähriger Lehrer an einer Englisch-Konversations- schule in Westjapan wusste ich zwei Dinge: Erstens wusste ich, dass ich angesichts meines Einstiegsgehalts und der Studienschulden, die ich mir während meiner spaßigen, aber wirtschaftlich wenig durchdachten Zeit für den Master in Anglo-Irischer Literatur am Trinity College in Dublin eingefangen hatte nicht gerade über ein Vermögen verfügte, das ich für eine luxuriöse Penthouse-Wohnung 22 im Herzen von Tokios angesagtem Omotesando ausgeben konnte. Und zweitens wusste ich, dass es an der Zeit war, den entschei- denden Schritt zu tun und mir zum ersten Mal in meinem Leben eine Wohnung ganz ohne Mitbewohner zu suchen. So kam es, dass ich im September 2006 in meine, sagen wir mal »spartanische« Unterkunft zog bereit für die Abenteuer, die das Leben als Single mit sich bringen würde. So dachte ich jedenfalls. Wie ich bald herausfand, war ich mental darauf vorbereitet, von Instant-Ramen zu leben. Und darauf, um zwei Uhr morgens aufzu- wachen, wenn mein Nachbar über mir zum Leben erwachte und ohne erkennbaren Grund über seine knarrenden Dielen schlich. Und sogar darauf, den Anblick einer Kakerlake zu erleben, die sich beim Betreten meiner Wohnung nach einem langen Tag in Deckung flüchtete, sobald ich das Licht anmachte. Aber wie sich herausstellte, war ich auf die unvorhersehbarste Veränderung meines Lebensstils nicht vorbereitet: Das Internet. Die Wohnung, die ich gemietet hatte, war in jeder Hinsicht günstig, war aber erstaunlicherweise mit einer kostenlosen Internetverbindung ausgestattet. Geschenke lehne ich nicht ab. Also steckte ich das LAN-Kabel, das aus der Wand meiner Wohnung ragte, in meinen alten, ziemlich mitgenommenen Laptop und ging online. Und ohne dass es mir bewusst war, begann die kleine Eichel, die ich gepflanzt hatte, zu sprießen. Verstehen sie mich nicht falsch. Es war 2006. Natürlich war ich schon vorher online gewesen. Tatsächlich war ich zu diesem Zeitpunkt bereits seit einem Jahrzehnt im Internet ein Veteran der alten Tage, in denen man sein 14,4 Kbps-Modem in die Telefonbuchse steckte und sich auf das höllische Kreischen vor- bereitete, das das Erreichen jenes damals noch unerforschten Gebiets namens »Cyberspace« ankündigte. Aber 2006 war es 23 bereits Jahre her, dass ich einen Internetanschluss in meiner Wohnung hatte. Vier Jahre, um genau zu sein. Und ich stellte bald fest, dass sich während meiner Abwesenheit viel getan hatte im World Wide Web. Jetzt gab es beispielsweise Podcasts. Mit dem Internet zur Hand hatte ich endlich Zeit, die aufkeimende Welt des Podcastings zu erkunden. Ich begann, Podcasts zu Nachrichten und aktuellen Ereignissen, Japanisch-Lern-Podcasts, Jazz-Podcasts, literarische Podcasts und was mir sonst noch in den Sinn kam anzuhören. Erinnert sich noch jemand an den ursprünglichen Planet Japan- Podcast mit Amy und Doug? Zum anderen gab es Streaming-Videos. Die lange versprochene Vision von Online-Video-On-Demand wurde endlich zur Realität, ermöglicht durch brandneue Streaming-Plattformen wie Google Video und eine aufstrebende Webseite namens YouTube. Um sich noch einmal in die Gedankenwelt von 2006 zu versetzen, stellen sie sich einfach vor, sie fahren mit dem Fahrrad zur Präfekturbibliothek, um Ihre wöchentliche Runde durch die spärliche englische Buchabteilung zu drehen, und stoßen auf die weihnachtliche Ausgabe des TIME Magazine, das mit einem spiegelnden Cover verkündet, dass sie (»Ja, Sie!«) die TIME-Person des Jahres 2006 sind. Stellen sie sich vor, sie lesen den durchaus schwülstigen Artikel von TIME-Technologiechef Lev Grossman, der Web 2.0-Plattformen wie YouTube und MySpace dafür lobt »die Zügel der globalen Medien in die Hand zu nehmen, die neue digitale Demokratie zu gründen und zu gestalten, umsonst zu arbeiten und die Profis auf ihrem eigenen Spielfeld zu schlagen«.2 Und dann stellen sie sich vor, sie radeln zurück in ihre beengte Studio-Wohnung, um einen Abend mit Instant-Ramen und lauten 24 Nachbarn zu verbringen und Geschichtsdokumentationen auf YouTube anzusehen. Nun, ich muss mir das nicht vorstellen. Ich habe es erlebt. Aber dann passierte etwas Seltsames. Der YouTube-Algorithmus, der offensichtlich erkannte, dass ich politisch aufgeladene Inhalte durchstöberte, begann, mir Videos über die 9/11-Wahrheitsbe- wegung vorzuschlagen. Im Rückblick ist es einfach zu verstehen, was damals geschah: Der fünfte Jahrestag von 9/11 war gerade vergangen, was eine Rekordzahl von Aktivisten nach New York brachte. Sie verschafften ihren Stimmen nicht nur auf den Straßen des Big Apple Gehör, sondern sogar auf den Wellen des etablierten Medienmainstreams. Unvorstellbar im heutigen politischen Klima, aber C-SPAN übertrug tatsächlich die Veranstaltungen des »Ame- rican Scholars Symposiums« über »Theorien zum 11. September«, einer Veranstaltung, die im Juni 2006 in Los Angeles stattfand und Vorträge einiger der führenden 9/11-Wahrheitssuchenden aus der akademischen Riege jener Zeit präsentierte.3 Im Jahr 2006 wusste ich aber noch nichts von der aufkommenden Welle der 9/11-Wahrheitsbewegung, geschweige denn davon, wie eine solche Bewegung, die durch die vom TIME Magazine gefeierte Web-2.0-Revolution beflügelt wurde, kurz davorstand, eine Revolution im öffentlichen Bewusstsein zu entfachen, deren Zeuge wir bis heute sind. Sicher, ich wusste, dass es Verschwö- rungen gab. Aber 9/11? Eine Verschwörung? Das war zu viel des Guten. Es war absurd. Es war respektlos. Trotzdem klickte ich auf so ein unsinniges Video über »fliegende Lichtkugeln«, die die Zwillingstürme zerstörten oder welcher Quatsch auch immer an diesem Tag für ein schnelles, spöttisches Lachen auf YouTube sorgte. Was für Narren glauben an diesen Unsinn? Das fragte ich mich. Irgendwann jedoch war eines dieser Videos 25 nicht so lächerlich, wie ich erwartet hatte. Auch wenn es eine abwegige Behauptung aufstellte über irgendein Treffen der CIA mit Bin Laden in Dubai im Sommer 2001 oder eine ähnlich ver- rückte Geschichte —, enthielt es doch gerade genug überprüfbare Informationen, um diese selbst nachzuschlagen. Und tatsächlich. Es gab einen Bericht in »Le Monde« vom 31. Oktober 2001, der einen »professionellen Partner des administrativen Direktors« des American Hospital Dubai zitierte, der sagte, Bin Laden sei im Juli 2001 in die Vereinigten Arabischen Emirate gereist, um sich einer Nierendialyse zu unterziehen und habe dort einen Vertreter der CIA getroffen4 ein Bericht, der vom Krankenhaus natürlich sofort dementiert wurde.> Oder vielleicht war es auch ein Video über einen geheimen Plan des US-Militars aus den 1960er Jahren, Terroranschlage in den USA zu veriiben und sie Fidel Castro in die Schuhe zu schieben, um einen Angriff auf Kuba zu rechtfertigen. Auch diese Behaup- tung erschien mir völlig absurd bis ich der Quelle nachging. Diesmal landete ich in der digitalen Datenbank des National Security Archive, wo ich eine PDF-Datei fand, die einen Scan der Originaldokumente von »Operation Northwoods«é enthielt. Weit davon entfernt, meine Bedenken zu zerstreuen, bestatigte das Dokument stattdessen, dass dieser absurd klingende Plan für eine »False-Flag«-Terroroperation der US-Armee in den USA nicht nur wahr war, sondern tatsachlich von Lyman Lemnitzer, dem Vorsitzenden der Vereinigten Generalstabe, abgesegnet und im März 1962 zur Prüfung an den Verteidigungsminister Robert McNamara weitergeleitet wurde. Ich wünschte, ich könnte mich genau daran erinnern, welches Video oder welche Videoserie mich dazu gebracht hat, diesen »wilden Gerüchten« im Kaninchenbau des Internets hinterherzujagen. Ich wiirde dieses Video gerne erwähnen, wenn ich mich nur daran erinnern könnte, welches 26 es war. Und ich würde gerne erklären, welche überraschende In- formation es war, die mich dazu veranlasst hat, weiter zu graben. Alles, was ich weiß, ist, dass ich den ganzen Herbst 2006 damit verbracht habe, mehr über die Welt zu lernen, als ich in den gesamten 26 Jahren davor gelernt hatte. Was also habe ich entdeckt, als ich in diese YouTube-Kaninchen- bauten vorgedrungen bin? Ich entdeckte die Dokumentarfilme von Alex Jones. Von »9/11: The Road to Tyranny«7 über »Terrorstorm«8 bis hin zu »Dark Secrets: Inside Bohemian Grove«.? Ich sah mir die Originalaufnahmen an, in denen berichtet wurde, dass am Tag des Bombenanschlags in Oklahoma City mehrere Sprengsätze im Alfred P. Murrah Federal Building entdeckt worden waren. 19 Ich hörte, wie Peter Power der hörbar erschütterte Geschäftsführer der Krisenmanagementfirma Visor Consultants am Tag der Terroranschläge vom 7. Juli in London gegenüber ITV News sagte, dass er zum Zeitpunkt der Anschläge »tatsächlich eine Übung durchführte (...), basierend auf gleichzeitigen Bomben, die genau an den Bahnhöfen explodierten, an denen [die Bombenanschläge] stattfanden«.11 Ich sah die verdeckt gefilmten Aufnahmen der »Cremation of Care«, einem simulierten Menschenopfer, das jedes Jahr vor der versammelten Menge von Politikern, Finanziers und Industriebossen beim Bohemian Grove im Herzen der kaliforni- schen Redwoods stattfindet. 12 Ich entdeckte das Werk von Adam Curtis. Von »Das Jahrhundert des Selbst«13 über »Die Macht der Albträume«14 bis hin zu »Die Büchse der Pandora«.15 Ich fand Informationen über den amerikanischen Neffen von Sigmund Freud - Edward Bernays der als Vater moderner Propaganda gilt. Ich erfuhr, dass die Erschaffung dessen, was wir als »al Qaida« kennen, eine bequeme juristische Fiktion war, die von Staats- anwälten in einem Gerichtssaal in Manhattan im Januar 2001 aus- geheckt wurde. Ich staunte über das gescheiterte sowjetische 27 Experiment des technokratischen Utopismus in Magnitogorsk. Ich entdeckte »Die Herren des Geldes: Entwicklung und Macht der Zentralbanken«16 und »Die Kreatur von Jekyll Island: Die US-No- tenbank Federal Reserve Das schrecklichste Ungeheuer, das die internationale Hochfinanz je schuf«.17 Ich nutzte diese Werke, um die Lücken in meinem Wissen über den Prozess der Geldschöpfung im Allgemeinen und die Geschichte der Federal Reserve der amerikanischen Zentralbank im Besonderen zu füllen. Ist es angesichts der schieren Menge an neuem Material einem wahren Niagarafall —, dem ich in diesem verwirrenden Herbst begegnete, verwunderlich, dass ich nicht bemerkte, dass der kleine Eichenspross in der Ecke meines Zimmers ebenfalls gegossen wurde und schnell zu einem Bäumchen heranwuchs? Ja, all diese für mich neuen Beweise dafür, wie die Welt wirklich funktioniert, die ich (im wahrsten Sinne des Wortes) in den Stunden zwischen meinen Arbeitstagen und meinen Nächten mit Freunden herunter- geladen habe, haben dazu beigetragen, meine Welt innerhalb weniger Monate auf den Kopf zu stellen. Im Herbst 2006 war ich James Corbett, Englischlehrer und angehender Autor. Aber im Frühjahr 2007 war ich James Corbett, Englischlehrer und auf- strebender Podcaster. Auch wenn diese Transformation vielleicht nicht besonders bedeutsam klingt ich versichere ihnen, sie war es. Für jemanden wie mich, der niemals in Erwägung gezogen hatte, irgendeine Art von Journalist zu werden (geschweige denn Podcaster) und diese Möglichkeit sogar ausdrücklich ausschloss, wenn man ihn fragte, was er mit seinem Englischstudium an- fangen wolle, war das ein tiefgreifender Wandel. Den Frühling 2007 verbrachte ich damit, eine Webseite zu entwerfen und zu hosten, Aufnahmegeräte zu kaufen, meine Radio-Stimme zu üben (oder ist das eine Podcaster-Stimme?) und mit dem Versuch, mir den neutralsten Namen auszudenken, den ich für einen 28 Nachrichten- und Politik-Podcast finden konnte. Und dann, am 1. Juni 2007, beglückte ich die Welt mit der ersten Folge meines brandneuen Podcasts »The Corbett Report«. An dieser Stelle sollte ich eigentlich schreiben, dass »der Rest Geschichte ist«. Nur ist, während ich diese Worte im Jahr 2024 schreibe, dieser »Rest« immer noch sehr präsent. Sieb- zehn erstaunliche Jahre, zig Millionen Downloads und einen (gelöschten) YouTube-Kanal mit 600.000 Abonnenten später hat sich in Bezug auf die Arbeit und die Art und Weise, wie ich sie mache, viel verändert. Der Corbett Report ist aber im Grunde immer noch das, was er schon immer war: Die Aufzeichnungen der Versuche eines Mannes, lange unterdrückte Wahrheiten aufzudecken und diese Wahrheiten im Rahmen eines neuen Medienparadigmas weiterzugeben. Der vielleicht beste Weg, den Tenor dieser siebzehn Jahre nachzuzeichnen, ist ein Zitat von Richard Stengel, dem leitenden Redakteur von TIME zwischen 2006 und 2013. In der inzwischen berüchtigten Ausgabe, in der er »Sie!« zur Person des Jahres 2006 erklärte, rechtfertigte Stengel diese Entscheidung, indem er die radikale Demokratisierung von Informationen anpries, die die Revolution der Online-Medien zweifellos mit sich bringen würde. »In meiner Branche gibt es viele Leute, die glauben, dass dieses Phänomen gefährlich ist, weil es die traditionelle Autorität von Medieninstitutionen wie dem TIME Magazine untergräbt. Einige haben es eine Amateurstunde genannt und das ist es oft. Aber Amerika wurde von Amateuren gegründet. Die Verfasser waren professionelle Anwälte, Militärs und Banker, aber sie waren Amateurpolitiker und sie fanden, dass es genauso sein sollte. Thomas Paine war in gewisser Weise der erste Blogger und Ben Franklin 29 lud seine Persönlichkeit im Wesentlichen auf das MySpace des 18. Jahrhunderts hoch: Poor Richard’s Almanack.18 Das neue Medienzeitalter des Web 2.0 ist nur dann be- drohlich, wenn man glaubt, dass ein Zuviel an Demokratie der Weg in die Anarchie ist. Ich glaube das nicht.« Und hier ist, was Stengel, der nach seinem Abschied von TIME in das Außenministerium unter Obama wechselte und schließlich das Buch »Informationskriege: Wie wir die Schlacht gegen Des- information verloren haben und was dagegen zu tun ist« verfasste, 2023 zu diesem Thema zu sagen hatte: »Statt dass einige wenige für die vielen produzieren, schaffen heute die Vielen Inhalte füreinander. Diese Idee war und ist eine radikale. Wenn ich mich in etwas geirrt habe, dann darin, dass ich die Schattenseiten dieser neuen Informationslogik nicht vorausgesehen habe: Den Aufstieg von Hassrede und Desinformation und wie ein demo- kratisiertes System gegen die Idee der Demokratie selbst eingesetzt werden kann. Ich bin dennoch überzeugt, dass die Vorteile die Kosten überwiegen und dass die Zukunft der Medien immer noch von, nun ja, ihnen abhdngt.«19 Und wissen sie was? Er hat nicht unrecht. Ich meine verstehen sie mich nicht falsch er liegt falsch, wenn es um den Teil mit »Hassrede und Desinformation, die Demokratie bedrohen« geht. Aber er hat nicht unrecht, wenn er schreibt, dass die Zukunft der Medien immer noch von ihnen abhängt. Dem Leser. In der Tat ist Stengel eine Fallstudie fiir das Phänomen von Gatekeepern im alten Medien-Establishment, die zu erkennen beginnen, dass sie den Menschen nicht mehr so leicht und effektiv wie bisher sagen können, was sie glauben und wie sie denken 30 sollen. Der verzweifelte Versuch, ein völlig neues Vokabular zu erfinden »Fehlinformation«, »Desinformation«, »Falschinfor- mation« um Zensur zu rechtfertigen, unterstreicht nur eines: Sie haben die Kontrolle über die Herzen und den Verstand der Öffentlichkeit verloren. Ja, die neue Medienrevolution hat bereits stattgefunden. Ob man das mag oder nicht: Die Zahnpasta ist aus der Tube und es gibt kein Zurück mehr. Eine Person mit einem Mikrofon und dem auf- richtigen Wunsch, Wissen zu verbreiten selbst ein bescheidener Englischlehrer in einer von Kakerlaken befallenen Wohnung im Westen Japans kann in dieser Welt einen Unterschied machen. Glauben sie es mir. Ich sollte es wissen. Wenn sie mich nun entschuldigen würden dann mache ich mich auf den Weg, um meine Eiche zu gießen. 1 Chaucer, Geoffrey: Troilus and Criseyde, bearbeitet von R. A. Shoaf, East Lansing, MI: Colleagues Press, 1989, Seite 95 2 Grossman, Lev: »You (Yes, You) are TIME's Person of the Year« TIME, 25. Dezember 2006 archive.is/UtBmh »September 11th Terrorist Attacks« C-SPAN, 25. Juni, 2006 bit.ly/3Rp)qct »Juillet 2001: Ben Laden rencontre la CIA a Dubai« Le Monde, 31. Oktober 2001 archive.is/Wz8a1 5 »Ben Laden aurait eu cet été un contact avec la CIA a Dubai« Le Monde, 1. November 2001 archive.is/Kerjq 6 »Memorandum for the Secretary of Defense. Subject: Justification for US Military Intervention in Cuba (TS)« National Security Archive, 13. März 1962 bit.ly/3RFf72S 31 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 Jones, Alex - Director: »9/11: The Road to Tyranny« (2002) Jones, Alex - Director: »Terrorstorm« (2006) Jones, Alex - Director: »Dark Secrets: Inside Bohemian Grove« (2000) »News Footage of Multiple Bombs In Oklahoma City Bombing« Internet Archive, hochgeladen von AllAmericanRevolution, 23. Januar 2024 bit.ly/3yeh9jf »Peter Power: 7/7 Terror Rehearsal« Internet Archive, hochgeladen von altCensored.com, 19. März 2023 bit.ly/4bdJIRV »Bohemian Club Cremation of Care Ritual. mp4« Internet Archive, hochgeladen von altCensored.com, 18. Januar, 2024 bit.ly/3WxG7Et Curtis, Adam - Director: »The Century of the Self« (BBC, 2002) Curtis, Adam - Director: »The Power of Nightmares« (BBC, 2004) Curtis, Adam - Director: »Pandora’s Box« (BBC, 1992) Still, William T. - Director: »The Money Masters: How International Bankers Gained Control of America« (1996) Griffin, G. Edward: »The Creature from Jekyll Island: A Second Look at the Federal Reserve« (Fourth Edition, Westlake Village, CA: American Media, 2002) Stengel, Richard: »Now It's Your Turn« TIME, 25. Dezember 2006 archive.is/t6ZvW Stengel, Richard: »TIME's Choice of You for Person of the Year in 2006 Was Mocked - But Now Seems Prescient« TIME, 28. Februar 2023 archive.is/0xZalL 32 Geschäfte mit dem 9/11-Terror Am 12. September 2001, noch bevor sich der Staub am Ground Zero gelegt hatte, eröffnete die US-Börsenaufsicht SEC eine Unter- suchung zu einem erschreckenden Verdacht: Dass eine unbekannte Gruppe von Aktienhändlern, die im Voraus über den 9/11-Plot Bescheid wussten, Millionen mit Wetten gegen die Unternehmen verdient hatte, die an den Attacken beteiligt waren. Antonio Mora von ABC News erklärte diesbezüglich am 20. September 2001: »Viele Wall-Street-Analysten glauben, dass die Terroristen Wetten darauf abschlossen, dass die Kurse einer Reihe von Aktien fallen würden. Sie taten dies, indem sie sogenannte Puts kauften. Sind diese Wetten erfolgreich, können die Belohnungen enorm sein. Auch die Risiken sind enorm es sei denn, man weiß, dass dem Unternehmen, gegen das man wettet, etwas Schlimmes passieren wird. Ein Beispiel: United Airlines. Am Donnerstag vor den Anschlägen wurden mehr als zweitausend Kontrakte gekauft, die darauf setzten, dass die Aktie fallen würde. Neunzigmal mehr an nur einem Tag als in den drei Wochen davor. Als die Märkte wieder eröffneten, fiel der Kurs der United- Aktie, der Preis der Kontrakte stieg und jemand könnte viel Geld in kürzester Zeit verdient haben.«1 Obwohl die Put-Optionen auf AMR Corp. und UAL Corp. - die Muttergesellschaften von American Airlines und United Airlines häufig im Zusammenhang mit dem Insiderhandel vor 33 dem 11. September genannt werden, stellen sie nur einen Bruch- teil der verdächtigen Geschäfte dar, die im Vorfeld des Angriffs stattfanden. Zwischen dem 20. August und dem 10. September gab es abnorm große Zuwächse bei Put-Optionen in Bezug auf Transaktionen, die Dutzende von Unternehmen betrafen, deren Aktien nach der Attacke abstürzten. Darunter Boeing, Merrill Lynch, J.P. Morgan, Citigroup, Bank of America, Morgan Stanley, Munich Re und die AXA-Gruppe. Die Händler wetteten jedoch nicht nur gegen Unternehmen, deren Aktien nach dem 11. September abstürzten. Am Tag vor dem 11. September 2001 gab es auch einen sechsfachen Anstieg der Call-Optionen auf Aktien des Rüstungsunternehmens Raytheon. Diese Calls ermöglichten es den Händlern, Raytheon-Aktien für 25 US-Dollar zu kaufen. Innerhalb einer Woche nach dem Angriff, als das US-Militär begann, die von Raytheon gelieferten Toma- hawk-Raketen einzusetzen, die auch bei der Invasion Afghanistans zum Zuge kommen sollten, war der Aktienkurs des Unternehmens um 37 Prozent auf über 34 US-Dollar gestiegen.? Die SEC war nicht die einzige Regulierungsbehörde, die sich für diese mone- täre Spur in Sachen 9/11 interessierte. Behörden rund um den Globus - von Belgien über Frankreich und Deutschland bis hin zur Schweiz und Japan - leiteten bereits vor den Anschlägen eigene Ermittlungen wegen möglicher Insidergeschäfte ein. Es dauerte nicht lange, bis diese globale Finanzjagd Hinweise auf die Spur der Terrorhändler lieferte. Am 17. September sagte der italienische Außenminister Antonio Martino in einer Rede bezüglich der Untersuchung des italienischen Börsenmarktregulierers zu möglichen 9/11-Geschäften: »Ich denke, dass hinter der Spekulation auf den internationalen Märkten terro- ristische Staaten und Organisationen stecken«.3 Am 24. September 34 war der belgische Finanzminister Didier Reynders zuversichtlich genug, öffentlich den »starken Verdacht« zu verkünden, »dass die britischen Märkte für Transaktionen genutzt worden sein könn- ten«.4 Der Präsident der Deutschen Bundesbank, Ernst Welteke, war am entschiedensten: »Was wir herausgefunden haben, überzeugt uns davon, dass Personen mit Verbindungen zu den Terroristen versucht haben müssen, aus dieser Tragödie Profit zu schlagen«.5 Diese ausländischen Führungspersönlichkeiten standen nicht allein mit ihrer Überzeugung, dass Insiderhandel stattgefunden haben muss. George Constantinides, Finanzprofessor an der University of Chicago, John Coffee, Juraprofessor an der Columbia University, James Cox, Juraprofessor an der Duke University, sowie andere Wissenschaftler und renommierte Optionshändler wie Jon Najarian äußerten ebenfalls ihre Überzeugung, dass einige Investoren auf Basis von Vorwissen über die Anschläge gehandelt hatten.® Das Ausmaß der Untersuchung durch die SEC war beispiellos. Sie überprüfte über 9,5 Millionen Wertpapiertransaktionen, darunter Aktien- und Optionsgeschäfte in 103 verschiedenen Unternehmen, die an sieben Märkten gehandelt wurden, sowie 32 börsengehandelte Fonds (ETFs) und mehrere Aktienindizes. Dabei griff die SEC auf die Unterstützung der Rechts- und Compli- ance-Abteilungen der 20 größten Handelsfirmen sowie der Regu- lierungsbehorden von zehn ausländischen Regierungen zurück. Die Untersuchung wurde zudem in Koordination mit dem FBI, dem Justizministerium und dem Finanzministerium durchgeführt. Das Ergebnis dieser Untersuchung? »Wir haben keine Beweise gefunden, die darauf hindeuten, dass Personen mit Vorwissen über die Anschläge vom 11. September auf Basis dieses Wissens gehandelt haben«.7 39 Obwohl dieses Fazit so klingt, als hätte die Untersuchung keine Hinweise auf Insiderhandel gefunden, zeigt ein genauerer Blick, dass es sich um ein Täuschungsmanöver handelt: Die Ermittler sagen nicht, dass es keinen Insiderhandel gegeben hat, sondern lediglich, dass es keine Beweise dafür gibt, dass »jene, die über Vorwissen zu den Anschlägen vom 11. September verfügten« an solchen Geschäften beteiligt waren. Dies wirft die Frage auf: Wer hatte im Voraus Kenntnis von den Angriffen und wie hat die SEC ihre Identität festgestellt? Der 9/11-Kommissionsbericht wirft die Frage noch unverhohlener auf, wenn er anomale Put-Transaktionen auf die UAL-Aktien am 6. September behandelt: 95 Prozent der Puts wurden von »einem einzigen in den USA ansässigen institutionellen Investor ohne denkbare Verbindungen zu al-Qaida« platziert. Auch hier wird es als Tatsache angesehen, dass das Fehlen von Verbindungen zu »al-Qaida« bedeutet, dass es keine Vorkenntnisse über den Anschlag gegeben haben kann, selbst wenn informierter Handel in Bezug auf das Ereignis nachweislich stattgefunden hat. In den Wochen vor dem 11. September hat mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Insiderhandel stattgefunden. Obwohl manch einer auf die Aussage im Kommissionsbericht zu den »nicht erkennbaren Verbindungen zu al-Qaida« abstellt, um zu beweisen, dass die Theorie von vorinformierten Investoren erfolgreich widerlegt ist, wurden in den folgenden Jahren nicht nur eine, sondern gleich drei wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht, die die statistische Wahrscheinlichkeit belegen, dass Insiderwissen der Grund für den anomalen Handel vor den Anschlägen war. In seiner Facharbeit »Unusual Option Market Activity and the Terrorist Attacks of September 11, 2001« kam Allen Poteshman, Professor an der University of Chicago, zu dem Schluss: »Eine Untersuchung des Optionshandels vor dem 11. September zeigt, 36 dass ein ungewöhnlich hoher Anteil an Put-Optionen gekauft wurde. Diese Feststellung stimmt mit der Annahme überein, dass informierte Investoren vor den Anschlägen mit Optionen gehandelt haben«.8 In »Detecting Abnormal Trading Activities in Option Markets« haben Forscher der Universität Zürich mit ökonometrischen Methoden ungewöhnliche Aktivitäten hinsichtlich Put-Optionen auf Aktien wichtiger Fluggesellschaften, Banken und Rückver- sicherer in den Wochen vor 9/11 bestätigt.? In der Studie mit dem Titel »Gab es ungewöhnliche Handelsaktivitäten bei den S&P 500 Index-Optionen vor den Anschlägen vom 11. September?« kam ein Forscherteam zu dem Schluss, dass ungewöhnliche Aktivitäten auf dem S&P 500 Index-Optionsmarkt zur Zeit des Angriffs »mit der Annahme übereinstimmen, dass Insider die Anschläge vom 11. September vorausahnten«.19 Das lässt uns mit zwei Schlüssel- fragen zurück: Wer profitierte von diesen Geschäften und warum wurde nie jemand für die Beteiligung daran angeklagt? Beim Versuch, diese Fragen zu beantworten, entdeckte der 9/11-Forscher und Autor Kevin Ryan einen wichtigen Hinweis in einem FBI-Dokument aus dem Jahr 2003, das 2009 freigegeben wurde. In »Evidence for Informed Trading on the Attacks of September 11« untersucht er das Dokument, das die Ergebnisse der Analysen des FBI zu zwei der Geschäfte vor dem 11. September beschreibt, die als verdächtig identifiziert wurden.!! Eines dieser Geschäfte war der Kauf von 56.000 Stratesec-Aktien in den Tagen vor dem 11. September. Stratesec, das Sicherheitssysteme für Flug- häfen (einschließlich des Dulles Airport) sowie für das World Trade Center und United Airlines lieferte, verzeichnete bei der 3/7 Wiedereröffnung der Märkte am 17. September 2001 fast eine Verdoppelung des Aktienkurses.12 Die Stratesec-Transaktion ließ sich zu einem Ehepaar zurück- verfolgen, dessen Name im Memo geschwärzt, aber anhand der ungeschwärzten Informationen leicht identifizierbar ist: Herr und Frau Wirt D. Walker III. Wirt ist ein entfernter Verwandter der Bush-Familie und ein Geschäftspartner von Marvin Bush, dem Bruder von George W. Bush.13 Laut dem FBI-Dokument wurden Wirt und seine Frau Sally nicht einmal befragt, da die FBI-Er- mittlungen gegen sie »keine Verbindungen zum Terrorismus oder andere negative Informationen« ergeben hätten. Diese Darstellung wirft nicht nur erneut die Frage nach der Identität der Täter auf, sondern ist nachweislich falsch. Ryan merkt dazu an: »Wirt Walker stand in Verbindung mit Personen, die ihrerseits Verbindungen zu al-Qaida hatten. Zum Beispiel war der Stratesec-Direktor James Abrahamson Geschäfts- partner von Mansoor Ijaz, der mehrfach behauptete, er könne Osama bin Laden kontaktieren. Außerdem stellte Walker mehrere Stratesec-Mitarbeiter ein, die zuvor bei einer Tochtergesellschaft der Carlyle Group namens BDM International gearbeitet hatten einem Unternehmen, das geheime (schwarze) Projekte für Regierungsbehörden durchführte. Die Carlyle Group wurde teilweise von Mitgliedern der Bin-Laden-Familie finanziert«.14 Noch wichtiger und nicht zufällig ist, dass Walker mehrere Verbindungen zur Central Intelligence Agency (CIA) hat. »Herr Walker leitete eine Reihe verdächtiger Unter- nehmen, die in Konkurs gingen. Darunter auch Stratesec. 38 Einige davon wurden von einem Unternehmen finanziert, das von einem Cousin ersten Grades des ehemaligen CIA- Direktors (und Präsidenten) George H. W. Bush geführt wurde. Darüber hinaus war Walker das Kind eines CIA- Mitarbeiters und hatte seinen ersten Job bei einer Invest- mentfirma, die vom ehemaligen US-Geheimdienstexperten James -Russ- Forgan geleitet wurde, wo er mit einem weiteren ehe-maligen CIA-Direktor, William Casey, > zusammenarbeitete.« Waren diese Verbindungen der Grund dafür, dass das FBI es vorzog, Walker nicht zu seiner äußerst lukrativen Investition in 56.000 Stratesec-Aktien kurz vor dem 11. September zu befragen? Die CIA spielt auch in Bezug auf eine andere Untersuchung eine zentrale Rolle, wie Erin Arvedlund in ihrer Analyse des 9/11- Handels für »Barron’s« im Oktober 2001 feststellte: »Eine große Put-Order auf UAL (United Airlines) wurde in den Tagen vor dem 11. September von einem Kunden der Deutschen Bank an den geschäftigen Handelsplatz der CBOE (Chicago Board Options Exchange) übermittelt. Dieser zen- trale Handelsposten für UAL erwartete, die gesamte Order über 2.500 Kontrakte abwickeln zu können. Stattdessen teilte der Kunde die Order in Blöcke zu je 500 Kontrakten auf und leitete jede dieser Teilbestellungen gleichzeitig an verschiedene Börsen im ganzen Land weiter, wie Personen bestätigten, die mit dem Geschäft vertraut sind.«16 Arvedlund berichtet, dass die ungewöhnliche Order von »Deut- sche Bank Alex. Brown« vermittelt wurde, einer Firma, die bis 1998 von A. B. »Buzzy« Krongard geleitet wurde, einem früheren Berater des CIA-Direktors James Woolsey. Zum Zeitpunkt der 39 Anschläge vom 11. September war Krongard selbst Exekutiv- Direktor der CIA und damit die dritthöchste Führungsperson der Behörde. Laut dem Forscher Michael Ruppert bestand Krongards Aufgabe bei der Investmentfirma darin, die »Beziehungen zu Privatkunden zu betreuen. In dieser Funktion hatte er direkten, persönlichen Kontakt zu einigen der wohlhabendsten Menschen der Welt im Rahmen einer spezialisierten Bankdienstleistung, die vom US-Senat und anderen Ermittlern als eng mit Geldwäsche aus dem Drogenhandel!7? verbunden identifiziert wurde«. Das vielleicht offenste Geständnis von Insiderhandel ist aus drei Gründen bemerkenswert: Es wurde auf Video aufgenommen, es wurde nie von einer Behörde oder einem Strafverfolgungsbeamten untersucht und es wurde vom ehemaligen CIA-Agenten und ge- fragten Kommentator für Außenpolitik Robert Baer geäußert der realen Inspiration für den Charakter, den George Clooney in »Syriana« darstellte. 18 Als er 2008 nach einer Rede in Los Angeles mit Bürgerjournalisten sprach, wurde Baer dabei gefilmt, wie er eine erschreckende Aussage zum Thema Insiderhandel am 11. September machte: »Ich kenne den Typen, der zu seinem Broker in San Diego ging und sagte, man solle ihn auszahlen, weil es morgen bergab geht«. Auf eine Nachfrage bezüglich seiner Behauptung fügte Baer hinzu: »Sein Bruder arbeitete im Weißen Haus«.19 Diese wirklich bemerkens- werte Aussage verdient eine genauere Untersuchung. Wenn man Baer glauben kann, hat ein ehemaliger CIA-Agent aus erster Hand erfahren, dass ein Insider im Weißen Haus von den Anschlägen wusste. Bis heute hat Baer nicht nur die Identität dieser Person geheim gehalten, es hat auch nie jemand von den »respektablen« Leitmedien oder von irgendeiner staatlichen Ermittlungsbehörde bei ihm nachgefragt. 40 Wie also ist es möglich, dass die SEC solch verlockende Hinweise in ihrer Untersuchung übersehen, ignoriert oder einfach ad acta gelegt hat? Die einzig mögliche Antwort darauf ist natür- lich, dass die Untersuchung absichtlich jegliche Information negierte, die darauf hindeutete, dass Nicht-al-Qaida-Akteure von den Anschlägen Kenntnis hatten. Leider werden wir ver- mutlich nie Belege für die Komplizenschaft von Regierungs-, Unternehmens- oder Investorenseite von einer Regulierungs- behörde oder ermittelnden Stelle sehen. Als ein Forscher Zugang zu den dokumentarischen Beweisen, die die 9/11-Kommission verwendet hatte, um zu dem Schluss zu kommen, dass es keinen Insiderhandel gegeben habe, beantragte, erhielt er eine Antwort, in der es hieß, »die möglicherweise relevanten Unterlagen wurden vernichtet«.20 Selbst die Ermittler der Chicago Board of Exchange (CBOE) wurden in ihrem Versuch, eine unabhängige Untersuchung der 9/11-Terrortransaktionen durchzuführen, gestoppt. »Doku- mente wurden vernichtet«, sagte ein frustrierter CBOE-Ermittler 2006 gegenüber dem Economic Policy Journal.21 Stattdessen bleiben uns Quellen, die sich weigern, identifiziert zu werden. Die sagen, dass CBOE-Aufzeichnungen über den Optionshandel vor dem 11. September zerstört wurden und Berichte aus zweiter Hand, von Brokern, die vor dem 11. September von einem Ereignis gehört hatten, das »stattfinden würde«, Auf indirekte Weise gibt die 9/11-Kommission vielleicht mehr preis, als sie möchte, wenn sie versucht, wichtige Insidergeschäfte mit der treffenden Bemerkung abzutun, dass die Händler »keine erkennbaren Verbindungen zu al-Qaida« hatten. Denn waren diejenigen mit Vorwissen über die Anschläge nicht mit al-Qaida verbunden was sagt das dann über die Identität der tatsäch- lichen 9/11-Täter? 41 10 11 12 13 14 15 16 »9/11 Wall Street Blames Put Option Inside Trading On Terrorists« YouTube, hochgeladen von 911InvestigationVids, 19. August 2012 youtu.be/ QUHZcUwHrj8 »Bank of America among 38 stocks in SEC's attack probe« Bloomberg News, 3. Oktober 2001 archive.fo/h2uDw »Bin Laden share gains probe« BBC News, 18. September 2001 archive.fo/ G2NWN Bogdanowicz, Tom and Brooks Jackson: »Probes into suspicious trading« CNN, 24, September 2001 archive.fo/eSzZUI Drozdiak, William: »Bankers seek source of pre-attack trading« Houston Chronicle, 23. September 2001 archive.is/OmVzU Poteshman, Alan: »Unusual Option Market Activity and the Terrorist Attacks of September 11, 2001« Journal of Business, Vol. 79, No. 4, 2006, Seite 1704 Jones, Nate: »Document Friday: Terrorist-Insider-Trading. The SEC's Pre-Sep- tember 11, 2001 Trading Review« Unredacted: The National Security Archive Blog, April 2010 archive.is/SxrFV Siehe Endnote 6 Chesney, Marc, et al: »Detecting Abnormal Trading Activities in Option Markets: Supplemental Appendix« Forschungspapier Nr. 11-38 des Swiss Finance Institute, 22. Januar 2015 archive.is/MfH8F Wong, Wing-Keung, et al: »Was there Abnormal Trading in the S&P 500 Index Options Prior to the September 11 Attacks?« Multinational Finance Journal, Vol. 15, No. 3/4, 2011 Ryan, Kevin: »Evidence for Informed Trading on the Attacks of September 11« Foreign Policy Journal, 18. November 2010 archive.fo/QpWZh »Memorandum for the Record (MFR) of the Interview of FBI Briefing on Trading of the Federal Bureau of Investigation Conducted by Team National Archives Catalog, 15. August 2003, Seite 5 archive.is/TV09j Burns, Margie: »Bush-Linked Company Handled Security for the WTC, Dulles and United« Common Dreams, 4. Februar 2003 archive.fo/2IAfk Siehe Endnote 11 Siehe Endnote 11 Arvedlund, Erin E.: »Follow the Money« Barron's, 8. Oktober 2001 archive.is/ kUkry 42 17 18 19 20 21 Ruppert, Michael C.: »Suppressed Details of Criminal Insider Trading Lead Directly into the CIA's Highest Ranks: CIA Executive Director »Buzzy< Krongard Managed Firm That Handled »Put« Options on UAL« From The Wilderness Publications, 9. Oktober 2001 archive.fo/BqFIV Siegel, Robert: »Ex-CIA Agent Robert Baer, Inspiration fiir Syriana« NPR, 6. De- zember 2005 archive.fo/cYtKT »WeAreChangelA >debriefs< CIA Case Officer Robert Baer about apparent Mossad and White House 9/11 foreknowledge« 9/11 Blogger, 20. Oktober 2008 archive.is/ BnxBT »Re: Freedom of Information Act (FOIA), 5 U.S.C. § 552 Request No. 09-07659- FOIA« United States Securities and Exchange Commission, Office of Freedom of Information & Privacy Act Operations, 23. Dezember 2009 corbettreport.com/ images/callahanfoia.gif »Options Investigation and 9-11« Economic Policy Journal, 21. Juli 2006 archive.fo/YKTwY 43 Politik des Auf und Ab Das Gleichnis der Ameisen Es war einmal eine Kolonie von Ameisen, die auf einem Stück Schnur lebten. Die Schnur war so dünn, dass die Ameisen nur in zwei Richtungen gehen konnten: Vorwärts und rückwärts. Da auf ihrem schmalen Weg nicht viel zu tun war, verbrachten die Ameisen die meiste Zeit damit, darüber zu streiten, in welche Richtung sie auf ihren täglichen Wegen gehen sollten. Wenn diese Streitigkeiten ausbrachen, ergriffen die Ameisen Partei. Eine Gruppe von Ameisen, die sich »Die Vorwärtsgeher« nannte, behauptete, dass es Fortschritt bedeute, vorwärts zu gehen. Und da Fortschritt nach der Einschätzung dieser Gruppe der Schlüssel zum Glück sei, glaubten sie, dass Ameisen grundsätzlich vor- warts gehen sollten. Eine andere Gruppe, die sich » nannte, war anderer Meinung. Sie tadelten ihre auf vorne geeichten Freunde dafür, Fortschritt mit Glück zu verwechseln. Wahres Gluck, so predigten die Ruckwartsgeher, liege darin, zu wissen, woher man kommt nicht in Träumereien von Orten, an denen man niemals gewesen war. Eine Weile lang lebten und arbeiteten Vorwarts- und Ruckwarts- geher trotz ihrer Unterschiede recht glücklich zusammen. Eines Tages jedoch stieß ein schnell laufender Rickwartsgeher unbe- absichtigt mit einem unaufmerksamen Vorwartsgeher zusammen und warf ihn dabei von der Schnur. Es folgten gegenseitige Vor- wirfe. Wiitende Vorwértsgeher und gehéssige Rickwartsgeher begannen, sich zu trennen und konkurrierende Lager zu bilden. 44 Ameisen, die nie eine ausgeprägte Meinung zu diesem Thema gehabt hatten die, die an manchen Tagen vorwärts und an anderen rückwärts gingen wurden gezwungen, Partei zu er- greifen. In der Folge wurden Kinder von ihren Eltern getrennt, Ehepartner geschieden, Geschwister entzweit und Freund- schaften aufgelöst. Zunächst gab es nichts weiter als eine imaginäre Trennlinie zwischen den beiden Lagern. Bald jedoch errichteten die Ameisen, so fleißig und streitsüchtig, wie nur Ameisen sein können, einen Stacheldrahtzaun, um sich abzugrenzen, Dann, als sich die Front- linien verhärteten, ersetzten sie den Zaun durch eine Mauer aus Ziegelsteinen. Es dauerte nicht lange, bis Wachen auf beiden Seiten der Mauer stationiert wurden, um sicherzustellen, dass niemand sie durchbrach. Die gegnerischen Ameisen hörten auf, miteinander zu sprechen, außer um die anderen hin und wieder zu verspotten oder einen verletzenden Spruch über die Grenze zu werfen. Im Verlauf einer Generation erinnerte sich niemand mehr daran, was die Mauer überhaupt bedeutete oder worum es bei dem Streit eigentlich ging. Die Philosophien waren verworren. So verworren, dass ein paar Vorwärtsgeher begannen, rückwärts zu laufen und einige Rückwärtsgeher damit anfingen, vor- wärts zu marschieren. Trotz der Verwirrung blieben die Ameisen entschlossen, ihre Traditionen von Generation zu Generation weiterzugeben. Vorwärtsgeher erzählten ihren Kindern gruselige Geschichten über grauenhafte Rückwärtsgeher, die die Kinder der Gegner zum Frühstück aßen. Und den Kindern der Rückwärts- geher wurde gelehrt, dass die vorwärtsgewandten Artgenossen gefräßige Bestien seien, die nur ihre eigene Art verschonten. Das Schüren von Ängsten verstärkte sich, bis schließlich kleinere Auseinandersetzungen entlang der Trennmauer ausbrachen. 45 Die Scharmützel wurden zu Schlachten. Die Schlachten zu Kriegen. Die eine Seite schlug die andere zurück. Die Verlierer formierten sich neu und starteten einen Gegenangriff, wodurch die anderen zum Rückzug gezwungen wurden. So ging es hin und her. Ohne einen klaren Sieger. Der ständige Konflikt begann, seinen Tribut von den Ameisen zu fordern. Schließlich, völlig erschöpft, riefen beide Kriegsparteien zu einem Waffenstillstand auf. Beide Seiten stimmten zu, fortan getrennte Wege zu gehen und sich nie wieder zu vereinen. Eines frühen Morgens brachen sie ihre Lager ab und begannen ihre große Reise in entgegengesetzte Richtungen. Die Vorwärtsgeher waren sehr misstrauisch gegenüber ihren rückwärts gerichteten Feinden, spitzten die Ohren und schauten immer wieder über ihre Schultern während sie losmarschierten um sicher zu sein, dass die andere Gruppe sie auch wirklich für immer verließ. Die Rückwärtsgeher, die nur zu gut wussten, dass man den Vorwärtsgehern nicht trauen konnte, schauten ebenfalls zurück um sicherzugehen, dass ihre Rivalen wirklich in der Ferne verschwanden. Jede Seite war zufrieden, dass die andere sich tatsächlich immer weiter entfernte. So waren die Ameisen beider Gruppen nun erleichtert, ihre Erzfeinde endlich loszu- werden. Sie alle dachten, sie würden auf der Schnur unberührtes Gebiet finden, in dem sie sich friedlich niederlassen konnten. Doch in der Ferne sahen die jeweils an der Spitze des Zuges laufenden Ameisen etwas auf sich zukommen. Und als sich die beiden An- führer dem unbekannten etwas näherten, erkannten sie nicht eine einzelne Gestalt vor sich, sondern viele. Eine lange Reihe von Gestalten, die sich im Gänsemarsch fortbewegten. Sie sahen winzig aus. Und schwarz. Endlich waren die Objekte nah genug, um Formen erkennen zu können. Ameisen! Nicht irgendwelche Ameisen, sondern genau 46 die gleichen Ameisen, die sie sich geschworen hatten, niemals wiederzusehen. Plötzlich und zu ihrem großen Entsetzen erkannten die Ameisen beider Lager, dass das Unvorstellbare geschehen war. Vorwärtsgeher und Rückwärtsgeher, die aus gutem Grund in entgegengesetzte Richtungen aufgebrochen und ohne Kursänderung weitergezogen waren, näherten sich einander wieder. Was sie für eine permanente Trennung vom anderen Lager gehalten hatten, war in Wirklichkeit das Gegenteil. Nach einer Odyssee rund um den halben Faden kamen die alten Feinde nun wieder aufeinander zu. Politik und die zweite Dimension Für uns Menschen ist es einfach zu verstehen, was mit den Ameisen passiert ist. Ohne zu wissen, dass die Schnur, auf der sie lebten, einen Kreis markierte, waren sie genau in diesem unterwegs. Aus ihrer eindimensionalen Perspektive reisten sie einer »geraden« Linie folgend in »verschiedene« Richtungen. Aus unserer drei- dimensionalen Perspektive können wir jedoch sehen, dass ihre gerade Linie überhaupt nicht gerade war, sondern rund. Und obwohl sie sich in einer Dimension auseinander bewegten, trafen sie so in der zweiten wieder aufeinander. Ihre unterschiedlichen Wege brachten sie zum gleichen Punkt. Ähnlich wie bei zwei Schiffen, die vom gleichen Ort aus in Richtung Osten und Westen aufbrechen und sich auf der anderen Seite des Globus wieder treffen. Die Erkenntnis aus der Parabel ist also: Was aus einer eindimensionalen Perspektive verwirrend erscheint, ergibt aus einer multidimensionalen Perspektive durchaus Sinn. Was also hat eine Allegorie über Ameisen mit uns Menschen zu tun? Gibt es Probleme in unserer Gesellschaft, die aus einer begrenzten, 47 ameisenähnlichen Perspektive verwirrend erscheinen, aus einer übergeordneten Perspektive aber Sinn ergeben? Nun, lassen sie uns diesbezüglich einmal über Politik nachdenken. Uns wird gesagt, dass Politik auf einer Linie existiert, die als »das politische Spektrum« bekannt ist als gäbe es keinerlei andere Möglichkeit, unser politisches System zu begreifen. Dieses Spektrum besteht aus einer linken und einer rechten Seite sowie verschiedenen Punkten dazwischen, einschließlich einer Mitte. Es wird als Grundlage der westlichen Demokratien betrachtet. Von Amerika bis Australien, von Kanada bis Frankreich, vom Vereinigten Königreich bis Deutschland, von Neuseeland bis zu den Niederlanden - überall haben politische Parteien Anspruch auf ein Segment dieser geraden Linie erhoben. Wie könnten sie auch anders? Denn diese Linie, so wird uns versichert, stellt das gesamte politische Universum dar. Entlang dieser Linie gibt es linke Parteien und rechte Parteien, linke Politiker und rechte Politiker, linke Kommentatoren und rechte Kommentatoren, linke Wähler und rechte Wähler. Gelegentlich gibt es sogar zentristische Parteien, Politiker, Kommentatoren und Wähler. Aber jedes politische Thema, das nicht irgendwo auf diese Linie passt, ist buchstäblich undenkbar. Infolgedessen wird uns alle paar Jahre, wenn Wahlen ins Haus stehen, die gleiche Auswahl präsentiert: Sollen wir jemanden von der linken oder der rechten Seite wählen? Oder jemanden aus der Mitte? Oft wird unsere Wahl durch Wut auf die Person motiviert, die zuletzt an der Macht war. Man stelle sich vor, man sei einfacher Arbeiter, der kaum über die Runden kommt, während die Regierung Milliarden an die Groß- verdiener der Wall Street verteilt. Oder man war in seinem Beruf erfolgreich und hat gut verdient, nur um dann festzustellen, dass die Steuerbehörde jetzt noch mehr von den Einkünften fordert. 48 Oder man macht sich Sorgen um Bürgerrechte, Datenschutz und die Verfassung um all das, was von Politikern geschreddert wird, die das Land in einen Polizeistaat verwandeln. Dann kommt der Tag der Wahlen. Man fühlt sich ermächtigt, geht zum Wahl- lokal und betätigt den Hebel, um die Schurken hinauszuwerfen. Die Mitbürger, die vom Status quo ebenfalls die Schnauze voll haben, tun dasselbe. Schon schwingt das politische Pendel von links nach rechts oder von rechts nach links. Dann, bei der nächsten Wahl, wenn die Öffentlichkeit wieder wütend auf die Regierung ist, die sie selbst zuvor an die Macht gebracht hat, wiederholt sich der Prozess und das Pendel schwingt wieder in die andere Richtung. Irgendwie scheint sich aber nie etwas zu ändern. Große Unternehmen werden immer größer. Und kleine Betriebe verschwinden trotzdem. Die Reichen werden reicher. Die Armen nehmen Hypotheken mit variablem Zinssatz auf, die ihnen von skrupellosen Bankern aufgeschwatzt wurden, und landen auf der Straße, wenn die Blase platzt. Offenbar sind wir auf ein Paradox gestoßen. Uns wird gesagt, dass diese gerade Linie, dieses Links-Rechts-Spektrum, die Gesamtheit des politischen Universums darstellt doch egal, ob wir links, rechts oder die Mitte dieses Spektrums wählen, wir werden immer wieder mit den praktisch gleichen Problemen konfrontiert. Es ist verblüffend. Und damit kommen wir zurück zu unseren ebenso verblüfften Ameisen. Auch sie lebten in einem eindimensionalen Universum. Auch sie glaubten, sich nur in zwei Richtungen bewegen zu können. Auch sie gingen getrennte Wege und landeten doch am selben Ort. Sie lagen falsch, weil sie die Krümmung der Schnur nicht erkennen konnten. Da sie sich ihrer Bewegung in der zweiten Dimension nicht bewusst waren, verstanden sie nicht, dass sie die ganze Zeit im Kreis gelaufen waren. 49 Haben wir wie die Ameisen unwissentlich auf einer kreis- runden Schnur gelebt? Betrachten wir ein mehrdimensio- nales Problem mit einem eindimensionalen Blick? Könnte es sein, dass unser politisches Universum mehr umfasst als diese scheinbar gerade Linie? Wenn wir uns tatsächlich auf einer kreisrunden Schnur befinden, wenn wir uns alle in dieselbe politische Richtung bewegen, könnte es uns ja tatsächlich schwer fallen, unsere Position zu bestimmen. Genau wie bei den Ameisen ist unser Blickwinkel möglicherweise nicht weit genug, um die Krümmung der Schnur wahrzunehmen - und wir laufen womöglich im Kreis, ohne es zu merken. Gibt es also eine zweite politische Dimension? Und falls ja wie sieht sie aus? Finden wir es heraus. Nennen wir dazu die politische Richtung, in die sich die westlichen »Demokratien« bewegen, die »Aufwärtsdimension« der Politik. Jetzt verbinden wir diese Dimension des politischen Rasters mit all jenen gesellschaftlichen Entwicklungen, die sich unbeirrt in nur eine Richtung bewegen trotz des ständigen Pendelns von rechts nach links, von links nach rechts und so weiter und so fort. Aber von welchen Entwicklungen sprechen wir diesbezüglich überhaupt? Die Größe und Macht der Regierung wächst immer weiter sie schrumpft nie. Der Anteil am wirtschaftlichen Kuchen, den multinationale Großkonzerne verschlingen, wird ständig größer nie kleiner. Aufeinanderfolgende Regierungen reißen den Menschen immer mehr Macht aus der Hand und geben niemals die Macht zurück, die frühere Regierungen an sich gerissen haben. Nicht gewählte, undemokratische, supranationale Organi- sationen wie die Vereinten Nationen, die Welthandelsorga- nisation, die Weltbank, der Internationale Währungsfonds 50 und die Weltgesundheitsorganisation gewinnen stets mehr Einfluss über die Mitgliedstaaten und geben niemals etwas davon zurück. Kriege verlagern sich lediglich von einem Schlachtfeld zum nächsten sie enden nie und bringen niemals dauerhaften Frieden. Es ließen sich zweifellos viele weitere Aspekte in unserem aktuellen politischen System identifizieren, die dieser Auf- wärtsbewegung zuzurechnen sind. Aber diese Liste sollte vorerst genügen. Wenn es auch eine »Abwärtsdimension« im politischen Raster gibt, sollte es einfach sein, zu bestimmen, wofür sich Vertreter dieses Flügels engagieren würden. Man muss lediglich die Entwicklungen des »Aufwärtsflügels« umkehren, um das zu erkennen: Größe und Macht der Regierung werden reduziert. Kleine und lokal geführte Unternehmen werden unterstützt. Gesetze und Vorschriften, die individuelle Rechte und Frei- heiten einschränken, werden aufgehoben. Internationale Verträge mit Organisationen, die nationale Autonomie untergraben, werden gekündigt. Kriegshandlungen werden beendet. Erstaunlicherweise sieht das Programm dieses »Abwärtsflü- gels« genau wie die Agenda aus, von der die meisten Menschen glauben, dass sie sie wählen, wenn sie in der Wahlkabine ihre Stimme abgeben. Niemand möchte die Kontrolle über sein Leben an Big Brother abgeben (oder sagt, dass er das möchte). Niemand möchte, ol dass sein Land sich an der Massenschlachtung unschuldiger Menschen beteiligt (oder sagt, dass er das möchte). Niemand möchte, dass der Tante-Emma-Laden um die Ecke pleite geht (warum auch?). Und doch sind genau das die Ergebnisse von Politik ganz egal, welche Partei an der Macht ist. Wenn wir wirklich in einer politischen Endlosschleife leben, scheint es, als befänden sich sowohl die Linke als auch die Rechte in einer endlosen Spirale der »Aufwärtsdimension«, die sich immer weiter von der »Abwärtsdimension« entfernt, die wir durch Wahlen zu erreichen glauben. An diesem Punkt stehen wir vor einer Reihe von Fragen: Wenn sich die Mehrheit der Menschen eine Politik wünscht, die Macht dezentralisiert und Menschen individuelle Kontrolle zurückgibt, warum bekommen wir dann immer wieder Regierungen, die Macht weiter konzentrieren? Warum haben wir diese Realität nie wirklich erkannt? Gibt es eine koordinierte Bewegung, die auf diese zentralisierte Macht hinarbeitet? Wenn ja, wer steckt dahinter und wie funktioniert das? Die Zentralisten/Globalisten Gibt es also tatsächlich eine koordinierte Bewegung, die auf zentralisierte Macht hinarbeitet? Wie wir noch sehen werden, gibt es diese in der Tat. Aber wie funktioniert diese Bewegung? Und wer steckt dahinter? Es wäre schwer, eine bessere Beschreibung dafür zu finden, wie diese Bewegung das politische Spektrum von links nach rechts kontrolliert, als die, die in »Tragödie und Hoffnung: Eine Geschichte der Welt in unserer Zeit« zu finden ist dem über 1.300 Seiten umfassenden Meisterwerk des gefeierten Historikers Carroll Quigley: 92 »Das Argument, dass die beiden Parteien gegensätzliche Ideale und Politik vertreten sollten, die eine vielleicht rechts und die andere links, ist eine törichte Idee, die nur von doktrinären und akademischen Denkern akzeptiert wird. Stattdessen sollten die beiden Parteien nahezu identisch sein, damit das amerikanische Volk bei jeder Wahl die Schurken hinauswerfen kann, ohne, dass es dadurch zu tiefgreifenden oder umfangreichen politischen Veränderungen kommt. «1 Und wir könnten wohl ebenso schwerlich eine bessere Be- schreibung dafür finden, wer diese politische Links-Rechts-Farce kontrolliert als in eben jenem Buch. »Es existiert ein internationales anglophiles Netzwerk, das seit einer Generation besteht und in gewisser Weise so funktioniert, wie die radikale Rechte glaubt, dass Kommunisten handeln. Tatsächlich hat dieses Netzwerk, das wir als die Round Table Groups bezeichnen können, keine Abneigung, mit Kommunisten oder jeder anderen politischen Gruppe zu kooperieren und tut das regelmäßig. Ich kenne die Operationen dieses Netzwerks, weil ich es zwanzig Jahre lang studiert habe und uns in den frühen 1960er Jahren für zwei Jahre erlaubt wurde, seine Papiere und geheimen Aufzeichnungen zu untersuchen. Ich habe keine Abneigung dagegen, oder gegen die meisten seiner Ziele, und war ihm und seinen Instrumenten ein Großteil meines Lebens eng verbunden. Ich habe mich sowohl in der Vergangenheit als auch kürzlich gegen einige seiner politischen Ansichten (insbe- sondere gegen seinen Glauben, dass England eine atlantische statt eine europäische Macht sei und sich mit 93 den Vereinigten Staaten verbünden oder sogar föderieren und von Europa isoliert bleiben müsse) ausgesprochen. Aber im Allgemeinen besteht der Hauptunterschied darin, dass das Netzwerk unbekannt bleiben möchte und ich glaube, dass seine Rolle in der Geschichte bedeutend genug ist, um bekannt zu werden. «2 Mit anderen Worten: Es gibt ein geheimes Netzwerk einflussreicher Persönlichkeiten (die »Round Table Groups, auf die Quigley ver- weist), das sowohl mit der linken als auch mit der rechten Seite des traditionellen politischen Spektrums zusammenarbeitet, um seine eigene Agenda zu verfolgen. Auf diese Weise manipuliert das Netzwerk das politische System so, dass Wahler niemals grund- legende Veränderungen bewirken können. Und wie Quigley sichtlich bedauert - möchte es trotz seiner bedeutenden Rolle in der Gestaltung des Weltgeschehens unbekannt bleiben. Klingt das nicht exakt nach dieser koordinierten, »aufwärtsgerich- teten« Bewegung, über die wir zuvor spekuliert haben? An dieser Stelle sollte bemerkt werden, dass Quigley kein »Verschwörungs- theoretiker« war, sondern ein respektierter, an Elite-Universitäten ausgebildeter Historiker, der an der Georgetown University School of Foreign Service als führender Wissenschaftler zur Entwicklung von Zivilisationen forschte. Bill Clinton erwähnte Quigley in seiner Rede zur Annahme der demokratischen Präsidentschafts- nominierung 1992: »Als Teenager hörte ich John Kennedys Aufruf zur verantwortungsvollen Staatsbürgerschaft, als Student an der Georgetown University hörte ich, wie dieser Aufruf von einem Professor namens Carroll Quigley erläutert wurde (...)«3 94 Lassen sie uns einen Moment darüber nachdenken, was das bedeutet: Ein Präsident wurde von einem Professor inspiriert, der ein Buch verfasste, das beschreibt, wie das politische System von einer Geheimgesellschaft manipuliert wird von einem Netzwerk einflussreicher Männer, die »in der Weise agieren, wie die radikale Rechte glaubt, dass die Kommunisten handeln. « Sollte uns die Verbindung zwischen Quigley und Clinton beun- ruhigen? Oder ist das nur ein harmloser Zufall ohne Bedeutung? Um das herauszufinden, müssen wir das Netzwerk untersuchen, das Quigley als die »Round Table Groups« bezeichnete. Dieses Netz von »semi-geheimen Diskussions- und Lobbygruppen«, wie er es beschrieb, wurde mit Geldern gegründet, die der Bergbau- Magnat Cecil Rhodes in seinem Rhodes Trust hinterließ. Von ihrem Hauptsitz in England aus bildeten die Gruppen eine Reihe von miteinander verbundenen Organisationen rund um den Globus, darunter das Royal Institute of International Affairs im Vereinigten Königreich und der Council on Foreign Relations in den Vereinigten Staaten. Geleitet von solch prominenten Persön- lichkeiten des frühen 20. Jahrhunderts wie Lord Milner und Lionel Curtis, bemerkt Quigley, dass diese Round-Table-Organisationen »entlang der bereits bestehenden finanziellen Zusammenarbeit entstanden sind, die von der Morgan Bank in New York bis zu einer von den Brüdern Lazard geführten Gruppe von Finanziers in London reichte«.4 Und was waren die tatsächlichen Ziele dieses Netzwerks? Auch das erklärt Quigley erfreulicherweise: »Die Mächte des Finanzkapitalismus verfolgten ein weiteres, weitreichendes Ziel nichts Geringeres als die Schaffung eines weltweiten Systems finanzieller Kontrolle in privaten Händen, das in der Lage sein sollte, sowohl das politische System jedes einzelnen Landes, als 99 auch die Weltwirtschaft insgesamt zu beherrschen. Dieses System sollte nach feudalistischer Manier von den Zentral- banken der Welt kontrolliert werden, die durch enge Zusammenarbeit und geheime Absprachen agierten welche bei regelmäßigen privaten Treffen und Konferenzen getroffen werden. Die Spitze dieses Systems sollte die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel (Schweiz) bilden eine Privatbank, die sich im Besitz der Zentralbanken der Welt befindet und von diesen kontrolliert wird, wobei die Zentralbanken ihrerseits private Unternehmen sind.«5 Klingt abwegig? Dann lassen sie uns einige dieser Behauptungen einem Faktencheck unterziehen: Geheime Treffen privater Banker, kontrolliert von der Bank für Internationalen Zahlungsaus- gleich (BIZ)? Stimmt. Ein solches Treffen wurde im Februar 2010 von den austra- lischen Medien aufgedeckt. Organisiert von der BIZ, fand das Meeting unter völliger Geheimhaltung und mit höchster Sicherheitsstufe in Sydney statt.6 Teilnehmer waren Vertreter der US-Notenbank, der Europaischen Zentralbank, der Bank of Japan und weiterer Zentralbanken. Nachdem das Treffen publik wurde und die BIZ gezwungen war, Protokolle über die besprochenen Inhalte zu veröffentlichen, kam ans Licht, dass Yves Mersch, Gouverneur der Zentralbank von Luxemburg, eine ausführliche Rede gehalten hatte. Darin plädierte er für die Notwendigkeit einer supranationalen Instanz zur Regulierung eines globalen Systems von Pseudowahrungen und zwar hinter den Kulissen des internationalen Weltfinanzsystems.? Pläne zur Schaffung eines weltweiten Systems finanzieller Kontrolle? Stimmt. ob Am Tag nach seiner Teilnahme am extrem diskreten Treffen der Bilderberg-Gruppe® im Jahr 2008 schrieb Timothy Geithner damals Präsident der Federal Reserve Bank of New York und baldiger US-Finanzminister einen Meinungsbeitrag in der Financial Times, in dem er ein »einheitliches System« für inter- nationale Finanzkontrollen forderte, und zwar ausgerechnet durch jene Zentralbanken, die es zuvor so kläglich versäumt hatten, die Krise zu verhindern.? Tatsache ist, dass Geithner diesen Beitrag buchstäblich direkt nach seiner Teilnahme am Bilderberg-Treffen verfasste ein Umstand von nicht unerheblicher Bedeutung, wenn man bedenkt, dass sich unter den übrigen hochkarätigen Teilnehmern niemand Geringerer befand als der Vorsitzende der US-Notenbank, der Präsident der Europäischen Zentralbank und der Präsident der Weltbank. Weitere prominente Anwesende waren hochrangige Investmentbanker von Lazard Freres (siehe dazu auch Quigleys Hinweis auf Lazard), Staatsoberhäupter, Mitglieder königlicher Familien sowie über einhundert weitere einflussreiche Persönlich- keiten aus Wirtschaft, Finanzwelt sowie Personen mit politischen Ämtern in ganz Europa und Nordamerika. Inklusive Barack Obama und seiner Außenministerin Hillary Clinton (siehe den Essay »Warum wir Bilderberg entgegentreten müssen« an anderer Stelle in diesem Buch). In der Tat, wenn wir auf der Suche nach einer Art koordinierter »zentralistischer« Bewegung wären, gäbe es keinen besseren Ausgangspunkt für unsere Nachforschungen als die Bilderberg Konferenzen. Sie haben den Namen »Bilderberg« noch nie gehört? Das ist Absicht. Obwohl der ehemalige Herausgeber und CEO der Wa- shington Post ein regelmäßiger Teilnehmer der jährlichen Treffen der Gruppe war, weigerte sich die Zeitung jahrzehntelang, die of Existenz von Bilderberg überhaupt anzuerkennen.1® Obwohl Reporter von The Economist jedes Jahr mit den wahren Größen der Weltpolitik und Industriegiganten beim Bilderberg-Treffen verkehren, findet man kein einziges Wort darüber in deren Publikationen.11 Und obwohl prominente TV-Persönlichkeiten wie der langjährige kanadische Nachrichtensprecher Peter Mansbridge? und der langjährige CBS-Nachrichtensprecher Charlie Rose®3, ein PBS-Urgestein, über Jahre hinweg an Bilder- berg-Treffen teilnahmen, haben sie niemals darüber berichtet oder die Existenz der Konferenz eingeräumt. Warum meiden diese Spürnasen und Pressefürsten, was zwei- fellos die Story des Jahrhunderts wäre die exklusive Bericht- erstattung über ein geheimes jährliches Treffen der mächtigsten und einflussreichsten Personen der westlichen Welt? Es gibt zwei Denkweisen zu dieser Frage. Die eine vertritt die Bilder- berger selbst, die uns glauben machen wollen, dass die Presse das Recht der sogenannten Herrschaftselite respektiert, sich zu treffen und das Weltgeschehen offen zu diskutieren, ohne Angst vor negativer Presse haben zu müssen. Die andere wird von außenstehenden Beobachtern vertreten, die das Medien- verbot darauf zurückführen, dass privilegierte »Journalisten« und Medien-Mogule selbst Teil der oberen Machtstruktur sind und daher nichts zu gewinnen und vielleicht alles zu ver- lieren haben, wenn sie über die wahren Vorgänge berichten. Ich überlasse es dem Leser, zu entscheiden, welches Denkmodell den Lackmustest übersteht. All dies wirft aber auch die Frage auf, warum es uns überhaupt interessieren sollte, was die Bilderberger im Geheimen besprechen. Ist es wirklich von Bedeutung, was die Königin der Niederlande, der Vorsitzende von DaimlerChrysler, der Generalsekretär der NATO, 98 der US-Verteidigungsminister, der Präsident der Weltbank und mehrere Dutzend anderer Spitzenfiguren aus Industrie, Finanzwelt und Politik besprechen, wenn sie bei einer inoffiziellen, tiefen- staatlichen Diskussion zusammenkommen? Ja, leider. Das ist es. So stellt sich direkt die nächste Frage: Worüber sprechen die dort? Glücklicherweise müssen wir nicht spekulieren. Im Lauf der Jahre haben zahlreiche Insider und sogar einige mutige Investigativ- Reporter Licht ins Dunkel der Themen gebracht, die bei den Bilderberg-Treffen besprochen werden. Leider bestätigen deren Erkenntnisse in erschreckender Klarheit die hochgradig koordi- nierte Agenda der Eliten - jene, von der wir lange nur vermuten konnten (und die Carroll Quigley eindrucksvoll belegt hat), dass sie hinter den Kulissen läuft. Meint: Die zunehmende Zentralisierung der Kontrolle über alles und jeden auf dem Planeten durch die selbsternannte Herrschaftskaste. Dieser Prozess der Zentralisie- rung hat viele Namen: »Globalisierung«, »Weltregierung« und »Neue Weltordnung«. Aber das Ziel ist immer dasselbe: So viel Macht wie möglich in den Händen einer privilegierten Minderheit zu konzentrieren. Ein Beispiel: Im Jahr 2003 veröffentlichte die BBC eine Audio- Dokumentation über die Bilderberg-Gruppe, die Interviews mit Teilnehmern aus eben diesem Jahr beinhaltete.14 Der Bericht enthüllte, dass die Archive der Bilderberger Beweise darüber enthalten, dass die Mitglieder seit der Gründung der Gruppe im Jahr 1954 die Bildung einer Währungsunion für den europäischen Kontinent geplant hatten. Diese Dokumente wurden mittlerweile publiziert und sind jetzt offen im Internet zuganglich.15 Die Rolle dieser geheimen Eliten bei der Schaffung der Währungs- union wurde im März 2009 nochmals bestätigt, als der ehemalige 99 Kommissar der Europäischen Union, Etienne Davignon, gegenüber dem euobserver zugab, dass die Bilderberg-Gruppe (die er zu dieser Zeit leitete) tatsächlich den Weg für die Schaffung der einheitlichen europäischen Währung, den Euro, geebnet hatte.16 Falls noch Zweifel daran bestehen, woher der Anstoß für die Gründung der Europäischen Union kam, sollte angemerkt werden, dass die EU nur zwei Jahre nach dem Aufruf der Bilderberg-Gruppe zur europäi- schen Integration auf der Konferenz 1955 ins Leben gerufen wurde. Es sollte mittlerweile keine Überraschung mehr sein, dass die Bilderberger eine zentrale Rolle bei der Gründung der EU spielten. Der Mitbegründer der Bilderberg-Gruppe, Jozef Retinger, war ein wichtiges Mitglied der Europäischen Bewegung, die die institutionellen Grundlagen für die EU legte. Retinger half auch dabei, Paul van Zeeland, den Mitbegründer der Europäischen Liga für Wirtschaftliche Zusammenarbeit, für das einfluss- reiche Bilderberg-Steuerungskomitee zu rekrutieren, das bei der Auswahl der Teilnehmer und der Planung der Agenda für das jährliche Treffen hilft (siehe auch »Warum wir Bilderberg entgegentreten müssen« an anderer Stelle in diesem Buch). Ein weiterer wichtiger Bilderberger, Paul-Henri Spaak1?, war namensgebender Vorsitzender des Spaak-Ausschusses, eines zwischenstaatlichen Panels europäischer Außenminister, das den Weg für die Unterzeichnung des Römischen Vertrages ebnete.18 Dieser Vertrag begründete den Europäischen Wirtschaftsaus- schuss, den Vorläufer der EU. Spaaks Name ist prominent als einer der Unterzeichner des Vertrages vermerkt. Die Architekten des Vertrags von Rom waren klug genug, über viele Jahre hinweg davon abzusehen, die Gründung der Europäischen Union als das Machtstreben zu bezeichnen, das es in Wirklichkeit ist. Schließ- lich, gegen Ende des Jahrtausends, waren die Bilderberger und ihre Mitstreiter so zuversichtlich in Bezug auf die Wirksamkeit 60 ihrer jahrzehntelangen Pro-EU-Propagandakampagne, dass sie eine Verfassung für die gesamte Europäische Union entwarfen. Es begann eine europaweite Diskussion über die Ratifizierung der Verfassung. Die vorgeschlagene Verfassung beinhaltete alle rechtlichen Befugnisse, die für das Funktionieren der EU als supra- nationale Regionalregierung erforderlich waren, einschließlich eines nicht gewählten Präsidenten, der Streitkräfte, einer Flagge und einer Hymne. Wie sich herausstellte, hatten die »Aufwärtsstrategen« die Stim- mung der Europäer gegenüber dem europäischen Projekt falsch eingeschätzt. Gegner der vorgeschlagenen Verfassung sowohl von der »Linken« als auch von der »Rechten« des politischen Spektrums schlossen sich zusammen, um den Entwurf zu Fall zu bringen. Diese Allianz wirkt nur auf jene rätselhaft, die in der Politik der Globalisierung nicht zwischen oben und unten unterscheiden können. Im Jahr 2005 wurde die vorgeschlagene Verfassung durch die Franzosen!? und die Niederländer?® ge- stoppt, weil deren Regierungen den Wählern tatsächlich die Wahl gelassen hatten, ob sie ihre Souveränität an diese nicht gewählte, nicht rechenschaftspflichtige, supranationale Regierung von gut vernetzten Machtmenschen (»Zentralisten« durch und durch) abtreten wollen oder nicht. Nachdem die Bürger dieser beiden Länder sie in nationalen Referenden abgelehnt hatten, wurde die kontinentale Verfassung verworfen. Oder etwa nicht? Nachdem sie eine wertvolle Lektion gelernt hatten, waren die Befürworter der EU-Verfassung vorsichtig genug, ihren Fehler nicht zu wiederholen. In einem hinterhältigen Schritt machten sie das Dokument zu einem Vertrag und begannen sofort damit, es zu ratifizieren. Obwohl es inhaltlich identisch mit der ge- scheiterten Verfassung war, konnte der Vertrag von Lissabon, da 61 er nun als »Vertrag« klassifiziert war, in jedem Land der Union, außer einem Irland das Referendumsverfahren umgehen. Die irische Verfassung gewährt den Bürgern nämlich das Recht, über jeden Vertrag abzustimmen, der das Land verändern könnte. So lehnten bei einem Referendum im Jahr 2008 fast eine Million irische Wähler den feuchten Traum der Zentralisten von einer EU-Verfassung ab.?1 Technisch gesehen hätte der Widerstand eines einzigen Mitglieds- staates den Ratifizierungsprozess sofort beenden müssen. Was jedoch als Nächstes geschah, verdeutlicht perfekt die Weltsicht der Zentralisten und ihre Vorstellung davon, wie das politische Spiel gespielt werden sollte. Kaum hatten die Iren den ver- fassungsrechtlichen Angriff abgelehnt, erklärte der britische Außenminister David Miliband, dass das Vereinigte Königreich »den Ratifizierungsprozess fortsetzen«22 würde. Und der Präsident der Europäischen Kommission, Jose Barroso, äußerte seine Über- zeugung, dass »der Vertrag am Leben sei und wir nun versuchen sollten, eine Lösung zu finden«.23 Offenbar hatten die Zentralisten bereits beschlossen, dass sie sich durch Irlands lästigen wie hart- näckigen Unabhängigkeitsdrang nicht von ihrem Ziel abbringen lassen würden. Stattdessen griffen sie auf die altbewährte Taktik eines jeden Tyrannen zurück, der nicht bekommt, was er will: »Ätsch. Gilt nicht. Wir wollen eine Wiederholung«. So wurden die Iren im Oktober 2009 erneut aufgefordert, über den gleichen Vertrag abzustimmen, den sie sechzehn Monate zuvor bereits abgelehnt hatten. Wie Taschenspieler, die vor- täuschen, ein Kaninchen aus dem Hut zu zaubern, präsentierten geschmeidige EU-Bürokraten allerlei verbale Zusicherungen, um die Wähler zu besänftigen ohne dabei ein einziges Wort des Dokuments zu ändern. Die Iren mussten erneut über den Vertrag 62 abstimmen und hätten dies vermutlich wieder und wieder und wieder tun müssen —, bis sie »es richtig machen«. Nach einer heftig umkämpften Abstimmung, in der sowohl die EU-Wahlkommission als auch die irische Regierung gegen ihre eigenen Gesetze ver- stiefSen,24 wurde die erschopfte irische Bevölkerung mit Hilfe eines höchst fragwiirdigen Auszdhlungsverfahrens?s regelrecht miirbe gemacht, sodass sie den Vertrag schließlich ratifizierte. Die Bilderberger, Eurokraten und anderen Zentralisten hatten allen Grund zur Freude: Denn sie hatten ihr Ziel, kontinentale Hegemonie zu schaffen, erreicht. Darf ich vorstellen: Die Gegenbewegung Führt man die eingangs beschriebene Analogie fort, sind die »Zent- ralisten« jene, die wie die Bilderberger, die Mitglieder des Round Table, die Eurokraten und all die anderen Elitisten Konformität, Zensur, zentralisierte Macht und Kontrolle von oben nach unten durchsetzen. Die Gegenbewegung hingegen setzt sich aus jenen zusammen, die gegen diese Zwänge ankdmpfen und sich für das exakte Gegenteil einsetzen: Fir freies Denken, Meinungsfreiheit, Dezentralisierung von Macht und Kontrolle, et cetera. Wenn wir dies als Definition der »Anti-Zentralisten« heranziehen, müssen wir feststellen, dass ein Großteil der Menschen tatsächlich in diese Kategorie fällt. Vorausgesetzt, sie, werter Leser, gehören nicht zur globalen Jet-Set-Power-Broker-Kaste den rund 6.000 Personen, die der Kissinger-Untergebene David Rothkopf selbstherrlich als die »Superclass«26 bezeichnet. Dann stehen die Chancen gut, dass auch sie »Dezentralist« sind. Natürlich gibt es, wie bei jedem Etikett, auch Menschen, die nicht so richtig in die Kategorie der »Dezentralisten« passen. Da sind 63 zum Beispiel jene, die im Raum zwischen den zentralistischen und den freiheitlich orientierten Kräften agieren, beispielsweise rangniedrige Bürokraten und Funktionäre, ohne die die glo- balistischen Kontrollstrukturen nicht funktionieren würden. Dazu gehört das mittlere Management, das dafür sorgt, dass die Konzernmaschinerie unaufhörlich eine endlose Menge an Zahnrädern und Kleinteilen produziert, oder die Soldaten, die für die Interessen von Rüstungsindustrie und geopolitischen Strippenziehern kämpfen und sterben, sowie die politischen Funk- tionäre, die das Machtgleichgewicht zugunsten der herrschenden Klasse aufrechterhalten. Obwohl sie, wie alle anderen, unter dem zentralistischen Kontrollsystem leiden (vielleicht sogar mehr als alle anderen), ziehen sie Vorteile aus diesem System, die sich in einer Art von Umverteilung nach unten mit Boni, Beförderungen und dem Versprechen eines eventuellen Aufstiegs in die »obere« (besser gesagt »zentralistische«) Klasse ausdrücken. Mit diesen Anreizen und anderen Formen der Manipulation können ein paar tausend Mitglieder der »Superclass« Millionen einstiger Gegner von Zentralisierung dazu bewegen, ihnen bei der Etablierung des Kontrollapparats zu helfen. Andere, die im Kern gegen Zentralisierung von Macht sind, mögen tatsächlich an die Prinzipien, Ideale und Ziele der Auf- wärtsstrategen glauben. An größere Regierungen, ausgeweitete Angriffskriege und die Konzentration von Geld und Macht in den Händen einer exklusiven Minderheit. Das sind diejenigen, die unbewusst auf die geschickte Propaganda hereingefallen sind, mit der die »Elite« ihre Pläne vermarktet. In den Augen der Propagandisten und deren Opfer besteht der Zweck von Regierungen darin, die Armen und Unterdrückten zu verteidigen. Nicht darin, als Futtertrog für die Banker und 64 Konzerngrößen zu dienen, die Politiker bestechen (und dazu auch noch das Geld drucken). Sie behaupten, dass das gesamte Regulatorium, also die Justiz und alle anderen Apparate des zen- tralistischen Staates, dazu dienen, sicherzustellen, dass alle nach den Regeln spielen und nicht, um als Schlagstock eingesetzt zu werden, um jede potenzielle Konkurrenz von Widerständlern zu- rückzudrängen, die das zentralistische Monopol bedrohen. In der verdrehten Version der Realität von Zentralisten werden Kriege immer nur geführt, um »Demokratie«, »Freiheit« und »Frieden« zu etablieren. Nicht, um die Gewinne von globalisierenden Rüstungs- unternehmen oder den von Zentralisten geschaffenen Banken zu steigern, die riesige Profite damit machen, heimlich beide Seiten jedes größeren Konflikts zu finanzieren. Derweil verwendet das von »Eliten« kontrollierte »Bildungssystem« exorbitante Mengen von Zeit und Geld darauf, Kinder von klein auf davon zu überzeugen, dass die Vereinten Nationen, die Zentralbanken und andere halbstaatliche, nicht-demokratische Institutionen tatsächlich den Willen des Volkes vertreten und ganz gewiss kein Ort sind, an dem Milliardäre sich mit anderen Milliardären treffen, um eigene Interessen zu verfolgen und Schneeballsysteme zu entwickeln, die sie in Billionäre verwandeln. Angesichts der immensen Anstrengungen und Mittel, die die Globalisten investiert haben, um uns davon zu überzeugen, dass wir immer mehr Macht in ihre Hände legen sollten, ist es nicht überraschend, dass viele im Kern wohlwollende Menschen den Köder geschluckt haben. Angesichts der allumfassenden psycho- logischen Kriegsführung seitens zentralistisch kontrollierter und finanzierter Konzernmedien, Grund- und Sekundarschulen, Universitäten, steuerbefreiter Stiftungen, Denkfabriken und anderer Institutionen, die zentralistische Projekte vorantreiben, ist es kaum verwunderlich, dass so viele Mitmenschen, die von 69 Dezentralität profitieren würden, am Ende unwissentlich den Zentralismus unterstützen. Diese leichtgläubigen Zeitgenossen lassen sich durch kollektivistische Rhetorik in eine Art religiösen Eifer versetzen, der jedweden Einwand gegen das herrschende Glaubenssystem mit dem Konversationskiller »Verschwörungs- theoretiker« quittiert. Zu guter Letzt und diesbezüglich vielleicht am wichtigsten können viele wohlwollende Menschen dazu gebracht werden, die zentralistische Übernahme der Gesell- schaft zuzulassen oder sogar aktiv mit voranzutreiben, wenn die Zentralisten die älteste Taktik der Welt anwenden: Teile und herrsche. Wie dieses Täuschungsmanö6ver funktioniert, wurde bereits erläutert und das sogar durch niemand Geringeren als Carroll Quigley, ein anerkanntes Mitglied des Establishments. Lesen wir dessen Erklärung noch einmal: »Das Argument, dass die beiden Parteien gegensätzliche Ideale und Politik vertreten sollten, die eine vielleicht rechts und die andere links, ist eine törichte Idee, die nur von doktrinären und akademischen Denkern akzeptiert wird, Stattdessen sollten die beiden Parteien nahezu identisch sein, damit das amerikanische Volk bei jeder Wahl die Schurken hinauswerfen kann, ohne, dass es dadurch zu tiefgreifenden oder umfangreichen politischen Veränderungen kommt.«27 Indem die Hauptanliegen von Politik auf eine Handvoll Themen be- schränkt werden, die man jeweils einer der beiden (kontrollierten) Seiten der Debatte zuordnet, können die Globalisten eine ganze Gesellschaft auf ein bestimmtes Ziel hinführen. So, als bewege man sich von einem Punkt zum anderen. Zuerst ein Schritt mit dem rechten Bein, dann mit dem linken, dann wieder mit dem rechten und so weiter. Diese Taktik zur Erlangung 66 politischer Zustimmung ist für aufmerksame Kritiker des Systems leicht zu erkennen. Und zu durchschauen. Wenn die Zentralisten jedoch das gesamte Arsenal psychologischer Manipulation einsetzen, von Stammesfarben (rot gegen blau) über irreführende Visualisierungen (rechts gegen links) bis hin zu falschen Dichotomien (Sozialstaat gegen kriegerischen Staat), werden nichtsahnende Mitbürger auf beiden Seiten des politischen Spektrums dazu verleitet, einen oder mehrere Aspekte derselben zentralistischen Agenda zu unterstützen. Selbst, wenn sich diese Agenda gegen die besten Interessen der Bevölkerung richtet. Es mag schwer zu glauben sein, dass die Zentralisten seit Jahrhunderten (wenn nicht Jahrtausenden) mit diesem Betrug durchkommen - und von den Menschen, die sie abgelenkt, getäuscht, gegeneinander aufgehetzt und entrechtet haben, nicht das geringste Widerwort zu hören ist. Doch nachdem uns Technologie jetzt Zugang zu allerlei einst verborgenen Informationen verschafft hat, fällt es den Zen- tralisten zunehmend schwerer, ihre Geheimnisse geheim zu halten was ihnen sichtlich missfällt. Infolgedessen beginnen wir, unsere wahre Position in diesem von oben dominierten System zu erkennen. Immer mehr Menschen unternehmen Schritte, um sich von jener Kontrollmatrix abzukoppeln, die sie an korporatistische, von Banken gesteuerte, Globalisierung predigende Politiker bindet, die zwar Wandel versprechen, aber immer nur alten Wein in neuen Schläuchen liefern. Und obwohl sich die »Eliten« allmählich an dieses im Wandel befindliche Klima anpassen und lernen, ihre Agenda hinter populistischer Rhetorik zu verstecken, ist gerade die Beliebtheit jener Politiker, die sich als Gegner der Globalisierung gerieren, ein Zeichen dafür, dass die Öffentlichkeit endlich anfängt, die Lügen zu durchschauen, die man ihr aufgetischt hat. Kurzum: Wir, das 6/ Volk, erkennen, dass die Zentralisten und nicht wir selbst die wahren politischen Gegner sind. Und die Zentralisten wissen, dass wir das erkannt haben. Die Schlacht hat begonnen Wir könnten das System über Nacht stürzen, wenn genug von uns sich ihrer wahren Stellung als wohlwollende Dezentralisten in einem zentralistisch geprägten System bewusst wären. Doch in diesem Kampf um Kontrolle haben Zentralisten ihre Macht über Kritiker bewahrt, indem sie sich an zwei Maximen halten. Erstens: »Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt«. Und zweitens: »Wenn du sie nicht besiegen kannst, verbünde dich mit ihnen.« Die Wirkung beider Maximen ist in dieser Phase globalen poli- tischen Erwachens deutlich sichtbar. Nehmen wir die erste, die mit Krieg und Frieden: Diese Maxime erinnert uns daran, dass Handlungen, die im Alltag als moralisch fragwürdig einzustufen sind, im Krieg gegen den Feind als akzeptabel betrachtet werden. So ist es aus Perspektive von Militärstrategen gerechtfertigt, ein Bataillon Soldaten auf eine faktisch unfreiwillige Selbst- mordmission zu schicken, wenn es dem Sieg über den Feind dient. Wie sonst ließe sich das Verhalten der Zentralisten beim Platzen der Immobilienblase im Jahr 2007 verstehen? Einer Blase, die sie selbst über weite Teile des vorangegangenen Jahr- zehnts aufgebläht hatten. Oberflächlich betrachtet scheint es, als hätten die Zentralisten mit der Vorbereitung des Kollapses der Subprime-Hypotheken einen selbstzerstörerischen Fehler begangen. Doch wir wissen, dass die Architekten des Weltfi- nanzsystems sich niemals absichtlich selbst opfern würden. Wir müssen also zu dem Schluss kommen, dass der im letzten 68 Moment abgewendete Zusammenbruch des Weltfinanzsystems in Wahrheit der bis anhin kühnste Schachzug der Zentralisten in einem umfassenden Angriff auf ihren wahren Feind, die wohl- wollenden Dezentralisten war. Um diesen Punkt zu verstehen, müssen wir zunächst eine wichtige Unterscheidung zwischen Devisen und Reichtum treffen. Devisen sind lediglich ein Tauschmittel Reichtum aber ist Macht. Aus Perspektive der vertikalen Differenzierung erkennen wir, dass das Ziel der Bankster nicht darin besteht, Devisen anzuhäufen, sondern vielmehr darin, die Macht zu erlangen, die mit der Kon- trolle über Währungen einhergeht. Wenn sich die Gelegenheit bietet, Devisen gegen echte Macht und Kontrolle einzutauschen, kann man Gift darauf nehmen, dass die Bankster sofort zugreifen werden. Damit die »Eliten« ihr Ziel der Machtausweitung errei- chen konnten, musste der wirtschaftliche Zusammenbruch heftig und für breite Teile der Bevölkerung spürbar sein. Er musste den spektakulären Zusammenbruch einiger peripherer Mitglieder der globalistischen Machtstruktur beinhalten man denke an Lehman Brothers und Bear Stearns. Noch entscheidender war jedoch, dass die Krise dazu herhalten musste, eine Reihe von Mechanismen zu rechtfertigen, die die Zen- tralisten implementierten, um die Kontrolle über das System selbst aufrecht zu erhalten. Diese Mechanismen beinhalteten die sagenhaften 29 Billionen US-Dollar an »Bail-outs« (verteilt über die ökonomischen Hintertüren der diskret operierenden US-Notenbank)28 sowie den »permanenten Krisenmechanismus« (entwickelt von den Zentralbanken der Europäischen Union, um das Problem zu lösen, das sie selbst geschaffen hatten).29 Der wahre Grund fiir den wirtschaftlichen Kollaps von 2007 ist also nicht in der Immobilienblase selbst zu suchen (so faszinierend sie auch 69 ist), sondern in der Art und Weise, wie diese Krise genutzt wurde, um die zentralistische Agenda voranzutreiben. Tatsächlich ist das Vorantreiben dieser Agenda auch der Grund dafür, dass der britische Premierminister Gordon Brown bei einem Krisengipfel der G20, der im April 2009 zur Besprechung der Finanzkrise einberufen wurde, die Gelegenheit ergriff, die Schaffung einer »neuen Weltordnung« anzukündigen.3% Das Vorantreiben dieser Agenda ist auch der Grund, warum zentralistische Sprachrohre wie Newsweek begannen, Leitartikel zu veröffentlichen, die die Idee einer globalen Zentralbank lobten.31 Es ist der Grund dafür, dass das wirtschaftliche Organ der Zentralisten, die Financial Times, offen eine Weltregierung bewarb32 während die größten Volkswirtschaften der Welt ihre ersten koordinierten Zinssen- kungen einleiteten, um eine globale Rezession zu bekämpfen.33 Das Vorantreiben dieser Agenda ist der Grund, warum der Gouverneur der People’s Bank of China forderte, den US-Dollar als Weltreservewährung durch vom IWF verwaltete, globale Sicherheiten zu ersetzen.34 Und das Vorantreiben dieser Agenda ist auch der Grund, warum die Bank für Internationalen Zahlungs- ausgleich (gemäß Quigley die »Spitze des Systems«, wie sie sich vielleicht erinnern) begann, den regulatorischen Rahmen für das internationale Bankensystem umzuschreiben, einschließlich der Einführung des »Bail-in« Mechanismus,35 der 2013 in Zypern mit verheerenden Auswirkungen zum Tragen kam.3® Mit anderen Worten: Die Zentralisten nutzten die sehr reale, weltweite Wirt- schaftskrise von 2008 als zynischen Vorwand, um ihre Pläne für eine Weltregierung weiter voranzutreiben. Ja, die »Eliten« befinden sich im Krieg mit der Menschheit. Und weil »im Krieg und in der Liebe« gemäß ihrer Maxime »alles erlaubt« ist, haben sie kein Problem damit, das Weltwirtschafts- system zu zerstören, solange es ihrer Agenda nutzt. 70 Und wie steht es mit »wenn du sie nicht besiegen kannst, verbünde dich mit ihnen«? Wo kommt diese zweite Maxime zur Anwen- dung? Zentralisten infiltrieren die Reihen der Opposition. Anstatt sich offen gegen diese zu wenden, sichern sie sich ihre größten Siege, indem sie vorgeben, sich mit ihren Gegnern zu verbünden. Man erinnere sich daran, dass Ablenkung und Täuschung uralte Taktiken der Zentralisten sind. Eine Methode der Infiltration ist es, Pseudo-Opposition zu schaffen, die darauf ausgelegt ist, Gegner der Zentralisten zu mobilisieren und in kontraproduktive Richtungen zu lenken. Auf diese Weise können Zentralisten die Energie der wahren Oppositionellen effektiv gegen deren eigene Interessen einsetzen. Als Fallbeispiel für diese Art der Infiltration wollen wir das kurzlebige Tea-Party-Phänomen untersuchen, das Ende der 2000er die amerikanische Politik ergriff. Obwohl es heute weit- gehend vergessen ist, begann die Tea Party 2006 als eine »Boston 9/11 Truth Tea Party« Protestbewegung, die gegen die Lügen des Establishments bezüglich der Ereignisse des 11. Septembers 200137 vorgehen wollte. Die Idee verbreitete sich schnell und diente als Vorlage für andere Protestbewegungen darunter auch die Ron Paul Revolution. Bald hielten Ron Paul-Unterstützer eigene Tea-Partys ab, um ihre Kampagne »End the Fed« voranzutreiben, Aggressionskriege im Ausland zu stoppen, vom Präsidenten autorisierte Folter zu beenden und die verfassungsmäßigen Beschränkungen für die Regierung im Allgemeinen wiederherzu- stellen. Als die Ron Paul Revolution an Fahrt gewann, schlossen sich immer mehr Menschen diesen Protesten an. So wurden zum Beispiel am 22. November 2008 »End the Fed«-Proteste in 39 Städten der Vereinigten Staaten abgehalten.38 Als sie erkannten, welches Potenzial eine solche Bewegung hat, um eigene Ziele voranzubringen, entschieden die Zentralisten, diesen Aufstand /1 nicht zu zerschlagen, sondern ihn in das bewährte Paradigma der politischen Kontrolle umzulenken: die Links/Rechts-Dichotomie des sogenannten politischen Spektrums. Vor der Unterwanderung durch die Zentralisten wurden sowohl etablierte Republikaner als auch Demokraten bei Tea-Party-Veranstaltungen ausgebuht und verhohnt.3? Die Tea-Party-Mitglieder verorteten nämlich alle Zentralisten, ob links oder rechts, im Establishment, im gleichen Boot und hofften, es versenken zu können. Doch bei den neuen, von Zentralisten gekaperten Varianten von Tea-Party-Protesten, klangen die Redner auf den Kundgebungen nur so, als wären sie gegen das Establishment obwohl sie es repräsentierten. Ein besonders denkwürdiger Moment war die Rede, die der texanische Gouverneur und Bilderberg-Teilnehmer Rick Perry am 15. April 2009 vor Anti-Steuer-Protestlern hielt. Für seinen Auftritt legte er sich einen ausgeprägten, texanischen Akzent zu und drückte Verständnis für Texaner aus, die aus der Union aus- treten wollten.40 Leichtgläubige Zuhörer, die mit der Heimtücke der Zentralisten nicht vertraut waren, reagierten euphorisch, als dieser Mainstream-Politiker deren eigene Positionen wiedergab. Die Täuschung setzte sich fort, als ein Kandidat nach dem anderen pflichtbewusst die Anti-Establishment-Botschaft der Tea Party übernahm, bis die vollständige Unterwanderung der Proteste vollzogen war. Die von den Leitmedien unterstützten Zentra- listen stellten die aufkommende Graswurzelbewegung als ein rein rechtspopulistisches Anliegen dar und verunglimpften sie entsprechend. So avancierte der Mythos einer rechtsextremen Vor- eingenommenheit in der Tea Party zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Die Demonstranten der Tea Party reagierten erbost auf diese Kritik, die sie als von »links« kommend wahrnahmen, und jubelten genau jenen etablierten, rechtspopulistischen Kan- didaten zu, die sie ursprünglich ausgebuht hatten. /2 So kam es, dass die manipulativen Zentralisten das Tea-Party- Schiff versenkten indem sie es zunächst als vermeintliche Verbündete betraten und es dann direkt in die Hände der Medien-Piraten steuerten. Donald Trumps Präsidentschafts- kampagne des Jahres 2016 folgte dem gleichen Drehbuch aus Irreführung und Unterwanderung. Millionen Konservative in den USA waren begeistert von diesem »Einzelgänger«, der die politischen Glaubenssätze seiner Zeit (scheinbar) infrage stellte. Trump kritisierte die katastrophalen Angriffskriege der USA im Nahen Osten. Er brachte die Idee ins Spiel, dass die NATO »obsolet« sein könnte. Er äußerte, Amerika solle sich besser mit Russland und anderen vermeintlichen Feinden verstehen. Er warf seinem Hauptkonkurrenten in den republikanischen Vorwahlen, Ted Cruz, vor, von Goldman Sachs gekauft zu sein (wo zufällig auch Cruz’ Ehefrau beschäftigt war). Er erklärte unmissverständlich, dass Globalismus eine gescheiterte Ideologie ist und es an der Zeit sei, sich auf innenpolitische Angelegenheiten zu konzentrieren. Doch dann - für jene, die wissen, wie das Spiel läuft, wenig über- raschend verwandelte sich dieser angeblich gegen den Main- stream antretende Kandidat in einen Mainstream-Präsidenten. Innerhalb von 100 Tagen startete Trump einen Tomahawk-Rake- tenangriff in Syrien41 und weitete die US-Beteiligung am Massaker im Jemen aus.42 Er erklärte, dass die NATO »doch nicht obsolet« sei® und berief nicht weniger als fünf Goldman-Sachs-Banker in sein Kabinett.44 Und um es für alle, die diese bemerkens- werte Verwandlung vom Anti-Establishment-Kandidaten zum zentralistischen Präsidenten übersehen haben sollten, ganz klar auszudrücken, versicherte Trump dem Wall Street Journal und dessen Lesern: »Hey, ich bin ein Nationalist und ein Globalist. Ich bin beides«.45 /3 Ganz genau. »Wenn du sie nicht besiegen kannst, schließ dich ihnen an« oder tu zumindest so, bis du gewählt bist. Die Symmetrie des zentralistischen Links/Rechts-Kontrollpara- digmas erfordert, dass Ereignisse auf der rechten Seite stets auf der linken Seite gespiegelt werden und umgekehrt. Daher muss dieselbe Strategie aus Protest und Ablenkung, mit der die Tea Party zerstört und die Marionette Trump aufgebaut wurde, auch auf der anderen Seite des politischen Spektrums angewendet werden. Und genau das ist passiert. Beispiel gefällig? Am 17. September 2011 besetzten Demonstranten den Zuccotti Park im Finanz- distrikt von New York und lösten damit die Occupy-Bewegung aus, die sich in den folgenden Monaten weltweit ausbreiten sollte. Obwohl der Protest ursprünglich von AdBusters angeregt wurde, einem kanadischen, antikapitalistischen Magazin und gemein- nützigen Verein mit undurchsichtiger (sprich: zentralistischer) Finanzierung, 46 zog die Bewegung rasch Menschen an, die einfach genug von den Bankster-Rettungspaketen und der politischen Routine in Washington, D.C. hatten. Eine der großen Ironien dieser Zeit ist, dass weder die Occupy-Aktivisten noch die An- hänger der Tea Party zu erkennen schienen, dass ihre Bewegungen viele Überschneidungen hatten. Die echten Demonstranten in beiden Lagern waren gleichermaßen empört über den Umgang der Regierung mit der Bankenkrise von 2008. Beide Lager ver- abscheuten, dass sich feiste Bonzen mit Partikularinteressen gemein machten und den Willen der Bevölkerung ignorierten. Und beide Lager forderten gleichermaßen, dass ihr gemeinsamer Gegner die Zentralisten nicht die Wall Street retten, sondern dem Normalbürger helfen sollten. Trotz den offensichtlichen Gemeinsamkeiten wurden Anhänger von Tea Party und Occupy gespalten. Die von den Zentralisten 74 kontrollierten Medien redeten den Gruppierungen immer wieder ein, dass sie die Erzfeinde des jeweils anderen seien. Doch die beiden Lager wurden nicht nur gegeneinander aufgehetzt, beide Bewegungen wurden darüber hinaus dazu ermuntert, ihre Energien darauf zu verwenden, die zentralistischen Demo- kraten oder Republikaner im Wahlzyklus 2012 zu unterstützen. Die Zentralisten, die erkannt hatten, dass sie das Aufkeimen der Gegenbewegung in den Reihen von Tea Party und Occupy stoppen mussten, hatten beide Lager infiltriert und die Aufmerksamkeit der Gegner geschickt von deren gemeinsamen Zielen abgelenkt, sodass sich beide Gruppen auf unbedeutende Dinge fokussierten. 9/11 wurde von den Zentralisten seit 2001 als Vorwand genutzt, um den staatlichen Machtapparat Polizei, Geheimdienste, Militär auszubauen. Aber nicht, um diesen gegen andere Länder oder nebulöse Terrorgruppen, sondern gegen die eigene Bevölkerung einzusetzen das wahre Angriffsziel der Zentralisten. Ja, unter dem Deckmantel von »Heimatschutz« wurde ein Großteil des Waffenarsenals der US-Regierung direkt gegen die eigene Bevölkerung gerichtet. Sowohl buchstäblich als auch im übertra- genen Sinne. Diese Entwicklung macht deutlich, was schon lange angedeutet wurde: Möchtegern-Diktatoren oder Turban tragende Terroristen sind nicht die wahren Feinde der Zentralisten. Der gewöhnliche, Bier trinkende, familienfreundliche, Jeans tragende Normalbürger ist es, dem Zentralisten unterstellen, die Macht und Absicht zu haben, den Polizeistaat in einer Phase der De- stabilisierung stürzen zu wollen. Diese Schlussfolgerung basiert nicht auf Spekulationen, sondern hauseigenen Dokumenten der Zentralisten. Im April 2006 tauchte ein Leitfaden des Texas Department of Public Safety Criminal Law Enforcement auf, der die typischen 75 Merkmale des gängigen Terroristen zusammenfasste: Er kauft Babynahrung und Bier, trägt Levi’s Jeans, reist mit Familie und besitzt einen Führerschein.47 Mit anderen Worten: fast jeder Erwachsene in den USA ist ein potenzieller Terrorist, wenn man den Zentralisten glaubt. Aber das ist noch nicht alles. Im März 2009 wurde ein Trainingshandbuch aus Virginia veröffentlicht, das erklärt, wie man »Terroristen« erkennen kann. Es warnt Staats- angestellte, dass Skizzenblöcke, Notizbücher, Karten, Diagramme, Kameras, Tonbandgeräte und Tauchausrüstung Beispiele für Ausrüstungsgegenstände sind, die auf potenzielle terroristische Aktivitäten hinweisen.48 Im gleichen Monat wurde ein geheimer Bericht des Missouri Information Analysis Center geleakt, der aufdeckte, worauf die Polizei in Missouri im Zusammenhang mit dem Aufstieg einer gefährlichen neuen »Milizbewegung« achten sollte. Zu den deutlichen Anzeichen, dass jemand dieser Bewegung zuzurechnen ist, gehört gemäß dem Dokument die Unterstützung der Kandidaten von Drittparteien.4? Für den kleinen, aber wachsenden Prozentsatz der Bevölkerung, der sich vom geltenden politischen Paradigma befreit und sich bewusst als Widerstand identifiziert, ist es nicht überraschend, dass die von Zentralisten kontrollierte Homeland-Security-Struktur ihn im Visier hat. Die entsprechenden Kreise wissen längst, dass das Pentagon alle Formen politischen Protests als »Terrorismus auf niedriger Stufe« bezeichnet hat5% und dass die US-Army Reserve zusammen mit den örtlichen Strafverfolgungsbehörden und dem FBI im November 2008 eingesetzt wurde, um die bereits erwähnten »End the Fed«-Proteste zu überwachen. An diesem Punkt sind nur noch diejenigen, die im Links-Rechts-Duopol politischer Kontrolle gefangen sind, ahnungslos hinsichtlich dem Ansinnen der Zentralisten, allen Widerstand gegen ihre Agenda der Zentralisierung und Machtkonzentration auszu- merzen. Was sowohl den »erwachten« Zentralisten als auch den 76 Widerständlern klar ist, ist, dass sie sich in einem Kampf um politische Vorherrschaft befinden. Ihre Waffen sind nicht Pistolen, sondern Worte. Ihre Kämpfe werden nicht auf einem physischen Schlachtfeld, sondern in einer geistigen Domäne geführt: in den Köpfen der Öffentlichkeit. In diesem Moment der Geschichte sieht der Widerstand seiner schwersten Prüfung entgegen und seiner größten Chance. Moderne Kommunikationstechnologie hat alle Fakten über die wahre Natur von Politik zugänglich gemacht. Ausgerüstet mit dieser Wahrheit sollte der Widerstand in der Lage sein, das schla- fende, Zentralisten unterstützende Links-Rechts-Publikum zu wecken, um ihm zu zeigen, wie es getäuscht wird. Auf diese Weise können die Massen dazu bewegt werden, die Zusammenarbeit mit dem von Zentralisten kontrollierten System zu beenden und sich der dezentralen Rebellion anzuschließen. Derweil geben die selbsternannten Zentralisten weiterhin Mil- liarden von Dollars, Euros, Yen, Pesos und aller anderen von ihnen kontrollierten, von Zentralbanken emittierten Fiat-Währungen aus, um die größte und am besten koordinierte PR-Kampagne in der Geschichte der Menschheit zu führen. Ihr Ziel ist es, die Öf- fentlichkeit im Glauben zu halten, dass die einzige Realität das Links-Rechts-Paradigma ist, das von ihnen selbst geschaffen wurde. Da die Zentralisten nicht über die Kraft der Wahrheit verfügen, sind sie gezwungen, irreführende Definitionen von Begriffen und verdrehte Interpretationen gegnerischer Motive in den politischen Diskurs einzuspeisen um zu verhindern, dass ihre im verdeckten operierende Struktur enttarnt wird. »Verdrehte Definitionen«? Nun, wie wäre es mit dem Label »Ex- tremist«, das die Zentralisten jedem anheften, der sich ihrem, 77 der Sklaverei ähnelnden System widersetzt? Oder »Rassist«? Oder »Terrorist«? Oder »Verschwörungstheoretiker«? Der Effekt solch polarisierender Sprache auf charakterlich nicht gefestigte Individuen die ihr ganzes Leben lang von zentralistisch kontrol- lierter Propaganda, die durch das Schulsystem, »Fake News« und Werbung verbreitet wird, beeinflusst wurden besteht darin, dass diese Menschen in Schach gehalten werden. Dadurch verhindert man, dass diese Zeitgenossen die wahre Natur ihrer politischen Realität erkennen, die sich zweifelsohne hinter allen von den Zentralisten dominierten Institutionen verbirgt. Rückeroberung der Humanität Wir haben gesehen, welche Siege die Zentralisten durch das Festhalten an ihren alten Maximen »im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt« und »wenn du sie nicht besiegen kannst, ver- bünde dich mit ihnen« errungen haben. Wie sieht es mit den Dezentralisten aus? Gibt es eine alte Weise, die sie verwenden könnten, um ihren Widerstand gegen die Agenda der Zentralisten zu organisieren? Eine gibt es vielleicht: »Die Feder ist mächtiger als das Schwert«. Zugegeben, im Zeitalter des Internets mag die »Waffe« der Wahl eher die Tastatur als die Feder sein. Aber der Gedanke bleibt derselbe. Wie bereits zuvor erwähnt, haben sowohl die Zentralisten als auch deren Gegner die Macht der Feder zu ihrem Vorteil genutzt. Es lässt sich jedoch festhalten, dass der Widerstand im Begriff ist, den Krieg um die Herzen und den Verstand mit diesem Werkzeug zu gewinnen. Mit mächtigen Federstrichen der Wahrheit hat es der Wider- stand geschafft, die Verteidiger des zentralistischen Systems zu entwaffnen. Infolgedessen wird immer mehr Menschen, die einst 78 unter dessen Bann standen, bewusst, dass dieses System nicht den Interessen des Normalbürgers dient, sondern ausschließlich denen eines kleinen, eng verbundenen Netzwerks von Oligarchen, die im Geheimen operieren und fast alle Vermögenswerte dieser Welt kontrollieren. Mit diesem Bewusstsein hält die befreiende Erkenntnis Einzug, dass wichtige Zahnräder im zentralistischen Kontrollmechanismus aus dem System getilgt werden können, sodass der Mechanismus selbst ab einem bestimmten kritischen Punkt nicht mehr funktioniert. Die Frage ist wie immer ob der Widerstand schneller neue Anhänger gewinnen kann, als die Zentralisten ihre Kontrolle ausweiten können. Das ist also keineswegs eine belanglose Frage. Im Dezember 2008 schrieb Zbigniew Brzezinski der verstorbene Zentralist, der als Sicherheitsberater unter Präsident Jimmy Carter diente einen Kommentar fiir die New York Times, in dem er von einem »globalen politischen Erwachen«32 sprach. Darin äußerte er Besorgnis darüber, dass die überwältigende Mehrheit der Mensch- heit angesichts zunehmender (und immer offensichtlicherer) sozialer und wirtschaftlicher Ungleichheiten politisch aktiv wird. »Zum ersten Mal in der Geschichte ist fast die gesamte Menschheit politisch aktiviert, politisch bewusst und politisch vernetzt. Der globale Aktivismus führt zu einem gesteigerten Streben nach kulturellem Respekt und wirt- schaftlichen Chancen in einer Welt, die von den Erinne- rungen an koloniale oder imperialistische Herrschaft gepragt ist.« Im Grunde beschreibt Brzezinski den Aufstieg von Gras- wurzelbewegungen - politischen Bewegungen, die ins Leben gerufen wurden, um genau jener zentralistischen Oligarchie /9 entgegenzutreten, die er selbst verkörperte. Aber weil er seine Botschaft so formulierte, dass sie sich hinter der Opferrolle und den Unterdrückten verstecken konnte, klang er beinahe so, als empfinde er Mitgefühl für die Widerstandsbewegung. Seine wahren Gefühle offenbarte Brzezinski allerdings in einem offenen Vortrag im November 2008: »Ich habe es einmal recht pointiert formuliert und fühlte mich geschmeichelt, dass der britische Außenminister das wiederholte nämlich wie folgt: In früheren Zeiten war es einfacher, eine Million Menschen zu kontrollieren es war buchstäblich einfacher, eine Million Menschen zu kontrol- lieren als sie physisch zu töten. Heute ist es unendlich viel einfacher, eine Million Menschen zu töten, als sie zu kont- rollieren. Es ist einfacher zu töten als zu kontrollieren.«33 Wir erfahren also, dass für einen Zentralisten wie Brzezinski klar ist: Was sich nicht kontrollieren lässt, muss vernichtet werden. Daher darf er das globale politische Erwachen nicht als Chance für die lange unterdrückten Massen darstellen, sich vom Joch zentralistischer Unterdrückung zu befreien, sondern muss es als eine besorgniserregende Entwicklung beschreiben, die im »globalen Chaos« münden könnte. Aus Brzezinskis Ausführungen lassen sich zwei Dinge ableiten. Erstens wächst die Graswurzel- bewegung, der Widerstand, die Opposition konstant. Zweitens jedoch steht dieser Widerstand gewaltigen Problemen gegenüber. Er stellt sich nicht nur einer tief verwurzelten Herrschaftskaste entgegen, die seit Generationen die Weltgeschichte steuert, sondern auch einem System, in dem eben diese Herrschaftskaste das Geld druckt, mit dem sie die ihr dienlichen PR-Kampagnen finanziert. Wenn es wie Brzezinski in Bezug auf unsere Ara und in erschreckender Deutlichkeit feststellte tatsächlich leichter 80 ist, eine Million Menschen zu töten, als sie zu kontrollieren, wie kann der Widerstand dann hoffen, einen derart unterdrü- ckerischen und scheinbar allmächtigen Gegner zu besiegen? Die Antwort ist ebenso einfach wie ermutigend: Im politischen Raum finden bereits tektonische Veränderungen statt und die werden nicht einfach aufhören. Sicher, Establishment und Zentralisten werden auch weiterhin Karrieren darauf verwenden, die Kontrolle über ihr System zu bewahren und es intakt zu halten. Doch sie können den Widerstand gegen dieses System nicht aufhalten ebenso wenig wie sie das rasante Wachstum des Widerstandes verhindern können. Was Brzezinski und seinesgleichen am meisten fürchten, ist nicht eine gewaltsame Revolution. Sie wissen nur zu gut, dass Gewalt seitens rebellierender Massen ihre eigene Position stärkt denn sie überzeugt die durch das zentralistische Links-Rechts-System getäuschten Menschen davon, dass die Gegner des Systems tatsäch- lich »Extremisten«, »Rassisten« oder »Terroristen« sind. Nein, was die Zentralisten am meisten fürchten, ist das Erwachen selbst die schlichte Verbreitung des Wissens darüber, dass ihr System, die spektralpolitische Nebelwand, mit der wir ein Leben lang abgespeist wurden, eine Illusion ist. Denn sie wissen: Der lange schlummernde Widerstand ist einmal erwacht - eine unaufhaltsame Kraft gegen das fragile, angstgesteuerte System der Zentralisten. Wie die rückwärtsgewandten und vorwärtsstrebenden Ameisen in unserem Gleichnis glaubten auch wir einst, dass wir auf einer geraden Linie leben. Jedes Mal, wenn wir uns in eine andere Richtung aufmachten und zum Schluss trotzdem wieder am Ausgangspunkt landeten, waren wir verwundert. Aber jetzt wissen wir es besser. Wir erkennen, dass wir nicht in einer eindimensionalen, sondern einer multidimensionalen Realität 81 leben. Wir erkennen auch, dass wir uns nicht länger von selbst- ernannten Kontrolleuren spalten und beherrschen lassen müssen. Wir können geeint bleiben und unbesiegbar. Mit diesem Wissen müssen wir Widerständler nicht einmal mehr versuchen, das zentralistische System zu bezwingen. Die Illusion der Zentralisten, entlarvt als der billige Taschenspielertrick, der es ist, wird sich einfach in Luft auflösen. 10 11 12 Quigley, Carroll: »Tragedy and Hope: A History of the World in Our Time« (New York: Wm. Morrison, 1974). Seiten 1247-1248 Siehe Endnote 1, Seite 950 Clinton, William J.: »Address Accepting the Presidential Nomination at the Democratic National Convention in New York« The American Presidency Project, 16. Juli 1992. archive.fo/2jbbs Siehe Endnote 1, Seite 951 Siehe Endnote 1, Seite 324 Lekakis, George and Fleur Leyden: »World bankers meet in Sydney as recovery fears intensify« Herald Sun, 6. Februar 2010. archive.fo/Vtf5q Mersch, Yves: »The framework for short-term provision of international reserve currencies to sovereign states and their central banks« BIS Review, 15/2010. archive.fo/Q8mLV »Official List of Participants for the 2008 Bilderberg Meeting« public intelligence, 27. 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So lange die Monarchie Bestand hatte, gab es ausgekliigelte, theo- logische Rechtfertigungen dafür, warum Monarchen als Götter verehrt werden sollten und warum sie es verdienen, über ihre jeweiligen Königreiche zu herrschen. Es ist leicht nachvollziehbar, warum der Adel einer jeden Epoche versuchte, den Glauben der Untertanen an eine göttlich ver- ordnete Überlegenheit zu fördern. Wenn Könige, Königinnen, Kaiser und Pharaonen keine Götter sind oder nicht von Gott auserwählt warum sollte ihnen dann jemand gehorchen? Die Trennlinie zwischen einem Monarchen und einem selbst- ernannten Diktator verblasst, wenn die Göttlichkeit des blauen Blutes in Frage gestellt wird. Selbst heute, in einer Ära, in der Monarchen von der breiten Öffentlichkeit als Relikte der Vergangenheit betrachtet werden, besteht der alte Aberglaube in Bezug auf königliche Familien fort. Sie werden immer noch als »blaublütig« bezeichnet. Ein Über- bleibsel aus Zeiten, in denen ihre helle, transluzente Haut ein 86 sichtbares Merkmal für ihre abgeschirmte, privilegierte Existenz darstellte ein Umstand, der ihre Kaste von der rötlichen Gesichts- farbe der Bauern, die den ganzen Tag in der Sonne arbeiteten,! unterschied. Auch heute noch gibt es ein ausgeklügeltes (und strikt umgesetztes) Protokoll für das Treffen mit der britischen Monarchin. Selbst Staatsoberhäupter mussten in royaler Etikette unterwiesen werden, bevor sie sich mit »Ihrer Majestät, Königin Elizabeth I1.« treffen durften. So studierten auch die Obamas vor ihrem ersten präsidialen Besuch in London? sorgfältig das royale Protokoll und die Medien sorgten sich während seines Besuchs im Jahr 20193 um Präsident Trumps Verstöße dagegen. Diese Rituale der Klassentrennung dienen aber nicht nur der Show. Die Königsfamilien hielten sich stets für einen höheren Stand - eine eigene Rasse, separiert von den armen, unterdrückten Massen, die in Untergebenheit und Elend Fronarbeit leisteten. Dieser Umstand erklärt die Besessenheit in puncto Fortpflanzung, ein Thema, das der internationale Adel über die Jahrhunderte hinweg mit großem Aufwand verfolgte. Oder sollte man eher von Besessenheit in puncto Inzucht sprechen? Gewiss, die Äste des Stammbaums vieler königlicher Familien verzweigen sich nicht nur, sondern verflechten sich häufig auch was sowohl die bemerkenswerten physischen Ähnlichkeiten unter Mitgliedern der europäischen Königsfamilien als auch rezessive Erkrankungen wie Hämophilie erklärt, die Europas inzestuösem Adel seit Jahrhunderten zusetzen. So zeigte moderne DNA-Analyse, dass der spanische Zweig der Habsburger, eine Dynastie, die mehr als 500 Jahre über weite Teile Europas herrschte, an Inzucht zugrunde ging.4 Nach Generationen von Ehen zwischen Cousinen und Cousins oder Nichten und ihren Onkeln war die genetische Variation zwischen Habsburgern und ihren Ehepartnern kaum größer als die zwischen Brüdern und Schwestern der Familie. Das letzte Mitglied der spanischen 8/7 Habsburger, Karl II., starb als genetisch kranker, deformierter Mann, der körperlich nicht in der Lage war, ein Kind zu zeugen.5 Aber das ist kein ausschließlich europäisches Problem. Eine aktu- elle Analyse der DNA der Ikone König Tut Pharao Tutanchamun, der vor über 3.300 Jahren über Ägypten herrschte zeigt, dass auch er das kranke, missgebildete Produkt einer inzestuösen Bruder-Schwester-Beziehung war. Die königliche Besessenheit in Bezug auf Blutlinien und Inzucht hat ihre Wurzeln in der Tierzucht, die seit Jahrtausenden verwandt wird, um bestimmte Merkmale bei Nutz- und Haustieren hervorzuheben. Die seit Anbe- ginn domestizierender Tierzucht optimierte Fähigkeit, bestimmte Eigenschaften in oder aus Haus- und Nutztieren gezielt zu züchten, ist allerdings eher Kunstform als Wissenschaft. Es war demzufolge nur logisch, dass Herrscher mit denselben Zuchttechniken zu experimentieren begannen, um ihr eigenes, royales »Blut« zu veredeln und ihr »Vieh«, die einfachen Leute, zu domestizieren. Die Analogie zwischen Tier- und Menschenzucht taucht bereits in einigen antiken Texten auf. So klagte der griechische Dichter Theognis von Megara im sechsten Jahrhundert v. Chr. über die Weigerung seiner Landsleute, der Zucht von Männern und Frauen die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken, wie dies bei der Zucht von Schafen und Pferden der Fall war: »Mit Rindern und mit Pferden, Kurnus, verfahren wir Nach klaren Regeln, wählen Zucht mit Maß und Ziel, Für Gewinn und Wachstum, stets zum höchsten Preis: Aus gutem Stamm, ohne Mangel, ohne Laster, rein und weiß. Doch bei den Ehen, die wir täglich schließen, zählt nur der Preis das Geld muss fließen. Der Mann heiratet, die Frau wird dem groben, reichen Mann vermacht, der seine Nachkommenschaft mit stolzem Adel macht. So wird 88 alles vermischt, Hoch und Niedrig, ein weites Feld. Wenn du uns dann siehst, in Form und Geist entstellt, versteh, mein Freund, der Grund ist klar und weit: Zu klagen über die Folgen ist vergebens, in dieser Zeit.«® Theognis hielt damit fest, dass die abgeschotteten Zirkel des »Adels« Kinder aus Beziehungen zwischen »Adeligen« und »Bürgerlichen« stets als »degradiert« und »unrein« betrachteten. Die Implikation ist klar: Es gibt erbliche genetische Merkmale, die soziale Kasten voneinander unterscheiden. Dieser Logik folgend, führt das Heiraten »unterhalb des eigenen Standes« in der Gesellschaft zu einer Vermischung der »guten« Gene des Adels mit den »schlechten« Genen der Bürgerlichen. Sie werden nun einwenden, dass das vor über zweitausend Jahren war, als der Graben zwischen Landbesitzern und eigen- tumslosen Bauern unüberbrückbar erschien. Heute hingegen gibt es beispiellose, wirtschaftliche und soziale Mobilität. Mit der nennenswerten Ausnahme der noch existierenden Adels- geschlechter unterscheidet die Menschheit heute nicht mehr zwischen »nobel« und »gemein«. Wir sprechen nicht mehr in vagen Verallgemeinerungen über das »Vermischen« der Eigen- schaften von Elternpaaren. Stattdessen reden wir in präzisen, wissenschaftlichen Begriffen über die Funktionsweise von Genen und Chromosomen, die Struktur der DNA und die Bedeutung von Erziehung und Umfeld bei der Entwicklung dessen, was wir sind. Wir glauben nicht mehr (vorausgesetzt, wir haben es jemals wirklich geglaubt), dass eine Königin Elizabeth oder ein König Salman oder ein Kaiser Naruhito von Gott auserwählt wurde, über uns zu herrschen. Ja, wir leben in einer »aufgeklärten« Zeit, in der unsere Führer demokratisch gewählte Politiker, anstatt Erbmonarchen sind. Der soziale Aufstieg ist heute eine Frage 89 von Ehrgeiz und Talent, nicht von Stammbaum und Herkunft. Heute sind Promis unsere Royals. Einige der reichsten Männer und Frauen der Welt waren gewöhnliche Janes und Joes, die sich durch eigene Anstrengung emporgearbeitet haben und nun jährlich ihrem Vermögen nach in Hochglanzmagazinen rangiert werden. So zumindest die offizielle Lesart. Die Realität sieht allerdings ein wenig anders aus. Denn es gibt sehr wohl eine moderne Form des Adels, auch wenn dessen Mitglieder keine Nachfahren tradierter Adelsgeschlechter sind. Zeitgenössische Royals können als herrschaftliche Oberschicht definiert werden, die Positionen von enormer Macht und Pri- vilegien erben und unvorstellbare Reichtümer besitzen. Diese »Könige« und »Königinnen« leben jedoch nicht in Schlössern. Sie fordern weder Ehrfurcht noch Treue von ihren Untertanen. Ihre Gesichter sind nicht auf Geldscheinen abgebildet oder in Münzen gestempelt. Im Vergleich zu ihren königlichen Gegenstücken sind unsere modernen Monarchen relativ unauffällig. Sie zeichnen sich hauptsächlich durch die Gebäude, Banken, Unternehmen und steuerfreien Stiftungen aus, die ihren Familiennamen tragen. Diese Granden aus Wirtschaft und Finanzwelt mischen sich unter die Menschenmengen in der Wall Street oder auf der Einkaufsmeile. Ihr Aufstieg lässt sich auf den Fall der einstigen Monarchien zurückführen. Im späten 17. Jahrhundert, zu einer Zeit, in der die Welt sich vom mittelalterlichen Feudalismus hin zum modernen Kapitalismus bewegte, wurde die absolutistische Macht der europäischen Monarchen zunehmend eingeschränkt. In England beendeten die »Glorreiche Revolution« von 1688 und die »Bill of Rights« von 1689 die Doktrin uneingeschränkter Autorität des Königs eine Autorität, die bereits 1216 durch die Magna Carta formell 90 begrenzt worden war. Im Jahr 1694 markierte die Gründung der Bank of England einen Präzedenzfall für die private Kontrolle über den Geldmarkt eines Landes eine Blaupause, die in den folgenden Jahrhunderten von immer mehr Ländern (natürlich einschließlich der USA) kopiert wurde. So dauerte es nicht lange, bis nur noch eine Handvoll Bankiersfamilien die Kassen der Regierungen, denen sie »diente«, kontrollierte. So wurde die offen sichtbare Monarchie der Vergangenheit durch eine neue, eine Schattenmonarchie ersetzt. Im 19. Jahrhundert wuchs dieser Kreis der nicht-königlichen Royals dank einer weiteren Art neu- reicher Emporkömmlinge dank skrupelloser Monopolisten, die Imperien auf Basis von Stahl, Öl, Kohle, Eisenbahnen und Reedereien schufen. Jetzt schreiben wir das 21. Jahrhundert, in dem die vermeintlichen Herrscher der Welt königliche Gewänder gegen maßgeschneiderte Anzüge aus der »Savile Row«, Wappen gegen Firmenlogos, Kronen gegen Computer und Zepter gegen Smartphones getauscht haben. Die Thronsäle von einst sind den Vorstandsetagen, Bundesgerichts- höfen, Speisesälen exklusiver Clubs und Hinterzimmern von Unternehmen gewichen von wo aus heutzutage der Rest der Menschheit gelenkt und kontrolliert wird. Diese neue Monarchie ist, wie die Monarchen des Mittelalters, besessen vom Thema Zucht. Die Rockefellers und Aldriches, die Averills und Harrimans und auch die Walkers sorgen dafür, dass sie jemanden mit dem Namen Bush, Forester oder Rothschild hei- raten (und anschließend ihre Hochzeitsreise im amerikanischen Buckingham Palast, also dem Weißen Haus? verbringen). Die Mit- glieder dieser Dynastien unserer modernen Monarchie sind ebenso untereinander verschwägert, elitär und despotisch wie die Lords und Ladies vergangener Zeiten. 91 Im Gegensatz zur Monarchie dunkler Vergangenheit kann diese neue Art von Tyrannen jedoch nicht auf das Märchen des »göttlichen Rechts« zurückgreifen, um ihre Machtposition zu rechtfertigen. Mit dem Verschwinden der mittelalterlichen Königreiche begann eine neue Ära - eine, in der Empirismus und wissenschaftliche Forschung an die Stelle religiöser Überliefe- rungen traten. Die Herrscher des Medienzeitalters bedurften eines wissenschaftlich klingenden Anstrichs, um die Doktrin »göttlichen Rechts« zeitgemäßer zu gestalten und gleichzeitig die vermeint- liche Autorität der Minderheit über die Mehrheit zu bewahren. Glücklicherweise ließ eine pseudowissenschaftliche Begründung für ihren Herrschaftsanspruch nicht lange auf sich warten. Denn 1859 veröffentlichte Charles Darwin »Über den Ursprung der Arten durch natürliche Selektion oder die Erhaltung begünstigter Rassen im Kampf um das Leben«. Binnen zehn Jahren legte Darwins Vetter, Francis Galton, mit »Hereditary Genius« nach, einer Untersuchung, die erklären sollte, warum reiche, erfolgreiche Menschen dazu neigen, reiche und erfolgreiche Nachkommen zu zeugen. Galton musste nicht lange nach Beweisen für dieses Phänomen suchen. Sowohl die Galtons als auch die Darwins die, wie zu erwarten, untereinander heirateten konnten diverse berühmte Denker und Schriftsteller vorweisen, darunter Erasmus Darwin, den Großvater von Charles und Francis. Genauso wenig überraschend ist, dass Galton es für selbstver- ständlich hielt, dass allein Vererbung für das eigene Schicksal - sei es gut oder schlecht verantwortlich war. Mit anderen Worten: Nachkommen der Reichen und Gebildeten waren ebenfalls reich und gebildet. Nicht, weil sie exklusive Schulen besuchten und sie sämtliche Sonnenseiten des Lebens genossen, sondern schlichtweg wegen ihrer Gene. Mit dieser vorgefassten Schlussfolgerung im Kopf widmete sich Galton unter dem Aufwand beträchtlicher 92 Energien dem Versuch, seine Theorie zu beweisen. Er gründete Gesellschaften, organisierte Konferenzen, lancierte Zeitschriften und richtete Labore ein, die dem Studium der Frage gewidmet waren, wie es den Galtons und ihren Mitstreitern der Oberschicht gelang, so wohlhabend zu werden (und warum sie das verdienten). Im Wesentlichen stellte Galton die Behauptung auf, dass Menschen, ebenso wie Hunde auf Aggression oder Pferde auf Tempo, ge- züchtet werden können, um deren Intelligenz oder Emsigkeit zu optimieren. Im Jahr 1883 prägte er den Begriff »Eugenik« aus dem Griechischen 0 (wohl) und -yevnic (Rasse, Stamm, Verwandt- schaft) um jene neue, wissenschaftliche Domäne zu beschreiben, die Humanevolution in eine Richtung lenken könnte, die »die rassische Qualität zukünftiger Generationen« verbessert. Schon der Begriff »Eugenik« entlarvt also die zugrunde liegende Annahme dieser eigennützigen Ideologie nämlich, dass es »gute« Gene gibt, die gefördert werden müssen, und »schlechte« Gene, die aus dem Genpool eliminiert werden müssen, um so die »Rasse« zu »verbessern«. Und wie bei derlei Definitionen üblich, sind es jene, die die Definitionen erfinden, die entscheiden, was »gute« und »schlechte« Gene ausmacht und die selbstredend nur sich selbst als geeignet erachten, ihre Gene »zum Wohl der Rasse« an die Zukunft zu vererben. Obwohl die Grundannahme der Eugenik auf den ersten Blick recht harmlos erscheint, kommt der Eugenik-Pionier schnell zu einer Reihe von extremen Schlussfolgerungen. Eine davon ist der Glaube, dass Arme, Behinderte oder anderweitig Beein- trächtigte tatsächlich das Produkt schlechter Fortpflanzung sind. Ist man arm, liegt das daran, dass man aus »schlechter Zucht« stammt. Ist man ein Dieb, liegt das daran, dass man aus einer Familie von Kriminellen stammt. Und ist man ein reicher Geschäftsmann, ein erfolgreicher Politiker oder ein talentierter 93 Wissenschaftler, liegt das vor allem an den guten Genen. Die Reichen und Mächtigen verdienen es also, über den Rest zu herrschen so der Zirkelschluss weil ihre Erblinien sie reich und mächtig gemacht haben. Eine weitere Schlussfolgerung, die der Hypothese von »guten« und »schlechten« Genen ent- springt, ist, dass die Gruppen von Individuen, die in der Lage sind, andere zu dominieren sei es militärisch, wirtschaftlich oder auf andere Weise nicht nur das Recht haben, diese Macht auszuüben, sondern sogar verpflichtet sind, dies im Interesse der Verbesserung der Spezies zu tun. Kurz gesagt: Macht schafft Recht wer nicht Teil der richtigen Blutlinie ist, ist aus schlechter Zucht und gegen uns. Diese Scharlatanerie in Begriffen der modernen Wissenschaft auszudrücken, lässt ihr und ihren Anhängern - bereits zu viel Anerkennung zuteil werden. Zu Galtons Zeit wusste man schließlich noch nichts über Vererbung oder Genetik. Die Arbeiten von Gregor Mendel einem obskuren, augustinischen Mönch, der Mitte des 19. Jahrhunderts mit seinen Experimenten zur Züchtung von Erbsenpflanzen die wissenschaftliche Erforschung der genetischen Vererbung einläutete wurden erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts anerkannt und veröffentlicht fast zwei Jahrzehnte nachdem Galton den Begriff »Eugenik« prägte.8 Was die Genetik betrifft, so wurde das Wort »Gen« erst 1909 in den Sprachgebrauch eingeführt. Und der Mechanismus, durch den Desoxyribonukleinsäure (DNA) genetische Informationen kodiert, wurde erst Mitte des 20. Jahrhunderts verstanden. Bis zu diesem Zeitpunkt spekulierte man über die Existenz einer Art »Protoplasma«, das vererbbare Merkmale von einer Generation auf die nächste überträgt wie, verstand man aller- dings nicht. Weder die Eigenschaften noch die Merkmale dieses 94 »Protoplasmas« waren bekannt. Das hielt Mainstream-Eugeniker wie Arnold Gesell - ein angesehener Kinderpsychologe des frühen 20. Jahrhunderts und Namensgeber des Gesell Institute of Child Development an der Yale University nicht davon ab, zu erklären, dass »Überwachung und Segregation« der als »schwachsinnig« eingestuften Menschen notwendig seien, um »die schreckliche Neubildung dieses defekten Protoplasmas zu verhindern, das den Fluss des Dorflebens verseucht«.? In der Tat war Eugenik für die Zirkel der englischen »Elite«, die diese Ideologie ursprünglich ersannen und propagierten wie auch für die amerikanischen Ideologen, die ihnen folgten weniger wissenschaftliche Theorie als Glaubenskonstrukt. Zu deren Verteidigung muss man außerdem einräumen, dass die Urheber des eugenischen Dogmas immerhin so sehr an ihre Über- zeugungen glaubten, dass sie das, was sie predigten, auch selbst praktizierten. Ein kurzer Blick auf die Familienstammbäume der frühen Eugeniker zeigt, dass sie demselben inzestuösen Heirats- muster folgten wie der alteingesessene Adel. Die inzestuöse Oberschicht glaubte tatsächlich, sie hätte eine wissenschaftliche Grundlage für ihre Neigung gefunden, Cousins und Nichten zu heiraten. Indem sie nur untereinander verkehrten, so ihre Überlegung, könnten sie ja sicherstellen, dass ihre »reinen« Gene nicht durch die »degenerierten« Gene des Normalbürgers verunreinigt werden. Charles Darwin war zum Beispiel besessen von Inzucht. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass die Darwins über Generationen hinweg mit den Wedgwoods verheiratet waren. Natürlich setzte Charles dieses Muster fort, indem er seine Cousine ersten Grades zur Frau nahm: Emma Wedgwood. Beide stammten vom Gründer der berühmten Porzellan-Dynastie, Josiah Wedgwood ab, der selbst seine Cousine dritten Grades geheiratet hatte. 95 Nach einer Weile stellte Darwin jedoch die Vermutung an, dass Inzucht vielleicht auch Nachteile hat. Drei seiner zehn Kinder, schwächlich und kränklich, starben in der Kindheit. Drei weitere blieben trotz langjähriger Ehen kinderlos. Das war aber nicht das einzige Unglück für Charles und Emma. Von zweiundsechzig Nachkommen des Josiah Wedgwood konnten nur vierundzwanzig Kinder zeugen, die bis ins Erwachse- nenalter überlebten. Charles war über dieses Phänomen so besorgt insbesondere, nachdem seine eigenen botanischen Forschungen die schädlichen Auswirkungen von Inzucht in der Botanik offenbart hatten dass er das Parlament bat, die britische Volkszählung von 1871 um eine Frage nach Ehen zwischen Cousins und Cousinen zu erweitern. Ein Antrag, den das Parlament jedoch ablehnte.19 Charles’ Bedenken hielten die Darwins und Wedgwoods allerdings nicht davon ab, weiterhin untereinander oder Mitglieder ausgewählter aristokratischer, wissenschaftlicher Kreise Großbritanniens zu heiraten. Zum Beispiel Familienmitglieder der Galtons und Huxleys. Auch der Misserfolg dieses Selbstexperiments in Sachen Eugenik hinderte die Familie Darwin-Wedgwood nicht daran, das Thema weiter mit manischer Hingabe zu erforschen. Im Gegenteil. Die weniger zufriedenstellenden Ergebnisse motivierten sie, ihren Einsatz zu verdoppeln. Getrieben von der Hoffnung, dass vereinte Ressourcen und Intelligenz den »Code« der Inzucht »knacken« und eine Rasse von Übermenschen hervorbringen könnten. Was uns zurück zu Francis Galton bringt. Sein Eifer bei der Fortführung der Untersuchungen war so groß, dass Galton neben der Prägung des Begriffs »Eugenik« auch das erste Eugenik- Forschungslabor am University College in London gründete, ein monatliches Journal namens »The Eugenics Review« ins Leben rief und die British Eugenics Society (BES) initiierte. 96 Die Mitgliederliste der British Eugenics Society liest sich nicht nur wie ein Who’s Who der britischen Wissenschaftler des frühen 20. Jahrhunderts, sondern auch wie ein erweitertes Stammbuch der Familie Darwin-Wedgwood-Galton. Zu den Zweigen dieses Stammbaums gehörten: Leonard Darwin Obwohl er keinen wissenschaftlichen Abschluss hatte, beklei- dete bekleidete Charles Darwins Sohn Leonard nach Francis Galton von 1911 bis 1928 das Amt des Vorsitzenden der British Eugenics Society (BES) damit war er Nachfolger seines Halb- vetters zweiten Grades, was bedeutet, dass Leonard Darwin und Francis Galton zwar Cousins waren, aber eine Generation auseinanderlagen. Anschließend war Leonard bis zu seinem Tod 1943 Ehrenpräsident der Gesellschaft. Er heiratete zweimal (einmal die Enkelin seiner Tante), konnte jedoch keine Nach- kommen zeugen, sondern widmete sich stattdessen seiner Sorge um die Reproduktionsgewohnheiten der »gemeinen Leute«. John Maynard Keynes Der gefeierte Ökonom, der sich für eine Weltzentralbank und eine globale Währung aussprach, war von 1937 bis 1944 Präsident der British Eugenics Society (BES). Sein jüngerer Bruder heiratete eine Enkelin von Charles Darwin Charles Galton Darwin - ein prominentes Mitglied der British Eugenics Society (BES). Charles Galton Darwin glaubte, dass die Neigung der unteren Klassen, große Familien zu zeugen, die Zukunft der Menschheit bedrohe. Er war ein Enkel von Charles Darwin. 97 Julian Huxley Julian Huxley war Biologe, von 1959 bis 1962 Präsident der British Eugenics Society (BES) und dafür bekannt, dass er argumentierte, menschliche »Stämme« müssten kontrolliert und wie landwirt- schaftliche Bestände verwaltet werden. Er erhielt zwei Mal die Galton Memorial Lecture, die Darwin-Medaille der Royal Society, die Darwin-Wallace-Medaille der Linnean Society und war Mit- begründer des World Wildlife Fund, den er zusammen mit seinen Eugenik-Kollegen Prinz Philip von Großbritannien und Prinz Bern- hard der Niederlande ins Leben rief. Huxleys Nichte aus der Linie seiner Halbschwester heiratete einen Urenkel von Charles Darwin. Jenseits dieses eng verbundenen Netzwerks von Inzuchtanhängern gab es aber auch andere Fans der Eugenik, die in der Bewegung Macht und Einfluss gewannen und zwar die selbsternannten »Progressiven«, die an die Perfektionierung der Gesellschaft durch Sozialingenieure glaubten und zu einem großen Teil dafür verantwortlich sind, dass die Welt heute so ist wie sie ist. Unter den Eugenik-Extremisten fand sich beispielsweise der berühmte Autor und politische Denker H. G. Wells. Bekannt für Science-Fiction- Geschichten wie »Der Krieg der Welten« und »Die Zeitmaschine«, gerät Wells’ Rolle als politischer Autor heute in den Hintergrund, obwohl er zum Entwurf der Allgemeinen Erklärung der Menschen- rechte der Vereinten Nationen von 1948 beigetragen hat. 11 Noch weniger bekannt sind seine Sachbücher, siehe »Anticipa- tions of the Reaction of Mechanical and Scientific Progress Upon Human Life and Thought«, das den Aufstieg einer technokrati- schen Weltregierung prognostizierte, die er die »Neue Republik« nannte. In Wells’ Vision würde diese Regierung »minderwertige« Rassen, die er als »diese Schwärme von schwarzen, braunen, 98 schmutzig-weißen und gelben Menschen« bezeichnete, »die nicht den Anforderungen der neuen Effizienz entsprechen«, ausmerzen. Wie jeder gute Eugeniker zeigt er keinerlei Skrupel, weite Teile der menschlichen Spezies zum Tod zu verurteilen weil sie das »Verbrechen« begehen, nicht in die »effiziente« Weltordnung zu passen, die er von dieser »Neuen Republik« erwartete: »Nun, die Welt ist eine Welt, keine Wohltätigkeitsinstitution, und ich nehme an, sie werden verschwinden müssen. Der ganze Tenor und Sinn der Welt ist, so wie ich es sehe, dass sie gehen müssen. Soweit sie nicht gesunde, kraftvolle und ausgeprägte Persönlichkeiten für die großartige Welt der Zukunft entwickeln, ist ihr Los, auszusterben und zu verschwinden.«12 Eine weitere berühmte Eugenik-Enthusiastin war Marie Stopes. 1921 gründete sie eine Organisation, die mit Großbritanniens erster Klinik für Familienplanung verbunden war - die »Gesell- schaft für konstruktive Geburtenkontrolle und Rassenentwick- lung«. Eines der Gründungsprinzipien besagte, dass die Klinik daran arbeite, »Sicherheit vor der Empfängnis fiir diejenigen zu bieten, die rassisch krank, bereits mit Kindern überlastet oder in irgendeiner Weise nicht für die Elternschaft geeignet sind.«13 Diese »Sicherheit« beinhaltete die Zwangssterilisation von Personen, die als »ungeeignet fiir die Elternschaft« galten.14 Wenig überraschend also, dass Stopes, die Hitler 1939 ein Exem- plar ihres Buches »Love Songs for Young Lovers« schickte und 1942 ein Gedicht mit den Zeilen »Katholiken, Preußen, die Juden und die Russen, alle sind ein Fluch oder etwas Schlimmeres«13 schrieb, zeitlebens Mitglied der British Eugenics Society16 war. Als sie 1958 starb, vermachte sie einen Großteil ihres Vermögens 99 dieser Organisation.!7 Bezeichnend, dass genau dieses Mitglied des modernen, von Eugenik beseelten »Adels« 2008 von der Royal Mail mit einer Briefmarke geehrt wurde, die ihr Antlitz zeigt. 18 Mit religiöser Inbrunst von ihren Anhängern gepredigt, hatte sich die Religion der Rassenlehre und genetischen Überlegen- heit bald über den Atlantik hinweg ausgebreitet. Einer ihrer frühen Verfechter in Kanada war Tommy Douglas, ein Politiker, der für seine Rolle als »Vater der [kanadischen] Medicare« so sehr verehrt wurde, dass man ihn 20041? in einer nationalen Umfrage zum größten Kanadier aller Zeiten wählte. 1933, im Alter von 29 Jahren, reichte Douglas eine Masterarbeit an der McMaster University zum Thema Eugenik als Lösung für die wirtschaftlichen Probleme des Landes ein. Darin argumentierte er, dass »Subnormale«, »Defekte« und »Idioten« Menschen mit niedrigem IQ oder körperlichen Anomalien eine übermäßige Belastung für die Gesellschaft darstellten. Er trat dafür ein, sie »auf einer staatlichen Farm oder in einer Kolonie unterzubringen, wo Entscheidungen für sie von einem kompetenten Aufseher getroffen werden könnten«, und forderte den Staat auf, »geistige und körperliche Eignung« zu zertifizieren, um die »Ungeeigneten« daran zu hindern, zu heiraten und Kinder zu bekommen«.20 Aber so effektiv die britischen und kanadischen Apostel auch dabei waren, die Lehren der Eugenik zu verbreiten, im Vergleich zu den Plänen, die von ihren amerikanischen Verbündeten geschmiedet wurden, verblassten ihre »Errungenschaften« geradezu. Denn in Amerika war Eugenik nicht auf die Hallen von Akademien oder Zeitschriften gelehrter Gesellschaften beschränkt. Ganz im Gegenteil. Der Einfluss der Eugenik war so weitreichend, dass sie zur treibenden Kraft der Räuber- barone, zum Lieblingsthema angehender Sozialingenieure 100 und zum wichtigsten Vorhaben einer Reihe von Politikern und Intellektuellen wurde. Ein Hauptakteur der eugenischen Zirkel Amerikas war Charles Davenport, ein Zoologe, der an der Harvard Universität ausgebildet wurde und in einer streng puritanischen Familie der New-England-Kongregationalisten aufgewachsen war. Davenports autoritärer Vater, besessen von Genealogie, untersuchte den eigenen Familienstammbaum bis zu seinen angelsächsischen Vorfahren im Jahr 1086. Als der junge Davenport beim Arbeiten in einem biologischen Labor auf Long Island auf die Schriften von Francis Galton stieß, fand er seinen Lebenszweck. Das erklärte er später auch der American Breeders Association, die zu einem wichtigen Verbündeten in Sachen Eugenik wurde: »Die Gesellschaft muss sich selbst schützen; genauso wie sie das Recht beansprucht, dem Mörder das Leben zu nehmen, so kann sie auch das hässliche Ungeheuer des hoffnungslos bösen Protoplasmas vernichten«.?1 Davenport widmete sich genau diesem Vorhaben und verbrachte Jahre damit, ein amerikanisches Eugenik-Labor sowie eine Organi- sation zu gründen, die mit dem Pendant seines englischen Helden Galton konkurrieren sollte. Irgendwann fand er den idealen Ort für dieses Labor: Cold Spring Harbor, ein Weiler an der Nordküste von Long Island. Dort richtete er eine »Station für experimentelle Evolution« und ein »Eugenics Record Office« (ERO) ein. Das ERO sollte Dreh- und Angelpunkt von Davenports Forschung im Bereich Eugenik werden. Nach seiner Vorstellung sollte es ein umfassendes Register anlegen, welches den »Stammbaum« eines jeden Amerikaners dokumentiert ein ehrgeiziges Ziel, so viel ist sicher. Doch woher sollte das ERO Informationen für ein solch monumentales Verzeichnis beziehen? Die Antwort lieferte Davenport selbst in einem Pamphlet von 1910. Titel: 101 »Eugenik: Die Wissenschaft der menschlichen Verbesserung durch bessere Zucht«. »Sie liegen verborgen in den Aufzeichnungen unserer zahlreichen Wohltätigkeitsorganisationen, unserer 42 Institutionen für die Schwachsinnigen, unserer 115 Schulen und Heime für Gehörlose und Blinde, unserer 350 Krankenhäuser für Geisteskranke, unserer 1.200 Zufluchtsheime, unserer 1.300 Gefängnisse, unserer 1.500 Krankenhäuser und unserer 2.500 Arme- häuser. Unsere großen Versicherungsgesellschaften und unsere Hochschulsporthallen haben zehntausende von Aufzeichnungen über die Charakteristiken menschlicher Blutlinien. Diese Aufzeichnungen sollten studiert, die für Vererbung relevanten Daten gefiltert und ordnungsgemäß auf Karten dokumentiert werden. Diese Karten sollten an ein zentrales Büro gesendet und studiert werden, damit die Daten in ihrer korrekten Beziehung zu großen Stämmen menschlichen Protoplasmas, die durch das Land ziehen, geordnet werden können.«22 Ausgestattet mit dieser immensen Menge an Daten sammelten sich Davenport und ein Korps von Forschern, Politikern, Anwälten, Ärzten, Richtern des Obersten Gerichtshofs und anderen einfluss- reichen Persönlichkeiten um die Fahne der Eugenik und lancierten eine Massenbewegung, die darauf abzielte, »die Öffentlichkeit zu schiitzen« vor dem Übel nachteiliger Reproduktion. Diese Eugeniker des frühen zwanzigsten Jahrhunderts versetzten die amerikanische Offentlichkeit sowohl in Panik als auch Wut darüber, dass die Welt von »defekten« Nachkommen Krimineller, Glicksspieler, Alkoholiker, promiskuitiver Frauen und zu guter Letzt rassischer Minoritdten und Behinderter überrannt werden 102 würde. Gesetzgeber aller Bundesstaaten des Landes begannen, Gesetze zu erlassen, die es der Regierung ermöglichten, Frauen und Männer, die als besonders gefährdet galten, ihre »Fehler« auf Kinder zu übertragen, unfreiwillig zu sterilisieren. Auf diese Weise konnte das Land sich endlich sicher sein, dass der Genpool fortan nicht mehr mit genetischem »Abfall verschmutzt« würde. 1907 wurde in Indiana das erste Zwangssterilisationsgesetz verabschiedet.23 Bis 1914 hatten zwölf Bundesstaaten ähnliche Gesetze erlassen.24 Insgesamt verabschiedeten über dreißig Bundesstaaten Gesetze, die es der Regierung erlaubten, Bürger gegen ihren Willen zu sterilisieren mehr als 60.000 Personen, die als geistig behindert, krank oder sozial benachteiligt galten, wurden solchen Eingriffen unterzogen.25 Der Fall »Buck versus Bell« von 1927 brachte die Frage der Verfassungsmäßigkeit solcher Zwangssterilisationen vor den Obersten Gerichtshof der USA. Das Gericht entschied, dass die Angeklagte eine Frau namens Carrie Buck, die zusammen mit ihrer Mutter zwangseingewiesen wurde, weil sie ein uneheliches Kind bekommen hatte »schwachsinnig« und »promiskuitiv« sel. Aufgrund dieser Einstufung entschied das Gericht, dass der Staat berechtigt war, sie sterilisieren zu lassen. Das Urteil in diesem Fall spiegelte die Meinung von Richter Oliver Wendell Holmes Jr. wider, einem fanatischen Eugeniker, der sich für die Zwangssterilisation »untauglicher« Menschen aussprach.?26 Er schloss seine Urteils- begründung mit der berüchtigten Aussage: »Drei Generationen von Schwachköpfen sind genug«.27 Nun sind »Schwachsinn« und »geistige Behinderung« natürlich keine medizinischen Begriffe. Hinzu kommt, dass Carrie Buck ihr uneheliches Kind nicht aus Leichtsinn gezeugt hatte, sondern weil sie vom Neffen ihrer Pflegeeltern vergewaltigt worden war. Sogar die Regierung von Virginia räumt ein: »Spätere Beweise zeigten schließlich, dass 103 Buck und viele andere keine Erbfehler hatten«.28 Das Urteil blieb dennoch bestehen und der Oberste Gerichtshof hielt an seiner Meinung fest, dass Regierungen das Recht haben, ihre Bürger an der Fortpflanzung zu hindern. Wer waren denn die Geldgeber dieses dunklen, weitgehend ver- gessenen Kapitels der Geschichte? Klar. Es war der selbsternannte »Adel«, der von den vorgefassten Schlussfolgerungen dieses pseu- dowissenschaftlichen Glaubenskonstruktes profitierte. So zeigt sich, dass das Davenport Eugenics Record Office, das 1910 von Mary Harriman gegründet wurde,2? Mitglied der kriminellen Bush-Harriman-Familie der Union Banking Corporation,3? von den Rockefellers und Carnegies finanziert wurde.31 Die Räuberbarone begnügten sich aber nicht damit, ihre neu entdeckte Religion namens Eugenik im eigenen Land zu verkünden, sondern schickten sich an, sie auch ins Ausland zu exportieren. Die Rockefellers zum Beispiel halfen dabei, eine aufkeimende eugenische Bewegung in Deutschland zu fördern und zu finanzieren. Wenig verwunderlich also, dass die Eugenik in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg mit offenen Armen empfangen wurde. Nachdem der Erz-Polemiker der US-Eugenik, Madison Grant, in seinem 1916 erschienenen Werk »Der Untergang der großen Rasse: Die Rassen als Grundlage der Geschichte Europas« über die Gefahren der Rassenvermischung und die Notwendigkeit strenger Eugenik-Gesetze für die nordische Vorherrschaft plädiert hatte, schrieb ein junger Unteroffizier der deutschen Wehrmacht namens Adolf Hitler einen persönlichen Brief an Grant, in dem er das Buch als seine »Bibel« bezeichnete.32 In Deutschland tat sich vor allem Gustav Boeters, ein Mediziner, der als Schiffsarzt durch Amerika reiste und dort von Zwangs- sterilisationen und Einschränkungen für Mischehen erfuhr, als Vertreter von Rockefellers Eugenik-Programm hervor. Nachdem 104 er wieder in Deutschland angekommen war, begann Boeters, für Eugenik zu missionieren. Er wurde als »Sterilisationsapostel«33 bekannt, weil er sich für die Legalisierung (und schließlich die Verordnung) der Sterilisation von Blinden, Tauben, »Idioten« und anderen »schwachsinnigen« Personen engagierte. Doch inter- nationale Aufmerksamkeit erregte Deutschland in puncto Eugenik erst mit der Gründung der Kaiser-Wilhelm-Instituts (KWI) in den 1920er Jahren. Das KWI eine Konstellation von assoziierten For- schungseinrichtungen, die aus der renommierten Kaiser-Wilhelm- Gesellschaft hervorgingen fungierte als Dachorganisation für Forschung in den Bereichen Physik, Chemie, Biologie, Pathologie und anderen wissenschaftlich gängigen Disziplinen. Zum Netzwerk des KWI gehörten auch ein Institut für Anthropologie, menschliche Vererbung und Eugenik, ein Institut für Psychologie und ein Institut für Hirnforschung. Alle drei sollten eine wesentliche Rolle im deutschen Eugenik-Programm spielen. Wie zu erwarten, wurden alle drei Institutionen primär von der »Rockefeller Foundation« finanziert. Nach Beratung durch den langjährigen Rockefeller/ Carnegie-Forscher Abraham Flexner begann die Rockefeller-Stif- tung 1922, Geld in die Kaiser-Wilhelm-Institute zu pumpen. Von 1922 bis 1926 vergab die Rockefeller-Stiftung 290.000 US-Dollar und 120.000 US-Dollar für internationale Stipendien an deutsche Forscher im Bereich »menschlicher Psychobiologie« und anderen auf Eugenik bezogenen Disziplinen.34 Wie Edwin Black in seinem Buch »War Against the Weak: Eugenics and America’s Campaign to Create a Master Race« dokumentiert, begann die Finanzierung durch die Rockefeller-Stiftung in den späten 1920er Jahren zuzu- nehmen. Das Geld aus den USA hielt die psychiatrische Forschung Deutschlands in dieser Zeit fast im Alleingang über Wasser: »Rockefeller-Funktionäre waren fasziniert von dem Ver- sprechen der Psychiatrie und begannen, sich mit deutschen 105 Psychiatern aller Couleur zu verbünden. Das Deutsche Psy- chiatrische Institut war das erste, das viel Geld erhielt. Im Mai 1926 gewährte Rockefeller dem Institut 250.000 Dollar, kurz nachdem es sich mit dem Kaiser-Wilhelm-Institut zum Kaiser-Wilhelm-Institut für Psychiatrie zusammenge- schlossen hatte. Im folgenden November stellten die Rocke- feller-Treuhänder dem neuen Institut weitere 75.000 Dollar zur Verfügung.«35 Einer der leitenden Forscher am Kaiser-Wilhelm-Institut für Psychiatrie war Ernst Rüdin. Er sollte später auch Direktor des Instituts werden. Rüdin war einer der wichtigsten Architekten des Eugenik-Programms im Dritten Reich und Mitherausgeber offizieller Regeln und Kommentare für das »Gesetz zur Ver- hütung erbkranken Nachwuchses«, das am 14. Juli 1933 ver- abschiedet wurde, weniger als sechs Monate nachdem Hitler von Reichspräsident Paul von Hindenburg zum Interimskanzler ernannt worden war. Das Gesetz, das sich, wie amerikanische Eugeniker höhnisch bemerkten, »fast wie das amerikanische Modellsterilisationsgesetz liest«,36 ordnete die Zwangssterili- sation von »Defekten« in acht verschiedenen Kategorien an: Schwachsinnige, Schizophrene, manisch-depressive Menschen, Huntington-Chorea-Kranke, Epileptiker, Erbkranke, Blinde und Taube. Alkoholiker, eine neunte Kategorie, sollten optional in die Liste aufgenommen werden, mit einer Warnung vor der Aufnahme gewöhnlicher Trunkenbolde. Daraufhin wurden rund 200 »Erbgesundheitsgerichte« eingerichtet, die nicht-öffentliche Verfahren zur Auswahl geeigneter Sterilisationskandidaten durchführten. Bis Ende 1933 hatten diese Sondergerichte bereits 84.600 Fälle verhandelt, wobei 62.400 der Angeklagten als »un- tauglich zur Fortpflanzung« eingestuft und zur Zwangssterilisa- tion verurteilt wurden. Zwischen 1933 und 1939 hatten NS-Ärzte 106 rund 400.000 Menschen sterilisiert. Die meisten von ihnen waren deutsche Staatsbürger, die in psychiatrischen Kliniken lebten.37 Obwohl der Direktor für Naturwissenschaften der Rockefeller- Stiftung, Warren Weaver, in seinem Bericht an die Treuhänder von 1933 feststellte, dass die Eugenik im Rahmen seines vor- geschlagenen Programms »keine Unterstützung erhalten« würde, dachte er nur ein Jahr später offen darüber nach, »ob wir eine so solide und umfangreiche Genetik entwickeln können, dass wir hoffen dürfen, in Zukunft überlegene Männer zu züchten«.38 Die Rockefeller-Stiftung ihrerseits achtete darauf, den größten Teil der Gelder, die sie dem KWI gab, über ihre Pariser Büros zu leiten, um der öffentlichen Kontrolle in den USA zu entgehen. Die Finanzierung wurde in den 1930er Jahren und bis zum Aus- bruch des Zweiten Weltkriegs fortgesetzt. Das Ausmaß der auf Eugenik basierenden Gräueltaten des Dritten Reiches wurde in den USA und im Rest der Welt erst nach dem Zweiten Weltkrieg bekannt. Zum ersten Mal wurde Eugenik zu einem Unwort. Über die Rolle von Organisationen wie der Rockefeller-Stiftung bei der Finanzierung der Institutionen und Einzelpersonen, die die Politik des Dritten Reiches formulierten, wurde jedoch nicht berichtet. Dem Zorn öffentlicher Debatte entzogen, suchte der wohlhabende, von Eugenik besessene »Adel« nach einem Weg, seine eugenische Vision abseits des Rampenlichts weiter zu verfolgen. Der Plan: Man wollte nicht die Konzepte oder Ideale der Eugenik ändern, sondern nur den Namen. Dieser Plan wurde 1957 von C. P. Blacker, dem Ehrensekretär der Eugenics Society, formalisiert, der ein Memo über »Die Zukunft der Eugenik- Gesellschaft« verbreitete, in dem er argumentierte, »dass die Ge- sellschaft ihre Ziele mit weniger offensichtlichen Mitteln verfolgen sollte, das heißt mit einer Politik der Krypto-Eugenik«.39 Oder, wie der Mitbegründer der American Eugenics Society, Frederick 107 Osborn, 1968 noch prägnanter schrieb: »Eugenische Ziele werden am ehesten unter einem anderen Namen als Eugenik erreicht«.40 Dementsprechend änderte Eugenics Quarterly, eine von Osborn mitgegründete Zeitschrift zum Zweck der Veröffentlichung von Forschungsergebnissen, 1970 ihren Namen in Social Biology und 2008 in Biodemography and Social Biography.41 Die American Eugenics Society nannte sich ab 1972 ebenfalls Society for the Study of Social Biology und dann, in jüngerer Vergangenheit, Society for Biodemography and Social Biology.42 Die British Eu- genics Society folgte diesem Beispiel und änderte ihren Namen 1989 in The Galton Institute43 und 2021 in The Adelphi Genetics Forum.44 Um die Öffentlichkeit noch weiter zu irritieren, verlegte die American Eugenics Society ihren Hauptsitz in den frühen 1950er Jahren von New Haven, Connecticut, direkt in die New Yorker Büros des Population Council von John D. Rockefeller III, von wo aus sie auch finanziert wurde.45 Von der Mitte des 20. Jahrhunderts bis heute wurden die wider- wartigen Ideen der Eugenik durch Euphemismen wie »Bevolke- rungskontrolle«, »Molekularbiologie«, »soziale Demographie« und eine Vielzahl anderer kryptischer Begriffe verschleiert. Doch hinter welchem Begriff sie sich auch immer verstecken mogen, Eugeniker verbreiten weiterhin das gleiche, pseudowissenschaft- liche Dogma zu denselben Zwecken, zu denen Galton und seine Gefolgsleute es vor über einem Jahrhundert propagierten um die Existenz des modernen »Adels« zu rechtfertigen, jener er- habenen Kaste, die es »verdient«, über uns zu herrschen, weil ihre »liberlegenen« Gene es »verdienenc. Die Geschichte der Eugenik ist ebenso unbekannt wie barba- risch. Sie verbindet einige der reichsten und prominentesten 108 Persönlichkeiten der Neuzeit mit einer grausamen Ideologie, die verachtenswerte und verwerfliche Politik und Praktiken fördert. Diejenigen, die sich der Annalen der Eugenik nicht bewusst sind, können unmöglich verstehen, wie sehr sie die postmonarchis- tische Ära des Möchtegern-Adels, der seinen Supermachtstatus noch weit über die Abschaffung des »göttlichen Rechts« und »königlichen Blutes« hinaus bewahrte, geprägt hat. Es ist in der Tat nicht schwer nachzuvollziehen, warum Eugenik die reichen und privilegierten Mitglieder der modernen Bour- geoisie vereinnahmt. Die Eugenik bietet genau das, was sie brauchen: ein mythologisches Fundament, mit dem sie ihren Machtanspruch und Reichtum begründen können. Auf das Wesent- liche gebracht, besagt dieser Mythos nichts anderes wie der alte Mythos vom »göttlichen Recht« der Könige dass die Reichen und Mächtigen reich und mächtig sind, weil sie von Natur aus besser sind als die Armen und Schwachen. Doch weil sie sich hinter wissenschaftlich klingenden Argumentationslinien verbirgt, anstatt sich auf göttliche Autorität zu berufen, entspricht Eugenik den modernen Sensibilitäten der Aufklärung einfach besser. Zugegeben, die meisten Mitglieder des Neo-Adels sind nicht wirk- lich »Könige« oder »Königinnen«. Sie werden auch nicht als »Götter auf Erden« verehrt. Beängstigend ist aber, dass viele Menschen unbewusst die politische Weltanschauung dieser Neo-Aristokratie übernommen haben. Unter dem Banner von »Bevölkerungs- kontrolle«, »Umweltschutz« und »Nachhaltigkeit« versammeln sich Millionen getäuschter Schulkinder und Erwachsener und setzen sich ohne es zu wissen für Deindustrialisierung und Bevölkerungsreduktion ein. Sprich, genau für jene Welt, die sich die Eugeniker seit jeher wünschen. Eine Welt, in der einige wenige Privilegierte über die verarmten Massen herrschen. Eine 109 Welt, in der »Neo-Lords« die »Neo-Bauern« einer neofeudalen Gesellschaft unterjochen. Diese Neo-Herrscher mögen keine juwelenbesetzten Kronen tragen oder goldene Zepter schwingen, aber solange wir in ihren krypto-eugenischen Umtrieben nur die Rolle nützlicher Idioten spielen, können wir uns genauso gut verbeugen, einen Knicks machen und das Gegenüber mit »Eure Majestät« ansprechen. Hier ist die gute Nachricht: Es ist keine blutige Revolution er- forderlich, um die Tyrannen des Genpools zu stürzen. Sobald wir die Eugenik als das pseudowissenschaftliche Geschwätz entlarven, das sie ist, werden wir in der Lage sein, sie (und ihre euphemistisch betitelten Projekte) ein für alle Mal in den Müll- eimer der Geschichte zu befördern. 1 »Why were people of noble birth said to be blue blooded?« History Extra, 1. Dezember 2014. archive.is/FUEgC 2 Sherwell, Philip: »Barack Obama’s team prepare etiquette and gifts for President’s meeting with Queen« The Telegraph, 28. März 2009. archive.fo/YYd77 3 Preston, Hannah: »Donald Trump Touches Queen Elizabeth, Breaks Royal Protocol During Visit to Buckingham Palace« Newsweek, 3. Juni 2019. archive. fo/VFZPj 4 Khan, Razib: »Inbreeding & the downfall of the Spanish Hapsburgs« Discover Magazine, 14. April 2009. archive.fo/cOOUF 5 Keating, Fiona: »King Tutankhamun: Latest Tests Prove the Boy Pharaoh was Product of Incest« International Business Times, 19. Oktober 2014. archive.fo/ Al1LO 6 Zitiert aus Darwin, Charles: »The Descent of Man, 2. Edition (London: John Murray, 1901) Seite 43 110 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 Allon, Janet: »American Royalty: Lynn Forester De Rothschild Has A New Mission In Life« Avenue Magazine, 1. April 2016. archive.fo/1YSG9 »1900: Rediscovery of Mendel’s Work« National Human Genome Research Institute, 22. April 2013. archive.fo/M9zYh »Wisconsin river town was focus for eugenics campaign« Daily Herald, 4. 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Die Neokonservativen nutzten die Ereignisse jenes Tages als Vorwand, um die Landkarte des Nahen Ostens neu zu gestalten, die Bill of Rights auszuhöhlen, den Polizeistaat des Heimatschutzes ins Leben zu rufen und Größe wie Macht der Regierung in Washington aggressiv auszuweiten. In jüngster Zeit erlebten wir jedoch den Beginn einer neuen Ara den »Krieg gegen den Cyber-Terror«. Versuche, sich in sensible Computersysteme von Behörden zu hacken, neue Formen von Ransomware, die Computer auf der ganzen Welt infizieren und Online-Bedrohungen unserer kritischen Infrastruktur werden als Vorwand genutzt, um eine rasche Expansion des Cybersicher- heit-Establishments zu rechtfertigen. Doch bislang fand noch kein katalysierendes Ereignis in der digitalen Sphäre statt, das dem 11. September entspricht. Oder, um es mit den Worten der Cyber-Kriegstreiber zu sagen: Einen »Cyber 9/11« haben wir noch nicht gesehen. Zumindest hat man uns das glauben machen wollen. Tatsächlich hat die umfassendste Cyber-Terror-Attacke aller Zeiten aber bereits stattgefunden am 11. September 2001, am selben Tag, an dem der »Krieg gegen den Terror« ausgerufen wurde. An diesem Cyberangriff waren von der US-Regierung als Terroristen eingestufte Akteure sowie ein Softwareunternehmen beteiligt, das direkten Zugang zu einigen der sensibelsten Computersysteme des Landes hatte. Die Geschichte, wie es dazu kam, ist umso be- merkenswerter, da kaum jemand je von ihr gehört hat. Warum nicht? Das Cybersicherheit-Establishment muss die Geschichte unter Verschluss halten. Warum? Weil sie zeigt, 113 dass genau die Bundesbehörden, die unter dem Vorwand der Cyber-Terror-Hysterie nach mehr Macht rufen, die Instanzen sind, die aktiv am größten Angriff auf die Cybersicherheit in der Geschichte beteiligt waren. Laut den FBI-Agenten, deren Ermittlungsergebnisse zu diesen Vorgängen zurückgehalten wurden, war das »Versagen« im Bereich Cybersicherheit der Grund dafür, dass 9/11 überhaupt stattfinden und der »Krieg gegen den Terror« beginnen konnte. Es ist eine Geschichte von internationalem Terror und Terrorfinanzierung. Sie deckt ein Gebiet von Amerika bis Saudi-Arabien ab. Es geht um beteiligte Geschäftsleute, Politiker und Terrornetzwerke. Und es beginnt an einem der unwahrscheinlichsten Orte in den Büros einer obskuren Softwarefirma für Unternehmenslösungen mit Sitz in einem verschlafenen Vorort von Boston. »Enterprise Architecture Software« (ERP) bezeichnet ein Com- puterprogramm, das alle Daten einer Organisation visualisiert. Einschließlich der Transaktionen, Interaktionen, Systeme, Prozesse und Mitarbeiter. Der allumfassende Charakter dieser Software ermöglicht ihrem Benutzer, einen Überblick über das Unter- nehmen aus der Vogelperspektive zu gewinnen. Sie ermöglicht die Kartierung, Visualisierung und Analyse eines Unternehmens oder einer anderen Organisation in Echtzeit. Eine Möglichkeit, diese Art von Software zu verwenden, besteht darin, äußerst detaillierte, exakte Prognosen darüber zu erstellen, wie sich Änderungen in den Prozessen eines Unternehmens auf das Endergebnis auswirken. Was würde passieren, wenn zum Beispiel zwei Abteilungen zu- sammengelegt oder Teile der Produktion ausgelagert würden? Als sich derartige Softwarelösungen in den 1990er Jahren weiter- entwickelten, wurden sie von einem rein nützlichen Werkzeug zu etwas wirklich Revolutionärem. Eine ausgeklügelte ERP-Software 114 kann beispielsweise alle Transaktionen, die in einem Finanz- institut stattfinden, in Echtzeit analysieren und die Daten auf mögliche Geldwäsche-Operationen oder unseriöse Händler hin untersuchen. Eine solche Software hätte potenziell sogar den Insiderhandel im Vorfeld von 9/11 erkennen können (siehe »Geschäfte mit dem 9/11-Terror« an anderer Stelle in diesem Buch). In Kombination mit rudimentären KI-Fähigkeiten wäre so ein Programm nicht nur in der Lage, illegale Transaktionen zu identifizieren, sondern könnte diese auch stoppen, sobald sie stattfinden. Wenn die Software ausgefeilt genug ist, könnte sie das Unternehmen sogar vor illegalen Aktivitäten warnen, bevor diese stattfinden. Der Nutzen von ERP-Software für Unternehmungen aller Art sollte demnach offensichtlich sein. Es ist daher nicht verwunderlich, dass zahlreiche Regierungsbehörden und Konzerne in den 1990er Jahren heiß auf diese Art von Computerprogramm waren. Überraschend ist allerdings, dass so viele von ihnen die Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA), das Federal Bureau of Investigation (FBI), der Secret Service, das Weiße Haus, die Marine, die Luftwaffe, die Federal Aviation Administration (FAA), die North Atlantic Treaty Organization (NATO), IBM, Booz Allen Hamilton, Price Waterhouse Coopers sowie eine Vielzahl weiterer Regierungsbehörden, Finanzinstitute und Konzerne sich mit ihrem Bedarf nicht an einen der Tech-Giganten, sondern eine kleine Softwarefirma namens »Ptech« mit Sitz in Neuengland wandten, um diese sensible Software zu liefern. Ptech, Inc. wurde 1994 in Quincy, Massachusetts, gegriindet. Innerhalb der ersten zwei Jahre schloss das Unternehmen bereits einen Vertrag mit der DARPA ab, um den Transfer kommerzieller Software-Methoden in den Verteidigungssektor zu unterstützen. 115 1997 erhielt das Unternehmen dann die Sicherheitsfreigabe, um sich an sensiblen Verträgen mit dem Verteidigungsministerium und anderen Regierungsbehörden zu beteiligen.2 Bis 2001 hatte Ptech ein Portfolio von Kunden akquiriert, das jeden anderen Softwareanbieter vor Neid erblassen ließ. Vom Machzentrum des Weißen Hauses bis zum Hauptquartier des FBI, vom Keller der FAA bis zur Vorstandsetage von IBM, um nur einige der am besten gesicherten Organisationen der Welt zu nennen. Die Soft- ware dieser Organisationen läuft auf den am besten geschützten Servern, auf denen die sensibelsten Daten gespeichert sind. Und Ptech war mittendrin. Als Anbieter von ERP-Software erhielt Ptech so faktisch die Schlüssel zum Cyberspace der gesamten US-Regierung. Der Zugang zu diesen heiligen Hallen der Digitalisierung ermög- lichte es dem Unternehmen, sich ein detailliertes Bild von den Organisationsstrukturen seiner Kunden zu machen, einschließlich deren Schwächen und wunden Punkten. Die Analysen von Ptech zeigten auf, wie diese Probleme von Dritten ausgenutzt werden können, um den Kunden bei der Abwehr potenzieller Angriffe zu helfen. Vorgeblich zumindest. Hinter dem überwältigenden Erfolg verbarg sich jedoch eine besorgniserregende Tatsache viele der Top-Investoren und Mitarbeiter von Ptech hatten eine Geschichte, die die Kunden hätte alarmieren müssen. Das Unternehmen wurde mit 20 Millionen US-Dollar Startkapital gegründet, fünf Millionen US-Dollar wurden dabei von Sarmany Ltd. bereitgestellt, einer Investmentgesellschaft, die Yassin al-Qadi gehört und kontrol- liert.? Al-Qadi ist ein wohlhabender, gut vernetzter saudischer Geschäftsmann, der gerne mit seiner Beziehung zu Dick Cheney prahlt.4 Er hat Verbindungen zu verschiedenen muslimischen Wohltätigkeitsorganisationen, denen Finanzierung des internatio- nalen Terrorismus vorgeworfen wird.5 Nach dem 11. September 116 2001 wurde al-Qadi von der US-Regierung offiziell zum »Specially Designated Global Terrorist« (SDGT) erklärt. Sein Vermögen wurde eingefroren.® Zu dieser Zeit leugneten die Eigentümer und leitenden Manager von Ptech, dass al-Qadi in irgendeiner anderen Weise als durch seine ursprüngliche Investition beteiligt war. Aber eine Klageschrift aus dem Jahr 2007 zeigt, dass das FBI davon ausging, dass Ptech lügt.’ Es wird behauptet, al-Qadi habe weiterhin Millionen von Dollar über verschiedene Strohmänner und Anlageinstrumente in das Unternehmen investiert.8 Im Jahr 2002 räumten die Anwälte von al-Qadi ein, dass es »möglich« sei, dass ein Vertreter von al-Qadi »bis kürzlich« im Vorstand von Ptech saß.? Hussein Ibrahim, Vizepräsident und Chefwis- senschaftler von Ptech, ist ehemaliger Vizepräsident von BMI, einer in New Jersey ansässigen, auf Immobilien spezialisierten Investmentfirma, die wiederum einer der ersten Investoren von Ptech war und die Finanzierung des Gründungsdarlehens von Ptech bereitstellte.19 BMI vermietete Computerausrüstung an Ptech'! und nahm Zahlungen im Namen von Kadi International entgegen einem Unternehmen, dass sich im Besitz von keinem Geringeren als Yassin al-Qadi'2 befindet. Im Jahr 2003 räumte der Anti-Terror-Zar Richard Clarke ein, dass »während BMI sich öffentlich als Finanzdienstleister für Muslime in den Vereinigten Staaten präsentierte, seine Investorenliste die Möglichkeit nahelegt, dass diese Fassade nur ein Deckmantel ist, um die Unterstützung von Terroristen zu verbergen«.13 Eine weitere schillernde Persönlichkeit, die mit Ptech in Verbindung gebracht wurde, ist Suheil Laher, der als leitender Software- architekt von Ptech tätig war. Wenn er nicht gerade jenen Code entwickelte, der Ptech detaillierte Betriebspläne der sensibelsten Behörden der US-Regierung liefern sollte, schrieb er Artikel, in denen er den Heiligen Krieg des Islam lobte.14 Laher zitierte 117 bevorzugt Abdullah Azzam, Osama Bin Ladens Mentor und Chef von Maktab al-Khidamat, dem Vorläufer von al-Qaida. Dass ein derart seltsamer Haufen Zugang zu einigen der sensi- belsten Behörden der US-Bundesregierung erhielt, ist an sich er- schreckend genug. Umso erstaunlicher ist, dass diese Gruppe eine Software betrieb, die es ihr ermöglichte, jeden Prozess und jede Operation innerhalb der angeschlossenen Behörden abzubilden, zu analysieren und in Bezug auf systemische Schwachstellen zu untersuchen. Besonders beunruhigend ist die Verbindung zwischen Ptech und genau den Behörden, die für die Ereignisse des 11. September 2001 verantwortlich sind. Vor dem 11. September 2001 arbeitete Ptech zwei Jahre lang daran, potenzielle Probleme oder Schwächen in den Reaktions- plänen der FAA auf Ereignisse wie die Entführung eines Flugzeugs durch einen Terroristen über dem US-Luftraum zu identifizieren. Gemäß seinem eigenen Geschäftsplan für den FAA-Vertrag erhielt Ptech Zugang zu allen Prozessen und Systemen in der FAA, die sich mit Krisenreaktionsprotokollen befassen. Dazu gehörte die Analyse des »Netzwerkmanagements, der Netzwerksicherheit, des Konfigurationsmanagements, des Fehlermanagements, des Performance-Managements, der Anwendungsadministration, des Netzwerkabrechnungsmanagements und des Helpdesk-Betriebs«.?> Mit anderen Worten: Ptech hatte freie Hand dabei, jedes System und jeden Prozess zu untersuchen, der bei der FAA als Reaktion auf ein Ereignis wie den 11. September zum Einsatz käme. Darüber hinaus bekam Ptech auch noch den konkreten Auftrag, potenzielle Interoperabilitätsprobleme zwischen der FAA, NORAD und dem Pentagon im Falle eines Notfalls im US-Luftraum zu analysieren. Der Umfang der Arbeit mit diesen Behörden verschaffte Ptech 118 operative Informationen über die Systeme, die die FAA, das North American Aerospace Defense Command (NORAD) und andere bei Krisenreaktionsübungen wie »Vigilant Guardian« einsetzten - jener NORAD-Ubung, die am 11. September 2001 stattfand.16 Zu diesen Übungen gehörten Simulationen mit entfithrten Jets, die nach New York geflogen1? oder in Regierungsgebdude gesteuert werden.18 Dies ist insofern von Bedeutung, da alles darauf hindeutet, dass die Ubungen erfunden wurden, um Verwirrung zwischen Trainings und realen Ereignissen zu stiften, auf die NORAD am betreffenden Tag reagierte. Wie der Analyst Michael Ruppert anmerkt, hatte ein abtriinniger Agent mit Zugang zu einer Ptech-Hintertiir am 11. September in den FAA-Systemen gezielt falsche Radarsignale auf den Bild- schirmen platzieren konnen.1? Dieses Szenario würde »Phan- tomflug 11« erklären, den die FAA um 9:24 Uhr, lange nachdem Flug 11 bereits das World Trade Center getroffen hatte, an NORAD meldete. Ein Bericht, dessen Quelle die 9/11-Kommission nach eigenen Angaben nicht finden konnte.20 Kurz gesagt, am Morgen des 11. September 2001 lief die Software von Ptech, die mit dem ausdrücklichen Ziel entwickelt wurde, ihren Benutzern einen voll- ständigen Überblick über alle Daten zu geben, die in Echtzeit durch eine Organisation fließen, auf genau den Systemen, die Amerika gegen Anschläge im Stil von 9/11 verteidigen sollten. Der Vater der ERP-Architektur hochstselbst, John Zachman, erklärte, dass man mit einer Software vom Typ Ptech, die auf einem sensiblen Server installiert ist, »wissen wiirde, wo sich die Zugangspunkte befinden, wie man hineingelangt, wo die Schwachstellen sind und wie man das System zerstören kann«.21 An dieser Stelle kommt das FBI ins Spiel. In den späten 1990er Jahren leitete Robert Wright ein FBI-Spezialagent der Außenstelle 119 Chicago »Vulgar Betrayal«, eine Operation zur Analyse von Terrorismusfinanzierung.22 Diese Untersuchung wurde von seinen Vorgesetzten von Anfang an behindert. Wright und seinen Mitarbeitern wurde nicht einmal eine angemessene Computer- ausrüstung zur Verfügung gestellt.23 Dank Wrights Weitsicht und Beharrlichkeit gelang es den Ermittlern dennoch, einige Erfolge zu verzeichnen. Darunter die Beschlagnahmung von 1,4 Millionen US-Dollar, die auf Yassin al-Qadi zurückzuführen sind.24 Wright war zunächst erfreut, als ein ranghoher Ermittler damit beauf- tragt wurde, Informationen über »den Gründer und Finanzier von Ptech« zu sammeln. Doch der Ermittler tat nichts. Er schob während der gesamten Dauer des Falls lediglich Akten hin und her.25 Kurz nach den Bombenanschlägen auf die US-Botschaften in Afrika im Jahr 1998 begann Vulgar Betrayal, einen Finanz- strom zu verfolgen, der al-Qadi mit dem Anschlag in Verbindung brachte. Doch nach Wrights Angaben geriet sein Vorgesetzter in Rage, als er diesem eine strafrechtliche Untersuchung zu al-Qadis Verbindungen vorschlug. Sein Chef schrie: »Ihr werdet keine strafrechtlichen Ermittlungen einleiten. Ich verbiete es euch. Gegen keine dieser Zielpersonen des Nachrichtendienstes werdet ihr Ermittlungen aufnehmen.«26 Wright musste Vulgar Betrayal im darauffolgenden Jahr verlassen. Die Operation selbst wurde im Jahr 2000 eingestellt. Nach den Anschlägen des 11. September suchte Indira Singh, die bei JPMorgan Chase als Beraterin für Risikomanagement arbeitete, nach ERP-Software, um die nächste Generation des Risikomanagements in ihrem Bereich zu implementieren. Beein- druckt von Ptechs Kundenstamm, lud Singh die Firma ein, ihre Software bei der Bank zu präsentieren. Bei der Durchführung einer sorgfältigen Prüfung im Zusammenhang mit dem Deal entdeckte sie jedoch bald die Verbindungen zwischen Ptech und 120 der internationalen Terrorismusfinanzierung. Singh arbeitete bis zur Erschöpfung daran, diese Verbindungen aufzudecken, um das FBI in Boston davon zu überzeugen, eigene Ermittlungen gegen Ptech aufzunehmen. Wie Singh später gegenüber Bonnie Faulkner von der KPFA-Radiosendung »Guns and Butter« aus- führte, teilte ihr ein Agent des Büros aber mit, dass sie selbst in einer besseren Position sei, um dem Fall auf den Grund zu gehen als irgendjemand vom FBI.27 Trotz der beharrlichen Bemühungen von Singh und Zeugenaussagen von Insidern informierte das FBI nicht eine der Behörden, die Verträge mit Ptech abgeschlossen hatten, darüber, dass es Bedenken hinsichtlich des Unternehmens oder seiner Software gab.28 Ende 2002 durchsuchten schließlich Mitglieder von »Operation Green Quest« einer vom US-Zolldienst geleiteten, behördenüber- greifenden Einheit, die im Oktober 2001 gebildet worden war, um Quellen der Terrorismusfinanzierung trockenzulegen jene Büros von Ptech, die im Verdacht standen, Verbindungen zu al-Qadi und Terrorfinanzierung zu haben. Noch am selben Tag erklärte der Pressesprecher des Weißen Hauses, Ari Fleischer, das Unternehmen und seine Software seien sicher. In den Main- stream-Artikeln über die Razzia war man bemüht, Ptechs Dementi in den Vordergrund zu stellen, das negierte, dass eine Razzia stattgefunden habe. Stattdessen beharrte Ptech darauf, den Er- mittlern freiwillig »Zugang gewährt« zu haben. Das Unternehmen behauptete außerdem, die Regierung habe versichert, dass »weder Ptech noch seine Beamten oder Mitarbeiter Ziele der Ermittlungen der Regierung sind«.2? Die Razzia bei Ptech führte nicht zu einer Anklage. Weder al-Qadi noch sonst jemand im Unternehmen wurde irgendeines Verbrechens angeklagt. Stattdessen startete Michael Chertoff, der damalige Leiter der Kriminalabteilung des Justizministeriums, den kontroversen Versuch, Green Quest 121 unter die Kontrolle des FBI zu bringen.30 Im Juni 2003 wurde die Operation aufgelöst.31 Für seine Bemühungen wurde Chertoff mit einem Posten als US-Bezirksrichter belohnt und 2005 zum US-Heimatschutzminister ernannt. In der Zwischenzeit gelang es al-Qadi nach jahrelangem Rechtsstreit, seinen Namen von der Liste der »Specially Designated Global Terrorists« streichen zu lassen.32 Die Vertuschung seitens Ptech war abgeschlossen und die Presse schwieg die Geschichte tot. Im Abschlussbericht der 9/11-Kommission, der 2004 veröffentlicht wurde, wird Ptech nicht erwähnt. Angesichts der bemerkens- werten Informationen, die über die Verbindungen dieses Unter- nehmens zu US-Regierung und Terrorfinanzierung existieren, ist die Unterschlagung von Ptech im Abschlussbericht gelinde gesagt verblüffend. Geradezu bedrohliche Formen nahm dieses Versäumnis an, als ans Licht kam, dass der Co-Vorsitzende der 9/11-Kommission, Thomas Kean, 24 Millionen Dollar an einem Immobiliengeschäft mit BMI verdiente,3 einer Organisation, die eng mit Ptech verbunden ist. Sieben Jahre nach der Razzia bei Ptech, im Juli 2009, schien es endlich einen Durchbruch in diesem Fall beim FBI zu geben. Die Außenstelle des FBI in Boston publizierte eine aus 2007 stammende Anklageschrift gegen Oussama Abdul Ziade, den ehemaligen CEO von Ptech, und Buford George Peterson, den ehemaligen CFO und COO. In der Anklage wird den beiden vorgeworfen, das Ausmaß der Investitionen und Verbindungen von al-Qadi zu Ptech wissent- lich verschwiegen zu haben, als sie einen Kreditantrag bei der amerikanischen Small Business Administration (SBA) stellten.34 Peterson wurde noch an dem Tag, an dem die Anklageschrift entsiegelt wurde, auf dem John F. Kennedy Airport in New York verhaftet. Der Prozess gegen Peterson endete jedoch im Jahr 2010, 122 weil die Jury zu keinem Ergebnis kam. Denn die Beweise zeigten, dass es Ziade und nicht Peterson war, der den Kreditantrag für die SBA ausgearbeitet hatte. Im Jahr 2012 wurde Petersons Anklage vom US-Staatsanwalt für den Bezirk Massachusetts35 abgewiesen. Ziade, der in den Libanon geflohen war, wurde nie verhaftet oder vor Gericht gestellt. Seit über zwei Jahrzehnten werden Ermittlungen gegen Ptech, gegen Mitarbeiter, Investoren und das Management des Unter- nehmens im Keim erstickt, unterdrückt oder sabotiert. Dem US Cyber Command, der NSA, dem FBI und all deren Kumpanen im terroristisch-industriellen Komplex kommt das sehr gelegen. In deren Augen ist es nämlich am besten, wenn die gesamte Ptech-Affare unter den Teppich gekehrt und nie wieder erwähnt wird denn sie zeigt, dass das FBI und andere Bundesbehörden, die mit dem »Schutz« des »Heimatlandes« beauftragt wurden, willfahrige Komplizen sind. Ungeachtet dessen ist die Ptech-Affare aber der Beweis dafür, dass ein »Cyber 9/11« bereits stattfand und zwar am 11. September 2001. 1 Corbin, Lisa: »Tools of the Trade« Government Executive, 1. September 1996. archive.is/jQQvs 2 »Raided al Qaeda-linked tech firm got Clinton clearance to work for FAA, FBI, Pentagon« Center for Security Policy, 6. Dezember 2002. archive.is/J5hvF 3 Pope, Justin: »Software company tries to survive terrorism investigation« Daily Herald, 4. Januar 2003. archive.is/dhNO5 4 »Treasury action smacks of arrogance, violates human rights, says al-Qadi« Saudia-Online, 14. Oktober 2001. archive.is/eJUeF 123 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 Letter from David D. Aufhauser to M. Claude Nicati: »Re: Yassin A. Kadi« 29. November 2001, Seiten 36-39. archive.is/FfF70 »Treasury Department Releases List of 39 Additional Specially Designated Global Terrorists« U.S. Department of the Treasury, 12. Oktober 2001. archive.is/QS0Y »Former Ptech Officer Arrested for SBA Loan Fraud« U.S. Attorney’s Office, District of Massachusetts, 15. Juli 2009. archive.is/IONAf »United States of America v. Oussama Abdul Ziade and Buford George Peterson« United States District Court, District of Massachusetts, Indictment, 1. März 2007. archive.is/fr8zp Hosenball, Mark: »High-Tech Terror Ties?« Newsweek, 5. 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Mai 2012. archive.is/Z91Rn 125 Deine Seele für ein Matrıx-Steak Es ist vielleicht nicht die erste Szene, die ihnen in den Sinn kommt, wenn sie an den Film »Matrix« denken, aber wenn sie den Film gesehen haben, erinnern sie sich wahrscheinlich daran, wie Cypher im Restaurant ist und Agent Smith erzählt, warum er Neo und seine Freunde verrät: »Ich weiß, dass es dieses Steak nicht gibt«, sagt Cypher, während er auf ein saftig rotes Stück Fleisch schaut, das am Ende seiner Gabel baumelt. »Ich weiß, dass die Matrix meinem Gehirn sagen wird, dass es saftig und lecker ist, wenn ich es in den Mund nehme«. Ich könnte wetten, sie erinnern sich an den Moment, in dem er sich das Fleisch in den Mund steckt, die Augen vor Genuss schließt und murmelt: »Unwissenheit ist ein Segen«. Lange Rede, kurzer Sinn. Für diejenigen, die den Hollywood- Streifen nicht gesehen haben: Die »Matrix« ist eine computer- generierte Illusion, die den Menschen glauben machen soll, im Jahr 1999 zu leben. Die fiktive Welt des Films ist jedoch im 22. Jahrhundert angesiedelt in dem die Menschheit von einem Schwarm heimtückischer Roboter versklavt wurde. Gefangen in einem riesigen Netzwerk von Brutkästen, werden mensch- liche Körper zur Gewinnung elektrischer Energie gezüchtet, die genau jene Roboter mit Strom versorgt, die die Menschheit versklaven. Jeder wurde in die Matrix gelockt, in eine virtuelle Realität, die verhindern soll, dass Menschen die Wahrheit über ihre Misere erfahren geschweige denn, jemals etwas dagegen unternehmen können. 126 In gewisser Weise hat Cypher Recht: Er ist nicht in einem Res- taurant. Er isst kein Steak und er spricht mit niemandem. Alles, was er erlebt, ist eine Illusion, die durch ein ausgeklügeltes Computerprogramm ins Leben gerufen und in sein zentrales Nervensystem eingespeist wird. Aber sein Gehirn gaukelt ihm vor, dass er ein leckeres Steak isst und Jahrgangswein trinkt. Und das genügt ihm. Was wäre, wenn ich ihnen nun mitteilen würde, dass die Dollars, Pesos, Euros oder Yen, die sie in Ihrer Brieftasche mit sich herumtragen, der Unwirklichkeit eines Matrix-Steaks in nichts nachstehen? Was ist, wenn sie ihr ganzes Leben in einem Geschäft, einem Büro oder einer Fabrik ge- schuftet haben, Tag für Tag, Jahr für Jahr, für etwas, das nicht einmal real ist? Und was wäre, wenn genau wie im Film irgendjemand, irgendwo, eines Tages einfach einen Schalter umlegen könnte, der all die Matrix-Steaks, die man sein ganzes Leben lang begehrte, einfach so verschwinden lässt? Würde sie das aus der Bahn werfen? Okay. Ich weiß, was sie denken: »Was? Du vergleichst unser Geld- system mit der Matrix? Als nächstes wirst du uns erzählen, dass eine Armee von Robotern existiert, die uns eine falsche Realitat vorgaukeln, um uns zu versklaven«. Von Robotern habe ich nichts gesagt. Aber gehen wir einen Schritt zurück. Schließlich kann man niemandem erklären, was die Matrix ist —- man muss sie selbst erkennen. Also schauen sie einfach mal rein. Offnen sie ihr Portemonnaie. Los! Öffnen sie es. Wenn sie das Glück haben, einen der Fetzen Papier zu besitzen, der an ihrem Wohnort als Geld durchgeht, nehmen sie ihn heraus. Was sehen sie? Handelt es sich nicht einfach nur um einen bunt bedruckten Streifen Baumwolle? Doch wie ist das möglich? Warum entwickeln Menschen Unarten und begehen Verbrechen, um an Geld zu kommen? Warum wird die große Liebe dafür aufs Spiel gesetzt? Warum werden Kriege 127 geführt, Morde begangen und ehrenwerte Männer in Verruf gebracht, um Geld zu machen? Stellen sie sich vor, ein Marsianer landet zum ersten Mal auf unserem Planeten und beobachtet die menschliche Spezies. Er sieht, wie wir uns Tag für Tag von zu Hause ins Büro und wieder nach Hause schleppen. Er schaut zu, wie wir im Laden stehlen, unsere Nachbarn betrügen, unsere Liebsten verraten. Und das alles für Geld dieses flüchtige Stückchen Papier? Das ergibt keinen Sinn. Es muss mehr hinter diesem System stecken, als auf den ersten Blick erkennbar ist würde der Marsianer zwangs- laufig denken. Die farbige Baumwolle, die Menschen in ihren Geldbörsen herumtragen, muss von großem Wert sein. Warum sonst würden sie das Geld so verehren? Ein geradezu extremes Beispiel, um den tatsächlichen Wert (oder dessen Absenz) von Papiergeld zu begreifen, ist Falschgeld. Ge- fälschte Banknoten sehen aus wie echtes Geld. Sie fühlen sich an wie echtes Geld. Ein unaufmerksamer Ladenbesitzer würde einen neu aussehenden Hundert-Dollar-Schein von einem Kunden annehmen und ihn genau so behandeln wie jeden anderen Hundert-Dollar- Schein. Doch sobald sich herausstellt, dass es sich um Falschgeld handelt, wird der Schein wertlos. Nicht, weil der Schein selbst sich verändert hat, sondern weil sich die Wahrnehmung des Ladenbe- sitzers verändert hat. Diese Beobachtung ist kaum revolutionär. Wir alle wissen, dass Geld nichts anderes als farbige Tinte auf Papier ist. So, wie wir alle wissen, dass ein Monet einfach aus Öl auf einer Leinwand besteht. Wir verstehen aber auch, dass die Tinte auf dem Papier und das Öl auf der Leinwand etwas darstellen. Im Falle eines Monet können die Pinselstriche die französische Landschaft darstellen, eine Obstschale oder eine Feier zum Nationalfeiertag. Im Falle von Geld repräsentiert das Papier den zugrunde liegenden 128 Wert. Eine Form von Vermögen. Es ist ein nebulöses Produkt, das entsteht, wenn wir unsere Zeit und Arbeitsleistung mit der realen Welt um uns herum in Verbindung bringen - sei es beim Bau eines Hauses, beim Schreiben eines Computerprogramms oder bei der Raffination eines Fasses Öl. Mit anderen Worten: das bunte Papier, das sie in der Hand halten, ist die physische Darstellung einer Idee. »Und nun?« werden sie vielleicht entgegnen. Um zu verstehen, warum Geld als Konzept eine wichtige tref- fender, revolutionäre Idee ist, müssen wir die Ursprünge des Papiergeldes untersuchen. Wie wir im Geschichtsunterricht gelernt haben, sah Geld nicht immer so aus wie das Bargeld, das wir heute verwenden. Es gab diverse Gegenstände, die zu ver- schiedenen Zeiten, an verschiedenen Orten als Geld zum Einsatz kamen. Von Muscheln über Holzstücke bis hin zu Spielkarten. Einige Objekte wurden im Laufe der Geschichte häufiger als Zahlungsmittel verwendet als andere. Edelmetalle zum Beispiel wurden aufgrund ihrer einzigartigen Eigenschaften nicht nur innerhalb von Gruppen, sondern auch für den Handel zwischen verschiedenen Gruppen verwendet. Tragbare, teilbare, formbare und langlebige Edelmetalle sind selten genug, um für sich ge- nommen wertvoll zu sein. Darüber hinaus werden sie als Zierde oder Schmuck geschätzt. Edelmetalle repräsentieren nicht nur Werte, sie enthalten Werte. Für den »primitiven« Menschen war es also nur logisch, dass aus diesen Edelmetallen geschmiedete Münzen ein ideales Tauschmittel darstellen. Was wäre einfacher, als eine Geldbörse voll mit solchen Münzen auf den Marktplatz zu tragen und sie gegen Waren und Dienstleistungen einzutauschen? Regierungen mögen kommen und gehen, Zivilisationen entstehen und zerfallen, die Gesichter auf den Münzen mögen sich ändern —- aber der Nutzen von Gold und Silber bleibt. Warum also sollte jemand eine andere Form von Geld verwenden? 129 Doch dann passierte etwas Amüsantes. Im Jahr 1095 rief Papst Urban II. zum Heiligen Kreuzzug gegen die Türken auf, die das christlich-byzantinische Reich bedrohten. In den folgenden zwei Jahrhunderten reisten Kreuzritter und Pilger von nah und fern nach Jerusalem, um ihre Frömmigkeit zu beweisen. Damals war es natürlich nicht damit getan, einfach das Reisebüro anzurufen und den nächsten Flug zu buchen. Weite Reisen waren teuer, beschwerlich und oft gefährlich. Da die Kreuzritter alle Münzen, die sie für Nahrung, Kleidung und Unterkunft ihrer Gefolgschaft benötigten, mit sich führen mussten, waren sie ein leichtes Ziel für Wegelagerer. Nach einem besonders blutigen Massaker an christlichen Pilgern am Jordan im Jahr 1119 gab König Balduin II. von Jerusalem einer Bitte des französischen Ritters Hugues de Payens nach, einen Mönchsorden zu gründen, der die Pilger im Heiligen Land beschützen sollte. Damit wurden die legendären »Poor Fellow-Soldiers of Christ and of the Temple of Solomon« besser bekannt als Tempelritter - ins Leben gerufen. Die Strategie, die die Tempelritter entwickelten, um die Reichtümer der Pilger und Kreuzfahrer auf ihrer gefährlichen Reise zu schützen, war ebenso genial wie hinterhältig. Zu Beginn seiner Reise deponierte der Kreuzritter oder Pilger seine Münzen bei den Templern und erhielt dafür ein Zertifikat. Überall entlang der Hauptrouten konnte man sich bei den ört- lichen Templern mit diesem Zertifikat so viel von seiner ursprüng- lichen Einlage auszahlen lassen, wie man wollte. Alles, was die Templer im Gegenzug verlangten, war, einen Teil des Landes des Reisenden während seiner Abwesenheit nutzen zu dürfen. Alles, was auf diesem Land produziert wurde, durften sie verkaufen. Das war ihr Profit. Eine Idee war geboren. 130 Und sie breitete sich aus. Dorfbewohner begannen, ihr Gold in den Tresoren der Goldschmiede zu lagern, um es sicher zu verwahren. Im Gegenzug erhielten sie Zettel, auf denen zu sehen war, wie viel Gold sie eingezahlt hatten. Da es einfacher war, die Zettel zu tauschen als die Münzen selbst, begannen die Dorfbewohner bald, das Papier als Geld zu betrachten. Als die Goldschmiede erkannten, dass nur ein Bruchteil der Dorfbewohner jemals die gesamte Einlage zurück wollte, begannen sie, mehr Zertifikate zu drucken, als Gold in den Tresoren war. Solange nicht alle gleichzeitig kamen, um ihr Gold abzuholen, würde niemand bemerken, dass die Goldschmiede Papiergeld aus dem Nichts erschufen. Erkennen sie den Geruch? Die Goldschmiede haben gerade die allerersten Matrix-Steaks gegrillt. Den Rest der Geschichte muss ich ihnen sicher nicht erzählen. Wie die Zentralbanken gegründet wurden. Wie sich das Finanzsystem entwickelte. Oder das fraktionale Reserve-Banking. Das Fiatgeld, die Aktienmärkte, Derivate, besicherte Schuldverschreibungen, Subprime-Hypotheken, Fannie and Freddie, Lehman Brothers, AIG. Ich denke, sie wissen, wie die Geschichte weitergeht. Und selbst wenn nicht, ist sie wohl selbsterklärend. Denn es ist augenschein- lich alles auf die Entstehung des Papiergeldes zurückzuführen. Als wir das als Zahlungsmittel akzeptierten, als wir entschieden, dass ein Matrix-Steak ein Steak ist, ergab sich der Rest automa- tisch. Die heutigen Templer die Zentralbanker können unser Papiergeld durch Wertpapiere, Anleihen und Staatsanleihen er- setzen. Sie können uns erzählen, dass der neue Matrix-Hamburger genauso lecker ist wie das Filet, das wir früher gegessen haben. Und als verblendete Lohnsklaven, die wir nun mal sind, beißen wir genüsslich hinein. Schließlich ist eine Illusion so gut wie die andere. Erst wenn der Aktienmarkt wieder einmal zusam- menbricht, wird uns bewusst, dass man die Matrix-Steaks gegen 131 Matrix-Hack getauscht hat. Es ist nicht nur nicht echt, es schmeckt nicht einmal gut. Ab diesem Punkt ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis sie uns dazu bringen, noch substanzloseres Matrixgeld zu akzeptieren bevor das ökonomische Kartenhaus endgültig zusammenbricht. Sie haben bereits das Matrix-Hackfleisch der Aktien und Anleihen durch einen Matrix-Spam namens Derivat ersetzt. Sie haben uns das »Mystery Meat« der Simulation in Form von besicherten Schuldverschreibungen (Collateralized Debt Obligations) serviert. Sie haben uns ein artifizielles Fleischersatz- produkt mit Papp-Füllung aufgezwungen und es »Hypothekenbe- sicherte Wertpapiere« genannt et cetera. Stort sie bis schon irgendetwas von dem, was ich gesagt habe oder sind sie immer noch zufrieden mit ihrem Schicksal, obwohl sie wissen, dass all das »Vermögen« in ihrem Portemonnaie nichts anderes als Matrixgeld ist? »Es ist nur eine Illusion, schnauben sie, während ein Stück saftig rotes Matrix-Steak am Ende der Gabel baumelt. »Was solls? So lange alle an die Illusion glauben, ist keiner schlechter dran«. Oder? Und wie zum Beweis schieben sie sich das zarte Matrixfleisch in den Mund und genießen jeden Bissen. »Unwissenheit ist ein Segen«. Aber warten sie einen Moment. Bevor sie das Steak schlucken, werfen sie noch einmal einen Blick auf den Schein in ihrer Hand. Wer hat ihn emittiert? Es sollte drauf stehen. In Kanada ist es die Bank of Canada. In Japan ist es die Bank of Japan. In England die Bank of England. In Europa die Europäische Zentralbank. Und in den USA die Federal Reserve. Der Name der Bank steht auf dieser Banknote, weil sie der Bank gehört nicht ihnen. Ich verrate ihnen das wahre Geheimnis den wahren Schlüssel zur Kontrolle der gesamten Matrix. Beginnend im 17. Jahrhundert und mit der Bank of England hat eine Nationalregierung nach 132 der anderen ihre Macht, schulden-, also zinsfreies Fiat-Geld zu drucken, an private Zentralbanken abgetreten. Ich wiederhole: Eine Regierung nach der anderen, in einem Land nach dem anderen, hat es privaten Aktionären ermöglicht, nicht rechen- schaftspflichtige Institutionen zu gründen, die von nicht gewählten Bankern geleitet werden, die nun die Macht haben, Geld aus dem Nichts zu schaffen. Aber es kommt noch schlimmer. Wie jeder weiß, haben Regierungen Schulden. Die müssen getilgt werden. Aber bei wem sind die Regierungen verschuldet? Na klar, bei den Bankern. Die Regierungen haben nicht nur die Macht, Geld zu drucken, an private Banker abgegeben, sondern leihen sich dieses Geld anschließend auch noch von gleichen Banken. Und da wir in einem System leben, in dem jeder neue Dollar als Schuld mit Zinsen - gegenüber den Bankern geschaffen wird, gibt es schon in dem Moment, in dem der erste Geldschein in Umlauf kommt, automatisch mehr Schulden, als Geld existiert. In der Zwischenzeit, wenn Geld zur Tilgung der auf diesen Geldschein anfallenden Zinsen geschaffen wird, verschuldet sich die Regierung weiter bei den Banken. Diese wachsende Schuld beinhaltet wiederum weitere Zinszahlungen an na, wen wohl? die Banker. So geht das immer fort. Da das Geld selbst aus Schulden geschaffen wird, ist es mathematisch unmöglich, diese Schulden jemals vollständig zurückzuzahlen. Sie werden niemals getilgt. Die Steuern werden niemals sinken. Nicht, weil sie tatsächlich für staatliche »Leis- tungen« verwendet würden, sondern weil sie das Mittel sind, mit dem Regierungen ihre Schulden absichern. Die Schulden, die die Regierung in Ihrem Namen gemacht hat. Die Schulden, die sie jetzt den Bankern schulden. Sie werden immer länger arbeiten und immer höhere Steuern zahlen müssen, um immer größere Schulden zu bedienen - für den Rest Ihres Lebens. Und genauso wird es ihren Kindern ergehen. Und deren Kindern. Bis zum jüngsten Tag. Man kann es nicht beschönigen: Sie sind seit dem 133 Tag der Geburt ein Sklave der Banker. Das sind wir alle. Und der Grund dafür sind diese unschuldig wirkenden, bunten Papiere, die man in der Geldbörse hat. Doch der Katalog der Übel, die so eine Matrix mit sich bringt, hält noch mehr bereit. Es kommt noch schlimmer. Mit einer einfachen Veränderung in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit kann die gesamte monetäre Ordnung in sich zusammenbrechen. Sei es durch den Crash einer Währung, einen Bank-Run, eine Panik an den Märkten oder ein anderes dramatisches Ereignis. Und von einem Moment auf den anderen verschwinden all die Matrix-Steaks genau in dem Abgrund, aus dem sie einst heraufbe- schworen wurden. Denjenigen, die so etwas für unwahrscheinlich halten, muss ich leider mitteilen, dass es nicht nur wahrschein- lich, sondern unvermeidlich ist. Denn jede Fiat-Währung bricht irgendwann zusammen. Im Deutschland der Weimarer Republik war die Papiermark weniger wert als Toilettenpapier. Menschen schoben Schubkarren voller Geldscheine zum Laden, um ein Brot zu kaufen. Wenn sie in ein Restaurant gingen, bezahlten sie ihr Essen bereits zu Beginn der Mahlzeit, weil sie wussten, dass die Preise noch während des Essens steigen würden. Die Deutschen der 1920er Jahre kannten den wahren Wert eines Matrix-Steaks. Und jetzt? Wohin geht die Reise dieser Tage, wenn die illusionäre Stabilität geldpolitischer Ordnung, jener Ordnung, die nach dem Zweiten Weltkrieg und mit Festschreibung des Dollars als globale Reservewährung entstand, ihrem Ende entgegensieht? In einer Zeit, wo Währungskrisen, Bank-Runs, digitales Geld und allerlei andere Formen monetären Wahnsinns um sich greifen. Steht eine Revolution in Haus? Der vollständige Kollaps 134 des Währungssystems? Ja. Hoffentlich. Allerdings wurde dieses System nicht von heute auf morgen eingerichtet daher wird es auch nicht über Nacht zusammenbrechen. Kommen wird ein Prozess des schleichenden Wandels. Dieser Wandel wird nur durch organisiertes, konzertiertes und infor- miertes Handeln ermöglicht. Er wird erfordern, dass wir als Gesell- schaft komplementäre Währungen, lokale Tauschhandelssysteme (LETS), Privatkredite und andere Transaktionsmittel nutzen. Das erfordert, Kreditgenossenschaften, dezentrale Zahlungssysteme und voluntaristische Alternativen zu den staatlich kontrollierten Märkten zu entwickeln und zu unterstützen. Wir können Krypto- währungen verwenden, lokale Organisationen und Bauernmärkte fördern. Wandel bedeutet, dass wir unzählige neue Wege finden müssen, um den wahren Wert unserer Arbeit zu nutzen und damit die Welt zu schaffen, in der wir leben wollen. Etwas, das jeder genau hier und jetzt tun kann, ist die bewusste Entscheidung zu treffen, die Matrix zu durchschauen. Die bunten Papierfetzen als das zu erkennen, was sie wirklich sind appetit- anregende, aber völlig wertlose Matrix-Steaks. Denn es wird eine Zeit im Leben kommen, so wie sie im Leben eines jeden Menschen kommt, in der man gefordert ist, seine Ideale und Überzeugungen, den Kern dessen, was man ist, für ein paar dieser bunten Schnipsel zu kompromittieren. Wie also steht es um sie? Wie weit sind sie bereit, auf der Suche nach dem allmächtigen Mammon zu gehen? Wenn sie jemand bittet, ihre Seele für ein Matrix-Steak zu verkaufen, werden sie dann wie Cypher - die Augen schließen und genitsslich hineinbeifden? 135 Wie man Globalismus wirklich besiegt Im Juli 2013 präsentierte US-Senatorin Dianne Feinstein während einer Sitzung des Justizausschusses des Senats eine höchst unge- wohnliche Karte. Sie zeigte die geografische Lage von vierundfiinfzig »Terror-Ereignissenc, die die National Security Agency (NSA) nach eigenen Angaben, aber ohne Beweise vorzulegen, verhindert haben will. Grundlage dafiir seien Paragraf 702 des FISA Amendments Act und Paragraf 215 des Patriot Act gewesen zwei umstrittene Gesetze, die nach den Anschlägen vom 11. September verabschiedet wurden und der Regierung neue, weitreichende Befugnisse zur Überwachung und Datensammlung einrdumten.! Das ungewöhn- liche an dieser Karte war nicht, dass die NSA eine Marketing-Grafik erstellt hatte, um einem hochrangigen Senator beim Stimmenfang für tyrannische Uberwachungsprogramme im Senat zu helfen - denn bedauerlicherweise ist genau das das Verhalten, das wir von der NSA erwarten würden. Nein, das Besondere an der Karte war, dass sie in vier Regionen unterteilt war: »Europa, Afrika, Asien« und »Heimatland«. Heimatland? Ja, Heimatland. Die Region des Globus, die früher als Nord- und Mittelamerika bekannt war. Die Karte kennzeichnete dafiir ein Territorium, das sich von El- lesmere Island in der kanadischen Arktis bis zu den tropischen Stränden von Panama am Aquator erstreckt. Das wird von der NSA jetzt anscheinend als »Heimatland« bezeichnet. Bei den ehemals souveränen Nationen, die nun plötzlich als Erweiterungen des »Heimatlandes der USA « bezeichnet wurden, löste diese karto- graphische Kuriositét selbstredend Verwirrung aus. 136 Die Mainstream-Medien machten sich lustig über die Situation. Canada.com twitterte: »Wir haben es geschafft! Kanada ist nun Teil des amerikanischen Heimatlandes«2, The Atlantic begrüßte seine einstigen Nachbarn, die so zu Mitbürgern wurden, mit einem herzlichen »Willkommen im Heimatland, Mexiko und Kanada«.3 Lassen wir die Scherze darüber einmal beiseite. Der Vorfall warf die Frage auf, was genau das »Heimatland« ist. Gibt es eine rechtliche Definition? Ja, das tut es tatsächlich, obwohl es den meisten schwerfallen dürfte, sie auf der Website des US- Heimatschutzministeriums (DHS) zu finden. Verstreut über das Leitbild, das Organigramm, die Geschichte und andere Seiten, auf denen die Aktivitäten des DHS und seiner Mitarbeiter beschrieben werden, finden sich zahlreiche Verweise auf »die Nation«, »das Heimatland«, »das US-Homeland« und verschiedene andere Be- zeichnungen, aber keine Erklärung dessen, was diese Ausdrücke eigentlich bedeuten oder welche territorialen Grenzen sie defi- nieren. Um herauszufinden, was das »Heimatland« ist, muss man sich dem Homeland Security Act von 2002 zuwenden.* Dort, im Abschnitt Definitionen, liest man: »Die Begriffe Amerikanisches Heimatland und Heimatland stehen beide für die Vereinigten Staaten«. Nun, damit ist das erledigt, nicht wahr? Nicht wahr? Wenn es nur so einfach wäre. In Wirklichkeit war die neue Grenzdefinition des »Heimatlandes« durch die NSA kein bloßer geografischer Patzer. Vielmehr offenbart sie das Ziel eines Plans, der dieser Tage Gestalt annimmt: die Verschmelzung von Kanada, den USA und Mexiko zu einem gemeinsamen »kontinentalen Sicherheitsraum«. Sollte diese Fusion wie geplant vonstatten gehen, würde sie vereinheitlichte Sicherheitsverfahren und einen umfassenden Informationsaustausch beinhalten als Teil eines langfristigen Vorhabens, das letztlich auf die Schaf- fung einer EU-ähnlichen Regionalregierung mit drei Ländern 137 abzielt. Die Agenda zur Integration der »Americas« wurde wie so viele andere despotische Pläne, einschließlich der Gründung des Heimatschutzministeriums selbst durch die False-Flag- Terroranschldage vom 11. September 2001 in Gang gesetzt. Der giftige Staub über Ground Zero hatte sich kaum gelegt, als der damalige Heimatschutzminister Tom Ridge und der damalige kanadische Vizepremierminister John Manley die »Smart Border Declaration«® zwischen den USA und Kanada unterzeichneten. Diese Erklärung beinhaltete das Versprechen, die Sicherheits- und Strafverfolgungsmafinahmen beider Lander künftig mitein- ander abzustimmen. Die smarte Grenze wurde schließlich durch die »Security and Prosperity Partnership« (SPP) abgelöst, ein trilaterales Rahmen- abkommen zwischen den USA, Kanada und Mexiko, das einen Prozess regulatorischer Integration einleitete. Dokumente, die dem Corbett-Report 2007 zugespielt wurden, enthiillen, dass das SPP vom »North American Competitiveness Council« (NACC) kontrolliert wurde, einem »Gremium, das 2006 von den Staats- und Regierungschefs gegriindet wurde, um dem Privatsektor eine formelle Rolle bei der Beratung zur Steigerung der Wetthewerbs- fähigkeit in Nordamerika zu geben«. Außerdem stellte sich heraus, dass es sich beim SPP-Prozess um eine Initiative handelte, die im Januar 2003 vom »Canadian Council of Chief Executives« (CCOCE) ins Leben gerufen wurde.6 Der CCOCE, der 1976 gegründet wurde und seit 2016 unter dem sympathischer klingenden Namen »Busi- ness Council of Canada« aktiv ist, setzt sich aus den CEOs von 150 führenden kanadischen Unternehmen zusammen. Gemeinsam machen diese Unternehmen »mehr als die Halfte des Wertes der Toronto Stock Exchange aus«.? Seiner Selbstbeschreibung nach könnte man zu dem zynischen Schluss kommen, dass der Business Council of Canada eine Reihe hochrangiger Regierungsheamter 138 aus allen drei Nationen in der Tasche hat und läge damit absolut richtig. Denn man muss nicht lange suchen, um Beweise für ent- sprechende politische Kollusion zu finden. Der Präsident und CEO des Business Council of Canada ist kein Geringerer als der zuvor genannte Unterzeichner der »Smart Border Declaration«, der ehe- malige stellvertretende Premierminister Kanadas, John Manley.8 Als Teile dieser beunruhigenden Verbindungen ans Licht kamen, versuchte der kanadische Premierminister Stephen Harper, Vorwürfe gegenüber der SPP, die den Rahmenvertrag als Beginn einer »Nordamerikanischen Union« werteten, ins Lächerliche zu ziehen. Er beharrte darauf, dass Verschwörungstheorien über »interplanetare« Autobahnen falsch seien und es bei dem Pakt eher um »Regeln für den Inhalt von Jelly Beans« und andere Banalitäten gehe.? Doch die Öffentlichkeit ließ sich davon nicht überzeugen. Nach beispiellosen Protesten beim SPP-Meeting in Montebello, Quebec, Ende 2007 einschließlich der zu zweifel- haftem Ruhm gelangten Enttarnung diverser Agents Provocateurs in Reihen der Demonstranten kamen die Verhandlungen zum Stillstand. Das SPP wurde 2009 auf Eis gelegt. Die Arbeit an der Fusion der nordamerikanischen Staaten ging hinter den Kulissen aber natürlich weiter aber unter anderer Schirmherrschaft. Im Februar 2008 unterzeichneten die kanadischen und ame- rikanischen Streitkräfte beispielsweise ein Abkommen, das es den Truppen beider Länder im Notfall erlaubt, die Grenze zu überqueren - etwa bei inneren Unruhen und Einsätze im jeweils anderen Land durchzuführen. 11 2010 unterschrieben die beiden Länder ein sogenanntes Shiprider-Abkommen, das speziell aus- gewiesenen Schiffen erlaubt, auf gemeinsam genutzten Wasser- wegen zu patrouillieren. Die Besatzung der Schiffe sollte sich aus kanadischen und amerikanischen Strafverfolgungsbeamten?!2 139 zusammensetzen. Im darauffolgenden Jahr gaben Präsident Obama und Premierminister Harper eine Erklärung ab, in der sie einen gemeinsamen Sicherheitsbereich für beide Länder be- kräftigten.1? Das Abkommen von 2011, das in zwei »Aktionspläne« namens »Beyond the Border«14 und »Regulatory Cooperation Council«?5 unterteilt ist, bekräftigte das Bekenntnis zu einem gemeinsam überwachten Sicherheitsbereich sowie einer weiteren Harmonisierung der Regulatorien für Unternehmen. Seltsamer- weise führte die Deklaration auch aus, dass Kanada und die USA »erwarten, mit Drittländern und internationalen Organisationen zusammenzuarbeiten«, um »die Standards zu stärken, die zu unserer allgemeinen Sicherheit beitragen«. Fakt ist, dass keines dieser Abkommen, kein Pakt und keine Part- nerschaft, Erklärung oder Resolution spontan aus dem Nichts entstanden ist. Sie sind das Ergebnis von Planungen für einen Zusammenschluss nationaler Regierungen zu regionalen Ge- bilden, die ihrerseits durch internationale Handelsabkommen, Verträge und Absprachen in den Hintergrund gedrängt, de facto aber eine Weltregierung formen werden. Der Plan, die USA, Kanada und Mexiko zu einer »Nordamerikanischen Union« zu verschmelzen, wurde von drei Organisationen entwickelt: dem Council on Foreign Relations (CFR), dem Canadian Council of Chief Executives (heute Business Council of Canada) und dem Consejo Mexicano de Asuntos Internacionales (COMEXI). 2005 wurde der Entwurf für diese Konsolidierung unter dem Titel »Building a North American Community«16 veröffentlicht. Das Dokument, das von einer Task Force unter dem Co-Vorsitz von (Uberraschung) John Manley erstellt wurde, beschreibt zwei Szenarien des CFR: eines, um »Nordamerika« durch die Schaffung eines kontinentalen Sicherheitsperimeters »sicherer 140 zu machen«, das andere plädiert für die »Schaffung eines nord- amerikanischen Wirtschaftsraums«, der durch Harmonisierung von Regulierungen und den Abbau von Barrieren für berufstätige Grenzgänger gestärkt werden soll. Erstaunlicherweise führt der Entwurf sogar die Bilderberg-Gruppe als Vorbild für den von der Task Force vorgeschlagenen »North American Advisory Council« an, ein Gremium, das »unabhängige« Berater ernennen soll, um »Nordamerika eine Stimme zu geben«. Für mehr Informationen über die Bilderberg-Gruppe, ihre Geschichte und ihre Aktivitäten, lesen sie bitte »Warum wir Bilderberg entgegentreten müssen« an anderer Stelle in diesem Buch. Die drei Partner treiben ihr Konzept der »nordamerikanischen Gemeinschaft« über verschiedene Kanäle voran. Wie 2008 in der CFR Hauszeitschrift Foreign Affairs dargelegt, ist dieser Plan weit mehr als ein politischer Prozess. Er stellt ein kulturelles Phänomen dar, das durch die Schaffung zahlreicher Studiengänge zum Thema Nordamerika an Hochschulen und Elite-Universitäten gefördert wird.!7 Die unabhängige Autorin Dana Gabriel lieferte in einem Artikel, der 2010 im Corbett Report veröffentlicht wurde, Einzelheiten bezüglich dieser kulturellen Konditionierung: »Das Center for North American Studies an der American University in Washington, D.C. »wurde gegründet, um eine neue Generation von Studenten auszubilden, die politische Debatte zwischen den Regierungen und der Öffentlichkeit zu fördern und Ideen für eine kontinentale Zukunft zu erforschen«. Die Arizona State University hat auch das North American Center for Transborder Studies gegründet, dessen Aufgabe es ist, »ein besseres Verständnis von Grenz- und trilateral relevanten Fragen in Nordamerika zu för- dern, indem Wissenschaftler unterstützt werden, die zur 141 Entwicklung innovativer Theorien und umsetzbarer politischer Analysen zu diesen Themen beitragen«. Das North American Integration and Development Center mit Sitz an der University of California, Los Angeles, »strebt danach, Verbindungen zwischen einer Vielzahl von Institu- tionen, Organisationen und lokalen Gruppen aufzubauen, um die nordamerikanische Integration zu fördern«. Diese verschiedenen Zentren sind zusammen mit anderen Initiativen Teil laufender Bemühungen, kommende Gene- rationen so zu konditionieren und zu schulen, dass sie ein nordamerikanisches Bewusstsein akzeptieren.«18 Mit anderen Worten: Hinter dem Wohlfühljargon, der »bessere Verständigung« und »Verknüpfung« ankündigt, verbirgt sich eine dunkle Realität denn die regionale Fusion ist trotz ihres intellek- tuellen Anstrichs rein politisch motiviert und nichts anderes als ein konzerngetriebener, vetternwirtschaftlicher Albtraum. Ebenso frappierend ist die Erkenntnis, dass dieser Prozess nicht mit der verwaltungsrechtlichen Konsolidierung Nordamerikas begann, weil er natürlich nicht an den Grenzen dieses neu gedachten »Heimat- landes« enden wird. Vielmehr handelt es sich um ein weltweites Phänomen mit dem finalen Ziel, weltpolitische Kontrolle in den Händen einiger weniger, mächtiger Oligarchen zu konsolidieren. Dieser Prozess weltpolitischer Konsolidierung ist längst in vollem Gange und betrifft auch andere Kontinente. Afrika hat bereits Schritte zur Gründung einer Afrikanischen Union eingeleitet. 19 Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union versuchen trotz einer Reihe von Misserfolgen,20 ihre Macht über Europa weiter auszuweiten. 142 Wladimir Putins Eurasische Wirtschaftsunion wurde 2015 offiziell ins Leben gerufen.21 Die viel diskutierten »BRICS« Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika deren Akronym sich der Vorstandsvor- sitzende von Goldman Sachs ausgedacht hat,22 treiben ihre eigenen Versuche voran, Regulierungen zu harmonisieren und Grenzen zu überwinden. Derweil warten die Welthandelsorganisation, die Weltgesundheits- organisation, die Vereinten Nationen, der Internationale Wäh- rungsfonds, die Weltbank, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, die Weltzollorganisation und unzählige andere internationale Institutionen, Organisationen, Rahmenverträge und quasi-staatliche Strukturen darauf, das Ziel einer »Weltregierung« zu realisieren wie globalistisch bewegte Oligarchen offen zugeben. War die Karte des »Heimatlandes«, die Senatorin Feinstein präsentierte eine Karte, die ganz Nord- amerika, Mittelamerika sowie die Karibik umfasst einfach nur der unbeabsichtigte Irrtum einer Kartografin? Oder eine fantasievolle Übertreibung? Oder war diese Infografik ein weiterer Versuch der Globalisten, uns an die Unvermeidlichkeit regionaler Regierungen zu gewöhnen? Angenommen, wir entscheiden uns für Letzteres, dann stellt sich die Frage: Wie können wir dieser globalistischen Agenda am besten entgegentreten? Sollen wir uns an den nationalstaatlichen Rahmen als Bollwerk gegen zentralisierte Kontrollstrukturen klammern? Wählen wir diesen oder jenen Präsidenten in der Hoffnung, dass er oder sie das Blatt wenden und den transgene- rationalen Plan der Finanzeliten, Königsmacher und Oligarchen zur Erringung der Weltherrschaft aufhalten wird? 143 Jeder dieser Schritte würde Sinn machen wenn der National- staat die natürliche, rationale und wehrhafte Struktur wäre, die für die Wahrung menschlicher Freiheit steht. Was aber, wenn der Nationalstaat weder eine natürliche noch eine der Freiheit verpflichtete Institution ist? Was, wenn Regionalismus und Nationalismus gar keine Gegensätze sind, wie uns oft erzählt wird, sondern nur verschiedene Seiten derselben Medaille? Und was ist, wenn diese Medaille so ausbalanciert wird, dass jede Auseinandersetzung zwischen diesen beiden Konzepten zum gleichen Ergebnis führt der Weltregierung? Um diese Fragen zu beantworten, gehen wir zurück ins Jena des neunzehnten Jahrhunderts. Geschichtsinteressierte werden diese bescheidene Stadt im Herzen des heutigen Deutschlands sofort als Schauplatz einer der großen Schlachten Napoleons erinnern, eines vernichtenden und entscheidenden Sieges über die preu- Bische Armee, der zur Unterwerfung des Königreichs Preußen durch das französische Reich führte. Diese Niederlage war so demütigend, dass sie den Nürnberger Buchhändler Johann Philipp Palm dazu veranlasste, ein Pamphlet mit dem Titel »Deutschland in seiner tiefen Erniedrigung« zu verteilen, in dem die Deutschen aufgefordert wurden, sich ihren französischen Eroberern mit Waffengewalt zu widersetzen. Seine Belohnung? Palm wurde von einem französischen Erschießungskommando hingerichtet.23 Palms Märtyrertod avancierte zu einer Art Schlachtruf für die entstehende deutsche Nation und inspirierte Johann Gottlieb Fichte, einen einflussreichen Philosophen mit dem Ruf eines revolutionären Brandstifters, seine »Reden an die deutsche Nation zu halten«. In dieser wegweisenden Vortragsreihe, die zwischen Dezember 1807 und März 1808 stattfand, legte Fichte den philo- sophischen Grundstein für eine Idee, die zu dieser Zeit gerade erst Gestalt annahm den Nationalstaat. 144 Bis zum späten Mittelalter war die westliche Welt fast durchgängig unter Monarchien organisiert, in denen Könige und Königinnen das göttliche Recht auf Herrschaft beanspruchten. Die Revo- lutionen in den Vereinigten Staaten und Frankreich am Ende des 18. Jahrhunderts symbolisierten den Todeskampf dieser Herrschaftsform obwohl noch in den Sternen stand, auf welcher Grundlage der Staat in der postmonarchischen, postfeudalen Welt organisiert sein würde. Indem er »nur für Deutsche und nur von Deutschen« sprach, skizzierte Fichte die Rolle, die der Nationalstaat seiner Meinung nach spielen sollte, wenn es darum ging, seine Landsleute, die damals in einer Vielzahl von kleinen Herzogtümern, Fürstentümern und Königreichen lebten, zu einem politischen Ganzen zu formen: »Das Ziel des Staates ist das positive Recht, der innere Frieden und ein Zustand, in dem jeder durch Fleiß sein tägliches Brot verdienen und die Bedürfnisse seiner materiellen Existenz befriedigen kann, solange es Gott erlaubt, dass er lebt. All dies ist nur ein Mittel, eine Bedingung und ein Rahmen für das, was die Vaterlands- liebe wirklich will, nämlich dass das Ewige und Göttliche in der Welt erblühen möge und niemals aufhöre, immer reiner, perfekter und vortrefflicher zu werden. Deshalb muss diese Vaterlandsliebe selbst den Staat regieren und die höchste, endgültige und absolute Autorität sein. Der erste Akt dieser Autorität wird sein, den Staat in der Wahl der Mittel zur Sicherung seines unmittelbaren Ziels des inneren Friedens zu begrenzen. Um dieses Ziel zu erreichen, muss die natürliche Freiheit des Einzelnen auf viele Weisen eingeschränkt werden.«24 145 Und was schlug Fichte vor, um seine Landsleute zur Treue zum »Vaterland« zu bewegen, obwohl dies die Einschränkung der »natürlichen Freiheit des Individuums« erfordert? »Ich schlage vor, dass ihr durch Bildung die wahre und allmächtige Vaterlandsliebe tief und unvergesslich in den Herzen aller verankert, die Vorstellung von unserem Volk als ewiges Volk und als Sicherheit für unsere eigene Ewigkeit. «25 Die Reformen, die Fichte nach der Niederlage der preußischen Armee bei Jena entwarf, wurden zur Grundlage des preußi- schen Bildungswesens, das wiederum den Grundstein für die Föderation des heutigen Deutschlands legte. Er entwarf ein Bildungssystem, das Individualität, Unabhängigkeit, Eigen- ständigkeit und die Sorge um die natürlichen Freiheiten der Bevölkerung eliminierte und durch Konformität, Abhängigkeit und Unterordnung des Einzelnen ersetzte. Fast zweihundert Jahre später schrieb der großartige, amerikanische Bildungs- historiker John Taylor Gatto einen bahnbrechenden Essay zu diesem Thema »Der Albtraum der öffentlichen Schule: Warum ein System reparieren, das darauf ausgelegt ist, das individuelle Denken zu zerstören?« in dem er feststellte: »Effektiv teilte Fichte dem preußischen Volk also mit, dass die Party vorbei sei und die Nation sich durch eine neue, utopische Institution der Pflichterziehung formen müsse, in der jeder lernen würde, Befehle zu befolgen. So wurde zum ersten Mal in der Zivilisationsgeschichte Pflichtunterreicht eingeführt, der mit den Bajonetten des Staates durchgesetzt wurde. Der moderne Pflichtunterricht begann 1819 in Preußen mit einer klaren Vorstellung davon, was 146 zentralisierte Schulen erreichen könnten: Gehorsame Soldaten für die Armee, gehorsame Arbeiter in den Minen, pflegeleichte Beamte für die Regierung, devote Angestellte in der Industrie, Bürgerinnen und Bürger, die bei wichtigen Themen gleich dachten. «26 Zu den »Errungenschaften« des preußischen Bildungssys- tems gehörte die erstmalige Einführung einer ganzjährigen Schulpflicht. Beginnend mit dem Kindergarten. Weitere Kenn- zeichen des preußischen Systems waren die Durchsetzung eines nationalen Lehrplans, die Einführung standardisierter Tests und (natürlich) Unterricht, der den Schülern ein Gefühl nationaler Identität vermitteln sollte. Dieses System wurde bald von anderen, im Entstehen begriffenen Nationalstaaten übernommen, einschließlich der Vereinigten Staaten von Amerika. Gatto weiter: »Sie sollten darüber informiert sein, weil die preußische Begründung - die darin bestand, eine Form des staatlichen Sozialismus zu schaffen in den ersten 50 Jahren unseres Schulsystems allmählich die traditionelle amerikanische Begründung verdrängte, die für die meisten Menschen darin bestand, das Individuum auf seine Eigenständigkeit vorzubereiten.«27 Diese »amerikanische Begründung« ist vielleicht am präsentesten in den Schriften von Thomas Jefferson, der den Yeoman-Farmer als den tugendhaftesten Bürger der Republik feierte. Nicht, weil der Farmer, der sein eigenes Land bewirtschaftete, daran interessiert war, Nationalismus zu fördern, sondern gerade deshalb, weil er »weit mehr daran interessiert war, den Widerstand gegen die Regierung zu fördern (...) als die nationale Verteidigung.«28 147 Im Gegensatz zu Jefferson befürworteten Leute wie Benjamin Rush, ein Mitunterzeichner der Unabhängigkeitserklärung, die Schaffung öffentlicher Schulen, um Kinder zu staatsliebenden Automaten zu machen. Damit diese Charakterisierung nicht als Übertreibung missverstanden wird, betrachten wir Rushs bemerkenswert freimütigen Aufsatz »Von der Art der Erziehung in einer Republik«, in dem er schrieb: »Indem unsere Schulen ein allgemeines und einheitliches Erziehungssystem anwenden, werden sie die Masse des Volkes homogener und dadurch angepasster für eine einheitliche und friedliche Regierung machen. «29 Rush schloss mit den Worten: »Aus den gemachten Beobachtungen schließe ich, dass es möglich ist, die Menschen in republikanische Maschinen zu verwandeln. Dies muss geschehen, wenn wir von ihnen erwarten, dass sie ihre Rolle in der großen Maschinerie des Staatswesens richtig ausfüllen. Diese Republik ist mit Monarchisten oder Aristokraten bestückt, die sich nicht um den Willen des Volkes kümmern, daher müssen sie aneinander durch Erziehung angeglichen werden, bevor sie dazu gebracht werden können, Regelmäßigkeit und Einheit- lichkeit im Staatswesen hervorzubringen.«30 Gewiss hat die Einführung des preußischen Schulwesens in den USA den früheren Erziehungsstil nicht vollständig beseitigt. Auch wurde die ursprüngliche Absicht der Bildung, nämlich die Vor- bereitung selbständiger Individuen auf autonomes Handeln, nicht völlig aufgegeben. Klassische Fächer wurden nicht abgeschafft, sondern ausschließlich Kindern der herrschenden Elite zugänglich 148 gemacht, die sich buchstäblich für berechtigt halten, Massen von Arbeitern zu verwalten und zu kontrollieren. Diese Doppelmoral im Bildungswesen wurde 1909 in einer Rede des damaligen Prä- sidenten der Princeton University, dem späteren Präsidenten der USA, Woodrow Wilson, auf erstaunliche Weise hervorgehoben: »Wir wollen, dass eine Klasse von Menschen eine liberale Erziehung genießt, und wir wollen, dass eine andere Klasse von Menschen, eine sehr viel größere Klasse, auf die Privilegien einer liberalen Erziehung verzichtet und sich in die Lage versetzt, bestimmte, schwierige, manuelle Aufgaben zu verrichten. Das ist in jeder Gesellschaft notwendig. «31 Die Idee des Nationalstaats ist nicht, wie nationalistische My- thologien gerne vorgeben, spontan aus dem Nebel der Zeit ent- standen. Vielmehr wurde sie über Generationen hinweg durch verpflichtende Schulbildung gezielt geformt, durch nationale Lehrpläne gefördert und durch regelmäßige, standardisierte Tests konsequent gefestigt. Das führte Stück für Stück dazu, dass die Bevölkerung fügsamer, selbstgefälliger und unterwürfiger wurde und sich damit so weit vom Ideal Jeffersons entfernte, dass sie damit heute nichts mehr gemein hat. Die meisten Eltern in den Vereinigten Staaten, die unzufrieden mit der neuesten Maß- nahme zur Standardisierung der Indoktrination des Nachwuchses sind der Common Core State Standards Initiative wissen wahr- scheinlich nicht, dass die historischen Wurzeln des Problems bis nach Preußen zurückreichen. Daher ist ihnen auch nicht bewusst, dass dieses »Bildungssystem« ursprünglich geschaffen wurde, um Nationalismus in seinen Opfern zu verankern und dass genau diese nationalistische Indoktrination nun im Begriff ist, durch eine globalistische ersetzt zu werden. 149 Eltern, die sich über diese Sachverhalte informieren möchten, können das World Core Curriculum konsultieren, das auf der Website der Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) der Vereinten Nationen beworben wird.32 Sie können sich auch mit der Beschreibung von Obamas Bildungsminister Arne Duncan vertraut machen, der ausführte, dass die UNESCO »globaler Partner« bei der Gestaltung einer »Bildungsagenda von der Wiege bis zur Karriere« ist und Schüler auf »neue globale Herausforderungen« vorbereitet.33 Im Lichte dieser Informationen werden Eltern dann auch verstehen, wie die Öffentlichkeit von der UNESCO aus dem Zeitalter von Rushs »republikanischen Ma- schinen« in das Zeitalter »globalistischer Maschinen« geführt wird. Die Oligarchen der Vergangenheit brachten ihre indoktrinierten Gefolgsleute dazu, sich um eine Landesflagge zu scharen - in dem Wissen, dass sie das empfänglicher dafür machte, natürliche Freiheiten aufzugeben. Alles, was die Oligarchen von heute nun tun müssen, um ihre Minions in die neue globalistische Ordnung zu führen, ist, die Farben dieser Flagge zu ändern. Denn die Oligarchen wissen: Sobald eine Bevölkerung darauf trainiert wurde, einem beliebigen Kollektiv die Treue zu schwören, geht es nur noch darum, dieses Kollektiv (Nationalstaat) über eine Zwischenstation (regionale Regierungen) gegen ein neues aus- zutauschen (Weltregierung). Die Ideologien des Nationalismus und des Globalismus, die der gleichen tyrannischen Saat des Kollektivismus entspringen, welcher Individuen zur Nummer in der staatlichen Maschinerie degradiert, sind nichts anderes als unterschiedliche Formen derselben Idee. Globalismus ist nicht das Gegenteil von Nationalismus. Ganz im Gegenteil. Der Globalismus ist die logische Konsequenz des Nationalismus. 150 Wenn nationalistischer Eifer also nicht das passende Gegenmittel für die Agenda der Globalisten ist - was dann? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir sie nur wie folgt umformulieren: Wenn die Aufgabe individueller Freiheit gegenüber einem nationalis- tischen Kollektiv nicht die Lösung für die Aufgabe individueller Freiheiten gegenüber einem globalen Kollektiv ist was dann? Aha, schon haben wir die Antwort. Individuelle Freiheit. Wir müssen unsere persönlichen Freiheiten verteidigen gegen- über dem Ansturm des Kollektivismus. Ganz gleich, ob dieser nationalistischer, regionalistischer oder globalistischer Natur ist. Was aber verstehen wir in der heutigen Zeit unter »individu- eller Freiheit«? Jefferson hatte seinen Yeoman-Farmer. Aber dieses Konzept wirtschaftlicher und politischer Freiheit ist fast 250 Jahre alt. Gibt es neue Wege, die Gesellschaft zu orga- nisieren? Wege, die nicht von uns verlangen, unsere Identität aufzugeben oder zentralistischen Bürokratien die Treue zu schwören? Natürlich gibt es die. Aber um sie zu finden, müssen wir unsere Vorstellungen von »Regierung« und »Staat« in Frage stellen —- jene Vorstellungen, die unser politisches Denken seit Tausenden von Jahren bestimmen. Denken sie mal darüber nach: Unser ganzes Leben lang wurde uns beigebracht, zu glauben, dass es unmöglich ist, in einer Gesellschaft ohne Regierung zu leben. Viele Wähler können sich nicht einmal vorstellen, sowohl Kandidat A als auch Kandidat B abzulehnen (geschweige denn die Kandidaten C bis Z!). Und wenn sie, werter Leser, es wagen, das Nichtwählen als Idee in den Raum zu stellen, entgegnet man ihnen mit zitternder Stimme am besten flüsternd, damit niemand hört, wie das aufrührerische Wort ausgesprochen wird —- dass dann aber wohl »Anarchie« herrschen würde. 151 Ach, stimmt die Anarchie. Ein Wort, das in der Fantasie jener, die konditioniert wurden, zu glauben, dass die Wahl des nächsten Herrschers ihre edelste und heiligste Pflicht ist, in Blut getränkten, flammend roten Buchstaben geschrieben wird. Die weit verbrei- tete Assoziation von Anarchie mit Gewalt ist keineswegs neu. In den 1920er Jahren war die Angst, die der Begriff »Anarchismus« unter Amerikanern und Europäern hervorrief, so groß, dass der anarchistische Philosoph Alexander Berkman meinte, er müsse darauf reagieren und diese Ängste zerstreuen. 1929 veröffent- lichte er »Was ist Anarchismus?«, eine Schrift, die die Frage »Ist Anarchismus Gewalt?« in Kapitel 19 direkt thematisiert: »Der Anarchismus ist das Ideal eines solchen Zustandes: Einer Gesellschaft ohne Zwang und Unterdrückung, in der alle Menschen gleich sind und in Freiheit, Frieden und Harmonie leben. Das Wort Anarchie kommt aus dem Griechischen und bedeutet ohne Gewalt, ohne Gewalt oder Regierung, denn Regierung ist die eigentliche Quelle von Gewalt, Zwang und Unterdrückung. Anarchie bedeutet daher nicht Unordnung und Chaos, wie man früher dachte. Im Gegenteil es ist genau andersrum. Es bedeutet keine Regierung, sondern Freiheit und Selbstbestimmung. Unordnung ist das Kind von Autorität und Zwang. Freiheit hingegen ist die Mutter der Ordnung.«34 Das ist Anarchismus aus der Sicht eines Anarchisten. Eine Ge- sellschaft ohne Zwang, in der Ordnung das natürliche Ergebnis von Freiheit ist. Nochmal: Für diejenigen, die darauf programmiert wurden, Regierungen als Quelle von Recht und Ordnung zu betrachten, ist es fast unbegreiflich, dass Ordnung (ganz zu schweigen von 152 Frieden und Harmonie) durch die Auflösung der Regierung er- reicht werden soll. Doch der Glaube an die Notwendigkeit einer Regierung, der tief im preußischen Bildungssystem verwurzelt ist, muss direkt in Frage gestellt werden. Einer der ersten, der diese Indoktrination in Frage stellte, war Pierre-Joseph Proudhon, ein französischer Denker des 19. Jahr- hunderts, der sich selbst als Anarchist bezeichnete. In seiner Abhandlung »Allgemeine Idee der Revolution im neunzehnten Jahrhundert« von 1851 demontierte Proudhon die Frömmigkeiten der etatistischen Gesellschaft atemberaubend ungestüm: »Regiert zu werden heißt, ständig beobachtet, inspiziert, ausspioniert, gelenkt, gesetzlich gezwungen, nummeriert, erfasst, eingeschrieben, indoktriniert, belehrt, kontrolliert, eingeschätzt, bewertet, zensiert, kommandiert zu werden von Wesen, die weder das Recht noch die Weisheit noch die Tugend dazu haben. Regiert zu werden heißt, unter dem Vorwand des öffentlichen Nutzens und im Namen des allgemeinen Interesses ausgebeutet, geschult, erpresst, ausgeliefert, monopolisiert, ausgepresst, getäuscht, beraubt zu werden - und dann, beim kleinsten Widerstand, beim ersten Wort der Beschwerde, unterdrückt, mit Geldbußen belegt, verachtet, schikaniert, verfolgt, misshandelt, nieder- geknüppelt, entwaffnet, gewürgt, eingesperrt, verurteilt, erschossen, deportiert, geopfert, verkauft und verraten zu werden. Und schließlich als Gipfel von alldem verspottet, lächerlich gemacht, verhöhnt, beleidigt, entehrt zu werden. Das ist Regierung; das ist ihre Gerech- tigkeit; das ist ihre Moral.«35 153 Viele meiner Leser werden die allgemeine Empfindung dieser Proudhon-Passage zu schätzen wissen. Doch wie steht es mit seiner Behauptung, dass diese Missbräuchlichkeiten nicht nur das Versagen einzelner, tyrannischer Regime sind, sondern Wesens- kern einer jeden Regierung? Nun, das mag für mein Publikum eine etwas schwerer zu schluckende Pille sein. Nichtsdestotrotz muss man verstehen, dass nicht nur die Institution Regierung, sondern auch das Konzept selbst auf Ungerechtigkeit gegründet ist. Die Früchte von Regierung, die auf dem vergifteten Boden der Lüge und Gewalt wachsen, sind verflucht. Der amerikanische politische Philosoph Lysander Spooner erklärte diese Lügen und Widersprüche in seinem Klassiker »No Treason«: »Zwei Menschen haben nicht mehr natürliches Recht, irgendeine Art von Autorität über einen anderen auszuüben, als Einer das Recht hat, die gleiche Autorität über Zwei auszuüben. Die natürlichen Rechte eines Menschen gehören ihm selbst, gegenüber der ganzen Welt; und jede Verletzung dieser Rechte ist ein Verbrechen, egal ob sie von einem einzelnen Mann oder von Millionen begangen wird; ob sie von einem Mann begangen wird, der sich Räuber nennt (oder einen anderen Namen benutzt, der seinen wahren Charakter offenbart) oder von Millionen, die sich Regierung nennen.«36 Die Kernfrage ist also nicht, ob die Regierung dieses oder jenes Landes ihre Untertanen besser oder schlechter behandelt als die Regierung eines anderen Landes, sondern ob die »Unterworfenen« überhaupt »unterworfen« sind. Wie sind Regierungen überhaupt entstanden? Woher rührt ihre Autorität über das Territorium, das durch (willkürlich definierte) 154 Grenzen eingefasst wird? Welches Recht hat eine Regierung, über »ihre« Bevölkerung zu herrschen und was verpflichtet »ihre« Bevölkerung, die Gesetze der Regierung zu befolgen? Die offen- kundige Wahrheit ist natürlich, dass kein Möchtegern-Herrscher, sei es ein Monarch, eine Handvoll Plutokraten, eine Militärjunta, ein Parlament oder der Nachbar, irgendeine intrinsische Autorität hat, über einen anderen Menschen zu herrschen. Dieser Grundsatz wurde im Laufe der Jahrhunderte von vielen Schriftstellern, Aktivisten und Denkern beschrieben und bewiesen. Spooner zum Beispiel, als er vor fast zwei Jahrhunderten »No Treason« schrieb, zerlegte sorgfältig alle gängigen Argumente, die für die Autorität der von der US-Regierung vertretenen Verfassung über die »Bürger« der USA sprechen. Ein zeitgenössischerer Autor, der die gleiche Argumentation in ebenso klarer, freimütiger und überzeugender Prosa vorbringt, ist Larken Rose, ein bekannter An- archist und Autor des Buches »Die gefährlichste aller Religionen«. In seinem Essay »Meine Deprogrammierung« artikuliert Rose brillant seine Gedanken über die illegitime Natur der Regierung und ihre vermeintliche Autorität über das Volk: »Indem ich versuchte, die Widersprüche in meinen eigenen politischen Überzeugungen aufzulösen, bewies ich mir selbst, dass »Regierung« niemals legitim sein kann. Sie kann niemals »Autorität« haben. So notwendig es auch sein mag, wie nobel das erklärte Ziel auch immer ist, schlussendlich erkannte ich, dass niemand das Recht erwerben kann, andere zu regieren und sei es auch nur in einer begrenzten, »verfassungsmäßigen« Weise. Es gibt mehrere Möglichkeiten, das zu beweisen, und jede von ihnen ist erstaunlich einfach. Wenn zum Beispiel jemand ein Recht, das er nicht hat, nicht delegieren kann, dann ist es für die 155 »Regierung« unmöglich, irgendwelche Rechte zu haben, die ich selbst nicht besitze (wo und wie hätte sie solch über- menschliche Rechte erwerben sollen?). Und wenn der Mensch die Moral nicht durch bloßes Dekret ändern kann, dann ist jede »Gesetzgebung« sinnlos und illegitim. Wenn man das Nichtaggressionsprinzip akzeptiert, dann ist »Regierung« logischerweise unmöglich, weil eine »Regierung:«, die nicht das Recht hat, zu besteuern, zu regulieren oder Gesetze zu erlassen (was allesamt aggressive Drohungen sind), überhaupt keine >Regierung« ist.«37 Wenn man Roses Logik zustimmt, begibt man sich auf eine Mission. Nein, nicht die Mission, die so oft in unseren Schulen gefördert, in Medien wiederholt und von Politikern propagiert wird, nämlich zur Wahlurne zu gehen und bessere Herrscher zu wählen. Nicht die Mission, die von Mafia-Bossen und Hetzern unterstützt wird, nämlich die Munitionskiste zu öffnen, um der Regierung mit gewaltsamem Sturz zu drohen sondern die Mission, auf einen (auch virtuellen) Kasten zu steigen, sich öffentlich zu äußern und eine Revolution des Bewusstseins anzufachen. Unser Denken zum Thema Regierung bedarf eines Paradigmen- wechsels. Die Massen müssen erkennen, dass sie keine »Unter- tanen« oder »Bürger« sind, sondern freie Menschen, die keinerlei Verpflichtung haben, dem Diktat irgendeiner Regierungsstruktur zu folgen. Nur wenn wir das Bewusstsein für das Problem politi- scher »Autorität« schärfen, können wir darauf hoffen, Menschen zu helfen, diese lange verdrängte Wahrheit zu entdecken. Larken Rose drückt das wie folgt aus: »Also verbringe ich jetzt einen Großteil meiner Zeit damit, andere davon zu überzeugen, den Kult des Etatismus 156 aufzugeben. Ich plädiere genauso wenig für die Ab- schaffung der »Regierung« wie für die Abschaffung des Weihnachtsmannes. Ich möchte nur, dass die Menschen aufhören, ihre Wahrnehmungen und Handlungen durch etwas, das nicht existiert und nie existiert hat so signifikant verzerren und pervertieren zu lassen. Deshalb bezeichne ich den Glauben an »Regierung« und »Autorität« als »die gefährlichste aller Religionen«. Wenn die Menschen diesen Aberglauben aufgeben könnten, auch wenn sie sonst nicht weiser oder mitfühlender würden, würde sich der Zustand der Gesellschaft drastisch verbessern. Ich behaupte nicht, dass ich die Fähigkeit habe, jemanden tugendhafter zu machen, aber indem ich sie auf die Widersprüche in ihren eigenen Glaubenssystemen hinweise genau die gleichen Widersprüche, mit denen ich jahrelang zu kämpfen hatte hoffe ich, einigen von ihnen dabei helfen zu können, sich selbst wieder in Besitz zu nehmen, damit sie anfangen können, als rationale, fühlende Wesen, statt als das gut dressierte Vieh böswilliger Herren zu denken und zu handeln. «38 Endlich kommen wir der Wurzel des Übels etwas näher. Das wirkliche Schreckgespenst ist letztendlich nicht die »Regierung«, sondern unser Glaube an die Autorität jener kriminellen Bande, die den Mantel eines »Regierungsvertreters« trägt. Die Heuchelei, die dieser Glaube hervorruft, ist ärgerlich. Wir halten einen nicht gewählten Mann zu Recht für wahnsinnig, wenn er glaubt, dass seine Diktate Gesetze sind und doch ge- horchen wir pflichtbewusst den Diktaten unserer »Gesetzgeber«. Warum? Wir geißeln zu Recht einen gemeinen Dieb dafür, dass er jemandem Geld gestohlen hat und doch preisen wir Diebe, 157 die sich selbst »Regierung« und den Raubzug »Steuern« nennen. Warum? Zu Recht sperren wir einen Mörder ein, der einem anderen das Leben nimmt und doch preisen wir Mörder in Uniform als Helden dafür, dass sie das Blut der Feinde unserer »Regierung« vergossen haben. Warum? Entwirrt man die Argumentationslinien von imaginärer Autorität, entwirrt man gleichzeitig die Argumentationslinie des Etatismus des Glaubens, dass unmoralische Handlungen moralisch werden, nur weil sie im Namen des Staates vorgenommen werden. Nach der verdrehten Logik des Etatisten sind Menschen von Natur aus böse und betrügerisch. Deswegen sollten ein paar dieser bösen und betrügerischen Menschen Herrscher werden, um andere davon abzuhalten, böse und betrügerisch zu sein. Da Menschen dazu neigen, andere zu berauben und zu töten, sollten ein paar dieser Menschen befugt sein, zu rauben und zu töten, um die anderen davon abzuhalten, sich gegenseitig auszurauben und zu töten. Vergleichen sie dieses abstruse Konzept mit dem klaren Statement des amerikanischen Autors Edward Abbey: »Der Anarchismus basiert auf der Beobachtung, dass, da nur wenige Männer weise genug sind, sich selbst zu regieren, noch weniger klug genug sind, andere zu regieren.«39 Womit wir wieder am Anfang wären. Die Behauptung, dass irgendein Individuum oder eine Gruppe von Individuen eine rechtmäßig gewährte Autorität habe, jede andere Person gegen ihren Willen zu regieren, ist eine Täuschung. Eine gefährliche noch dazu. Die Vorstellung, dass die Wahl von Kandidat B besser wäre, weil seine Art und Weise zu herrschen angenehmer ist als die Art und Weise von Kandidat A, geht am Thema vorbei. Selbst 158 im besten Fall bei dem man für Kandidat B stimmt und dieser tatsächlich ins Amt kommt ist man immer noch ein Sklave. Die Tatsache, dass man sich freiwillig in Ketten legt, ändert nichts an der Natur dieser Beziehung. In Spooners Worten: »Das Prinzip, dass die Mehrheit das Recht hat, die Minderheit zu beherrschen, bringt praktisch jede Regierung dazu, einen bloßen Wettstreit zwischen zwei Gruppen von Menschen zu führen, der bestimmt, welche von ihnen Herren und welche Sklaven sein werden: ein Wettstreit, der so blutig er auch sein mag - im Wesentlichen nie endgültig abgeschlossen werden kann, solange der Mensch sich weigert, Sklave zu sein.«40 Damit hat Spooner den grundlegenden Zweck von Wahlen heraus- gearbeitet der darin liegt, zu entscheiden, wer die Herren und wer die Sklaven sein werden. So erkennen wir, warum die ultima- tive Macht des Individuums darin begründet liegt, sich zu weigern, Sklave zu sein und ebenso darin, sich zu weigern, die Prämisse zu akzeptieren, dass die Wahl eines freundlicheren »Herrschers« den dieser Beziehung innewohnenden Missbrauch beenden wird. So ist es eben nicht die Lösung, für Kandidat B zu stimmen. Unsere wahre Macht liegt darin, dass wir uns nicht dem Diktat einer Möchtegern-Autorität fügen. Die bestmögliche Wahl wäre also diejenige, bei der gar niemand zur Wahl gegangen ist. Am Ende dürfte es uns nicht weniger beleidigen, wenn auf der Karte »vereitelter Terroranschläge« der NSA nur die fünfzig Staaten der Union als »Heimatland« ausgewiesen wären. Denn ganz gleich, wie politische Grenzen gezogen werden, wie weit sie sich nach Norden, Süden, Osten oder Westen erstrecken, politische Grenzen verstärken lediglich den uralten Glauben an den Etatismus, der 159 den faulen Kern des Nationalismus sowie des Globalismus aus- macht. Nur wenn wir diesen gefährlichen Aberglauben zurück- weisen, können wir die wirkliche Bedrohung für die Menschheit abwehren - eine globalistische Ideologie, die uns aufgezwungen wird. Und die nationalistische Ideologie, die ihr zugrunde liegt. 10 11 12 13 Daro, Ishmael N. »Canada now part of the American shomeland.«« Canada.com. 1. August, 2013. archive.fo/WIG79 @CanadaDotCom. »We did it! Canada is now part of the American >home- land.«« Twitter. 1. August, 2013. archive.fo/1aiMb Bump, Philip. »Welcome to the Homeland, Mexico and Canadal« The Atlantic Wire. 1.August, 2013. archive.fo/gBxWB »Homeland Security Act of 2002.« Electronic Privacy Information Center. archive.fo/3b5Rn »US and Canada Smart Border Declaration (2001)«. Legislationline.org. archive.fo/GX2hf Corbett, James. »A Peek Behind Closed Doors.« The Corbett Report. 9. 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Diese Doppelmoral ist blanke Ironie, weil sich mittlerweile eher die gekauften, fiir die GM-Industrie werbenden Wissenschaftler auf der wissenschaftsfeindlichen Seite der Debatte wiederfinden. Gentechnisch veränderte Pflanzen werden der Öffentlichkeit seit langem als Antwort auf Probleme in puncto Erndhrungssicherheit verkauft. Seit Dekaden versichert uns die »Biotech-Industrie« (wie sich die Branche, die gentechnisch veränderte Lebensmittel herstellt, bezeichnet), dass gentechnisch veränderte Pflanzen für den menschlichen Verzehr geeignet sind, höhere Erträge bringen, weniger Pestizide benötigen und der sicherste wie effektivste Weg sein werden, um die Weltbevölkerung zu ernähren während wir auf eine Zeit großer Instabilität in der globalen Nahrungs- mittelversorgung zusteuern. 163 Im Gegensatz zu dem, was die Biotech-Giganten in ihren PR-Bro- schüren behaupten, bringen gentechnisch veränderte Pflanzen jedoch keine höheren Erträge. Ein umfassender Bericht der »Union of Concerned Scientists« aus dem Jahr 2009 zeigte, dass es im Vergleich zwischen gentechnisch veränderten Soja- und Maisstämmen und ihren nicht modifizierten Varianten keine Steigerung des intrinsischen Ertrags gab.1 Dieses Ergebnis wurde durch einen Bericht der National Academy of Sciences aus dem Jahr 2016 bestätigt, der »keine Beweise dafür fand, dass gen- technisch veränderte Pflanzen die Rate der Ertragssteigerung bei Sojabohnen, Baumwolle oder Mais in den USA verändert haben«.2 Im selben Jahr wertete eine umfangreiche Analyse der New York Times die von der UN während dreißig Jahren ge- sammelten Daten aus und fand keinen erkennbaren Unterschied in den Erträgen zwischen Westeuropa, wo keine gentechnisch veränderten Pflanzen angebaut werden, und Nordamerika, wo es solche gibt.3 Die Biotech-Branche ihrerseits wirbt gerne für die Forschung von Dr. Matin Qaim von der Universität Göttingen, die darauf hindeutet, dass gentechnisch veränderte Pflanzen tatsächlich höhere Erträge erzielen. Laut einer Meta-Analyse von 147 se- paraten Studien, die von Dr. Qaim mitverfasst wurde, steigerte die Einführung der GM-Technologie den Ernteertrag um durch- schnittlich 22 Prozent.4 Als Dr. Qaim zu diesem Ergebnis befragt wurde, räumte er jedoch ein, dass diese Erträge nur in den Ent- wicklungsländern möglich seien, wo moderne landwirtschaftliche Techniken nicht weit verbreitet sind. »Die derzeit verfügbaren gentechnisch veränderten Pflanzen würden in Europa nicht zu großen Ertragssteigerungen führen«, sagte er der New York Times. »Ich betrachte das nicht als die Art von technologischem Wunder, ohne das wir nicht leben könnten.« 164 In den Augen der Biotech-Industrie besteht ein weiteres wich- tiges Verkaufsargument von genetisch modifizierten Pflanzen darin, dass sie so verändert wurden, dass Schädlinge bekämpft werden, was Landwirten ermöglichen soll, weniger Pestizide zu verwenden. Was die Biotech-Befürworter jedoch nicht so gerne zugeben, ist, dass die Pflanzen auch so manipuliert werden, dass sie Herbiziden widerstehen, was von den Landwirten schließ- lich verlangt, dass sie den Einsatz dieser Agrar-Chemikalien stark ausweiten müssen. Bestes Beispiel für dieses Phänomen ist Roundup ein Unkrautvernichtungsmittel, das ursprünglich von Monsanto hergestellt wurde und vor der Übernahme durch die Bayer AG im Jahr 2018 fast die Hälfte des Unternehmensgewinns ausmachte.® Glyphosat, Hauptbestandteil von Roundup, ist heute die am häufigsten verwendete Agrar-Chemikalie in der Geschichte. Zwischen 1974 und 2016 wurden über 1,6 Milliarden Kilogramm der Chemikalie ausgebracht.? Eine Studie aus dem Jahr 2016 ergab, dass 72 Prozent der ge- samten, binnen 42 Jahren ausgebrachten Menge an Glyphosat zwischen 2006 und 2016 auf den Feldern landete. Das ist ein klares Indiz dafür, dass die Einführung von GM-Pflanzen, die so entwickelt wurden, dass sie gegen Glyphosat resistent sind, zu einem drastischen Anstieg beim Einsatz eben dieses Wirkstoffs führte. Eine Studie aus dem Jahr 2009, die versuchte, den Anstieg zu quantifizieren, schätzte, dass der Einsatz von gentechnisch veränderten Pflanzen dazu führte, dass US-Landwirte im Zeit- raum von 1996 bis 2008 gut 383 Millionen Pfund mehr Herbizide einsetzten, als sie ohne den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen verwendet hétten.? Dieser Trend ist besonders besorg- niserregend, weil mehrere wissenschaftliche Studien Glyphosat mit einer Reihe von negativen Auswirkungen auf die Gesundheit des Menschen in Verbindung bringen. Eine Studie aus dem Jahr 165 2015 ergab beispielsweise, dass Roundup sowohl zytotoxisch als auch endokrin wirksam ist.19 Ebenfalls im Jahr 2015 stufte die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) Teil der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Glyphosat als wahrschein- lich krebserregend fiir den Menschen ein. Im Jahr 2017 war Kalifornien der erste Bundesstaat der USA, der Glyphosat als krebserregend einstufte.12 Im Jahr 2020 nach einer Reihe von Urteilen, in denen Monsanto und sein neuer Eigentiimer, die Bayer AG, fur das Non-Hodgkin-Lymphom mehrerer Bewohner von Ka- lifornien verantwortlich gemacht wurden einigte sich Bayer im Rahmen eines spektakulären Vergleichs auf die Zahlung von zehn Milliarden US-Dollar zur Beilegung einer Sammelklage mit rund 95.000 ähnlichen Fällen.13 Um es den Befürwortern von Pestiziden noch schwerer zu machen, bestätigte eine Studie aus dem Jahr 2012,14 dass die Biotech-Revolution zur Entstehung von »Super- Unkraut« geführt hat also Unkraut, das selbst gegen Glyphosat resistent ist.13 Diese Resistenz erfordert natürlich den Einsatz von weiteren Herbiziden, weil die Landwirte nach Roundup-Alter- nativen suchen, um dieses Super-Unkraut loszuwerden. Die Biotech-Giganten haben diese Rückschläge also nicht dazu genutzt, ihre Position zu Gentechnik und gesundheitsschädlichen Pestiziden neu zu bewerten, sondern um eine falsche »Lösung« anzubieten, die ihnen noch mehr Geld einbringt. Diese »Lösung« heißt 2,4-Dichlorphenoxyessigsäure, ein Herbizid, das gemeinhin als 2,4-D bekannt ist. Nachdem die Unkräuter begannen, Re- sistenzen gegen Glyphosat zu entwickeln, nutzten Landwirte vermehrt 2,4-D, weil das noch half was die Biotech-Industrie dazu bewog, nun genetisch veränderte Pflanzen herzustellen, denen auch dieses Pestizid nichts anhaben kann.16 Im Jahr 2014 geneh- migte das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) mehrere gen- technisch veränderte, 2,4-D-resistente Mais- und Sojabohnensorten 166 für den kommerziellen Anbau.17 Studien schätzen, dass diese Entscheidung des USDA den Einsatz von Agrarchemikalien in den USA im Vergleich zum aktuellen Niveau um bis zu 50 Prozent steigern könnte.18 Das Hauptproblem ist jedoch ein anderes: Wie sich bald herausstellte, brachten Ärzte 2,4-D genau wie Glyphosat mit einer Reihe von Krankheiten beim Menschen in Verbindung. Untersuchungen zeigten, dass 2,4-D ein potenzieller endokriner Disruptor?9 und ein mutmaßliches Neurotoxin ist.20 Und - genau wie Glyphosat wurde es von der IARC als »mög- licherweise krebserregend fiir den Menschen« eingestuft.21 So verstorend all das schon ist der wohl verlogenste Teil der Biotech-PR-Kampagne ist die Behauptung, dass »gentechnisch veränderte Pflanzen an sich völlig unbedenklich zu genießen« seien. Diese Aussage ist besonders argerlich, da die US-Lebens- mittelbehorde FDA die Sicherheit von gentechnisch veränderten Pflanzen?2 in Wirklichkeit gar nicht selbst testet. Stattdessen gehen die staatlichen Aufsichtsbehoérden grundsätzlich davon aus, dass alle gentechnisch veränderten Lebensmittel sicher sind es sei denn, man beweist das Gegenteil. Mit anderen Worten: Die FDA stützt ihre Sicherheitsbhewertung gentechnisch veranderter Produkte auf Daten, die von den Herstellern selbst geliefert werden. Noch verabscheuungswiirdiger ist, dass recht- liche Beschrankungen rund um Patente auf gentechnisch ver- änderte Organismen unabhängige Wissenschaftler dazu zwingen, die Erlaubnis der Biotech-Unternehmen einzuholen, bevor sie Forschungsergebnisse zu deren Produkten verdffentlichen.23 Infolgedessen wurden fast alle Langzeitstudien zur Tierflitterung, die jemals an solchen Organismen durchgeführt wurden, von den Biotech-Unternehmen selbst vorgenommen. Nach eigenen Regeln und mit eigenen Standards fiir die Berichterstattung. Die wenigen unabhängigen Studien, die durchgeführt wurden, 167 deuten auf eine Reihe gesundheitsschädlicher Auswirkungen hin, die speziell mit dem Verzehr von gentechnisch veränderten Lebensmitteln (und den Pestiziden, denen sie widerstehen sollen) in Verbindung gebracht werden. Dazu gehören unter anderem verminderte Fruchtbarkeit,24 Funktionsstörungen des Immun- systems?25, Leberversagen,26 Fettleibigkeit2? und Krebs.28 Von den Lügen über angebliche Vorteile der Gentechnik bis hin zur Vertuschung der schädlichen Auswirkungen auf Umwelt und menschliche Gesundheit scheint es genug Beweise zu geben, um selbst die entschlossensten Verteidiger von gentechnisch veränderten Pflanzen in Sorge zu versetzen. Diejenigen, die den Mut haben, ihre Bedenken öffentlich zu machen, werden aber leider häufig stigmatisiert und pauschal als »anti-wissenschaft- lich« bezeichnet ein Begriff, der die Bedeutung des Wortes »Wissenschaft« pervertiert. Es ist also nicht überraschend, dass die wissenschaftliche Falsifikation der Gentechnik-Mythen nicht in das öffentliche Bewusstsein vorgedrungen ist. Denn der Fortbestand von Bayer-Monsanto und Co. hängt davon ab, ob es den Konzernen gelingt, die Öffentlichkeit von der Sicherheit ihrer Produkte zu überzeugen. Diese Konzerne, allen voran Monsanto, haben eine lange und zähe Kampagne geführt, um jegliche Studie zu dis- kreditieren, die auf die katastrophalen Folgen der genetischen Veränderung von Lebensmitteln hinweist. Dabei muss man bezüglich dieses Punktes nicht mehr spekulieren. Denn die Folgen sind katastrophal. Wie wir bereits gesehen haben, wurde Bayer-Monsanto unzählige Male verklagt, seit die IARC 2015 feststellte, dass Glyphosat ein »wahrscheinliches Karzinogen für den Menschen« ist.?9 Im Oktober 2016 wurden mehrere dieser Klagen zu einem einzigen Verfahren zusammengefasst, das offiziell als »In re: Roundup Products Liability Litigation (MDL No. 2741)« 168 bezeichnet wurde.30 Eine der vielen bemerkenswerten Tatsachen, die sich aus der Ermittlungsarbeit im Rahmen dieses Prozesses ergaben, ist die Bestätigung der Existenz eines internen Monsanto- PR-Programms mit dem Titel »Let Nothing Go«, das, wie der Name schon sagt, darauf abzielt, keinerlei Kritik am Unternehmen auch nicht an einzelnen Facebook-Posts unberücksichtigt zu lassen. In einem der in dem Fall eingereichten Dokumente heißt es: »Über eine Reihe von Dritten beschäftigt es (Monsanto) Personen, die scheinbar keine Verbindung zur Branche haben, ihrerseits aber positive Kommentare zu Artikeln und Facebook-Posts veröffentli- chen und Monsanto, seine Chemikalien und GMO verteidigen.«31 Im selben Dokument wird auch detailliert beschrieben, wie vermeint- lich unabhängige Denkfabriken wie das Genetic Literacy Project und der American Council on Science and Health unverhohlen dafür sorgen, der Biotech-Industrie dienlicher Propaganda einen wissenschaftlichen Anstrich zu geben. Zur Veranschaulichung: Als die IARC Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend einstufte, reagierte das Genetic Literacy Project mit einem Leitartikel, der sich mit der Frage auseinandersetzte, ob das Krebsklassifikations- system der Behörde reformiert werden kann oder abgeschafft werden muss.32 Andere Dokumente, die im Prozess zutage traten, bestätigten den seit langem bestehenden Verdacht auf geheime Absprachen zwischen Monsanto und der US-Umweltschutzbehörde EPA jener Regulierungsbehörde, die mit der Bewertung der potenziellen Krebsrisiken von Chemikalien wie Glyphosat beauf- tragt ist. Konkret zeigen diese Dokumente, dass der Vorsitzende des Prüfungsausschusses für Krebs der EPA, Jess Rowland, in regel- mäßigem Kontakt mit Monsanto stand und Insiderinformationen lieferte, die zur Ausgestaltung der PR-Strategie des Unternehmens beitrugen.33 Er warnte Monsanto sogar vor der Feststellung der IARC, dass Glyphosat ein wahrscheinliches Karzinogen sei und zwar schon Monate bevor diese Informationen an die Öffentlichkeit 169 gelangten. Das gab dem Unternehmen viel Zeit, um seine ent- sprechende Propaganda vorzubereiten. In einer herausragend ungeheuerlichen E-Mail schrieb ein Mitarbeiter von Monsanto über Rowlands Bemühungen, eine Überprüfung der Sicherheit von Glyphosat durch das US-Gesundheitsministerium (HHS) zu verhindern. Der besagte Mitarbeiter zitierte Rowland mit den Worten: »Wenn ich diese [Sicherheitsüberprüfung] stoppen kann, sollte ich eine Medaille bekommen. «34 Während des Prozesses kam auch ein vernichtender Brief ans Licht, den Marion Copley, eine EPA-Whistleblowerin, die die Behörde verließ, als sie selbst an Krebs erkrankte, im Jahr 2013 an Rowland schrieb. In dem Brief plädierte Copley dafür, dass die schwerwiegenden Probleme im für Krebserkrankungen relevanten Prüfungsprozess der EPA - insbesondere im Bereich Glyphosat - angegangen werden müssen, bevor sie unter der Erde liegt. Sie tadelte Rowland für seine offensichtlichen Versuche, die Wissenschaft zu Monsantos Gunsten und seinem eigenen finanziellen Vorteil zu manipulieren: »Hören Sie ausnahmsweise mal auf mich und unterlassen Sie die politischen Intrigen und Spielchen mit der Wissen- schaft, nur um den Antragstellern einen Gefallen zu tun. Tun Sie ausnahmsweise das Richtige und treffen Sie Ihre Entscheidungen nicht danach, wie relevant diese für Ihren Bonus sind. «35 Neun Monate später war Copley tot und keines ihrer Bedenken war ausgeraumt worden. Von all den Dokumenten, die im Verlauf des Prozesses ans Licht kamen, sind jedoch keine so aufschlussreich wie jene, die die 170 unglaublichen Anstrengungen von Monsanto offenlegen, die Arbeit von Gilles-Eric Seralini zu diskreditieren einem französischen Wissenschaftler, der eine bahnbrechende Studie veröffentlichte, in der eine Zunahme von Tumoren bei Ratten festgestellt wurde, wenn diese mit gentechnisch verändertem Mais und Monsantos Herbizid Roundup gefüttert wurden. Die entsprechende Kontroverse begann 2012, als ein Forscherteam unter der Leitung von Dr. Seralini an der Universität Caen eine Studie mit dem Titel »Langzeittoxizität eines Roundup-Herbizids und einer genetisch veränderten, gegenüber Roundup toleranten Maissorte« im Journal of Food and Chemical Toxicology ver- öffentlichte.36 Der Artikel beschrieb die Ergebnisse eines Experi- ments, bei dem Seralinis Team 200 Ratten durch eine zweijährige Fütterungsstudie begleitete. Das Team teilte die Ratten in zehn Gruppen zu je zwanzig Tieren ein (zehn männliche und zehn weibliche Ratten). Ratten in drei der Gruppen wurden nur mit Monsantos patentiertem, genetisch verändertem Mais NK603 ge- füttert. Ratten in drei weiteren Gruppen erhielten Mais, der mit dem Herbizid Roundup behandelt wurde. Ratten in drei anderen Gruppen erhielten mit Roundup behandeltes Wasser, aber keinen genetisch veränderten Mais. Und Ratten in der zehnten Gruppe, einer Kontrollgruppe, wurden weder mit gentechnisch ver- ändertem Mais noch mit dem Herbizid Roundup gefüttert. Die Ergebnisse der Forscher deuteten darauf hin, dass die Ratten, die mit dem Roundup- oder GMO-Mais gefüttert wurden, einzeln oder kombiniert, mit größerer Wahrscheinlichkeit eine Reihe von gesundheitsschädlichen Auswirkungen erfuhren als die Ratten in der Kontrollgruppe. Unmittelbar nach der Veröffentlichung dieser Studie gab sich ein anderes Team eines aus Denkfabriken, die der Biotech-Industrie 171 nahestehen - größte Mühe, Zweifel an den Schlussfolgerungen von Seralini et al zu säen. Die Kritiker verwiesen auf Mängel in der Sammlung, Berichterstattung und Analyse der Studienergebnisse. Zu den wichtigsten Stimmen, die die Kampagne gegen die Sera- lini-Studie vorantrieben, gehörten das bereits erwähnte Genetic Literacy Project, der American Council on Science and Health sowie andere, von der Industrie gesponserte Organisationen. Eine angeblich neutrale Organisation namens Science Media Centre bringt Journalisten mit Wissenschaftlern in Kontakt, wenn bedeutende wissenschaftliche Entdeckungen Schlagzeilen machen. Tatsächlich ist das Science Media Centre jedoch alles andere als neutral. Es wird unter anderem von Organisationen wie CropLife International finanziert, einem Branchenverband, der weltweit die Interessen von Biotechnologieunternehmen vertritt, so zum Beispiel jene der Syngenta AG, einem der führenden Biotech- Saatgutkonzerne. Auch von Monsanto UK erhielt das Science Media Centre direkte finanzielle Unterstützung.37 Von allen Seralini-Kritikern war die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) das Pendant zur FDA in der Europäischen Union (EU) besonders laut. Im Jahr 2009 hatte die EFSA der EU die Maissorte NK603 zur Zulassung empfohlen, also genau den Stamm von proprietärem GMO-Mais, den Seralinis Studie untersuchte.38 Die EFSA reagierte auf dessen Studie mit einer glühenden Pressemitteilung von zweiundzwanzig Punkten, in der sie ihre eigene Bewertung der betreffenden Maissorte verteidigte und zu dem Schluss kam, dass die Arbeit von Seralini »nicht den akzeptablen wissenschaftlichen Standards entspreche und es nicht notwendig sei, die bisherige Sicherheitseinstufung in Frage zu stellen«.39 Was die EFSA in ihrer Pressemitteilung nicht erwähnte, war, dass die Behörde die Sicherheit des Monsanto- Mais selbst gar nicht geprüft hatte. Sprich, die EFSA hat keine 172 Tierversuche durchgeführt, sondern sich auf »von der Klägerin« (das heißt Monsanto) gelieferte »Informationen« gestützt. Der Autor William Engdahl hielt in seinem Kommentar zum betref- fenden Vorgang fest: »Die EFSA argumentierte, Seralini habe die falsche Ratten- gattung verwendet, zu wenige Ratten eingesetzt und die statistische Analyse sei unzureichend gewesen. Nach diesen Maßstäben müssten jedoch alle Toxizitätsstudien zu Glyphosat und gentechnisch veränderten Organismen zurückgezogen werden, weil sie die gleiche Rattengattung und eine vergleichbare Anzahl von Tieren wie die Seralini- Studie verwendeten.«40 Dennoch zeitigte die von Monsanto geführte PR-Kampagne, die aus zahlreichen Leserbriefen und sogar einer Online-Petition bestand, mit der Seralini aufgefordert wurde, die Studie freiwillig zurückzuziehen, die beabsichtigte Wirkung. Der Herausgeber des Magazins Journal of Food and Chemical Toxicology (FCT), in dem die Studie veröffentlicht worden war, gab dem enormen Druck nach und traf die beispiellose Entscheidung, die Studie zurück- zuziehen. »Beispiellos«, weil dieser Schritt den ausdrücklichen Prinzipien und Richtlinien des Verlags von FCT widersprach. Der Herausgeber des Magazins, Elsevier, ist Mitglied des Com- mittee on Publication Ethics, dessen Kriterien für die Rücknahme einer Arbeit sehr deutlich sind: Klare Beweise dafür, dass die Ergebnisse aufgrund von Fehlverhalten (zum Beispiel gefälschten Daten) oder unbeabsichtigten Fehlern unzuverlässig sind, Plagiat oder redundante Veröffentlichung oder unethische Forschung.41 Der Redakteur, der die Rücknahme der Studie beaufsichtigte, Dr. A. Wallace Hayes, gab zu, dass sie keines dieser Kriterien 173 erfüllte. In seiner eigenen Stellungnahme zum Widerruf bestätigte er, dass er »keine Beweise für Betrug oder vorsätzliche Falsch- darstellung der Daten gefunden hat«.42 Die Studie wurde jedoch zurückgezogen, weil so Hayes »die vorgelegten Ergebnisse (obwohl nicht falsch) nicht schlüssig sind«. Offenbar ein neuer Standard für die Rücknahme von Artikeln, der speziell für Artikel zu gelten scheint, die die GMO-Industrie im Allgemeinen und Monsanto-Produkte im Besonderen kritisieren. Ein erster Hinweis darauf, wie es zu Hayes’ ungewdhnlichem Verhalten kam, ergab sich, als Dr. E. Ann Clark, eine ehemalige außerordentliche Professorin am Department of Plant Agriculture an der University of Guelph, bemerkte, dass das FCT kurz nach der Veröffentlichung des Séralini-Papiers eine neue Position geschaffen hatte (»Stellvertretender Chefredakteur fiir Biotech- nologie«).43 Das Magazin besetzte diese Position mit Richard E. Goodman, einem Allergiespezialisten an der University of Nebraska, der von 1997 bis 2004 zufällig als Programm-Manager Allergien fiir die Sicherheitshewertung von genetisch veränderten Pflanzen bei Monsanto tätig war und nach eigenen Angaben 50 Prozent seines Gehalts des Jahres 2012 aus einem Projekt bezog, das von Monsanto, Bayer, BASF, Dow, DuPont und Syngenta finanziert wurde.44 Im Rahmen seiner neuen Rolle als stellvertretender Chefredakteur fiir Biotechnologie des Journal of Food and Chemical Toxico- logy half Dr. Goodman dabei, zwei Studien zu identifizieren und zurückzuziehen, die von der Biotech-Industrie weithin als »problematisch« angesehen wurden: Séralinis Studie sowie eine ähnliche Studie aus Brasilien, die toxische Auswirkungen des Insektizids Bacillus thuringiensis auf Mäuse demonstrierte jenes Insektizids, das elementar fiir eine Vielzahl genetisch veranderter 174 Nutzpflanzen ist.45 Empört über den Umgang mit der Seralini- Studie seitens Monsantos PR-Maschine verfasste ein internatio- nales Team unabhängiger Wissenschaftler einen offenen Brief. Darin wiesen die Unterzeichner darauf hin, dass die Affäre um Seralini ein langjähriges Muster offenbare - denn immer dann, wenn wissenschaftliche Studien gesundheitsschädliche Aus- wirkungen von genetisch veränderten Lebensmitteln aufdecken, werden diese attackiert. »Die Veröffentlichung der Seralini-Studie und die daraus resul- tierende mediale Aufmerksamkeit machen die grundlegenden Herausforderungen deutlich, mit denen die Wissenschaft in einer zunehmend von Konzerninteressen dominierten Welt konfrontiert ist«, so die Wissenschaftler. Sie kamen zu dem Schluss: »Wenn Interessengruppen versuchen, unbegründete Zweifel an unbequemen Ergebnissen zu säen, oder wenn Regierungen politische Gelegenheiten nutzen, indem sie wissenschaftliche Erkenntnisse selektiv behandeln, gefährdet dies das öffentliche Vertrauen in wissenschaft- liche Methoden und Institutionen und setzt die Bürger einem Risiko aus. Sicherheitstests, wissenschaftsbasierte Regulierung und der wissenschaftliche Prozess selbst hängen in entscheidendem Maße von weitverbreitetem Vertrauen in Wissenschaftler ab, die dem Gemeinwohl und beruflicher Integrität verpflichtet sind. Wenn stattdessen ein Zulassungsverfahren, das zugunsten des Antragstellers manipuliert und durch die systematische Unterdrückung unabhängiger Wissenschaftler vorangetrieben wird, Ausgangspunkt einer wissenschaftlichen Produktbewer- tung ist, kann es niemals eine ehrliche, rationale oder wissenschaftliche Debatte geben.«46 175 Als der offene Brief publiziert wurde, schien die Seralini-Affäre als weiteres Beispiel dafür herhalten zu müssen, wie die Biotech-Indus- trie verfährt, um Risiken kleinzureden, Kritiker zu verunglimpfen und durch den Dreck zu ziehen. Im Rahmen des Monsanto-Prozesses in Kalifornien sind jedoch Beweise aufgetaucht, die belegen, dass das Unternehmen selbst hinter dem koordinierten Versuch stand, die Studie zurückzuziehen. Die gleichen Beweise belegen auch, dass die Verbindungen zwischen Monsanto und dem FCT noch enger waren als damals angenommen. Ein Dokument, das im Zuge des Gerichtsverfahrens veröffentlicht wurde, zeigt zum Beispiel, dass der Monsanto-Wissenschaftler David Saltmiras damit prahlt, dass er persönlich »zahlreiche Gutachten von Dritten, die das Seralini- Papier kritisierten, an den Redakteur [des Magazins] vermittelte.«47 Ein weiteres Dokument zeigt, dass ein anderer Mitarbeiter von Mon- santo einen »unabhängigen« Professor für Lebensmittelsicherheit, Bruce Chassy, unter Druck gesetzt hatte, sich der Kampagne gegen die Studie anzuschließen und dieser nachgab, indem er als Co-Autor einen Artikel für das Forbes Magazin verfasste, der die Position von Monsanto widerspiegelte.48 Noch belastender ist, dass besagter Forbes-Artikel von Henry I. Miller mitverfasst wurde, einem um- triebigen Medizinwissenschaftler und Kolumnisten der Hoover Institution, der GMO-Produkte verteidigt und wohlwollende Artikel über Glyphosat veröffentlicht hat, bei denen Monsanto selbst als Ghostwriter in Erscheinung trat.4? Die brisanteste Enthüllung aus den veröffentlichten Gerichtsdokumenten betrifft jedoch A. Wallace Hayes, den bereits erwähnten FCT-Redakteur, der den Widerruf der Seralini-Studie koordinierte. Konkret geht es dabei um einen Brief, in dem Details eines Beratungsvertrags beschrieben werden, den Hayes und Monsanto im August 2012 schlossen wenige Wochen vor der Veröffentlichung der Seralini-Studie. Wenige Wochen bevor eine Kampagne begann, die sich über ein Jahr hinziehen und zum Rückzug der Studie führen sollte. Dass Hayes diese Beziehung zu 176 Monsanto nicht offenlegte oder wenigstens Abstand von der in diesem Zeitraum stattfindenden Bewertung der Seralini-Studie nahm, ist nichts anderes als skandalös. Gegenüber der New York Times verteidigte sich Hayes mit der Aussage, dass er »zum Zeit- punkt des Rückzugs der Studie nicht in vertraglichen Verbindungen mit Monsanto stand«.30 GMWatch, eine unabhängige Organisation zur Uber- wachung der Biotech-Branche betonte: »Da es über ein Jahr dauerte, bis die Studie nach monatelanger Zweitprifung, die Hayes beaufsichtigte, zurückgezogen wurde, ist klar, dass seit dem Abschluss eines Vertrags mit Monsanto und während des Uberpriifungsprozesses ein nicht offengelegter Interessenkonflikt bestand «.51 Letztendlich wurden Séralinis Schlussfolgerungen bestätigt obwohl Monsanto und Co. eine Unmenge von Unternehmens- ressourcen mobilisierten, um genau das zu verhindern. Im Jahr 2014 wurde seine Arbeit in einer anderen Fachzeitschrift erneut veroffentlicht. Und 2015 gewann Séralini zwei separate Gerichts- verfahren, die seine Ergebnisse bestätigten. Die gesamte Affäre, die nunmehr in einer Reihe von Gerichtsdokumenten ausführlich dokumentiert ist und in der Mainstream-Presse kaum Beachtung fand, dient als Fallstudie dafiir, wie die Biotech-Industrie ihren Einfluss nutzt, um Zweifel an Forschungsergebnissen zu séen, die auf die ungesunden Folgen ihrer gentechnisch veränderten Produkte hinweisen. Warum das System so existiert, wie es existiert wobei die Spiel- regeln scheinbar zum Vorteil multinationaler Biotech-Konzerne geschrieben wurden - ist leicht nachzuvollziehen: Denn das Regelwerk wurde von den Spielern selbst verfasst. Das Konzept 177 der »regulatorischen Erfassung«, bei dem staatliche Aufsichts- behörden denjenigen Unternehmen verpflichtet sind, die sie kontrollieren sollen, ist nicht neu. Doch nirgendwo zeigt sich die Fähigkeit des privaten Sektors, die staatlichen Behörden, die für seine Regulierung zuständig sind, zu kontrollieren, so deutlich wie in der Biotech-Branche. Monsanto ist von all den US-Konzernen wohl das unrühmlichste Beispiel für den »Drehtüreffekt« zwischen Konzernleitung und Schlüsselpositionen in Bundesbehörden, die Vorschriften für entsprechende Produkte erlassen. Dutzende von Monsanto-Führungskräften, Lobbyisten und Be- ratern sind durch diese Drehtür gegangen in beide Richtungen. Zu den bekanntesten Beispielen für dieses Phänomen zählen Linda Fisher, die vier leitende Positionen in der US-Umweltschutz- behörde (EPA) innehatte, bevor sie zu Monsanto wechselte und Vizepräsidentin für Regierungs- und Öffentlichkeitsarbeit wurde. Oder Clarence Thomas, Richter am amerikanischen Bundes- gerichtshof, der in den 1970er Jahren als Unternehmensanwalt für Monsanto tätig war. Ein weniger bekannter, aber umso offensichtlicherer Nutzer dieser Drehtür war Michael Taylor, dessen Karriereweg chronologisch Positionen bei der Food and Drug Administration (FDA), einer privaten Anwaltskanzlei, die Monsanto zu ihren Kunden zählte, sowie bei Monsanto selbst umfasste, wo er Vizepräsident für Public Policy war bevor er wieder zur FDA wechselte, wo er bis 2016 arbeitete.52 Was aber tun diese »Staatsdiener« fiir ihre Herren in der Biotech- Branche? Sie stellen sicher, dass die Aufsichtsbehorden Methoden anwenden, die ihre Zahlmeister begünstigen. Nehmen wir zum Beispiel das Prinzip der »substanziellen Aqui- valenz«. Wie eine gemeinsame Konsultation der Erndhrungs- und 178 Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus dem Jahr 1996 in puncto Lebensmittelsicherheit erklärte, gilt der Grundsatz, »dass, wenn festgestellt wird, dass ein neues Lebensmittel oder eine neue Lebensmittelkomponente einem bestehenden Lebensmittel oder Lebensmittelbestandteil im Wesentlichen gleichwertig ist, es in Bezug auf die Sicherheit auf die gleiche Weise behan- delt werden kann«. Dieses Konzept das rein zufällig auch die Beweislast bezüglich der Sicherheit neu entwickelter GMO-Lebensmittel reduziert wurde im Zuge gemeinsamer Konsultationen zu »Biotechnologie und Lebensmittelsicherheit« zwischen FAO und WHO in den frühen 1990er Jahren vorgeschlagen33 und später von der Orga- nisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) propagiert.3 Es wird mittlerweile von der FDA, der kanadischen Lebensmittelinspektionsbehörde und dem japa- nischen Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Wohlfahrt als grundlegendes Prinzip in der Sicherheitsbewertung von GMO- Lebensmitteln angewandt. Die Logik der »substanziellen Äquivalenz« ist ein bösartiger Zirkelschluss. Wie kann ein neues Lebensmittel, zum Beispiel gentechnisch verändertes Getreide oder eine Sojabohne (die durch die Transfusion von Genen von Bakterien oder anderen Orga- nismen entsteht, die für diese Pflanze nicht endemisch sind) als im Wesentlichen gleichwertig angesehen werden, ohne zu prüfen, wie sich die Unterschiede auf dessen Sicherheit auswirken? Die zuvor erwähnten FAO/WHO-Konsultationen umgehen dieses offensichtliche Paradoxon, indem sie schlicht behaupten, die Be- stimmung der wesentlichen Gleichwertigkeit sei eine »analytische 179 Aufgabe«, die »je nach verfügbarem Wissen und der Art des untersuchten Lebensmittels oder Lebensmittelbestandteils einfach oder sehr langwierig sein kann«. Nachdem Merkmale genannt wurden, die bei gentechnisch veränderten Pflanzen und ihren unveränderten Gegenstücken verglichen werden können dar- unter »molekulare Charakterisierung, phänotypische Merkmale, wichtige Nährstoffe, Toxine und Allergene« erklärt der Bericht zu diesen Konsultationen, dass die tatsächliche Feststellung der wesentlichen Gleichwertigkeit »flexibel sein muss und sich im Laufe der Zeit entsprechend den sich ändernden Bedürfnissen der Verarbeiter und Verbraucher sowie mit zunehmender Erfahrung verändern wird«, Im Jahr 1998 veröffentlichten die Genetiker Mae-Wan Ho und Ricarda A. Steinbrecher eine vernichtende Kritik am Bericht der FAO/WHO: »Dieses Prinzip [der substanziellen Aquivalenz] ist unwis- senschaftlich und willkürlich und verkörpert eine gefährlich freiziigige Haltung gegenüber den Produzenten und bietet gleichzeitig keinen minimalen Schutz für die Verbraucher und die biologische Vielfalt, weil es so konzipiert ist, dass es ebenso flexibel, formbar und offen für Interpretationen ist wie nur möglich. (...) Alles deutet darauf hin, dass die Produzenten einen Freibrief erhalten, zu tun, was sie wollen, um maximale Rentabilität zu erzielen, wobei die Regulierungsbehörde alles tut, um berechtigte Befürchtungen und Widerstände der Öffent- lichkeit zu zerstreuen.«56 Wenn dieses ausgesprochen unwissenschaftliche Prinzip wie ein wahr gewordener Traum für Biotech-Konzerne erscheint, die 180 versuchen, ihre genetisch veränderten Lebensmittel mit einem Minimum an Reibungsverlusten durch den behördlichen Zu- lassungsprozess zu schleusen, dann liegt das daran, dass es so ist. Erstmals 1976 von der FDA formuliert, um neue Medizinprodukte zu regulieren (oder genauer gesagt, nicht zu regulieren), die im Wesentlichen mit bereits zum Verkauf zugelassenen Medizin- produkten identisch waren, wurde die »substanzielle Gleich- wertigkeit« 1992 zu einem offiziellen Begriff und Konzept der FDA, um genetisch veränderte Lebensmittel (nicht) zu regulieren denn seither ist dieses Konzept in einer Grundsatzerklärung zu »Lebensmitteln, die aus neuen Pflanzensorten gewonnen werden« verankert.57 Es überrascht also nicht, dass diese Grundsatzerklärung von keinem Geringeren als dem bereits zitierten Michael Taylor mit- verfasst5 wurde, einem Anwalt, der Lebensmittel- und Arznei- mittelrecht praktizierte, zu dessen Mandanten Monsanto gehörte und der in die FDA von George H. W. Bush berufen wurde, um dort die neu geschaffene Position des »Stellvertretenden Kom- missars für Verfahrensregeln« zu übernehmen. Nach diesem Coup zugunsten von Monsanto und Co. verließ Taylor, wie zuvor erwähnt, die FDA und wurde Vizepräsident bei Monsanto. Dann kehrte er, wie bereits angeführt, zur FDA zurück, um zunächst eine® und dann eine zweite®1 hohe Position zu übernehmen. Taylors Lebenslauf liest sich wie eine Fallstudie zur Frage, wie man das Beste aus der Drehtiir macht. Es gäbe noch diverse Beispiele fiir die wechselseitige Beziehung zwischen Biotech-Industrie und staatlichen Regulierungsbe- horden. Aber konzentrieren wir uns auf bestimmte Personen und ihre Positionen, laufen wir Gefahr, eine deutlich heimtiickischere 181 und weniger bekannte Tatsache aus den Augen zu verlieren: Dass der Biotech-Sektor als Ganzes nicht organisch, sondern durch ko- ordinierte Bemühungen einer Handvoll Unternehmensstiftungen und milliardenschwerer Nichtregierungsorganisationen (NGOs) entstand goutiert von Regierungen aus aller Welt. Eine noch verhängnisvollere Tatsache ist, dass die »genetische Revolution«, die diese milliardenschwere Industrie hervorgebracht hat, Teil einer viel dunkleren Agenda ist, bei der die Anhäufung von Unter- nehmensprofiten eine eher untergeordnete Rolle spielt. Um die Geschichte der »genetischen Revolution« zu verstehen, müssen wir jedoch zunächst die Geschichte der »grünen Revolu- tion« betrachten, also der Explosion der Nutzpflanzenproduktion in den 1950ern und 1960ern, die durch neue Agrartechnologien ermöglicht wurde. Die bereinigte Version dieser Geschichte besagt, dass die grüne Revolution aufgrund der bahnbrechenden For- schung von Norman Borlaug entstand, einem amerikanischen Wissenschaftler, der in den 1940er Jahren begann, mit krankheits- resistenten, ertragreichen Weizensorten in Mexiko zu experimen- tieren. Seine Forschung, kombiniert mit dem verstärkten Einsatz mechanischer Werkzeuge in der industriellen Landwirtschaft, wird gerne als »Bekämpfung des Welthungers« bezeichnet. Sie führte dazu, dass er eine Goldmedaille des US-Kongresses, einen Friedensnobelpreis und eine präsidiale Freiheitsmedaille erhielt (was ihn zu einer von nur fünf Personen macht, die alle drei Auszeichnungen erhielt).63 Entgegen der Huldigungen seiner heutigen Hagiographen hat Borlaug aber nicht im Alleingang »eine Milliarde Leben gerettet«. Denn seine Bemühungen wurden von wohlhabenden Geldgebern finanziert und die Früchte seiner Auftragsarbeit waren keines- wegs ein Segen für die Menschheit. Großzügige Unterstützung 182 bekam Borlaug von »philanthropischen« Organisationen, nament- lich der Ford Foundation und der Rockefeller Foundation. Diese Stiftungen zahlten nicht nur die Rechnung für Borlaugs Forschung, sondern gründeten auch Institutionen wie das International Maize and Wheat Improvement Center,®4 das diese Forschung überhaupt erst möglich machte. In den glühenden Artikeln über die grüne Revolution - größtenteils von diesen Stiftungen selbst oder von angeblich objektiven Außenstehenden verfasst, die auf deren Gehaltsliste standen wird immer darauf hingewiesen, dass diese Milliardäre nur durch die edelsten humanitären Absichten dazu motiviert waren, Borlaugs Arbeit zu unterstützen. Die wahre Geschichte ist jedoch nuancierter und zeichnet ein ganz anderes Bild. In Wirklichkeit war die Rockefeller-Dynastie, die zu Borlaugs Zeit vom Patriarchen der dritten Generation, John D. Rockefeller III, angeführt wurde, nicht nur maßgeblich für die Initiation der grünen Revolution sowie der genetischen Revolution verantwortlich, ihre Absichten waren auch alles andere als humanitär. Angetrieben vom egomanen Wunsch, die globalen Ressourcen zu monopolisieren, versuchten die Rockefellers, den Weltmarkt für das petrochemische Imperium ihrer Familie zu erweitern und die Kontrolle über die globale Nahrungsmittelversorgung zu festigen. In »Seeds of Destruction«, einem umfassenden Bericht über die grüne Revolution und die genetische Revolution, erklärt Autor William Engdahl, dass Nelson Rockefeller in den 1940er Jahren die Mexican American Development Corp. gründete und Rocke- fellers Chase National Bank damals unter Leitung von Winthrop Aldrich, Nelsons Onkel nutzte, um die Lateinamerika-Abteilung der Chase Bank in Mexiko aufzubauen. Wie Engdahl anmerkt, bestand Nelsons Hauptmotiv darin, »unter dem Deckmantel der 183 Unterstützung bei der Lösung der Ernährungsprobleme des Landes wieder in Mexiko Fuß zu fassen«.65 Mit ihren Marionetten in Reih und Glied waren die Rockefellers nun bereit, sich mit jener Art imageträchtiger »Philanthropie« zu befassen, die neben dem Ansehen auch das Vermögen der Familie gesteigert hatte seit John D. Rockefeller Sr. die Gewinne aus dem Erdölgeschäft in die Gründung der gleichnamigen Stiftung fließen ließ. In diesem Fall nahm die »Philanthropie« der Rockefellers die Gestalt des neu gegründeten Mexican Agricultural Program (MAC) an, das von George Harrar geleitet wurde, der später Präsident der Rockefeller Foundation werden sollte.® Und das MAC brachte erst Norman Borlaug und dann die grüne Revolution hervor. Danach breitete sich die grüne Revolution Richtung Brasilien aus, wo ein weiterer Ableger von Rockefellers schier endlosem Industriekonglomerat die 1947 von Nelson gegründete Inter- national Basic Economy Corporation (IBEC) bei der Umgestaltung der Agrarindustrie des Landes eingesetzt wurde. Das Rockefeller Archive Center schreibt dazu: »Die Corporation wurde als privates Wirtschaftsunter- nehmen gegründet, das sich durch die Senkung der Lebensmittelpreise, den Bau solider Wohnungen, die Mobilisierung von Ersparnissen und die Förderung der Industrialisierung auf die Aufwertung grundlegender Wirtschaftsbereiche weniger entwickelter Länder konzent- rieren sollte. Ziel war, dass das Unternehmen profitabel und nachhaltig ist und andere, insbesondere Einheimische, dazu ermutigt, wettbewerbsfähige Unternehmen zu gründen und dadurch einen »Multiplikator« für den Entwicklungseffekt zu erzielen.«67 184 Was für die IBEC (und die grüne Revolution im Allgemeinen) wirklich relevant war, lässt sich einem Buch von Lester Brown entnehmen, einem weiteren Nutznießer von Rockefellers Groß- zügigkeit, dessen Worldwatch Institute 1974 mit Hilfe eines Zuschusses von 500.000 Dollar vom Rockefeller Brothers Fund gegründet wurde.® In »Samen der Veränderung: Sechs Pflanzen, die die Menschheit veränderten«, seinem 1969 erschienenen Werk zu diesem Thema, erklärte Brown die tatsächlichen Beweggründe hinter dem vermeintlich humanitären Unterfangen: »Dünger ist nur ein Posten im Paket der neuen Betriebs- mittel, die Landwirte benötigen, um das volle Potenzial des neuen Saatguts auszuschöpfen. Sobald es rentabel wird, moderne Technologie einzusetzen, steigt die Nachfrage nach allen Arten von landwirtschaftlichen Betriebsmitteln rapide an. Und nur Agrarunternehmen können diese neuen Betriebsmittel effizient liefern. Das bedeutet, dass die multi- nationalen Konzerne, zusammen mit den armen Ländern, ein persönliches Interesse an der landwirtschaftlichen Revolution haben.«6® Das ist die eigentliche Grundlage der sogenannten grünen Re- volution: Multinationale Konzerne profitieren massiv von der »Entwicklung« des Agrarsektors in Ländern der Dritten Welt, weil sie Dünger, Chemikalien und kapitalintensive Technologie dorthin verkaufen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass der Begriff »Agribusiness« bei Forschungsprojekten an der Harvard Business School’? entstand, die von Wassily Leontief mit einem Stipendium der Rockefeller-Stiftung durchgeführt wurden.?t Aus Perspektive der Rockefellers war das Projekt griine Revolution ein durchschlagender Erfolg. In den 1970er Jahren hatten die mit dem Standard-Oil-Netzwerk verbundenen Unternehmen darunter 185 Verbündete in der Stickstoffdüngerindustrie wie DuPont, Dow Che- mical Company und Hercules Powder Company neue Märkte auf der ganzen Welt erschlossen. Treffender: Die Märkte waren im Rahmen des Food for Peace (FFP) Programms von Prasident Lyndon B. Johnson fiir dieses Oligopol geöffnet worden,’2 welches die Leitung der amerikanischen Nahrungsmittelhilfe später an USAID, eine Tarnorganisation der CIA übergab.’3 Das FFP förderte bei den Beihilfeempfängern welch glücklicher »Zufall« für die Rockefellers auch den Einsatz landwirtschaftlicher Technologien (Düngemittel, Bewässerung, et cetera), die von der Petrochemie abhängig waren. Aus diesem monopolistischen Morast entstand ein Kartell von Getreideproduzenten: Das »ABCD-Kartell«, bestehend aus Archer Daniels Midland, Bunge, Cargill und Louis Dreyfus’4 sowie anderen Giganten der Agrarindustrie, die bis zum heutigen Tag den globalen Lebensmittelhandel dominieren.’5 Auch wenn ihre korporatistischen, von NGOs finanzierten Firsprecher oft mit engen Verbindungen zur Industrie das Gegenteil behaupten, hat die grüne Revolution die Ungleichheit zwischen feudalistischen Grofdgrundbesitzern und armen Bauern in Ländern wie Indien eher verscharft als verringert. Propaganda-Narrative, die diese Transformation als »Wunder« darstellen, vergessen zu erwähnen, dass die teure Agrartechnik hinter dieser Revolution mit Krediten der Weltbank finanziert wurde.” Und dass diese Kredite Indien und andere Entwicklungslander noch tiefer in die Verschuldung trieben. So war das eigentliche Ergebnis der grünen Revolution vor allem die bequeme Schaffung von verschuldeten, korrumpierten Märkten fiir eine von den USA dominierte, von der Petrochemie abhängige Agrarindustrie. Und genau auf diesem historischen Boden entstand das moderne GMO-Saatgutkartell. 186 Es besteht aus Biotech-Ablegern von Big Agrikultur und Big Pharma: Dow AgroSciences, DuPont/Pioneer Hi-Bred, Syngenta und - nachdem Monsanto von Bayer geschluckt wurde Bayer CropScience. Und wie das ABCD-Kartell davor, haben sich auch diese Unternehmen eine beherrschende Stellung in der neuen, genetisch modifizierten Nahrungsmittelversorgung erarbeitet.77 Einen Tiefpunkt in der Saatgut-Saga markierte die neokoloniale Vereinnahmung der Agrarwirtschaft von Argentinien. Monsanto ging dort mit einer ausgeklügelten Strategie vor, um das Land zunächst an seine Technologie zu gewöhnen und dann Lizenz- gebühren für bereits angebaute Pflanzen zu verlangen:78 »Ködern und dann die Bedingungen ändern«, so die Devise. DuPont legte gleichzeitig ein großzügiges Programm namens »Protein for Life« auf, um den armen Bevölkerungsgruppen Argentiniens seine gentechnisch veränderten Sojabohnen aufzuzwingen.?9 Eine weitere erschreckende Folge der Kartellbildung zeigte sich nach der illegalen Invasion des Iraks durch die USA im Jahr 2003. Unter der Besatzungsregierung erließ »Verwalter« Paul Bremer III rund 100 neue »Verordnungen«, die darauf abzielten, den Irak für ausländische »Investitionen« zu öffnen. Diese Verordnungen beinhalteten Änderungen des Steuergesetzes, die Lockerung von Beschränkungen für Verträge und Pachtverhältnisse ausländischer Unternehmen und Banken, die Aufhebung von Einschränkungen beim Besitz von natürlichen Ressourcen des Landes für Ausländer sowie eine Reihe weiterer Regelungen, die vor allem ausländischen (meist amerikanischen) Banken und Unternehmen zugutekamen, die wie Heuschrecken über das frisch »befreite« Land herfielen. Die unglaublichste Verordnung war dabei die Order 81, eine um- fassende Änderung der Patentgesetze des Landes.8 Sie enthielt eine Bestimmung, die es Unternehmen, die eine »geschützte Pflanzen- sorte« registrierten, erlaubte, Landwirte zu verklagen, die dieses 187 Saatgut ohne die ausdrückliche Zustimmung des Patentinhabers aufbewahrten, wiederverwendeten oder anpflanzten. Der Irak, die einstige Kornkammer des Nahen Ostens, wurde seiner Ernährungs- souveränität beraubt und zu einer bloßen Plantage degradiert, die von einem Syndikat von Saatgutproduzenten geleitet wurde.81 Die Konvergenz von wirtschaftlichen, »philanthropischen«, staat- lichen und zwischenstaatlichen Interessen, die gentechnisch veränderte Pflanzen auf der ganzen Welt fördern, zeigt sich in der verwirrenden Menge von Forschungsinstituten, Industrie- verbänden und »Beratungsgremien«, die auf diesem Feld aktiv sind. Dazu gehören das von Rockefeller gegründete International Rice Research Institute (IRRI),82 der von Rockefeller/Monsanto/ USAID ins Leben gerufene Service for the Acquisition of Agri- biotech Applications (ISAAA),8 die von Rockefeller/Ford/Welthank initiierte Consultative Group of International Agricultural Re- search (CGIAR)8 sowie Dutzende anderer langweilig wie harmlos klingender Organisationen, die ausschließlich dazu gegründet wurden, gentechnisch veränderte Pflanzen herzustellen und zu verkaufen. Durch die gemeinsamen Anstrengungen öffentlicher und privater Gruppen bei der Finanzierung und Vermarktung der GM-Forschung ist es dem Kartell gelungen, seinen synthetischen Samen auf der ganzen Welt zu verbreiten. Ein Hinweis darauf - falls es überhaupt eines weiteren bedarf —, dass das eigentliche Ziel dieses Kartells möglicherweise nicht allzu human ist, ist der »Svalbard Global Seed Vault«, der internationale Saatguttresor auf Spitzbergen. Als stamme die Szenerie aus einem James-Bond-Film, ist der Saatguttresor in die Seite eines Berges auf einem abgelegenen Archipel auf halber Strecke zwischen Norwegen und dem Nordpol gehauen. Und, wie es auf der eigenen Website des Tresors heißt, ist er dafür konzipiert, »Duplikate 188 (Backups) von Saatgutproben aus den Erntesammlungen der Welt aufzubewahren«, als »ultimative Versicherung für die Welt- ernährung«. Konkret sollen der Permafrost und das dicke Gestein der arktischen Tundra dafür sorgen, dass die Samenproben auch ohne Strom eingefroren und konserviert bleiben, damit das Gewölbe und sein Inhalt auch eine weltweite Katastrophe überleben. Der Tresor enthält mehr als 1.000.000 gentechnikfreie Saatgutproben aus der ganzen Welt und hat die Kapazität, bis zu 4,5 Millionen Sorten von Nutzpflanzen in seinen eisigen Wänden zu lagern. Verwaltet wird die Einrichtung vom Crop Trust, einer Organisation, die vom bereits erwähnten CGIARS5 gegründet und von der Bill & Melinda Gates Foundation8 zusammen mit der Rockefeller Foundation, Dupont/Pioneer Hi-bred, Syngenta AG und einer Reihe von NGOs und anderen Unternehmen und Stiftungen finanziert wird.87 Was aber ist der Crop Trust genau? Lange Rede, kurzer Sinn: Im Jahr 2001 verabschiedete die FAO den »Internationalen Vertrag über pflanzengenetische Ressourcen für Ernährung und Landwirt- schaft«,88 abgekürzt »Plant Treaty«, der »darauf abzielt, die globale Ernährungssicherheit zu verbessern, indem es Wissenschaftlern und Landwirten erleichtert wird, Saatgut und anderes Pflanzen- material für die Verbesserung von Kulturpflanzen, Forschung und Ausbildung zu erhalten und zu verwenden«.8? Mit dem Vertrag wurde ein Mechanismus namens »Multilaterales System« ge- schaffen, um vierundsechzig wertvolle Nahrungspflanzen in »einem leicht zugänglichen globalen Pool genetischer Ressourcen zur Verfügung zu stellen, der potentiellen Nutzern in den Rat- geberstaaten des Vertrags für einige Verwendungszwecke frei zur Verfügung steht«. Um dieses hohe Ziel zu erreichen, hat das Leitungsgremium des Plant Treaty eine Vereinbarung mit dem Global Crop Diversity Trust (auch bekannt als »Crop Trust«) 189 geschlossen, einer internationalen gemeinnützigen Organisation, die damit beauftragt ist, Gelder für den Erhalt der Pflanzenviel- falt zu sammeln und auszuzahlen, Instrumente und finanzielle Unterstützung für Genbanken weltweit bereitzustellen und Genbankproben ex situ zu konservieren. Sprich, sie beispiels- weise an der Seite eines Berges in der eisigen, arktischen Tundra Spitzbergens zu vergraben. Bis 2012 stand der Crop Trust unter dem Vorsitz von Margaret Catley-Carson,? einer ehemaligen Präsidentin des von J. D. Rocke- feller III gegründeten Population Council?! der American Eugenics Society unter neuem Namen.?2 Ihre Verbindungen beweisen, dass man, egal wohin man sich auf dem Feld der Genetik wendet, immer wieder bei den gleichen elitdren, von Eugenik besessenen Familien und Konzern-Oligopolen landet, die sie einst ins Leben riefen. Aber worauf um alles in der Welt bereiten sich die Eugeniker mit dem Saatguttresor vor? Warum braucht die Menschheit ein Backup von Millionen von Saatgutvarianten, wenn diese vermut- lich (größtenteils) während der gesamten Menschheitsgeschichte existierten? Welche Art von Umweltkatastrophe konnte den Genpool so stark kontaminieren, dass wir die Erde mit altem, gentechnisch unverandertem Saatgut neu bevolkern müssten? Die Antworten, die man auf diese Fragen erhält, hängen wie üblich davon ab, wen man fragt. Der Crop Trust selbst hat ein paar Szenarien vorgeschlagen, die die Existenz des Saatguttresors zu rechtfertigen scheinen. »Es gibt jeden Tag große und kleine Weltuntergénge auf der ganzen Welt, sagte die ehemalige Geschéftsfithrerin der Stiftung, Marie Haga, 2017 gegenüber TIME. »Genetisches Material geht überall auf der Welt verloren«. Dem fügte einer der für das Tagesgeschaft 190 des Tresors zuständigen Verwalter hinzu: »Es ist weit entfernt von den Orten auf der Erde, an denen Krieg und Terror herrschen, von allem, wovor man sich vielleicht an anderen Orten fiirchtet«.9 Zwei Jahre zuvor, 2015, verkündete der Crop Trust, dass die Svalbard Saatgutbank zum ersten Mal eine Entnahme vorgenommen hatte, nachdem eine Genbank im vom Krieg zerstörten Aleppo durch den von den USA unterstützten Terroristenaufstand in Syrien beschä- digt worden war. Zu diesem Zeitpunkt äußerte der Sprecher des Crop Trust, Brian Lainoff, dass »die Entnahme tatsächlich als Beweis dafür dient, dass ein solcher Tresor notwendig ist«.% Kürzlich wurde sogar von The Independent argumentiert, dass der Tresor notwendig sei, um das genetische Erbe der Welt »in Zeiten globaler Katastrophen, wie der tobenden Covid-19-Pandemie« zu schützen.95> Wer hätte gedacht, dass Covid eine solche Bedrohung für die Vielfalt der Nutzpflanzen darstellt? Krieg? Terrorismus? COVID? Es stimmt, dass geopolitische Unruhen und Naturkatastrophen eine Bedrohung für die Vielfalt der Nutzpflanzen an verschiedenen Orten darstellen. Aber diese Bedrohungen allein können nicht der wahre Grund dafür sein, dass die milliardenschweren Stiftungen und NGOs, die hinter der genetischen Revolution stehen, eine katastrophensichere Saatgutbank schaffen. Nein. Es muss mehr als diese Bedenken geben, um den Plan zu erklären, die Erde nach einer weltweiten Katastrophe wieder mit altem, gentechnikfreiem Saatgut bevölkern zu wollen. Die einzig logische Schlussfolgerung ist, dass gerade die Eu- geniker, die Gentechnik in der Nahrungsmittelversorgung vorangetrieben haben, sich darüber im Klaren sind, dass ihre machiavellistischen Machenschaften das Leben auf der Erde in einem so besorgniserregenden Ausmaß bedrohen, dass ein »Backup« der natürlichen Welt nötig sein könnte, um den Pla- neten eines Tages »neu zu starten«. 191 Unsere erste Reaktion auf diese ernüchternde Information und ihre Auswirkungen könnte Panik sein. Dann kann sich ein Gefühl der Hilflosigkeit einstellen, das uns dazu bringt, vor der scheinbar un- aufhaltsamen GMO-Übernahme zu kapitulieren. Denn wie könnte es Lösungen für eine Agenda geben, die so akribisch geplant, massiv finanziert und monumental überwältigend ist wie diese? Es wurde vorgeschlagen, dass Regierungen dazu gedrängt werden sollten, nationale Verbote für den Anbau von gentechnisch ver- änderten Pflanzen zu erlassen. Doch angesichts der Tatsache, dass diese nationalen Regierungen zunehmend in ein Geflecht internationaler Verträge und Organisationen verstrickt sind FAO, WHO, UN, Welthandelsorganisation, Plant Treaty, Crop Trust, et cetera und angesichts der Tatsache, dass diese Organisationen und Vereinbarungen über Institutionen wie IRRI, ISAAA und CGIAR mit der Biotech-Agenda verbunden sind, scheint es un- wahrscheinlich, dass Nationalstaaten in der Lage sein werden, der milliardenschweren, jahrzehntelangen, multinationalen Agenda der Agrargiganten zu widerstehen. Auf einer noch grundlegenderen Ebene besteht die Antwort auf schlechte Wissenschaft jedoch nicht darin, die Wissenschaft zu verbieten genauso wenig wie die Antwort auf Hassrede darin besteht, freie Meinungsäußerung zu verbieten. Den Regierungen die Macht zu geben, dieses oder jenes Forschungsgebiet zu sank- tionieren (oder implizit zuzulassen), bedeutet, die Macht über die künftige Ausrichtung der Gesellschaft genau den Eugenikern und Konzernen zu überlassen, die auch die Parlamente der National- staaten kontrollieren. Wir sollten uns auf jeden Fall mit allen Mitteln dafür einsetzen, dass diese Art von Forschung nicht mit staatlichen Geldern 192 finanziert wird. Aber Lobbyarbeit für Gesetze, die die Forschung insgesamt verbieten, würde mit ziemlicher Sicherheit nach hinten losgehen. Der Hammer des Verbots kann dort zuschlagen, wo wir uns das wünschen, zum Beispiel mit einem Verbot von gentech- nisch veränderten Pflanzen. Aber er kann genauso gut anderswo zuschlagen und die Zulassung von gentechnisch veränderten Pflanzen ermöglichen. Und angesichts der Ressourcen, die den von Gentechnik besessenen Eugenikern zur Verfügung stehen, ist es schwer vorstellbar, dass wir Bürger diesen politischen Kampf jemals gewinnen könnten. Gibt es also einen Weg, um zu verhindern, dass die Geißel der GMO den Planeten übernimmt? Zum Glück ist das keine rhetorische Frage. Und zum Glück ist die Antwort ein klares ja! In der Tat hat sich bereits gezeigt, dass wir diesen Krieg gewinnen können, indem wir eine der einfachsten Waffen einsetzen, die uns zur Verfügung stehen den Boykott. Zur Erklärung: Posilac ist der Handelsname für Monsantos gen- technisch verändertes, rekombinantes Rinderwachstumshormon (rBGH), das laktierenden Milchkühen injiziert wird, um die Milchproduktion zu steigern.?6 Im Jahr 1993 wurde Posilac von der FDA für den Einsatz in der Milchindustrie zugelassen, obwohl Forscher vor den potenziellen Gefahren gewarnt hatten, die es für Menschen darstellt, die Milch von Kühen konsumierten, die mit diesen Injektionen behandelt wurden.? Die Milch von mit Posilac behandelten Kühen wurde ohne Kennzeichnung verkauft, obwohl sie sich chemisch, ernährungsphysiologisch und pharmazeutisch von unbehandelter Milch unterschied. Die rBGH-Milch enthielt nicht nur signifikant höhere Anteile des krebsbeschleunigenden Hormons IGF-1 (insulinähnlicher Wachstumsfaktor) als normale Milch, sondern auch Eiter und Antibiotika von der Mastitis, die durch die Einnahme des Me- dikaments verursacht wurde.%® Mehrere FDA-Insider warnten 193 in den 1990er Jahren, dass Sicherheitsdaten zur rBGH-Milch von kompromittierten FDA-Mitarbeitern manipuliert wurden, um Posilac zu helfen, den Zulassungsprozess der Behörde zu bestehen. Nichtsdestotrotz und wenig überraschend wurde die Zulassung trotzdem erteilt. Ebenso wenig überraschend ist, dass die Whistleblower, die diese Bedenken äußerten, aus der Behörde gedrängt und ihre Aussagen ignoriert wurden.?9 Aber damit nicht genug. Zu einem Fall, der durch die Dokumentation The Corporation aus dem Jahr 2003 bekannt wurde, produzierten zwei investigative Reporter eines Regionalsenders, der zum Fox-Netzwerk gehörte, eine Reportage, die den rBGH-Skandal beleuchtete. Nachdem Monsanto Druck auf den Sender ausübte, wurde die Reportage zurückgehalten und die beiden Journalisten wurden gefeuert. Doch im Jahr 2004 fing die Öffentlichkeit an, sich über das Thema zu informieren. Die Verbraucher begannen, massiven Druck auf Geschäfte auszuüben, damit diese den Verkauf von rBGH- Milch einstellen. Dieser Schritt führte zu einem Erfolg nach dem anderen: Große Einzelhändler darunter Kroger,190 Safeway, 101 Starbucks192 und Walmart193 und Produzenten darunter Breyers,194 Byrne Dairy,1®5 und General Mills!® einigten sich darauf, den Verkauf oder die Produktion von Milch von Kühen, die mit künstlichen Wachstumshormonen behandelt wurden, einzustellen. Heute ist rBGH-Milch, die einst in ganz Amerika vertrieben wurde, eine Seltenheit in der Milchabteilung. Dieser Wandel wurde nicht durch umfassende Maßnahmen der Regie- rung herbeigeführt. Er ist nicht durch Gewalt oder Zwang zustande gekommen. Der Wandel kam dadurch zustande zustande, dass Verbraucher sich über das Problem informierten, Druck auf die Erzeuger ausübten und diesen so lange aufrechterhielten, bis ihre Forderungen nach rBGH-freier Milch erfüllt waren. 194 Zugegeben, der Kampf gegen gentechnisch veränderte Lebens- mittel wird nicht so leicht zu gewinnen sein, wie der gegen rBGH-Milch. Aber wir können den Samen des Zweifels, der die Sache mit der Milch zu unseren Gunsten entschied, im Beet des Widerstands gegen GMO-Nahrungsmittel pflanzen. Da es in unserer Macht als Verbraucher liegt, Produkte abzulehnen, gegen die wir Bedenken haben, sei es aufgrund der Unsicherheit, aus gesundheitlichen oder moralischen Gründen, gibt es wirk- lich niemanden, dem wir sonst die Schuld dafür geben können, dass diese gentechnisch veränderten Lebensmittel heute so weit verbreitet und auf unseren Tellern sind. Es liegt in unserer Verantwortung zu wissen, was in den Produkten enthalten ist, die wir essen. Und es ist an uns, den Unternehmen, die gen- technisch veränderte Zutaten in ihren Produkten verwenden, die Unterstützung zu entziehen. Glücklicherweise entstehen derzeit Technologien, die koordinierte Verbraucheraktionen gegen GMO vereinfachen. Die Buycott-App ermöglicht den Nutzern beispielsweise die Teil- nahme am sogenannten Buycotting, bei dem man sich bewusst dafür entscheidet, nur zertifizierte, genetisch unveränderte Produkte zu kaufen und gleichzeitig eine Boykott-Kampagne zu unterstützen, die sich gegen Produzenten von GMO-Produkten richtet.197 Eine Verbraucher-Gruppe hat auf der Buycott-Webseite die Kampagne »Pro-GMO? Oder Pro-Recht auf Information?« ins Leben gerufen, die 243 Unternehmen anfiihrt, die man je nach ihrer Unterstützung oder Ablehnung von Kennzeichnungsgesetzen für GMO-Produkte meiden oder unterstützen sollte. Von den über einer Million Mitgliedern der Buycott-Community, die mit ihrem Geld abstimmen, haben sich mehr als die Hälfte der Kampagne für die GMO-Kennzeichnung angeschlossen.198 Zu den weiteren Initiativen gehört der »Non-GMO Shopping Guide« des Institute 195 for Responsible Technology, der tausende von Konsumgütern auflistet, die nachweislich als gentechnikfrei eingestuft wurden. 1% Es gibt aber auch eine nicht-technische Lösung: »Guerilla-Gärt- nern«. Dieser Ansatz umfasst eine Vielzahl von Maßnahmen. Vom Anbau von Lebensmitteln auf eigenem Land über die Teilnahme an einem Gemeinschaftsgarten oder der Beschaffung von Bio- Lebensmitteln von lokalen Produzenten bis hin zum lokalen Bauernmarkt. Wenn das alles nach viel Arbeit klingt, dann nur, weil dem so ist. Wenn es sich so anhört, als ob die Umstellung auf 100 Prozent gentechnikfreie Lebensmittel ein sukzessiver Prozess wäre, bei dem man sich nach und nach von bestimmten Produkten entwöhnt und geeignete Alternativen findet, wird dieser Prozess genau so aussehen. Wenn es so klingt, als gäbe es niemanden außer uns selbst, dem wir die Schuld geben können, wenn wir nicht anfangen, diese Schritte zu gehen, um unseren Kindern eine Welt ohne Gentechnik zu sichern, dann gibt es auch niemand anderen. Letzten Endes können wir nicht direkt bestimmen, was im Haus des Nachbarn passiert; geschweige denn, was in anderen Ländern oder auf anderen Kontinenten passiert. Aber die Verantwortung hört eben dort auf, wo sie schon immer aufgehört hat am eigenen Küchentisch. In den meisten Fällen haben wir immer noch die Freiheit zu entscheiden, was wir essen - und was nicht. Aber wenn wir nicht anfangen, diese Freiheit ernst zu nehmen und sie als die Verant- wortung wahrnehmen, die sie ist, könnte die genetische Revolution genau die weltweite Katastrophe sein, die den Saatguttresor in der eisigen Tundra Norwegens zu einer Notwendigkeit macht. 196 10 11 12 13 14 15 16 17 18 »Failure to Yield: Evaluating the Performance of Genetically Engineered Crops«, Union of Concerned Scientists, 2009. archive.fo/Ac0k »Distinction Between Genetic Engineering and Conventional Plant Breeding Becoming Less Clear, Says New Report on GE Crops«, The National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine, 17. Mai 2016. archive.fo/XCuNg Hakim, Danny: »Doubts About the Promised Bounty of Genetically Modified Crops«, The New York Times, 29. Oktober 2016. archive.fo/4EBkk Klimper, Wilhelm und Matin Qaim: »A Meta-Analysis of the Impacts of Genetically Modified Crops«, PLOS ONE, 3. November 2014. archive.fo/jknGO Siehe Endnote 3. 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And When You Dine Out, Institute for Responsible Technology. nongmoshoppingguide.com 202 Wie man seine Knechtschaft genießt 1950er: Also, lassen sie mich das mal klären: Diese magische Box, die sie da in ihrer Tasche mit sich herumtragen, ... 2020er: Die nennt man iPhone. 1950er: Diese magische Box erstellt also eine Liste aller Orte, an denen sie gewesen sind? 2020er: Ja inklusive wann ich dort war und wie lange ich ge- blieben bin! 1950er: Und das Protokoll wird automatisch an ein Unternehmen in Kalifornien geschickt? 2020er: Genau. 1950er: Haben sie keine Angst davor, was diese Firma mit all ihren Daten macht? Was, wenn sie alles der Regierung übergibt? 2020er: Nein, das beunruhigt mich nicht. 1950er: Aber warum nicht? 2020er: Weil die Regierung all diese Daten längst hat. Kennen sie den Patriot Act nicht?1 203 1950er: Natürlich weiß ich, wie sich ein Patriot gegenüber solch einer Tyrannei verhalten würde. Das sind doch ihre privaten Informationen! Es ist unvorstellbar, dass sie so leichtsinnig damit umgehen. 2020er: Es ist nicht leichtsinnig. Es ist praktisch. Heute habe ich Foursquare benutzt, um mich im Restaurant einzuchecken, wo ich zu Mittag gegessen habe. Ich habe meinen Facebook-Status aktualisiert, während ich auf den Beginn meines Pilates-Kurses gewartet habe und ein Selfie vom Spiel heute Abend getwittert. 1950er: Ich habe keine Ahnung, was das alles bedeutet. 2020er: Das heißt, ich mache mir keine Sorgen um meine Privats- phäre. 1950er: Dann denke ich, die Kommunisten haben gewonnen. 2020er: Wie bitte? 1950er: Die Roten, sie wissen schon die Russen! Offensichtlich haben die Sowjets die USA übernommen und ihr habt alle den Verstand verloren. Wahrscheinlich wurden sie von den gerissenen Pinkos einer Gehirnwäsche unterzogen. 2020er: Ach, sie meinen die Sowjetunion? Ich glaube, davon habe ich im Geschichtsunterricht gehört. Nein, wir leben hier im Land der Freiheit. 1950er: In welchem Sinne genau sind sie denn frei? 2020er: Nun, äh... 204 Das wäre erst der Anfang des Gesprächs. Wie würden sie denn auch nur ansatzweise sinnhaft erklären, dass ihr Per- sonalausweis und ihr Reisepass digitalisiert sind, dass diese Dokumente mit ihren biometrischen Daten verknüpft wurden und als Instrumente staatlicher Überwachung und Kontrolle gegen sie eingesetzt werden?2 Oder dass eine außergerichtliche Tötungsliste des Präsidenten euphemistisch »Dispositions- matrix« genannt dem Präsidenten der Vereinigten Staaten die Befugnis verleiht, jederzeit und überall auf der Welt jeden Menschen zu töten, den er will?3 Oder dass ein internationales Abkommen die Weitergabe ihrer persönlichen Bankdaten an OECD-Staaten erlaubt als ersten Schritt in Richtung eines globalen Steuersystems?4 Oder dass geheime DNA-Datenbanken Blutproben speichern, die ihrem Neugeborenen bei der Geburt entnommen wurden. Proben, die nun privaten Unternehmen gehören und von Forschern ohne ihr Wissen oder ihre Zustim- mung untersucht werden?3 Wie würden sie die unzähligen Verletzungen grundlegender persönlicher Freiheiten erklären, die sich in den letzten fünfzig Jahren als normal etablierten? Sie würden ja nicht einfach nur die technologisch bedingten Eingriffe in unsere Freiheit aufzählen, sondern müssten vielmehr auch den grundlegenden Wandel des Denkens bezüglich dieser Freiheiten und deren Bedeutung für unser Leben erläutern. Selbst wenn sie diesem imaginären Zeitreisenden die technischen Details der Systeme, die uns unserer Rechte und Freiheiten berauben, vermitteln könnten wären sie wirklich in der Lage, die Denkweise unserer Generation zu erklären? Zweifellos sind gerade jene Freiheiten, die wir heute so leichtfertig preiszugeben bereit sind, dieselben Freiheiten, die vor fünfzig Jahren als so sakrosankt galten, dass damals niemand daran dachte, sie auch nur in Frage zu stellen geschweige denn, 205 sie schützen zu müssen. Jemandem aus der Vergangenheit diesen Verlust zu erklären, könnte ein Ding der Unmöglichkeit sein. 1950er: Was sie sagen, erinnert mich an diesen englischen Typen - Orwell. Er ist erst vor kurzem gestorben, wie ich höre. Haben sie sein letztes Buch gelesen? Wie hieß es nochmal? 1994? 2020er: 1984. 1950er: Oh, richtig. Das war‘s. Gruselig. Nicht wahr? 2020er: Ich denke schon. Ein bisschen klischeehaft, finden sie nicht? Außerdem war Huxley näher dran. Obwohl ihr Gesprächspartner aus den 1950er Jahren mit Aldous Huxleys Buch »Schöne neue Welt« von 1932 vertraut sein mag, hat er Huxleys Rede von 1962 in Berkeley mit dem ehrgeizigen Titel »Die ultimative Revolution« noch nicht gehört. In dieser Rede enthüllte Huxley die Vielzahl technologischer und phar- makologischer Methoden zur mentalen Manipulation, die den Technokraten und Sozialingenieuren der Neuzeit zur Verfügung stehen.® Huxley stellte George Orwells düsterer Vision einer tyrannisch kontrollierten Gesellschaft in 1984 »eine Projektion in die Zukunft einer Gesellschaft, in der Kontrolle ausschließ- lich durch Terrorismus und gewaltsame Angriffe auf Geist und Körper des Individuums ausgeübt wird« seiner eigenen Vision einer »Schönen Neuen Welt« gegenüber. Einer Welt, die durch Manipulation und Belohnung kontrolliert wird: »[W]enn es dir gelingt, die Menschen dazu zu bringen, der Art wie sie leben dem Zustand der Knechtschaft, dem Zustand, in dem ihre Unterschiede ausradiert und sie 206 den Methoden der Massenproduktion auf sozialer Ebene angepasst werden zuzustimmen, wenn du dies erreichen kannst, dann wirst du wahrscheinlich eine viel stabilere und langlebigere Gesellschaft haben. Eine viel leichter kontrollierbare Gesellschaft, als wenn du nur auf Knüppel, Erschießungskommandos und Konzentrationslager angewiesen wärst.«7 Der amerikanische Medienkritiker Neil Postman besprach diese gegensätzlichen Methoden der Kontrolle in seinem 1985 erschie- nenen Buch »Amüsieren wir uns zu Tode«. Darin zeigte er auf, wie Fernsehberichterstattung kontextlos, hektisch und volatil Zu- schauer sediert und deren Reaktionen auch bei dreistesten Ver- letzungen persönlicher und sozialer Freiheiten abstumpfen lässt: »S0 scharfsinnig George Orwell auch war - in dieser Situation wäre er schlicht überfordert gewesen. Denn hier gibt es nichts Orwell’sches: Der Präsident hat die Medien nicht unter Kontrolle, die New York Times und die Washington Post sind nicht die Pravda, die Associated Press ist nicht Tass, und es gibt keinen künstlich geschaffenen »Neusprech«. Lügen wurden nicht zu Wahrheit erklärt, und Wahrheit nicht zu Lügen. Was wirklich geschehen ist, ist, dass sich die Menschen an die Widersprüche gewöhnt haben. Sie wurden durch ständige Unterhaltung abgelenkt, gelähmt und gleichgültig - fasziniert, ohne wirklich zu reagieren. Genau deshalb wäre Aldous Huxley von dieser Entwicklung kaum überrascht gewesen. Er sah voraus, dass westliche Demokratien eher träumend und tanzend ins Vergessen gleiten würden, statt diszipliniert, in Reih und Glied und gefesselt, marschierend unterzugehen. Huxley erkannte im Gegensatz zu Orwell dass es nicht nötig ist, 207 der Öffentlichkeit etwas vorzuenthalten, wenn diese ohnehin unempfindlich gegenüber Widersprüchen ist und durch technologische Ablenkungen betäubt wird. Zwar sagte er nicht explizit, dass Fernsehen unsere Hauptdroge sein würde, doch er hätte Robert MacNeils Beobachtung sofort bestätigt: Fernsehen ist das Soma aus Huxleys »Schöne neue Welt«. Big Brother kommt also nicht als bedrohlicher Aufseher daher, sondern als harmlos-süße Comicfigur.«8 1950er: Ich wusste es! Das Fernsehen ist der Übeltäter. Es war die ganze Zeit schon ein Werkzeug der Kommunisten. Und hier holen wir es in unsere Häuser und lassen es den Verstand unserer Kinder zerstören. 2020er: TV? Das ist so was von 20. Jahrhundert. Heute haben wir Netflix, Hulu, Peacock und Prime. Wir können unseren TikTok- Feed checken, während wir unterwegs sind und Podcasts hören. Sogar Huxleys Rede von 1962 kann man einfach so herunter- laden und das kostenlos. Aber warum sollte man ein Nerd sein und seine Zeit damit verschwenden, diesem langweiligen alten Briten zuzuhoren? Hey, ich hab gehört, der neue Song von Taylor Swift wurde gerade geleakt. Ah, ja. Brot und Spiele. Wie unser wortgewandter, zeitreisender Gesprächspartner vielleicht bemerken würde sobald man ihm erklärt hat, was Netflix, Hulu, Peacock, Prime, TikTok und Taylor Swift sind: Plus ca change je mehr sich die Dinge ändern, desto gleicher bleiben sie. Doch bloße Ablenkung ist nicht das primäre Instrument gesellschaftlicher Kontrolle, das den modernen Sozialingenieuren zur Verfügung steht. Auch andere Elemente psychologischer Manipulation kommen zum Einsatz. Dazu gehören 208 beispielsweise die »Techniken des Terrorismus«, wie Huxley sie in seiner Rede nannte Techniken, mit denen einer Zielperson seelische oder physische Gewalt, Schmerzen oder Stress zugefügt werden, um ihr Verhalten zu manipulieren oder zu konditionieren. Diese Techniken der Modus Operandi von Big Brother und einem Polizeistaat im Stil von 1984 gibt es seit ewigen Zeiten. Wie Huxley feststellte, werden sie durch den Einsatz wissenschaftlicher Methoden zunehmend verfeinert und effektiver. Man muss sich nur die modernen Formen der Gehirnwäsche anschauen, um zu erkennen, wie diese neuen Techniken des Terrors eine »wirkliche Verfeinerung der älteren Methoden« darstellen. Sie führen letztlich dazu, dass »die Betroffenen eine Art freiwillige Akzeptanz der gegebenen Zustände entwickeln, in denen sie sich befinden«.? Doch jenseits von Kontrollsystemen, die auf roher Gewalt und nackter Aggression beruhen, gibt es das, was Huxley als eine Reihe von »nicht-terroristischen Techniken« beschreibt, »um Zustimmung zu erzwingen und Menschen dazu zu bringen, ihre Knechtschaft zu lieben«. Zu diesen »nicht-terroristischen« Kontroll- taktiken gehören der Einsatz von Psychopharmaka, die Fre- quenzen von TV-Bildschirmen und Social-Media-Algorithmen,12 die bei den Zielpersonen »freiwillige« Zustimmung auslösen. Wie die Techniken des Terrors werden auch diese subtileren Methoden der Manipulation durch empirische Studien ständig verfeinert und sind heute unglaublich effektiv, um die Meinung großer Teile der Bevölkerung zu beeinflussen. Man muss sich nur die mentale Gymnastik ansehen, zu denen Unterstützer der geopolitischen Narrative des Establishments fähig sind, um zu verstehen, wie wirkungsvoll diese Form der Gedankenkontrolle sein kann. So kann der durchschnittliche Nachrichten-Junkie des Establishments zum Beispiel Osama 209 Bin Laden und seine al-Qaida-Agenten im Afghanistan3 der 1990er Jahre zunächst als »Krieger für den Frieden« feiern, um sie später als Inbegriff des Bösen zu verunglimpfen, weil sie für die Terroranschläge vom 11. September 2001 verantwortlich sind. Und noch etwas später, in den 2010er14 Jahren, gelten sie als notwendige Verbündete im Krieg gegen Baschar al-Assad in Syrien. All das hält der Nachrichten-Junkie aus, ohne dabei ein kognitives Schleudertrauma zu erleiden. Dass die Massen zu verschiedenen Zeiten diametral gegensätzliche Positionen vertreten, ist an sich schon ein Zeugnis für die Macht dieser nicht-terroristischen Manipulationstechniken. Noch bemerkens- werter ist jedoch, dass Menschen, die von diesen Manipulatoren geformt werden, die Widersprüche nicht einmal als solche wahr- nehmen. Sie sind zu sehr von den neuesten Spielereien auf ihren »Taschenspionen« gefesselt, um sich der Welt, die sie umgibt, wirklich bewusst zu sein. 1950er: Moment. Sie sagen also, dass viele Amerikaner denken, dass ein Militärputsch eine gute Sache ware?15 2020er: Ähm, ... 1950er: Und sie gewöhnen sich alle an den Gedanken, ihre Finger- abdrücke wie gewöhnliche Kriminelle abzugeben, nur um die Grenzen zwischen Ländern überqueren zu können?16 2020er: Ähm, ... 1950er: Und ihr fändet es besser, wenn Mitglieder des Kon- gresses zufällig aus dem Telefonbuch herausgesucht würden, anstatt den korrupten Gaunern zu vertrauen, die tatsächlich gewählt wurden?1? 210 2020er: Ähm, ... 1950er: Und damit seid ihr alle zufrieden? 2020er: Ähm, ... 1950er: Warum regt ihr euch nicht auf? Warum werft ihr diese verdammten Zauberkisten nicht einfach in den Müll? Warum legt ihr euch nicht in die Sonne und sprecht mit euren Nachbarn - und lebt einfach euer Leben? 2020er: Ahm, ... 1950er: Hören sie mir überhaupt zu? 2020er: Entschuldigung, was haben sie gesagt? Ich habe meiner Freundin gerade eine Nachricht zu diesem viralen Video ge- schrieben, das ich gesehen habe. 1950er: Vergessen sie es. Ich gebe auf. Schicken sie mich bitte zurück in die 50er! 1 »PATRIOT Act, Electronic Privacy Information Center. archive.is/4vdqU 2 Corbett, James: »Episode 415 - The Global Digital ID Prison«, The Corbett Report, 12. März 2022. corbettreport.com/digitalid 3 Becker, Jo and Scot Shane: »Secret >Kill List< Proves a Test of Obama's Principles and Will«, The New York Times, 29. Mai 2012. archive.fo/QE3mz 211 10 11 12 13 14 15 16 17 »Interview 742 - New World Next Week with James Evan Pilato«, The Corbett Report, 6. September 2013. corbettreport.com/?p= 7938 Corbett, James: »Announcing the DNA Control Grid«, The Corbett Report, 27. Februar 2009. archive.fo/ofM22 »Aldous Huxley 1962 U.C. Berkeley Speech on The Ultimate Revoluton«, Public Intelligence. archive.fo/OZLj9 Siehe Endnote 6. 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Nachdem seine jahrzehnte- langen geschäftlichen Intrigen, seine Verbrechen gegen die Menschlichkeit und seine Mitwirkung an massiver Umwelt- zerstörung aufgedeckt worden waren, wurde er von der gesellschaftlichen Elite gemieden und in ein Leben im Exil in Peking gezwungen. Seine Grausamkeit gipfelte im Versuch, aus dem Tod hungernder irakischer Kinder Profit zu schlagen. Seine Beerdigung war eine stille Angelegen- heit, an der nur wenige Familienmitglieder teilnahmen jene, die es nicht übers Herz brachten, ihn komplett zu ignorieren. Ehemalige Freunde und Geschäftspartner wie Paul Martin, James Wolfensohn, Kofi Annan, Conrad Black und Al Gore vermieden es allesamt, sich zum Tod ihres in Ungnade gefallenen Kollegen zu äußern.« Aber es ist keine vernünftige Welt. Daher wurde folgendes verkündet: »Am Mittwoch werden sich Hunderte gegenüber dem Par- lamentshügel versammeln, um einer außergewöhnlichen Gedenkfeier beizuwohnen. Der Generalgouverneur, der Premierminister, die Umweltministerin, der ehemalige 214 Präsident der Weltbank neben anderen Würdenträgern, ob im Amt oder nicht - werden einem der großen Kanadier seiner Generation die letzte Ehre erweisen. Sie werden das Leben von Maurice Frederick Strong feiern, der am 27. November verstarb. Sein Tod brachte die üblichen Nachrufe und persönlichen Würdigungen mit sich. Doch in einem Land, das sein Licht oft unter den Scheffel stellt, sollte Maurice Strong und das fieberhafte, folgen- reiche Leben, das er im In- und Ausland führte nicht ungewürdigt bleiben.«1 Die Lobeshymnen überschlugen sich. Vom kanadischen Premierminister Justin Trudeau: »Maurice Strong war ein Pionier der nachhaltigen Entwicklung, der unser Land und unsere Welt zu einem besseren Ort gemacht hat.«2 Klaus Schwab, Mitbegründer des Weltwirtschaftsforums in Davos: »Er war ein großer Visionär, unserer Zeit immer voraus in seinem Denken.«3 Vom Autor und Philosophen John Ralston Saul: »Er veränderte die Welt. «4 Und tatsächlich erschienen im Januar 2016 zahlreiche Globalisten zur Trauerfeier fir Maurice Strong in Ottawa darunter der ehemalige Präsident der Weltbank, James Wolfensohn, der UN- Untergeneralsekretdr Achim Steiner sowie Martin Lees, ehe- maliger Generalsekretär des Club of Rome. Schriftliche Beileids- bekundungen gingen von weiteren prominenten Globalisten wie Michail Gorbatschow, Gro Harlem Brundtland und Kofi Annan ein. 215 Aber warum war Maurice Strong bei seinen globalistischen Weggefährten so beliebt? Ach ja, genau: Interviewer: »Maurice Strong, haben sie nicht den Ehrgeiz, die Vereinten Nationen zur Weltregierung zu machen?« Strong: »Nein, das ist weder notwendig noch realistisch und wir sind davon sicherlich noch weit entfernt. Aber wenn wir eine friedlichere, sicherere Welt wollen, brauchen wir ein effektiveres System der Zusammen- arbeit, das ich als »System der Regierungsführung« bezeichne. Die Vereinten Nationen sind trotz all ihrer Schwierigkeiten die beste Option dafür.«5 Maurice Strong war Präsident der Power Corporation of Canada, Leiter der Canadian International Development Agency, Vor- sitzender von Petro Canada, Vorsitzender von Ontario Hydro und Leiter des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP). Er war Gründungsmitglied des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos und gilt als Vater des Zwischenstaatlichen Aus- schusses für Klimaänderungen (IPCC) also zweifelsohne ein überzeugter Globalist. Es ist demnach leicht nachzuvollziehen, warum andere Globalisten Maurice Strong schätzten. Doch wie konnte ein Mann, der einst ein bitterarmer Highschool-Abbrecher aus Oak Lake, Manitoba war, in höchste politische Kreise aufsteigen und zu einem internationalen Geschäftsmann werden, der zahlreiche der heutigen globalistischen Institutionen prägte? Um das zu verstehen, müssen wir den Blick auf den Menschen selbst richten. Dies ist die außergewöhnliche Lebensgeschichte von Maurice Strong. 216 Die Geschichte einer Reise, die ihn von den Ölfeldern Albertas bis in die Machtzentren der Vereinten Nationen führte. Betrachten wir zunächst die ebenso bemerkenswerte Vita seiner Tante Anna Louise Strong: Anna Louise, 1885 in Nebraska geboren, war eine leidenschaftliche Antikapitalistin. In den 1920er Jahren führte sie ihr Engagement in die neu gegründete Sowjetunion, wo sie an der Gründung der ersten englischsprachigen Zeitung Moskaus mitwirkte. Später zog es sie nach China, wo sie enge Kontakte zu den führenden Köpfen der Arbeiter- und Frauenbewegung knüpfte. Auf ihrem Weg freundete sie sich mit einigen der einflussreichsten kommunistischen Persönlichkeiten ihrer Zeit an, darunter Wladimir Lenin, Leo Trotzki - der 1925 das Vorwort zu ihrem Buch über die junge UdSSR® schrieb sowie Mao Zedong und Zhou Enlai. Als Anna Louise 1970 in Peking auf dem Sterbebett lag, stattete ihr Zhou Enlai, damals Ministerprasident des kommunistischen Chinas, einen personlichen Besuch ab. Er ermutigte sie, mit den Arzten zusammenzuarbeiten, weil »sie wichtige Dinge fiir uns und den Rest der Welt zu tun hat«.? Wenige Tage später starb sie. Anna Louise Strong wurde auf dem berühmten Revolutionsfriedhof Babaoshan in Peking beigesetzt, einer Ruhestätte, die Chinas »hochrangigsten revolutionären Helden, hohen Regierungsbe- amten und in den letzten Jahren auch Personen, die aufgrund ihrer Verdienste um die Gesellschaft als von großer Bedeutung erachtet werden, vorbehalten ist.8 Der Apfel fiel im Fall Maurice nicht weit vom Stamm - sehr zum Nachteil der Spezies Mensch. Geboren wurde er 1929 im 217 ländlichen Manitoba. Mitten in der schwersten Phase der Welt- wirtschaftskrise. Im Alter von vierzehn Jahren brach er die Schule ab, um zu arbeiten. Er schlug sich zunächst als Hilfskraft auf verschiedenen Schiffen durch, bevor er mit sechzehn als Pelz- händler für die Hudson’s Bay Company in den Norden Kanadas ging. Dort begegnete er »Wild« Bill Richardson, dessen Frau Mary McColl aus der Familie stammte, die hinter McColl-Frontenac stand einem der größten Ölkonzerne Kanadas. Uber Richardson knüpfte Strong die Kontakte, die seine ungewöhnliche Karriere ins Rollen brachten. Auf Wikipedia liest man diesbezüglich: »1947 begegnete Strong erstmals einem hochrangigen UN-Funktionär, der ihm eine befristete Einstiegsstelle als Junior-Sicherheitsbeamter im UN-Hauptquartier in Lake Success, New York verschaffte. Nach seiner Rückkehr nach Kanada war er 1968 mit Unterstützung von Lester B. Pearson maßgeblich an der Gründung der Canadian International Development Agency beteiligt.«9 In nur zwei Sätzen vom Junior-Sicherheitsbeamten zum Leiter einer internationalen Entwicklungsagentur. In Bezug auf lücken- hafte Erzählung und kryptische Unterschlagung von Details ist dieser Absatz durchaus ein Meisterstück. Aber die Wahrheit ist noch kurioser. Denn der »hochrangige UN-Funktiondr«, auf den sich Wikipedia bezieht, war kein Geringerer als Schatzmeister Noah Monod. Monod verschaffte Strong nicht nur einen Job, sondern auch eine Wohnung. Die beiden lebten während Strongs Zeit im Big Apple sogar zusammen. Vor allem aber stellte Monod ihn jenem Mann vor, der wie kein anderer seinen kometen- haften Aufstieg zum internationalen Superstar befeuern sollte: David Rockefeller. 218 Maurice Strong prahlte gerne damit, dass er anfangs konfrontativ gegenüber Rockefeller gewesen sei. Seinen eigenen Aussagen zufolge habe er bei ihrem ersten Treffen zu David gesagt: »Ich bin tief voreingenommen, Dir und all dem gegenüber, wofür deine Familie steht.« Merkwürdigerweise hatte David aber ganz andere Erinnerungen an das Treffen. Er berichtete nämlich, die beiden hätten »eine enge Arbeitsbeziehung« aufgebaut.19 Wie auch immer: Von diesem Moment an war Strong ein ge- machter Mann. Rockefeller und seine Vertrauten tauchten überall dort auf, wo Strong war im Hintergrund, Türen 6ffnend, Ver- bindungen knüpfend und die Fäden ziehend. Als Maurice Strong seinen bescheidenen UN-Job kündigte, um nach Kanada zurückzu- kehren, war es ein Standard Oil-Veteran, Jack Gallagher, der ihm seinen großen Durchbruch im Olgeschéft in Alberta ermöglichte. Gallagher wurde von Henrie Brunie, einem engen Freund des Rockefeller-Vertrauten John J. McCloy engagiert, um ein neues Öl- und Gasexplorationsunternehmen aufzubauen. Strong unter- schrieb als Gallaghers Assistent.'! Dann, nachdem Strong aus unerklarlichen Gründen beschloss, seinen Job zu kündigen, sein Haus zu verkaufen und nach Afrika zu reisen, erwartete ihn eine Stelle bei Rockefellers CalTex Oil, Kenya in Nairobi.12 Als er Kenia 1954 verließ, um in Kanada sein eigenes Unter- nehmen zu gründen, stellte Strong Brunie als Manager ein und berief zwei Vertreter von Standard Oil aus New Jersey in den Vorstand. Zu diesem Zeitpunkt war er Ende zwanzig und bereits Multimillionér.13 Nach intensiven Kontakten zur politischen Elite Kanadas wurde Strong zum Vorsitzenden der Power Corporation ernannt, dem »Baby« der mächtigen Desmarais-Familie, den »kanadischen Rockefellers«.14 Die Power Corporation galt schon lange als einflussreicher Akteur in der kanadischen Politik. Und 219 unter Strongs Leitung setzte Power Corp. die Tradition fort, die nächste Generation politischer Superstars heranzuziehen. Eine von Strongs bekanntesten Entdeckungen war der frisch graduierte Harvard-MBA James Wolfensohn, später Präsident der Weltbank. Ein weiteres Beispiel: Paul Martin, späterer Premierminister Kanadas. Strong verließ die Power Corporation, um das kana- dische Büro für Auslandshilfe zu leiten, das er zur Canadian International Development Agency (CIDA) umstrukturierte. Unabhängig davon war er Vorsitzender der fast gleichnamigen Canada Development Investment Corporation (CDIC) sowie des Board of Governors des International Development Research Centre (IDRC). Die Journalistin Elaine Dewar, die Strong für ihr bahnbrechendes Buch »Cloak of Green« interviewte, erklärt: »Das IDRC (International Development Research Centre) hatte eine Klausel in der Gründungsurkunde, die es ermöglichte, Gelder direkt an Einzelpersonen sowie an Regierungen und private Organisationen zu vergeben. Es wurde als Körperschaft eingerichtet, die dem Parlament über den Außenminister berichtete. Der Vorstand war so gestaltet, dass er sowohl private als auch ausländische Personen einschloss. (...) Da das IDRC nicht als Teil der staatlichen Struktur (wie die CIDA) gegründet wurde, konnte es sowohl Spenden von Unternehmen und Einzel- personen als auch staatliche Mittel erhalten.«1> Zu den »Unternehmen und Einzelpersonen«, die großzügig an IDRC »spendeten«, gehörten natürlich auch Rockefellers Chase Manhattan Bank und die Rockefeller Foundation. Selbstver- ständlich nutzte Strong das IDRC auch für politische Zwecke. Er gab gegenüber Dewar sogar zu, dass das Zentrum unter seinem quasi-staatlichen Deckmantel Einfluss in der Dritten 220 Welt ausübte. 16 1969 erreichte Strongs geschäftliche, staatliche und »philanthropische« Karriere ungeahnte Höhen. Zu diesem Zeitpunkt rief ihn nämlich der schwedische UN-Botschafter an, um zu fragen, ob er die Leitung der bevorstehenden Umweltkonferenz der Vereinten Nationen übernehmen wolle, die 1972 in Stockholm stattfinden sollte. Die Einladung erfolgte nicht aufgrund Strongs vermeintlicher »Liebe zur Umwelt«, sondern weil der 40-jährige zu diesem Zeitpunkt als wandelndes Adressbuch für politische, wirt- schaftliche und finanzielle Kontakte galt, die sich über sämtliche Industrie- und Entwicklungsländer erstreckten. So überrascht es kaum, dass Strong vor seiner Abreise zum Stockholmer Gipfel ordnungsgemäß zum Treuhänder der Rockefeller-Stiftung ernannt wurde, 77 die prompt sein Büro für die Konferenz finanzierte und ihm die Carnegie-Stipendiatin Barbara Ward sowie den Rocke- feller-Ökologen Rene Dubos als Mitarbeiter zur Verfügung stellte. Strong beauftragte Ward und Dubos damit, »Only One Earth« zu verfassen, eine Grundlagenschrift im Bereich nachhaltiger Entwicklung, die von den Globalisten nachdrücklich als Schlüssel zur Förderung globalen Ressourcenmanagements angepriesen wird. 18 Der schwedische Gipfel von 1972 wird bis heute als Meilen- stein in der Geschichte der modernen Umweltbewegung gefeiert. Er führte nicht nur zu den ersten staatlich verwalteten Umwelt- aktionsplänen Europas, sondern auch zur Schaffung einer völlig neuen, bürokratischen UN-Struktur dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP).1? Dewar schreibt dazu: »Wie so viele der Organisationen, die Strong ins Leben rief, erfüllte auch diese mehrere Funktionen. 1974 wurde das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) in Nairobi, Kenia - Strongs altem Wirkungsbereich gegründet. Die Platzierung von UNEP in Afrika wurde offiziell als Zuge- 221 ständnis an die Entwicklungsländer erklärt, die gegen- über westlichen Absichten misstrauisch waren. Zugleich war es aber auch für die Großmächte von Vorteil, eine weitere internationale Organisation in Nairobi zu etablieren. Denn nach dem Jom-Kippur-Krieg 1973 entwickelte sich Nairobi zur wichtigsten Spionagehauptstadt Afrikas.«20 Der von Dewar referenzierte Jom-Kippur-Krieg und das daraus resultierende OPEC-Ölembargo, das bei der Bilderberg-Kon- ferenz in Schweden zu Jahresbeginn vorhergesagt und von David Rockefellers Agent Henry Kissinger arrangiert worden war,21 hatten einen weiteren Nebeneffekt, von dem letztlich vor allem Strong profitierte. Das Embargo traf den Osten Kanadas besonders hart und veranlasste Premierminister Pierre Trudeau, eine staatliche Ölgesellschaft zu gründen. So wurde 1975 Petro- Canada ins Leben gerufen. Und wen ernannte Trudeau zum Leiter dieser nationalen Ölgesellschaft? Sie ahnen es: Maurice Strong, der inzwischen zum mächtigsten Vertreter der inter- nationalen Umweltbewegung aufgestiegen war. 1987 traf sich David Rockefeller erneut mit Maurice Strong. In Colorado. Zum »Fourth World Wilderness Congress«, einem historisch bedeutsamen Treffen, von dem jedoch kaum jemand weiß. An dieser Konferenz nahmen nicht nur Rockefeller und Strong teil, sondern auch James Baker, damals Finanzminister unter Präsident Reagan, sowie Edmund de Rothschild. Im Mittel- punkt stand die Frage, wie die aufkeimende Umweltbewegung, die Strong durch seine Arbeit beim UNEP maßgeblich geprägt hatte, finanziell unterstützt werden könne. Auf dieser Konferenz, Aufzeichnungen davon sind dank des Whistleblowers George Hunt2? online verfügbar, forderte Rothschild die Einrichtung einer Weltnaturschutzbank. Diese sollte als Finanzierungsmechanismus 222 für einen »zweiten Marshallplan« dienen, mit dem der Schulden- erlass für die Dritte Welt und die Mär von der »nachhaltigen Entwicklung« gefördert werden sollten. Rothschilds Vision wurde Realität, als Strong den Vorsitz eines weiteren hochrangigen UN- Umweltgipfels übernahm: dem »Earth Summit« von Rio de Janeiro 1992. Während besagter Gipfel vor allem für die Lancierung der Agenda 21 bekannt ist, wird oft übersehen, dass er zugleich den Weg für die Einrichtung der Weltnaturschutzbank ebnete. Die Weltnaturschutzbank, die am Vorabend des Gipfels als Pilotpro- gramm der Weltbank mit einem Startkapital von einer Milliarde US-Dollar ins Leben gerufen wurde, ist heute unter dem Namen »Globale Umweltfazilität« (GEF) bekannt. Sie ist mittlerweile der größte öffentliche Geldgeber für internationale Umweltprojekte. Bis heute hat sie über 23 Milliarden US-Dollar an Zuschüssen vergeben und zusätzlich 129 Milliarden US-Dollar finanziert.23 Die GEF fungiert als zentraler Finanzierungsmechanismus für das Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klima- änderungen (UNFCCC) sowie für das Organisationsabkommen des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC). Auch als die Agenda 21 beschlossene Sache, die von Rothschild gewünschte Bank gegründet und das IPCC bereits in Sicht war, zeigte Strongs außergewöhnliche Karriere keinerlei Anzeichen von Stillstand oder Verlangsamung vom Ende seines Höhenflugs gar nicht erst zu reden. Nach dem Abschluss des Gipfels in Rio übernahm er eine Fülle von Aufgaben, deren Umfang, Vielfalt und Intensität kaum zu fassen sind. Die offizielle Webseite listet sie recht nüchtern auf und doch liest sich diese Aufzählung wie ein Verzeichnis von Schaltstellen globaler Macht: »Durch die Gründung des Earth Council, des Earth Charter Movements, seinen Vorsitz des World Resources Institute, 223 die Mitgliedschaft im Vorstand des Internationalen Instituts für nachhaltige Entwicklung des Stockholmer Umweltinstituts, des Afroamerikanischen Instituts, des Instituts für Ökologie in Indonesien, des Beijer-Instituts der Königlich Schwedischen Akademie der Wissen- schaften und weiterer Organisationen bekleidete Strong auch nach dem Earth Summit führende Rollen bei der Umsetzung der Ergebnisse von Rio. Strong war langjäh- riger Gründungsdirektor des Weltwirtschaftsforums, Senior Advisor des Präsidenten der Weltbank, Mitglied des International Advisory der Toyota Motor Corporation, des Advisory Council des Center for International Develop- ment der Harvard University, des World Business Council for Sustainable Development, der World Conservation Union (IUCN), des World Wildlife Fund, Resources for the Future und der Eisenhower-Stipendien. «24 Es steht wohl außer Frage, dass Strong ein vom Glück be- günstigtes Leben führte. Die fortwährende Präsenz von Rocke- feller-Interessen in Strongs Leben lässt keinen Zweifel daran, warum sich überall auf der Welt Türen automatisch für ihn öffneten. Dennoch muss man sich fragen, wie und warum ein Highschool-Abbrecher, der dank seiner Kontakte im Ölgeschäft reüssierte, später zur wichtigsten Figur der internationalen Umweltbewegung wurde. War er wirklich daran interessiert, die Umwelt zu schützen? Man denke dahingehend nur an Strongs Übernahme der Arizona Colorado Land & Cattle Company vom saudischen Waffenhändler Adnan Khashoggi im Jahr 1978. Im Rahmen dieser Akquisition erlangte Strong die Kontrolle über eine Ranch im San Luis Valley in Colorado die Baca Grande. Henry Lamb beschreibt diesen Vorgang in einem Artikel aus dem Jahr 1997 detailliert: 224 »Die Ranch mit dem Namen Baca lag am größten Süßwa- sser-Aquifer des Kontinents. Strong plante, das Wasser in den Südwesten der Wüste zu leiten, doch Umweltorganisa- tionen protestierten und der Plan wurde aufgegeben. Strong erhielt schließlich eine Abfindung von 1,2 Millionen Dollar von der Wassergesellschaft, einen jährlichen Zuschuss von 100.000 Dollar von Laurance Rockefeller und behielt dennoch die Wasserrechte. «25 Strongs Interesse an der Baca-Ranch hatte natürlich nichts mit dem Schutz der unberührten Natur im San Luis Valley zu tun. Seine Beweggründe dürften wohl eher in die Kategorie »un- gewöhnlich« passen. Denn laut eines Berichts von John Izzard, publiziert auf Quadrant Online, soll ein »Mystiker« Strong prophezeit haben, dass die Baca zum Zentrum einer neuen planetarischen Ordnung werden würde. Einer Ordnung, die aus wirtschaftlichem Zusammenbruch und Umweltkatastrophen hervorgehen würde, die in den kommenden Jahren die Welt erschüttern sollten. Izzards Artikel fährt fort: »Als Folge dieser Prophezeihungen gründete Strong die »Manitou Foundation«, eine New-Age-Institution, die sich auf der Baca-Ranch befand —- über den heiligen Wassern, die Strong nicht abpumpen durfte. Dieser Hokuspokus setzte sich mit der Gründung des »Conserva- tion Fund« (mit finanzieller Hilfe von Laurance Rockefeller) fort, um die mystischen Eigenschaften des Manitou Mountain zu untersuchen. Auf der Baca-Ranch befindet sich zudem ein Rundtempel, der den mystischen und religiösen Bewegungen der Welt gewidmet ist.«26 229 In der Tat lässt sich Strongs missionarischer Eifer, mit dem er über viele Jahrzehnte hinweg die Botschaft von Untergang und Zerstörung verbreitete, eher als quasi-religiöses Motiv erklären, das den Weg für die »Neue Weltordnung« bereiten sollte die von der drohenden meteorologischen Apokalypse eingeleitet wird. Tiefere Einblicke in Strongs mystische New-Age-Überzeugungen finden sich in jenem Dokument, das er selbst als seine wichtigste Leistung be- trachtete der »Earth Charter«. Diese war ein Produkt von Strongs Earth Council Institute, das 1992 mit Hilfe von Michail Gorbatschow, David Rockefeller (natürlich), Al Gore, Shimon Peres und einer Reihe weiterer globalistischer Freunde gegründet wurde.?7 Auf seiner Webseite beschreibt Strong die Erd-Charta als »eine weithin anerkannte, globale Konsenserklärung über Ethik und Werte für eine nachhaltige Zukunft«.28 Der Mitbegründer der Charta, der ehemalige sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow, sah darin ein religiöses Dokument, das in seinen Augen die Zehn Gebote ersetzen sollte.?9 Strong verglich die Charta in einer untypischen Zurschaustellung von Bescheidenheit mit der Magna Charta.30 Doch was genau sagt die »Earth Charter«? Zunächst sind da natür- lich die vorhersehbar schwammigen Phrasen von »sozialer und wirtschaftlicher Gerechtigkeit« und ein paar andere erwartbare Schlagwörter. Darüber hinaus aber dient das Dokument auch als eine Art Liebeserklärung an eine Weltregierung: »Um eine nachhaltige Weltgemeinschaft aufzubauen, müssen die Nationen der Welt ihr Engagement für die Vereinten Nationen erneuern, ihre Verpflichtungen aus bestehenden internationalen Abkommen erfüllen und die Umsetzung der Prinzipien der Erd-Charta mit einem inter- nationalen rechtsverbindlichen Instrument zu Umwelt und Entwicklung unterstützen. «31 226 Die physische Erd-Charta selbst ruht in der »Lade der Hoffnung«, einer buchstäblichen »Arche«, die eigens für das Originaldoku- ment konstruiert wurde. Diese Bundeslade der Hoffnung ist eine offensichtliche Anspielung auf die Bundeslade aus dem Alten Testament und wurde am 9. September 2001 in Vermont in einer Zeremonie unter dem Vorsitz von keinem Geringeren als Steven C. Rockefeller (Sohn von Nelson Rockefeller) enthüllt. Zwei Tage später, als die Nachricht von den Ereignissen des 11. September die Welt erschütterte, wurde die 200 Pfund schwere Bundeslade 350 Meilen zum Hauptquartier der Vereinten Nationen nach New York City transportiert.32 Während dieses quasi-religiöse Streben nach einer globalen Regierung in Wohlfühlsprache über die Stärkung von Gemein- schaften und den Erhalt des Planeten daherkommt, offenbart die zugrunde liegende Realität eine viel machiavellistischere Agenda. In ihrem treffend benannten Buch »Cloak of Green« schreibt Elaine Dewar über den Erdgipfel von Rio 1992: »Als „größter Gipfel der Welt“ beworben, wurde Rio öffentlich als ein globales Verhandlungstreffen dargestellt, das den Schutz der Umwelt mit dem Bedürfnis nach wirt- schaftlichem Wachstum in Einklang bringen sollte. Eingeweihte jedoch wussten, dass es noch andere, tiefer- liegende Ziele gab. Dazu gehörten die Verlagerung nationaler Regulierungsbefugnisse auf weitreichende regionale Autoritäten, die Öffnung aller verbliebenen geschlossenen Volkswirtschaften für multinationale Interessen, die Stärkung von Entscheidungsstrukturen, die weit über und unter der Reichweite neu entstandener nationaler Demokratien lagen und vor allem die Integration der sowjetischen und chinesischen 227 Imperien in das globale Marktsystem. Für diese äußerst umfassende Agenda kannte ich keinen allgemein verwendeten Namen - also gab ich ihr später selbst einen: Global Governance Agenda.«33 Genau zwanzig Jahre vor Rio, 1972, gab Strong während eines BBC-Interviews zur Eröffnung der Umweltkonferenz der Vereinten Nationen in Stockholm einen Einblick in das, was diese Agenda für den Durchschnittsbürger bedeuten würde. Bei der Diskussion zum »Problem der Überbevölkerung«, das damals als Thema der Stunde galt, gestand Strong, dass er über das Potenzial von Reproduktionslizenzen nachgedacht hatte: »Eine Lizenz zum Kinderkriegen ist übrigens etwas, womit ich vor einigen Jahren in Schwierigkeiten geraten bin, weil ich sogar in Kanada angedeutet habe, dass es irgendwann nötig sein könnte. (...) Zumindest eine gewisse Einschränkung des Rechts, Kinder zu bekommen. Ich schlage das nicht vor, ich habe es einfach als einen der möglichen Wege vorher- gesagt, die die Gesellschaft ernsthaft in Betracht ziehen müsste, sollten wir in eine solche Situation kommen.«34 Dass Strong so erfolgreich damit war, die Agenda der Global Governance über so lange Zeit zu fördern, zeugt nicht von seiner eigenen visionären Führung, wie sie viele Globalisten für sich beanspruchen, sondern von den enormen Ressourcen der Rockefellers, Rothschilds und anderer, die diese Agenda finanzieren und sie bei jeder Gelegenheit vorantreiben. Es ist daher wohl eher ein Glücksfall für die Spezies Mensch, dass Strongs jahrzehntelanger Betrug 2005 (mehr oder weniger) ein Ende fand als er »mit der Hand in der Kasse« erwischt wurde. Quadrant Online berichtete: 228 »Untersuchungen zum Oil-for-Food-Program der Vereinten Nationen ergaben, dass Strong einen Scheck über 988.885 US-Dollar ausgestellt auf M. Strong und ausgegeben von einer jordanischen Bank, genehmigt hatte. Der Mann, der den Scheck übergab, der südkoreanische Geschäftsmann Tongsun Park, wurde 2006 von einem US-Bundesgericht für schuldig befunden, UN-Beamte bestochen zu haben. Strong trat zurück, floh nach Kanada und später nach China, wo er seitdem lebte. «35 Obwohl Strong weiterhin bei diversen Events auftrat, zog er sich in der letzten Dekade seines Lebens weitgehend zurück. Vermutlich der Gebrechen des Alters wegen. Jetzt, da er gestorben ist, können wir die zahlreichen globalistischen Institutionen, die sein eigentliches Vermächtnis darstellen, besser erkennen. Nein, es ist wirklich nicht schwer zu verstehen, warum Maurice Strong vom Nachhaltigkeits-Jetset geschätzt wurde. Erwarten sie einfach nicht, dass einer dieser Jetsetter ihnen Details der Strong-Saga erzählt. 1 Cohen, Andrew: »Cohen: Maurice Strong was the Earth's Mr. Fix-It«, Ottawa Citzen, 26. Januar 2016. archive.fo/bjyOI 2 Semeniuk, Ivan: »Maurice Strong remembered for putng environmental issues on global stage«, The Globe and Mail, 27. Januar 2016. archive.fo/8CMEC 3 Schwab, Klaus: »Maurice Strong: an appreciation, 29. November 2015, World Economic Forum. archive.fo/jNkHT 4 »Atruly great citzen of Canada: Maurice Strong remembered in Ottawa«, CTV News, 28. Januar 2016. archive.fo/RGkZt 229 © © N a 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 »Life and Times: Maurice Strong (Complete)«, YouTube, hochgeladen von GBPPR2, 16. 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Dezember 2002. archive.fo/ZfvE1 »Maurice Strong thoughts on the Earth Charter (1/5)«, YouTube, hochgeladen von Earth Charter International, 27. November 2009. youtu.be/O5rf6NTVHMU »The Earth Charter«, Earth Charter Initiative. archive.fo/dGwx0 »Ark of Hope, Ark of Hope. archive.is/jjvup Siehe Endnote 10, Seite 249 »Maurice Strong Interview«, BBC, 1972, YouTube, hochgeladen von MDJarv, 16. Mai 2009. youtu.be/1YCatox0OLxo Siehe Endnote 26 231 Die wahre Bedeutung von »Unabhängigkeit« An jedem 4. Juli verfolgen Menschen auf der ganzen Welt, wie die Vereinigten Staaten von Amerika ihren Unabhängigkeitstag feiern. Jedes Land hat seinen eigenen Nationalfeiertag. Doch der amerikanische Unabhängigkeitstag besitzt eine besondere Aura. Hier sind die Feuerwerke und Festlichkeiten keine gedankenlosen Feiern von abstraktem »Nationalstolz«. Vielmehr erinnern sie an einen Krieg, der im Namen der Freiheit geführt wurde, um einen Unterdrücker loszuwerden. Im Verlauf der menschlichen Geschichte war nichts für die herrschende Klasse gefährlicher als das Konzept der Freiheit. Ich beziehe mich dabei nicht auf Dokumente, die Freiheit ver- kündet und gefordert und die Entwicklung dieser Idee geprägt haben die Magna Carta, die Unabhängigkeitserklärung, die Emanzipationsproklamation oder eines der anderen Schriftstücke, auf denen das Konzept der Freiheit festgehalten wurde sondern auf die Idee selbst. Die Idee, dass alle Menschen gleich geboren sind. Dass es unveräußerliche Rechte gibt, die keine selbsternannte Autorität jemals an sich reißen darf. Dass unser Leben, unsere Freiheit und unser Eigentum unantastbar sind und dass es unsere Pflicht ist, denen zu widerstehen, die versuchen, diese unver- äußerlichen Rechte zu verletzen. Das sind Wahrheiten, die wir im 21. Jahrhundert für selbstverständlich halten. Wir stehen auf den Schultern philosophischer Giganten, die nicht nur die Intuition und das Verständnis besaßen, zu begreifen, dass 232 Leben in Tyrannei nicht der natürliche Zustand der Mensch- heit ist, sondern auch den Mut, für diese Überzeugungen zu kämpfen und zu sterben. Die Idee der Freiheit ist gefährlich für diejenigen, die darauf abzielen, andere zu beherrschen genau deshalb, weil es eine Idee ist. Ein Feuer in den Köpfen der Menschen, das, einmal ent- zündet, nie wieder gelöscht werden kann. Die Fackel der Freiheit lässt sich nicht einsperren, ersticken, erschießen oder köpfen, obwohl die heldenhaften Seelen, die sie tragen, routinemäßig solchen Strafen ausgesetzt sind. Die Dokumente, in denen diese Ideale festgehalten sind, können ignoriert, verändert oder zerstört werden. Aber das Licht der Freiheit leuchtet ewig. Ja die Idee der Freiheit ist gerade deshalb gefährlich, weil sie angeboren, unzerstörbar und letztlich nicht zu bändigen ist. Nicht, dass die Tyrannen nicht versucht hätten, unseren angebo- renen Willen zur Freiheit zu unterdrücken. Solange es Männer und Frauen gibt, die bereit sind, ihren Möchtegern-Herrschern die Stirn zu bieten und ihre Rechte als Individuen durchzusetzen, gibt es auch Autokraten, die darauf bedacht sind, die lodernde Flamme der Freiheit zu ersticken. Im Jahr 73 v. Chr. entfachte Spartacus einen Sklavenaufstand gegen die Römische Republik. Mit nichts anderem als ein paar Küchenutensilien bewaffnet, führte er eine kleine Gruppe von Sklaven an, die sich als Gladiatoren verdingten, um der Sklaverei in Capua zu entkommen. Sie erbeuteten Vorräte aus den für Gladiatoren bereitgestellten Wagen voller Waffen und Rüstungen, plünderten die Gegend und flohen zum Vesuv, während sie unter- wegs weitere Sklaven rekrutierten, die sich ihrem Aufstand an- schlossen. Nachdem sie Welle um Welle von römischen Milizen 233 besiegt hatten, die geschickt wurden, um sie wieder zu unter- werfen, war die Zahl von Spartacus’ Rebellen auf 70.000 ehemalige Sklaven angewachsen. Umzingelt von acht Legionen römischer Truppen unter Kommando des gefürchteten Marcus Crassus, leistete Spartacus in Lucania letztmalig erbitterten Widerstand. Dann wurden er und seine Anhänger von den disziplinierten, gut bewaffneten römischen Kräften geschlagen.! Die sechstausend Rebellen, die das Gemetzel überlebten, wurden von Crassus’ Legionen gefangen genommen und gekreuzigt.2 Im Jahr 1381 erhob König Richard II. von England eine äußerst unpopuläre Kopfsteuer gegenüber den britischen Leibeigenen, die im englischen Feudalsystem bereits unter bitterer Armut litten. Als sich die Dorfbewohner von Fobbing in Essex weigerten, zu zahlen, wurde John Bampton, ein ehemaliger Sheriff der Grafschaft, entsandt, um die Steuer für den König einzutreiben. Nach einer gewaltsamen Auseinandersetzung schickten die Dorfbewohner Bampton mit leeren Händen zurtick.3 Als Nächstes entsandte der König Soldaten, um seine Herrschaft über die Dörfler wiederher- zustellen doch auch diese wurden verjagt.4 Bald breitete sich der Bauernaufstand auf die umliegenden Dörfer und anschließend auf die benachbarte Grafschaft Kent aus. Entstanden war eine bewaffnete Revolte, die nun unterwegs war, um auf London vorzurücken. Die Rebellen stürmten den Tower of London und töteten die dort verschanzten Adligen, darunter den Lordkanzler und den obersten Finanzverwalter der Krone vergleichbar mit einem heutigen Finanzminister. Im verzweifelten Versuch, die Rebellion einzudämmen, stimmte König Richard Verhandlungen mit dem Rebellenführer Wat Tyler zu. Doch während dieser Ver- handlungen wurde Tyler getötet und sein vom Rumpf getrennter Kopf auf einen Stock gespießt, um die Bauern zu warnen. Damit war der Aufstand erledigt.> 234 1869 verhandelte die neu gegründete Regierung Kanadas den Kauf eines Gebiets von der Hudson’s Bay Company, das als »Ruperts Land« bekannt war. Sie ernannte einen englischsprachigen Vize- gouverneur, der über die französischsprachige, Metis-dominierte Region herrschen sollte über eine gemischtrassige Bevölkerung mit französischen als auch indigenen Wurzeln. Louis Riel führte einen Aufstand der Metis an, der als Red-River-Rebellion bekannt wurde und zur Bildung einer provisorischen Regierung und der Gründung der Provinz Manitoba führte. Als Bedingung für den Beitritt Manitobas zur Kanadischen Konföderation entwarfen die Rebellen eine Liste von Rechten für die Bevölkerung ihres ehemaligen Territoriums.® Der Gesetzentwurf legte eine Reihe von Ansprüchen der Rebellen fest. Darunter das Recht auf eine eigene Legislative, das Recht, eigene Sheriffs, Magistrate, Constables und andere Beamte zu wählen, das Recht auf volle Vertretung im kanadischen Parlament sowie das Recht auf alle Privilegien und Bräuche zum Zeitpunkt der Übertragung. Im Jahr 1875 wurde Riel in die USA verbannt, weil er an etwas beteiligt war, das die kanadische Regierung als »Verrat« bezeichnete. Nachdem er in den 1880er Jahren zurückgekehrt war, um eine neue Rebellion anzuführen, wurde er von der kanadischen Regierung gefangen genommen und gehängt.7 Der Weg von der ersten Blüte menschlicher Freiheit bis zu ihrer vollen Entfaltung ist lang und kurvenreich und die ersten Schritte auf diesem Weg waren zögerlich und unvollkommen. Dennoch mangelt es in den Annalen dieses Erwachens nicht an Märtyrern an Menschen jeder Rasse, jeden Glaubens, aus jedem Winkel der Erde und jedem Lebensbereich, vereint in ihrer Leidenschaft für die Freiheit und in der Verfolgung jener Ideale, die jedem Despoten ein Gräuel sind. Meint, das Recht auf Leben, Freiheit und Eigentum. Rechte, die kein »Beamter«, auf welchem Posten auch immer, in 235 welcher Uniform auch immer, mit welcher Autorität auch immer er sich anmaßt zu sprechen, abschaffen kann. Doch die Tyrannen des 21. Jahrhunderts sind nicht dumm. Sie leiden nicht an der gleichen Verblendung wie die Tyrannen von einst nämlich der Vorstellung, dass die menschliche Freiheit durch Waffen unterdrückt werden kann. Zugegeben, es gibt immer noch repressive Regime auf der ganzen Welt, die sich die Infra- struktur eines Polizeistaats zunutze machen, um immer weiter in die Rechte der Menschen einzugreifen. Weitaus heimtückischer jedoch ist die Art und Weise, wie die Betreiber des Tiefenstaates, die Mächte hinter dem Thron heutiger Demokraturen, psycho- logische Kriegsführung einsetzen, um uns davon zu überzeugen, dass Sklaverei Freiheit ist. Dass die Antwort auf die Probleme, die durch zentralisierte Formen der Kontrolle geschaffen werden, darin besteht, eine noch stärkere Zentralisierung der Kontrolle durchzusetzen. Dass die Menschen am unabhängigsten sind, wenn sie sich in einem Zustand völliger Abhängigkeit befinden und sich voll und ganz auf diese Systeme immer stärker zentralisierter Kontrolle verlassen. Wie also stellt sich die Tyrannei von 73 v. Chr., die Tyrannei von 1381 oder die Tyrannei von 1869 im modernen Kontext dar? Wir waren Zeuge, wie die Welt durch konzertierte Aktionen von Bankern und Politikern, supranationalen Gremien und zwischen- staatlichen Organisationen an den Rand des wirtschaftlichen Zusammenbruchs gebracht wurde. Wir haben die Plünderung der Entwicklungsländer durch Polit-Piraten miterlebt, die sich am öffentlichen Trog bereicherten und dann zum IWF gingen, um das Privileg zu erhalten, ihr Land in die Schuldknechtschaft zu verkaufen. Wir haben beobachtet, wie unsere »Führer« und 236 ihre Sprachrohre in der Konzernpresse uns von einem Krieg in den nächsten hineingezogen haben - basierend auf schlecht definierten Mandaten internationaler Organisationen wie der UN und der NATO. Entitäten, die wir nicht geschaffen und in denen wir nichts zu sagen haben. Wenn wir protestieren und bemängeln, dass jeder dieser Prozesse uns noch drmer und abhdngiger gemacht hat als zuvor, wird uns mitgeteilt, die Antwort bestehe darin, den gleichen »Fithrern« und »Autoritaten« noch mehr Macht über unser Leben zu geben. Nach der weltweiten Katastrophe der Finanzkrise von 2008 wurde uns erklart, dass nur eine »Neue Weltordnung«, dass nur immer eng- maschigere finanzielle Zusammenarbeit uns vor einer weiteren Krise bewahren konne.8 Inmitten der Eurozonen-Panik von 2010 bis 2012 wurde den Europäern nahegelegt, dass die Lösung der Krise nicht darin bestehe, Macht und Einfluss der EU zu beschneiden, sondern darin, diese Macht durch Schaffung eines europäischen Finanz- ministeriums, das die Befugnis besitzt, in die Volkswirtschaften einzelner Mitgliedstaaten einzugreifen, zu erweitern.? Nach dem 11. September 2001 wurde den Amerikanern gesagt, dass nur ein stärkeres Eingreifen der Regierung in ihr tägliches Leben einen weiteren Anschlag verhindern könne. Wehrlos sahen diese zu, wie ein mächtiges neues Ministerium, das Department of Homeland Security, eingerichtet wurde. Seitdem beobachten sie hilflos, wie die Überwachungs- und Propagandainstrumente ihrer Regierung nicht gegen »feindliche Nationen«, sondern die eigene Bevölkerung eingesetzt werden. Die Möchtegern-Tyrannen, allesamt Globalisten, verfügen nur über das Allzweckmittel der Zentralisierung. Mit diesem geben sie vor, alle Probleme »lösen« 237 zu können, die sie zuvor selbst geschaffen haben. Aus deren Sicht ist jeder Ausdruck menschlicher Freiheit ein Nagel, der einge- schlagen werden muss. Diejenigen von uns, die ihre Unabhängigkeit vom System bean- spruchen und für jene Rechte einstehen, für die unsere Vorfahren gekämpft haben und gestorben sind, werden als »Extremisten« gebrandmarkt und dämonisiert, weil sie sich weigern, an ihrer eigenen Versklavung mitzuwirken. Diejenigen, die eigene Gärten anlegen, um sich aus der Abhängigkeit von multinationalen Le- bensmittelkonzernen zu befreien, werden als »Weltuntergangs- Prepper« verspottet. Und jene, die in Edelmetalle oder alternative Währungen investieren, um der Abwertung des schuldenbasierten, über Derivate gesicherten, von Zentralbanken ausgegebenen Fiat- Geldes entgegenzuwirken, das die Grundlage unserer wirtschaft- lichen Abhängigkeit bildet, werden als »Goldbugs« oder »Bitcoin Bros« belächelt. Diejenigen von uns, die sich weigern, die Autorität einer Regierung anzuerkennen, die versucht, Freiheit durch un- rechtmäßige Hausdurchsuchungen und Beschlagnahmungen und sogar die Verletzung unseres Körpers einzuschränken, werden als »gefährliche Subversive« gebrandmarkt. Aus unserer Sicht wird also immer deutlicher, dass die nächste Etappe auf dem Weg zur Verwirklichung des Ideals von Freiheit nicht an der Wahlurne beginnen wird. Der Glaube, dass die Wahl eines anderen Politikers, der vom Olymp herabsteigt, um die von der politischen Klasse geschaffenen Probleme zu lösen, ein Ausweg sein kann, ist nicht nur die infantilste aller Fantasien, sondern zu- gleich ein Garant für die Abschaffung der Freiheit, die wir begehren. Im Grunde ist das politische System, in das wir hineingeboren wurden, nur eine andere Form der Sklavenhaltung. Und die 238 Sklavenhalter dieses Systems haben sogar noch mehr Angst vor der Bevölkerung als die Sklavenhalter in Capua oder die Truppen von König Richard. Warum? Weil sie im Gegensatz zu ihren Vor- gängern vorgeben, unsere Freunde, unsere Fürsprecher, unsere »Repräsentanten« zu sein. Klar, wir sind frei. Das wird uns doch immer wieder gesagt, oder? Sicher, wir haben die Kontrolle über unser eigenes Schicksal. Denn wenn wir die Welt verändern wollen, müssen wir nur vier Jahre auf unsere nächste Chance warten, um einen Knopf zu drücken, einen Hebel zu betätigen oder einen Bildschirm zu berühren. »Yes we can!«, Wer könnte heute noch an ein solches Märchen glauben? Ironischerweise ist schon die Erkenntnis, dass wir unser ganzes Leben lang politisch versklavt wurden, befreiend. Sobald wir nämlich die Propaganda und Plattitüden der modernen Tyrannen durchschauen, rücken das Chaos und der Tumult des politischen Systems in den Fokus. Wir sind keine Rädchen in einer Maschinerie namens »Gesell- schaft«, die von einem nebulösen Wesen diktiert wird, das wir »Regierung« oder »Behörde« nennen. Stattdessen sind wir frei geborene Frauen und Männer. Wir sind frei, zu interagieren mit wem wir wollen, um unsere gemeinsamen Interessen zu verfolgen. Wir sind an das ethische Gebot gebunden, keine Gewalt gegen andere auszuüben oder ihnen Dinge gegen ihren Willen wegzunehmen. Wir sind für unsere Handlungen und deren Folgen verantwortlich, egal ob diese positiv oder negativ sind. Wir tragen Verantwortung für das, was wir tun oder nicht tun, um anderen in unserer Gemeinschaft zu helfen. Wir können dem moralischen Imperativ folgen, die Welt besser zu machen - oder ihn ignorieren und den Planeten verrotten lassen. 239 Nein, es gibt keinen politischen Messias, der vom Himmel herab- steigt und uns sagt, was wir tun sollen. Auch wird uns niemand vor den Bösen beschützen. Stattdessen gibt es nur uns die Ge- meinschaft gleichgesinnter Freiheitsliebender, die wir fördern, indem wir unsere Freiheit in Zusammenarbeit mit den Menschen um uns herum ausüben. In Wirklichkeit wählen wir jeden Tag. Nicht irgendeinen falschen Propheten, sondern mit wem wir uns zusammentun, wofür wir unser Geld ausgeben und wie wir unsere Zeit und Energie investieren. Das ist die Essenz der Freiheit. Es ist schon merkwürdig, in diesen Zeiten Amerikaner zu be- obachten, die den Unabhängigkeitstag feiern. Wir sehen politische Marionetten aller Couleur, die Lippenbekenntnisse zu den Idealen menschlicher Freiheit abgeben, während sie dem Publikum, an das sie sich wenden, gleichzeitig genau diese Freiheiten ent- ziehen. Die Menschenmengen in einen Taumel patriotischer Begeisterung versetzt folgen diesen hohlen Phrasen euphorisch. Sie genießen ihre Hot Dogs und Feuerwerke und feiern Un- abhängigkeit wie ihre Vorfahren. In ihren Köpfen ist alles in bester Ordnung. Doch nicht alles ist gut. Wie in jeder Generation der Menschheits- geschichte werden die Ideale der Freiheit angegriffen und es ist die Aufgabe der Vorreiter, diese Ideale zu schützen. Notfalls mit dem eigenen Leben. Es ist an der Zeit, dass sich Menschen weltweit fragen, ob sie zu den Idealen stehen, die in der Unabhängigkeits- erklärung verankert sind. In einem Dokument, das uns erinnert: »[W]enn eine lange Reihe von Missbräuchen und Anmaßungen, die stets demselben Ziel dienen, deutlich erkennen lässt, dass ein Plan besteht, das Volk unter absolute Willkürherrschaft zu bringen, so ist es ihr Recht, 240 ja ihre Pflicht, eine solche Regierung abzuschaffen und neue Vorkehrungen für ihre zukünftige Sicherheit zu treffen.« Unsere Freiheit ist kein vages Konzept, dessen Bedeutung wir gelegentlich beteuern, wenn es uns gerade passt. Unsere Frei- heit ist eine Entscheidung eine Entscheidung, die wir jeden einzelnen Tag treffen. Die Entscheidung, ob wir in Unabhängigkeit leben oder in Knecht- schaft. Denn jeder Tag ist ein Unabhängigkeitstag. 1 Plutarch: »The Lives of the Noble Grecians and Romans, übersetzt von John Dryden, New York: Modern Library, 1864, Seiten 655-658. 2 Appian: »Roman History, Volume III, übersetzt von Horace White, The Loeb Classical Library, London: William Heinemann, Ltd., 1964, Seite 225. 3 »The Peasants’ Revolt«, Voices of the Powerless, BBC Radio 4, 1. August 2002. archive.is/kKy8 4 Johnson, Ben: »Wat Tyler and the Peasants Revolt«, Historic UK. archive.is/pEKmr 5 Oman, Charles William Chadwick: »The Great Revolt of 1381«, Oxford: Clarendon Press, 1906, Seiten 202-203. 6 Begg, Alexander: »The Creation of Manitoba, or, A History of the Red River Troubles«, Toronto: A. H. Hovey, 1871, Seiten 255-259. archive.is/Oudop 7 Thomas, Lewis H.: »RIEL, LOUIS (1844-85)«, Dictionary of Canadian Biography, Vol. 11, University of Toronto/Université Laval, 2003, archive.is/72F0k 8 Porter, Andrew, et al: »G20 summit: Gordon Brown announces >new world order«, The Telegraph, 3. April 2009. archive.is/Oudop 9 Torobin, Jeremy and Brian Milner: »ECB chief pushes for European finance ministry«, The Globe and Mail, 2. Juni 2011. archive.is/ISeKB 241 Die 9/11-Whistleblower »Aber irgendjemand hätte geredet.« Wir alle kennen dieses klischeehafte Statement aus der Ecke selbsternannter »Skeptiker«, die von Fakten, Vernunft und Beweisen in die Enge getrieben gerade im Begriff sind, die Aus- einandersetzung mit einem Verschwörungsrealisten zu verlieren. »Jemand hätte geredet« ist natürlich ein logischer Trugschluss. Aber das hält Menschen, deren ganze Persönlichkeit sich darüber definiert, solche Trugschlüsse zu entlarven, nicht davon ab, selbst eine solche Taktik anzuwenden. Leute wie Michael Shermer zum Beispiel, der als Vorreiter der »Skeptiker-Bewegung« gilt. Im Jahr 2009 schrieb Shermer: »Komplexe Verschwörungen sind schwer durchzuführen und da so viele Menschen ihren Moment des Ruhms suchen, könnten selbst die »Men in Black« Verräter nicht daran hindern, die Wahrheit auszuplaudern. Deshalb gilt: je ausgklügelter eine Verschwörungstheorie ist und je mehr Menschen daran beteiligt sein müssten, desto unwahrscheinlicher ist, dass sie wahr ist.«1 Anders ausgedrückt: »Aber irgendjemand hätte geredet«. Wen interessiert dabei schon, dass jede große Verschwörung, die erfolgreich geheim gehalten wurde, per Definition nicht als Beweis für eine solche Behauptung herangezogen werden kann. Verschwenden wir einfach keinen Gedanken daran, dass es tat- sächlich zahlreiche Beispiele für groß angelegte Verschwörungen 242 gibt - hervorzuheben wäre insbesondere das Manhattan-Projekt, an dem Hunderttausende von Arbeitern beteiligt waren, von denen keiner auch einen Pieps von sich gab. »Nein, bei großen Verschwörungen gibt es immer einen Whistleblower. Das ist so!«, beharrt unser sturer, selbsternannter »Skeptiker«. So frustrierend dieses trügerische Argument auch ist, noch ärger- licher ist es, wenn unser »Skeptiker« es benutzt, um die Unmenge von Beweisen abzutun, welche die offizielle Verschwörungstheorie vom 11. September 2001 widerlegen. Denn in diesem Fall hat jemand gesprochen. Es haben sogar recht viele geredet. Und die Geschichten, die sie erzählten, verschafften ihnen einen Platz im Pantheon der 9/11-Whistleblower. Nehmen wir die Geschichte von Barry Jennings. Er war stellvertretender Direktor der Notdienste der New York City Housing Authority. Am Morgen des 11. September eilte er mit dem New Yorker Unternehmensberater Michael Hess zum Büro für Notfallmanagement der Stadt im Gebäude 7 des World Trade Centers (WTC 7). Als sie feststellten, dass das Büro verlassen worden war, versuchten sie, aus dem Gebäude zu fliehen, blieben aber im Treppenhaus stecken. In einem Interview Jahre nach den Ereignissen enthüllte Jennings, was er an jenem Tag im Gebäude gehört und gesehen hatte, während er und Hess versuchten, einen Ausweg zu finden: »Die ganze Zeit hörte ich Explosionen. Und ich dachte, dass es vielleicht die Busse um mich herum waren, die in Flammen standen, die Autos, die brannten, aber ich sah nichts. Nein (...) wissen Sie, aber ich höre immer noch diese Explosionen (...). Als sie [die Retter] schließlich bei uns ankamen und uns in die sogenannte Lobby brachten, (...) 243 als wir dort unten ankamen, fragte ich: »Wo sind wir?«. Sie sagten: »Das war die Lobby«. Und ich sagte: »Ihr wollt mich wohl verarschen?« Das sind Ruinen. Totale Ruinen. Als ich dort reinkam, hatte die Lobby schöne Rolltreppen, es war eine riesige Lobby. Und ich konnte nicht glauben was ich sah«.2 Jennings’ Aussage widerspricht direkt der Behauptung des Na- tional Institute of Standards and Technology (NIST), dass es »keine Beweise für das Stattfinden einer Explosion« im WTC 7 gab und daher auch keine Notwendigkeit, die Möglichkeit von vorab platzierten Sprengstoffen oder einer kontrollierten Sprengung des Gebdaudeszu untersuchen.3 Jennings starb am 19. August 2008 unter äußerst verdachtigen Umständen, nur zwei Tage bevor das NIST einen Entwurf des offiziellen Berichts zur Unter- suchung des Zusammenbruchs von WTC 7 veröffentlichte, den es gewöhnlichen Bürobränden zuschrieb.4 Da ist auch noch die Geschichte von J. Michael Springmann. Nachdem er in den spaten 1980er Jahren achtzehn Monate lang die Visa-Abteilung des US-Konsulats in Jeddah, Saudi-Arabien geleitet hatte, versuchte Springmann, ein Visa-Programm fiir Terroristen aufzudecken, das von CIA-Mitarbeitern im Konsulat betrieben wurde. Diese Operation, die auf Geheiß des CIA-Assets Osama bin Laden durchgeführt wurde, schleuste afghanische Mudschaheddin zur Ausbildung in die USA ein.’ »Sie [Osama Bin Ladens Gefährten] erhielten Visa zur Einreise in die Vereinigten Staaten, in der Regel ausgestellt in Saudi-Arabien, fiir Schulungen, Nachbesprechungen und andere Zwecke. Bei der Ermdoglichung ihrer Einreise verstießen amerikanische Regierungsbeamte gegen 244 das Einwanderungs- und Staatsangehörigkeitsgesetz sowie gegen die Vorschriften des Außenministeriums, wie sie im Foreign Affairs Manual festgehalten sind. Ich weiß das - ich war dabei. Ich habe die Visa ausgestellt und gegen eklatante Verstöße gegen Gesetze und Vorschriften protestiert. Die Folge: Ich wurde wie es nahezu allen Whistleblowern ergeht entlassen.«® Das Außenministerium übte Vergeltung, indem es Springmanns Vertrag nicht verlängerte. Jahre später stellte das Konsulat in Dschidda Visa für vierzehn der neunzehn mutmaßlichen Atten- tater vom 11. September aus.7 Dann gibt es noch die Geschichte von Richard Andrew Grove. Im Jahr 2000 arbeitete Grove für SilverStream Software, ein Unter- nehmen, das sich auf Software für Geschäftsprozess-Management spezialisiert hatte. Im Oktober des Jahres 2000 hatte er den größten Kunden in der Geschichte von SilverStream angeworben: Marsh & McLennan Companies. Als Grove Beweise fand, dass SilverStream Marsh um fast sieben Millionen US-Dollar zu viel berechnete, äußerte er seine Bedenken. Doch sowohl seine eigenen Vorgesetzten als auch die Personen, denen er sich bei Marsh anvertraute, rieten ihm, den Mund zu halten. »Finanzielle Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit dem Marsh.com-Projekt bemerkte ich erstmals im Oktober 2000, als ich an einem Meeting im 98. Stockwerk mit einem Mann namens Gary Lasko teilnahm. Gary war Chief Information Officer von Marsh für Nordamerika. An diesem Nachmittag halfen ein Kollege und ich ihm dabei, etwa zehn Millionen US-Dollar an verdächtigen Bestel- lungen zu identifizieren nachdem ich erkannt hatte, dass 245 bestimmte Anbieter Marsh täuschten und dem Unter- nehmen offenbar große Mengen an Hardware verkauften, die nicht notwendig waren. Dies wurde später von Gary bestätigt. (...) Ich äußerte meine Bedenken gegenüber Führungskräften bei SilverStream, doch man forderte mich auf, still zu bleiben und mich um meine eigenen Angelegen- heiten zu kümmern. Ein leitender Angestellter bei Marsh riet mir das Gleiche.«8 Obwohl Grove dem Unternehmen seinen größten Kunden sichern konnte, wurde er von SilverStream kurz nach der Offenlegung der Beweise für die verdächtigen Transaktionen gefeuert. Nach seiner Kündigung wurde Grove eingeladen, seine Beweise bei einer Mitarbeiterversammlung in den Büros von Marsh im 98. Stock des Nordturms zu präsentieren. Nur die Marsh- Angestellten, die den betreffenden Transaktionen gegenüber misstrauisch waren so wie Grove wurden zu diesem Treffen eingeladen, das am Morgen des 11. September 2001 stattfand. Die Führungskraft, die die Besprechung einberief, nahm per Video teil. Alle im Raum kamen ums Leben. Grove, der im Stau steckte und deshalb verspätet war, sah den Stidturm einstiirzen und floh prompt aus Manhattan. Das Verbrechen, dessen Zeuge er wurde, sowie die nachfolgenden Ereignisse, veranlassten ihn dazu, nachzuvollziehen, wie 9/11 Finanzinstitute und Versicherungsgesellschaften in die Lage versetzt hatte, Milliarden von Dollar an Betrug zu vertuschen indem sie jeden eliminierten, der Fragen dazu gestellt hatte. Eine weitere Geschichte, die von Verfechtern der offiziellen 9/11-Koinzidenztheorie unter den Teppich gekehrt wurde, erzahlte Kevin Ryan. Zur Zeit von 9/11 arbeitete Ryan als Standortleiter einer Abteilung von Underwriters Laboratories (inzwischen UL), 246 dem weltweiten Sicherheitsberatungs- und Zertifizierungsunter- nehmen mit Hauptsitz in Northbrook, Illinois. Er war sogar dabei, als wenige Wochen nach dem 11. September 2001 der damalige CEO Loring Knoblauch überraschend das Labor in South Bend, Indiana besuchte und den Arbeitern erzählte, dass die UL »den Stahl in den Gebäuden des World Trade Centers zertifiziert hat« und dass »sie alle stolz darauf sein sollten, dass die Gebäude so lange unter so intensiven Bedingungen gestanden haben«.? Diese Bemerkung weckte Ryans Interesse. Zwei Jahre später begann er, die laufende Untersuchung zur Zerstörung der Zwillingstürme zu verfolgen. Er schrieb an Knoblauch, dessen Antwort ihn zunächst beruhigte: Das Unternehmen habe den Stahl »mit vollständiger Brandschutzverkleidung getestet« und »er habe sich hervor- ragend verhalten«, so Knoblauch. Doch Tom Chapin, Leiter der Abteilung Brandschutz bei UL, widersprach Knoblauchs Aussage. Er bestand darauf, dass UL keinen Baustahl zertifiziere, sondern lediglich Baugruppen teste, bei denen Stahl ein Bestandteil ist. Ryan vergleicht diesen Unterschied mit der Aussage: »Wir machen keinen Crashtest mit der Autotür, wir machen einen Crashtest mit dem ganzen Auto«.10 Die Situation verschärfte sich 2004, als UL im Rahmen des offiziellen Berichts des NIST darüber, wie die Zwillingstürme einstürzten, Feuerwiderstandstests an Modellen der Geschoss- konstruktionen des WTC durchführte. Die Tests zeigten, dass die Geschosskonstruktionen »in der Lage waren, die maximale Auslegungslast etwa zwei Stunden lang ohne Einsturz zu tragen«. Anstatt die NIST-Ingenieure dazu zu veranlassen, zu prüfen, ob von Jet-Treibstoff verursachte Brände tatsächlich den Einsturz der Türme verursacht hatten, führten die Testergebnisse dazu, dass sie sich fragten, ob ihr Modell auf größere Bodensysteme als im WTC übertragbar ist.11 247 Als Ryan realisierte, dass die damals geltende Arbeitshypothese für die Zerstörung der Türme nämlich, dass die Brände den Stahlkern der Gebäude zum Erweichen oder Schmelzen gebracht hätten nicht haltbar war, schrieb er einen Brief an Frank Gayle, den Leiter der NIST-Untersuchung zum World Trade Center: »Diese Geschichte passt einfach nicht zusammen. Wenn der Stahl dieser Gebäude weich geworden oder geschmolzen ist, dann sind wir uns sicher alle einig, dass dies sicherlich nicht auf Kerosinbrände jeglicher Art zurückzuführen ist, geschweige denn auf die kurzzeitigen Brände in diesen Türmen. Diese Tatsache sollte allen Amerikanern große Sorge bereiten. Andererseits legt die Behauptung, dass dieser Stahl bereits bei Temperaturen um 250°C versagt habe, nahe, dass die Mehrheit der Todes- opfer am 11. September auf ein sicherheitsrelevantes Versagen zurückzuführen ist. Diese Annahme sollte mein Unternehmen ernsthaft beunruhigen. Es steht außer Frage, dass die Ereignisse vom 11. September die emotionale Triebkraft hinter dem Krieg gegen den Terror sind. Und der Einsturz des WTC steht im Zentrum der Geschichte des 11. Septembers. Ich bin der Meinung, dass Ihre metall- urgischen Tests das Zentrum des Zentrums des Zentrums darstellen. Entweder gelingt es Ihnen, das, was mit diesen Gebäuden wirklich geschehen ist, sinnvoll zu erklären und das schnell zu kommunizieren oder wir alle sehen uns mit derselben Zerstörung und Verzweiflung konfron- tiert, die aus globalen Entscheidungen auf Basis von Desin- formation und >Geschwitz« resultieren.«12 Angesichts der Relevanz des Themas gestatte Ryan, dass sein Brief online veröffentlicht wird. UL leugnete sofort, 248 jemals WTC Stahl zertifiziert zu haben und feuerte Ryan fünf Tage später. 3 Es gibt Dutzende ähnlicher Erzählungen von Whistleblowern, die sich mit anderen Aspekten der 9/11-Geschichte befassen. Wie jene von Robert Wright, Special Agent des Federal Bureau of Investi- gation (FBI), dessen Ermittlungen zur Finanzierung von Terror- anschlägen, die unter dem Decknamen »Vulgar Betrayal« liefen, eingestellt wurden, als sie kurz davorstanden, Verbindungen der US-Regierung zu den Financiers des Terrors aufzudecken. Oder die von Indira Singh, Risikomanagement-Beraterin für JPMorgan Chase, die versuchte, das FBI vor einer Softwarefirma zu warnen, die sehr seltsame Verbindungen sowohl zu bekannten terroristischen Financiers als auch zu US-Regierungsbehörden unterhielt und der von einem FBI-Agenten gesagt wurde, dass sie in einer besseren Position sei, den Fall zu untersuchen, als das Bureau selbst. Für Details zu Wright und Singh siehe »Die Ge- schichte von Ptech« an anderer Stelle in diesem Buch. Aber von all den 9/11-Whistleblowern sind vielleicht die 9/11-Kom- missare selbst die bemerkenswertesten. Die 9/11-Kommission (formell »The National Commission on Terrorist Attacks Upon the United States«) wurde gegründet, um die Anschläge vom 11. September zu untersuchen. Präsident George W. Bush zögerte nach der Katastrophe ganze 441 Tage, bevor er sie schließlich in die Wege leitete. Das Problem bestand aber nicht nur darin, dass Bush zu langsam handelte. Er leistete sogar erbitterten Widerstand gegen jede Form der Untersuchung bis er schließ- lich den beispiellosen Schritt wagte, den Mehrheitsführer im Senat, Tom Daschle, persönlich zu bitten, die Untersuchungen seitens des US-Kongresses einzudammen.15 Erst als der politische Druck bezüglich einer Untersuchungskommission für Bush zu 249 groß wurde, um länger ignoriert werden zu können, ernannte er einen Vorsitzenden: Henry Kissinger einen Mann, dessen Ruf als Vertuscher und Handlanger des Establishments derart bertuchtigt war, dass selbst die New York Times mutmafite, der Präsident wolle die Untersuchung einddmmen, nicht férdern.16 Familien der Opfer des 11. September, die ebenfalls befiirchteten, Kissinger solle eine Vertuschungskommaission leiten, konfron- tierten ihn personlich. Sie verlangten, er solle die Klienten-Liste seines Polit-Beratungsunternehmens offenlegen. Insbesondere sollte er angeben, ob darauf Namen wie »Bin Laden« stiinden. Berichten zufolge war Kissinger von dieser Frage derart aus der Fassung gebracht, dass er »seinen Kaffee verschiittete und beinahe vom Sofa fiel«.17 Am nächsten Morgen trat er zurück. An seiner Stelle wurden der ehemalige Gouverneur von New Jersey, Thomas Kean, sowie der ehemalige Kongressabgeordnete aus Indiana, Lee Hamilton, als Vorsitzender, beziehungsweise stellvertretender Vorsitzender der Kommission eingesetzt. Doch damit verstummten die Ver- mutungen bezüglich einer politischen Vertuschung keineswegs. Denn sie kamen längst nicht mehr nur von einer marginalisierten »verruckten Randgruppe« oder »Verschworungstheoretikernc. Sechs der zehn Kommissare Kean, Hamilton,1? Bob Kerrey,20 Tim Roemer,21 John Lehman22 und Max Cleland23 äußerten Bedenken, dass die Kommission in die Irre geführt, blockiert und durch Interessenkonflikte behindert und letztlich gezwungen wurde, an einer politisch motivierten Vertuschung teilzunehmen. In ihrem Buch »Without Precedent: The Inside Story of the 9/11 Commission« stellten Kean und Hamilton treffend fest, dass die Kommission »so eingerichtet wurde, dass sie scheitern 250 musste«.24 Die Mitglieder erwogen sogar, strafrechtliche Schritte gegen Pentagon-Beamte einzuleiten, weil diese ihnen absichtlich falsche Informationen über das Ausbleiben einer militärischen Reaktion an jenem Tag zukommen ließen.25 Einer von ihnen, Max Cleland, trat sogar zurück, weil die Kommission »absichtlich vom Präsidenten der USA kompromittiert wurde«.26 Bob Kerrey kommentierte unterdessen kryptisch, der 11. September sei Ergebnis einer »dreißigjährigen Verschwörung« gewesen. Kein Mainstream-Journalist fragte je nach, was genau er damit meinte.27 Doch keiner dieser wiederholten Versuche der 9/11-Kommissions- mitglieder, auf die Mängel ihrer eigenen Untersuchung hinzu- weisen, konnte die Mainstream-Presse davon abhalten, den Abschlussbericht als endgültige Darstellung der Anschläge zu präsentieren. Und obwohl die Mehrheit der Amerikaner über- zeugt ist, dass die Regierung entscheidende Informationen über den 11. September zurückhält,28 werden bis heute alle, die die Arbeit der Kommission oder ihre Ergebnisse hinterfragen, von den Leitmedien als »verschwörerische Spinner« verunglimpft.29 An diesem Punkt sollte deutlich werden, dass das Argument »irgendjemand hätte geredet« nicht nur irreführend, sondern sachlich schlicht falsch ist. Wie vorgängig belegt, traten zahlreiche Whistleblower an die Öffentlichkeit, die falsifizierbare Beweise für Tauschungen und Lügen präsentierten, welche rund um das 9/11-Narrativ konstruiert wurden. Ihre Enthüllungen bringen die Zweifler mit ihrem »irgendjemand hätte geredet« in eine unangenehme Zwickmühle: Entweder sind sie zu bequem, um selbst zu recherchieren und reden dennoch großspurig mit oder sie lügen ganz bewusst. Besonders perfide ist es, wenn die »Skeptiker« dieses Argument ins Feld führen, 251 obwohl die Whistleblower tatsächlich alles unternommen haben, um ihre Geschichten bekannt zu machen. Sie hielten Presse- konferenzen ab, legten formelle Einsprüche ein, schlossen sich Whistleblower-Organisationen an und gaben Interviews. Für diese Bemühungen zahlten sie einen hohen Preis. Sie wurden gefeuert, von Kollegen gemieden, von den Mainstream-Medien diffamiert und ignoriert. »Irgendjemand hätte geredet« in Wahrheit haben zahlreiche Menschen geredet. Manche von ihnen haben sogar geschrien. Doch wenn die Schreie ungehört verhallen, klingen die Geschichten der 9/11-Whistleblower wie die sprichwörtlichen Bäume, die im Wald umstürzen, ohne dass jemand zugegen ist, um es zu hören. 1 Shermer, Michael: »Paranoia Strikes Deep«, Michael Shermer, September 2009. archive.is/1TyMAu 2 McMahon, Dennis P.: JD, LLM. »Barry Jennings Revisited«, Architects & Engineers for 9/11 Truth, 31. Mai 2012. archive.is/000ts »FAQs - NIST WTC 7 Investigation«, NIST, 19. September 2011. archive.is/qgzlb »NIST WTC 7 Investigation Finds Building Fires Caused Collapse«, NIST, 21. August 2008. archive.is/x5nHM 5 »Interview 1019 - Michael Springmann on Visas for Terrorists«, The Corbett Report, 31. März 2015. corbettreport.com/?p=14061 6 Springmann, J. Michael: »Visas for Al Qaeda: CIA Handouts That Rocked the World«, Daena Publications LLC., Kindle Edition. (Kindle Location 149) 7 Eldridge, Thomas R. et al: »9/11 and Terrorist Travel: Special Report of the National Commission on Terrorist Attacks Upon the United States«, National Commission on Terrorist Attacks Upon the United States, 21. August 2004. bit.ly/2BpgASw 252 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 »9/11 Whistleblower: Richard Andrew Grove (Transcript)« Scribd, 1. Juni 2006. bit.ly/2SryGed Ryan, Kevin: »Propping Up the War on Terror: Lies about the WTC by NIST and Underwriters Laboratories«, 9/11 Review, 28. 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Oder, dass diese inoffiziellen Treffen Diskussionen über drangende politische und wirtschaftliche Fragen umfassen und zu Entscheidungen führen, die nach Angaben von Teil- nehmern dieser mehr als diskreten Konferenz danach von den gleichen Machthabern umgesetzt werden? Nun, genau so ein Ereignis findet jedes Jahr statt. Und es hat einen Namen: das Bilderberg Meeting. Wenn sie von diesem jährlichen Treffen noch nichts mitbekommen haben - keine Sorge. Damit sind sie nicht allein. Obwohl seit der ersten Konferenz im Jahr 1954 im Hotel de Bilderberg in Ooster- beek, Niederlande, siebzig dieser globalistischen Konferenzen abgehalten wurden, gab es eine fast vollständige Mediensperre hinsichtlich der Berichterstattung über dieses Ereignis. Infolge- dessen hat der größte Teil der Öffentlichkeit noch nie etwas von der Bilderberg-Gruppe gehört. Dank des unermiuidlichen Einsatzes einer Handvoll unabhängiger Journalisten, die in den letzten zwei Jahrzehnten wegen dieses geheimen Treffens Alarm geschlagen haben, beginnt sich dieser Schleier der Ignoranz endlich zu lüften. Angeregt durch das wachsende öffentliche Bewusstsein fiir die Existenz der Gruppe haben nicht nur die Mainstream-Medien in den letzten Jahren begonnen, wenigstens oberflächlich über das 255 Bilderberg-Treffen zu berichten, auch die Organisation selbst hat eine Webseite gestartet, auf der man mehr über die Gruppe und ihre Aktivitäten erfahren kann: »Seit ihrem Gründungstreffen 1954 sind »Die Bilderberger« ein jährliches Forum für informelle Diskussionen, das den Dialog zwischen Europa und Nordamerika fördern soll. Jedes Jahr werden zwischen 120 und 150 politische Entscheidungsträger und Experten aus Industrie, Finanzen, Wissenschaft und Medien zu dem Treffen eingeladen. Etwa zwei Drittel der Teilnehmer kommen aus Europa, der Rest aus Nordamerika; ein Drittel aus Politik und Regierung, der Rest aus anderen Bereichen. Das Treffen ist ein Forum für informelle Diskussionen über Megatrends und große Fragen, mit denen die Welt konfrontiert ist. Die Treffen finden nach der Chatham-House-Regel statt, die besagt, dass die Teilnehmer die erhaltenen Informa- tionen frei verwenden können, aber weder die Identität noch die Zugehörigkeit des/der Redner(s) oder eines anderen Teilnehmers preisgegeben dürfen. Dank des privaten Charakters des Treffens sind die Teilnehmer nicht an die Konventionen ihrer Rolle oder vorgefasste Positionen gebunden. Als solche können sie sich Zeit nehmen, um zuzuhören, nachzudenken und Erkenntnisse zu sammeln. Es gibt keine detaillierte Tagesordnung, es werden keine Resolutionen vorgeschlagen, es werden keine Abstimmungen durchgeführt und es werden keine Grund- satzerklärungen abgegeben.«1 Die nüchterne Beschreibung auf der Webseite vermittelt jedoch weder ein Gefühl für die Bedeutung des Treffens noch für den Mantel des Schweigens, hinter dem diese Clique operiert. 256 Die Bilderberger, die sich jedes Jahr in einem anderen Fünf-Sterne- Hotel in der Nähe eines internationalen Flughafens treffen, sind weit mehr als nur eine lockere Plauderrunde der Reichen und Mächtigen. Denn dem Eingeständnis des ehemaligen NATO-Gene- ralsekretärs und zweimaligen Bilderberg-Teilnehmers Willy Claes zufolge, wird von den Teilnehmern der Treffen erwartet, dass sie die Beschlüsse der Gruppe in ihrem Einflussbereich umsetzen.2 Dass die Bilderberg-Gruppe tatsächlich Entscheidungen trifft und Tagesordnungspunkte umsetzt, ist inzwischen unstrittig. Einige unabhängige Journalisten, die im Laufe der Jahre zu diesen Konfe- renzen recherchierten, nutzten sogar vertrauliche Informationen, die von Teilnehmern durchgesickert waren, um den Verlauf von geopolitisch relevanten Ereignissen vorherzusagen. Im Juni 2002 berichtete der inzwischen verstorbene Jim Tucker ein unerschrockener Reporter, der die jährlichen Zusammenkünfte der Bilderberg-Gruppe über Jahrzehnte hinweg beobachtete dass der damalige US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld aus dem Pentagon zum nahegelegenen Bilderberg-Treffen in Chantilly, Virginia gerufen wurde, um den Teilnehmern zu versichern, dass es »keinen unmittelbaren Angriff« auf den Irak geben werde trotz der damals weit verbreiteten Spekulationen.3 Im Jahr 2005 gelang es Daniel Estulin, dem Bestsellerautor von »Die wahre Geschichte der Bilderberger«, seine Quellen innerhalb der Organisation anzuzapfen, um den Anstieg der Ölpreise, der im folgenden Jahr stattfand, korrekt vorherzusagen.4 Manch einer, der von der Existenz dieser geheimen Kabale erfuhr, tat sie als unbedeutend ab. Als »Nothing Burger«. Ein »Bilderburger mit Käse«, wenn man so will. Warum auch sollte man sich um ein Kaffeekränzchen für Konzernmagnaten und Politiker kümmern? Die haben doch ständig solche Konferenzen und Treffen. Eine erste Antwort gegenüber jenen, die erstaunlich 257 desinteressiert bezüglich dieser konspirativen Geheimniskrä- merei hinter verschlossenen Türen sind, ist der Hinweis auf das offensichtlichste Problem solcher Treffen nämlich die Heuchelei seitens der Teilnehmer. Man kann dahingehend zum Beispiel auf Barack Obama verweisen, der während seines Präsidentschaftswahlkampfs 2008 versprach, eine der trans- parentesten Regierungen aller Zeiten zu führen während er seinen Vorgänger dafür kritisierte, eine der intransparentesten geleitet zu haben: »Es ist kein Zufall, dass eine der am diskretesten operierenden Verwaltungen in unserer Geschichte Sonder- interessen begünstigt und eine Politik verfolgt hat, die sich dem Tageslicht entzog.«5 Wir könnten auch auf Hillary Clinton verweisen, die in einer Rede beim jährlichen Integrity Award Dinner von Transparency International USA erklärte: »Noch bevor Regierungsvertreter offen und laut über diese Themen sprachen, brachte Transparency International die Korruption bereits ans Licht denn Tageslicht ist das beste Desinfektionsmittel«.6 Oder wie wäre es mit der Erklärung des damals neu gewählten britischen Premierministers David Cameron: »Unser Ziel ist es, eine der transparentesten Regierungen der Welt zu sein, die offen darüber spricht, was wir tun und vor allem darüber, was wir ausgeben«.? Transparent. In der Tat. 258 Die Obamas, Clintons und Camerons dieser Welt sind Offenheit und Verantwortungsbewusstsein so sehr verpflichtet, dass ihnen schon der Gedanke an die Existenz solch eines geheimen Netz- werks von im Schatten agierenden Strippenziehern zuwider sein muss. Sicher stehen den genannten Personen ihre an Transparenz gewohnten Haare zu Berge, wenn sie davon erfahren, dass sich Politiker hinter verschlossenen Türen mit Unternehmenslobby- isten treffen und ... Huch! Wie sich bei genauerer Betrachtung herausstellt, haben alle drei Politiker das Bilderberg-Treffen mindestens einmal mit ihrer Anwesenheit beehrt. Cameron nahm 2013 an der Bilderberg-Konferenz teil, als die jährliche Soiree in Watford, einer Stadt in Hertfordshire, England stattfand.8 Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, trat Herr »offen über das, was wir tun« Cameron nur eine Woche nach der Erneuerung seines Versprechens, »Open Government« mittels eines »Open Government Partnership Summit« zu erreichen, bei der geheimen Konferenz auf.? Die gemeinsame Teilnahme von Obama und Clinton an der Bilderberg-Konferenz 2008 mar- kiert unterdessen eine noch argerlichere Zurschaustellung von Heuchelei. Die beiden warfen nicht nur mit Plattitiiden beziig- lich Offenheit und Transparenz um sich, während sie an dem geheimen Meeting teilnahmen, sondern strengten sich auch massiv an, ihre Teilnahme geheim zu halten. So liest sich auch die Geschichte darüber, wie die beiden Politiker sich für eine Verschwörung verschworen, wie der Plot eines Kriminalromans. Es war auf dem Höhepunkt der demokratischen Vorwahlen 2008, als Obama und Clinton Kopf an Kopf um das Recht kämpften, George W. Bush als »lahme Ente« abzuldsen. 259 Als Mann des Wortes ließ Obama seine Pressebegleitung glauben, er befinde sich an Bord seines Wahlkampfflugzeugs und schickte es dann ohne ihn, aber mit den ahnungslosen Reportern, zurück nach Chicago." Clinton hingegen ließ ihr eigenes Gefolge zurück, um an einem »geheimen nächtlichen Treffen« mit ihrem früheren Wahlkampfgegner teilzunehmen. Das Rendezvous wurde ur- sprünglich im Haus der Senatorin Dianne Feinstein in Washington, D.C. verortet.11 Allerdings nur, bis die New York Times klarstellte, »dass der genaue Ort des Treffens zwischen Obama und Clinton nie bestätigt wurde«. Die Zeitung merkte zudem pflichtgemäß an, dass sie nicht einmal bestätigen könne, ob Feinstein überhaupt eine Immobilie in D.C. besitzt.12 Wenn sie sich also nicht in Feinsteins Haus in Washington getroffen haben (das möglicherweise gar nicht existiert), wo fand das Treffen dann statt? Könnte ihr Stelldichein vielleicht beim Bilderberg-Treffen stattgefunden haben, das genau zu diesem Zeitpunkt in genau dieser Gegend seinen Lauf nahm? Das Westfields Marriott Washington Dulles Hotel in Chantilly, Virginia liegt wie der Name schon andeutet kurze elf Meilen vom Washington Dulles International Airport entfernt, genau dem Flughafen, von dem aus Obama sein Pressekorps los wurde. Wenn die bewaffneten Konvois des Secret Service, die beim Betreten der Bilderberg-Lokation gefilmt wurden, als Hinweis zu deuten sind, dann ist genau das der Ort, an dem sich Hillary und Barack getroffen haben.13 Aber das ist noch nicht alles. Im Jahr 1991 nahm ein damals noch unbekannter Gouverneur von Arkansas namens Bill Clinton an der Bilderberg-Konferenz in Baden-Baden, Deutschland teil.14 Im Jahr darauf betrat er von der Provinz in Little Rock aus die nationale Bühne und gewann zur allgemeinen Überraschung die Wahl gegen George H. W. Bush - um Präsident der Vereinigten Staaten zu werden. 1993 nahm Tony Blair, damals verkappter Innenminister der Labour Partei, an 260 der Bilderberg-Konferenz in Vouliagmeni, Griechenland teil. 15 Ein Jahr später wurde er Oppositionsführer und drei Jahre später Premierminister des Vereinigten Königreichs. Im Jahr 2003 nahm der kanadische Oppositionsführer Stephen Harper am Bilderberg- Treffen in Versailles, Frankreich teil.16 Ein Jahr später wurde Harper Vorsitzender der Konservativen Partei und zwei Jahre später Premierminister von Kanada. Ob rechts, ob links, ob skuriler Hinterbänkler oder aufstrebender Karrierist politische Kandidaten aller Couleur sehen im Bilder- berg-Meeting den perfekten Ort, um sich mit der globalen Elite zu treffen, bevor sie den großen Durchbruch schaffen. So ärgerlich die Heuchelei der Politiker sein mag, die sich im Rahmen geheimer Treffen abstimmen das ist bei Weitem nicht das Schlimmste an der Bilderberg-Gruppe. Um zu verstehen, warum die Bilder- berg-Verschwörung so tückisch ist, müssen wir deren verborgene Geschichte beleuchten. Um die Ursprünge dieser geheimnisvollen Organisation zu analysieren, müssen wir allerdings bis zum Zweiten Weltkrieg zurückgehen, als der Council on Foreign Rela- tions (CFR) das durch den Konflikt verursachte Chaos ausnutzte, um sein Projekt »War and Peace Studies« zu lancieren.1? Um die Außenpolitik der USA zu beeinflussen, befiirworteten CFR- Analysten die Einrichtung eines Ausschusses, der die strategische Ausrichtung der US-Diplomatie nach dem Krieg leiten sollte. Auf Basis von Forschungsarbeiten des CFR natürlich. 1942 ging der Wunsch des CFR in Erfüllung. Der »Beratende Ausschuss für Außenpolitik in der Nachkriegszeit« war eingerichtet.18 Das Komitee, das sich aus wichtigen CFR-Mitgliedern zusammensetzte, legte den Grundstein fiir eine Reihe internationaler Institutionen, darunter die Weltbank, den Internationalen Wahrungsfonds und natürlich die Vereinten Nationen, die alle direkt nach dem 261 Krieg gegründet wurden. Das Komitee sprach sich außerdem für die Schaffung eines transatlantischen Gremiums aus, das den Dialog zwischen den USA und Europa fördern und schließlich eine gemeinsame Außenpolitik formen sollte. Dieses Gremium war die Saat, aus der das Unkraut namens Bilderberg entstand. Ausgebracht wurde die Saat 1954, als sich eine Clique von Globalisten zusammenschloss, um die Bilderberg-Gruppe zu gründen. Der vielleicht bekannteste davon war Prinz Bernhard der Niederlande. Ein Mann, der zeitlebens von Gerüchten über seine Nazi-Verbindungen verfolgt wurde und das nicht ohne Grund. Denn 2010 entdeckte ein niederländischer Historiker Dokumente, die belegten, dass Prinz Bernhard tatsächlich Mitglied in drei NS-Organisationen war: der Studentenverbindung DSt (Deutsche Studentenschaft), der NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei) sowie deren paramilitärischem Arm, der SA (Sturmabteilung).1? Diese Enthüllungen verschärften einen bereits 2007 aufgebrochenen Skandal, der entstand, weil niederländische Journalisten Dokumente fanden, die zeigten, wie Bernhard seine Stellung im Vorstand von KLM nutzte, um die Schweiz 1948 zu bitten, Nazis bei der Flucht nach Südamerika zu unterstützen.20 Aber Prinz Bernhard ist bei weitem nicht der einzige Nazi, der mit der Gründung der Bilderberg-Gruppe in Verbindung zu bringen ist. Laut einer Anhörung des Unterausschusses des US-Senats, die unmittelbar nach der Niederlage der Nazis im Zweiten Welt- krieg stattfand, hielten führende deutsche Industrievertreter im August 1944 ein geheimes Treffen im Straßburger Hotel Maison Rouge ab, um über ihr Überleben im Europa der Nachkriegszeit zu diskutieren.21 Das Protokoll der Anhörung, das in den 1990er Jahren wiederentdeckt und nach dem Hotel, in dem es entstand, »The Red House Report« genannt wurde, beschreibt, wie sich 262 hohe Nazi-Funktionäre mit deutschen Industriellen, darunter Vertreter der IG Farben, trafen, um die Vorbereitungen für den späteren Aufstieg eines »Vierten Reiches« zu treffen, das ein gesamteuropäisches Finanzimperium werden sollte.22 Wie der britische Autor Adam LeBor feststellte, bestand die Antwort der Nationalsozialisten auf die Frage, wie sie ihre Macht und ihren Einfluss in einem Nachkriegseuropa aufrechterhalten könnten, darin, ihre nationale Souveränität an ein »supranationales« Gremium abzutreten. Dieses Ziel wurde schnell zur treibenden Kraft für die europäische Einigung und schließlich für die von Bilderbergern inspirierte Europäische Union.23 So ist es kaum verwunderlich, dass die Bilderberger im Zentrum des Projekts Europäische Union stehen. Auch ein weiterer Bilderberg-Gründer, der ansonsten kaum bekannte polnische Diplomat Jözef Retinger, war ein bedeutendes Mitglied der »Europäischen Bewegung«, dem »Ursprung« der Europäischen Union. Retinger half zudem, einflussreiche Persönlichkeiten der europäischen Integrations- bewegung zu rekrutieren darunter den Mitbegründer der »Europäischen Liga für wirtschaftliche Zusammenarbeit«, Paul van Zeeland um sie für den Lenkungsausschuss der Bilder- berg-Gruppe zu gewinnen.24 Vom allerersten Treffen an, das 1954 im Hotel de Bilderberg im verschlafenen niederländischen Dorf Oosterbeek stattfand, war klar, warum die Bilderberg-Gruppe zusammenkam: Sie versuchte, die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Institutionen der atlantischen Nationen zugunsten einer faschistischen Governance- Struktur zu verschmelzen. Ein so heikles Thema wurde natürlich nur zurückhaltend angesprochen, wobei der amerikanische Vertreter Gardner Cowles gegenüber der versammelten Elite höflich beklagte, dass Amerika und Europa unterschiedliche außenpolitische Positionen gegenüber Asien hätten.25 Es dauerte 263 jedoch nicht lange, bis die Bilderberger begannen, diesen Punkt energischer und als Teil einer noch ehrgeizigeren Agenda zu thematisieren. Das Treffen im darauffolgenden Jahr erinnerte auf schaurige Weise an die Forderungen nach einem gesamteuro- päischen Vierten Reich im »Red House Report«. Die Anwesenden sprachen offen von der »Notwendigkeit, das deutsche Volk zu- sammen mit anderen Völkern Europas in einen gemeinsamen Markt zu bringen«.26 Auf dieser zweiten Konferenz diskutierten die Bilderberger auch den Plan, »in kürzester Zeit den höchsten Grad der Integration zu erreichen, beginnend mit einem gemeinsamen europäischen Markt«. Nur zwei Jahre später markierte die Unter- zeichnung der Römischen Verträge, mit denen die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft gegründet wurde, den offiziellen Beginn der Europäischen Union. Es überrascht nicht, dass sich unter den offiziellen Unterzeichnern des Vertrags mehrere bestätigte Bilderberg-Teilnehmer befanden, darunter Paul-Henri Spaak. Vierzig Jahre später: Ende der 1990er Jahre kam der Euro. Das Sah- nehäubchen. Wir müssen nicht lange suchen, um den Einfluss der Bilderberger bei der Schaffung der Gemeinschaftswährung auszumachen. Denn 1999 gestand der ehemalige EU-Kommissar Etienne Davignon gegenüber dem euobserver: »Als wir Debatten über den Euro führten, konnten die Leute [auf der Bilderberg-Konferenz] erklären, warum es sich lohne, Risiken einzugehen, und die anderen jene, die nicht an diese Politik glaubten waren nicht verpflichtet, nicht zuzuhören [sic], sondern mussten aufstehen und mit echten Argumenten aufwarten.«27 Zwei Jahrzehnte später folgt der nächste logische Schritt: Die neue Regionalregierung, die Europäische Union, in weiten 264 Teilen konzipiert von den Bilderbergern, wird mit ihrem trans- atlantischen Partner, den USA, verschmolzen. Natürlich sind es die Bilderberger, die auf diese immer breitere wirtschaftliche Integration drängen. Ein Vorschlag, der aus den entsprechenden Konsultationen hervorgehen sollte, war die inzwischen auf- gegebene »Transatlantische Handels- und Investitionspartner- schaft« (TTIP), ein Handelsabkommen, das laut den Worten des Bilderberg-Teilnehmers David Cameron »das größte bilaterale Handelsabkommen der Geschichte« dargestellt hätte.28 Wie es sich für ein Abkommen zwischen Bilderberg-Teilnehmern und ihren Kumpanen gehört, fanden die TTIP-Verhandlungen in geheimen Sitzungen und hinter verschlossenen Türen statt. Der Text des Ab- kommens wurde in einem sicheren »Lesesaal« in Brüssel verwahrt, der nur von autorisiertem Personal betreten werden durfte.2? Jetzt, da wir etwas über die Geschichte und Ambitionen dieser Geheimkonferenz wissen, stehen wir vor der Frage: Warum sollten wir gegen Bilderberg sein? Auf diese Frage haben wir zwei solide Antworten: Erstens ist die Agenda der Bilderberg-Gruppe explizit faschistisch. Denken sie nur an die Rede, die George Ball 1968 auf der Bilderberg-Konferenz in Kanada hielt. Darin entwarf er eine neue Weltwirtschaftsordnung, die auf dem Konzept eines »Weltkonzerns« basiert.30 Als Unter- staatssekretär für Wirtschaft und Landwirtschaft unter Kennedy und Johnson, leitender Direktor bei Lehman Brothers Kuhn Loeb Inc. sowie Mitglied des Bilderberg-Lenkungsausschusses war Ball in der Lage, diese Agenda aus allen Perspektiven zu durchdringen. Er betonte unmissverständlich, dass die Beseitigung des National- staats und die Schaffung supranationaler Gebilde Voraussetzung für die Bildung des faschistischen »Weltkonzerns« sind. »Wo«, fragte Ball rhetorisch, »findet man eine legitime Grundlage für die 265 Macht der Konzernleitung, Entscheidungen zu treffen, die das wirt- schaftliche Leben von Nationen tiefgreifend beeinflussen, wenn sie gegenüber Regierungen nur begrenzt verantwortlich ist?«. Natürlich vermied Ball zu erklären, woher die Bilderberger die Legitimation nehmen, solche Entscheidungen im Rahmen ihrer geheimen Zusammenkünfte zu treffen. Zweitens sind Bilderberg-Meetings unverhohlen konspirativ. Wie bereits erwähnt, treffen sich jedes Jahr einhundertfünfzig der weltweit wohlhabendsten und einflussreichsten Politiker, Konzern-Magnaten, Financiers und Royals unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Wie Ball deutlich erklärt, arbeiten diese Verschwörer, abgeschottet von der Außenwelt, an Vereinbarungen, die das wirtschaftliche Leben ganzer Länder betreffen. Diese Geheimhaltung ist für die Bilderberg-Gruppe seit ihrer Gründungsversammlung von zentraler Bedeutung. Prinz Bernhard betonte damals eindringlich, dass die Verschwiegenheit nötig sei, damit die Gruppe ihre Ziele erreichen konne.31 Damit sind wir beim eigentlichen Zweck dieser Abhandlung. Wir müssen uns nämlich nicht nur fragen, warum wir gegen die Bilderberger sind, sondern vor allem, wie wir uns gegen sie wehren können. Glücklicherweise erweist sich die Antwort auf diese Frage als bemerkenswert simpel: Wir können ihnen am effektivsten entgegentreten, indem wir ihre Achillesferse treffen. Und das ist die Geheimhaltung. Daraus folgt, dass der Untergang der Bilderberger maßgeblich von deren Enttarnung abhängt. Die größte Starke der Gruppierung so könnte man sagen —lasst sich in deren größte Schwäche verwandeln. Wir haben bereits große Fortschritte bei der Aufklarung von Geheimnissen der Bilderberg- Gruppe gemacht. Grofdteils dank der Arbeit von Pionieren, die 266 diesen einst verborgenen Club seit Jahrzehnten unermüdlich beobachten. Einige wenige Journalisten, insbesondere Jim Tucker und Westbrook Pegler, beide verstorben, bestätigten nicht nur die Existenz dieser Kabale, sondern bauten auch vertrauensvolle Kontakte zu Insidern auf. Diese Insider lieferten im Laufe der Jahre pikante Details über die geheimen Umtriebe auf den Konferenzen. Jetzt ist es Aufgabe einer neuen Generation von Aktivisten, diese Verschwörer bloßzustellen. Vorneweg gehen dabei erstklassige Rechercheure wie Charlie Skelton, Dan Dicks und Luke Rudkowski. Skelton, ein Comedy-Autor, berichtete 2009 fir eine britische Mainstream-Publikation über die Konferenz in Griechenland. In der Erwartung, dabei Stoff zu finden, um sich über »wahn- hafte Verschworungstheoretiker« lustig zu machen. Stattdessen veränderte die Erfahrung, von der Polizei gejagt zu werden, nur weil er sich in der Nähe des Treffens aufhielt, um darüber zu berichten, sein Leben. Heute schreibt Skelton Artikel, in denen er sich vehement gegen die Bilderberg-Gruppe und deren diskrete Treffen ausspricht.32 Auch Dan Dicks und Luke Rudkowski machten ihre Erfahrungen mit den Schldgertrupps der Bilderberger. Die beiden Spiirnasen durchbrachen den sakrosankten Sperrbereich des Treffens, indem sie in das abgelegene Berghotel in Osterreich eindrangen, in dem die Konferenz 2015 stattfand. Bevor man sie aufforderte, das Gelände zu verlassen, warfen sie einen Blick in den Raum, in dem die Teilnehmer kurz darauf tagen sollten.33 Nur ein Jahr zuvor, beim Treffen in Kopenhagen, wurde das unerschrockene Duo verhaftet, weil es gewagt hatte, sich Mitgliedern des Bilderberg- Lenkungsausschusses in der Öffentlichkeit zu nähern. Wie Filmaufnahmen des Vorfalls zeigen, gehen die Bilderberger 267 gnadenlos gegen jeden vor, der versucht, ihre Existenz und Ziele zu beleuchten.34 Die gute Nachricht: Wir haben eine Geheimwaffe auf unserer Seite Sie. Mich. Uns alle. Natürlich können die Bilderberger gelegentlich einen Reporter festsetzen, behindern, an den Rand drängen oder zum Schweigen bringen, wenn er an ihren Konfe- renzorten auftaucht, sie mit versteckten Kameras filmt und ihre verschwörerischen Umtriebe öffentlich macht. Aber sie können nicht verhindern, dass wir alle auf unsere eigene Art und Weise daran arbeiten, ihre despotische Agenda offenzulegen. Allein sind wir gespalten und machtlos. Gemeinsam sind wir stärker, als die Bilderberger es je sein könnten. Es gibt Milliarden von uns - und nur knapp einhundertfünfzig von denen. Also. Wovor sollen wir Angst haben? Vor nichts. Wollen sie sich uns nicht anschließen und die Frage, warum wir uns Bilderberg widersetzen müssen, hinter sich lassen, um stattdessen herauszufinden, wie wir die Gruppe effektiv enttarnen und ihre Agenda stoppen können? Betrachten sie diesen Text einfach als offene Einladung, genau das zu tun. 1 »About Bilderberg Meetings«, Bilderberg Meetings archive.fo/ORXTo 2 »Bilderbergers bepalen wel degelijk het beleid voor het komende jaar (2): Ex-Secretaris-Generaal van de NAVO bekent«, Zonnewind, 4. Juni 2010. archive.md/ImL6Y 3 Tucker, James P. Jr.: »Secretive Bilderberg Meeting Begins Near DC«, Rense.com, 1. Juni 2002. archive.fo/Vr4W9 4 »Intelligence Sources Say Bilderberg Targeting Patriots«, Prison Planet, 28. Mai 2005. archive.fo/XU89G 268 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 »Innovation Agenda Barack Obama Talks at Google«, YouTube, hochgeladen von Talks at Google, 14. November 2007. youtu.be/m4yVIPqeZwo Clinton, Hillary Rodham: »Remarks at the Transparency International-USA's Annual Integrity Award Dinner, U.S. State Department, 22. Marz 2012. archive.is/j71a0 »Transparency«, YouTube, hochgeladen von 10 Downing Street, 18. 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Darüber hinaus hat sich diese Floskel spätes- tens seit dem Start der gleichnamigen Serie (Law & Order) im Jahr 1990 tief ins Bewusstsein der fernsehenden Öffentlichkeit gebrannt. Politisch versierte Menschen darunter zweifellos auch die Leser dieses Buches denken vermutlich an die »Neue Weltordnung«, einen Begriff, den Präsident George H. W. Bush mit seiner in- zwischen berüchtigten Rede vom 11. September 1990 populär machte.? Die Neue Weltordnung, heute unter dem Akronym NWO bekannt, hat eine bewegte Geschichte, die bis in die Zeit von Wilsons Diplomatie? nach dem Ersten Weltkrieg und H. G. Wells’ gleichnamigem Buch aus dem Jahr 1940 zurückreicht.3 Esoteriker könnten »Ordnung« auch mit dem lateinischen »Ordo ab Chao«, also mit »Ordnung aus dem Chaos« in Verbindung bringen was nicht ohne Grund auch das Motto des 33. Grades des Schottischen Ritus der Freimaurerei ist.4 Ebenfalls nicht zufällig beschreibt »Ordnung aus dem Chaos« Terroranschläge unter falscher Flagge sowie andere Methoden, mit denen eine kleine, einflussreiche Elite die öffentliche Meinung manipuliert, wenn 271 sie gezielt Chaos erzeugt, um damit die gewünschte »Ordnung« durchzusetzen. Ob wir nun über »Recht und Ordnung«, die »Neue Weltordnung« oder »Ordnung aus dem Chaos« sprechen - letztlich geht es immer um das gleiche: eine hierarchisch geprägte Gesell- schaftsordnung, in der Gesetzgeber und ihre Verbündeten aus der Wirtschaft das Handeln der Massen regulieren, manipulieren, einschränken, verbieten und kontrollieren wollen. Was, wenn ich ihnen sagen würde, dass es ein völlig anderes Konzept ge- sellschaftlicher Ordnung gibt eines, das nicht nur hierarchische Strukturen ablehnt, sondern auch das Prinzip der Kontrolle von oben nach unten grundsätzlich in Frage stellt? Dieses Konzept existiert und es heißt »spontane Ordnung«. Die hierarchische Kontrollstruktur ordnet die Gesellschaft py- ramidenförmig. Von oben nach unten, sodass Regeln und Vor- schriften von einer »Elite« an der Spitze diktiert und dann von einer bürokratischen Kaste in der Mitte den unten angesiedelten Massen aufgezwungen werden. Die spontane Ordnung hingegen geht davon aus, dass Gesellschaften am besten als dezentrales Netzwerk autonomer Individuen funktionieren, die sich freiwillig miteinander austauschen und zwanglos interagieren. Das Prinzip der spontanen Ordnung gibt es vermutlich schon seit dem 4. Jahr- hundert v. Chr., als der chinesische Philosoph Zhuang Zhou die Idee formulierte, dass »Gutes spontan entsteht, wenn man die Dinge einfach in Ruhe lässt«.> Im 18. Jahrhundert wurde das Konzept von schottischen Intellektuellen der Aufklärung® weiterentwickelt. Im 19. Jahrhundert taten das Denker wie Frédéric Bastiat.7 Ihren Namen erhielt die Theorie der spontanen Ordnung aber erst im 20. Jahrhundert, als der österreichische Philosoph und Ökonom F. A. Hayek sie kodifizierte und popularisierte. In seinem Aufsatz »Die Prinzipien einer liberalen Gesellschaftsordnung« aus dem Jahr 1966 beschrieb Hayek die spontane Ordnung folgendermaßen: 272 »Das zentrale Konzept des Liberalismus besteht darin, dass unter der Durchsetzung universeller Regeln gerechten Handelns, welche den erkennbaren privaten Bereich des Individuums schützen, eine spontane Ordnung menschlicher Aktivitäten entsteht von einer weit größeren Komplexität, als sie jemals durch bewusste Planung erzeugt werden könnte.«8 In einfachen Worten ausgedrückt, ist Hayeks Beobachtung er- staunlich einfach und tiefgründig zugleich: Die soziale Ordnung, die sich aus der freien Wahl einzelner Menschen ergibt, die ihre eigenen Interessen schützen, wird immer sicherer und komplexer sein als jedes logisch durchdachte, zentral gesteuerte System. Um zu verstehen, warum das so ist, wenden wir uns Leonard Reads genialem Essay »Ich, der Bleistift« aus dem Jahr 1958 zu. Darin be- schreibt ein gewöhnlicher Bleistift den überraschend komplexen Prozess, wie er aus einzelnen Bestandteilen zusammengesetzt und hergestellt wird: »Ich, der Bleistift, mag zwar schlicht aussehen, aber ich verdiene Bewunderung und Ehrfurcht eine Behauptung, die ich zu beweisen versuchen werde. In der Tat, wenn du mich verstehen könntest nein, das wäre zu viel verlangt wenn du dir wenigstens des Wunders bewusst- werden könntest, das ich symbolisiere, könntest du helfen, die Freiheit zu bewahren, die die Menschheit unglücklicherweise verliert. Ich habe eine tiefgründige Lektion zu lehren. Und ich kann sie besser lehren als ein Auto, ein Flugzeug oder eine mechanische Spülma- schine, gerade weil ich vordergründig so schlicht bin.«? 273 Die zentrale Idee des Essays ist, dass so einfach der Bleistift auch erscheinen mag »kein einziger Mensch auf dieser Erde weiß, wie man mich herstellen soll«. Warum nicht? Weil die Herstellung eines Bleistifts kein simpler, ein- oder zweistufiger Prozess ist, bei dem einige wenige lokal verfügbare Materialien in einer Fabrik zusammengefügt werden. Vielmehr handelt es sich um einen weltumspannenden Vorgang, der die Ernte von Zedernholz in Oregon, den Abbau von Graphit in Ceylon, das Sammeln von Ton am Mississippi, den Anbau von Raps in Indo- nesien und das Zusammenführen dutzender weiterer natürlicher Ressourcen von ebenso weit entfernten Orten umfasst. Jedes dieser Materialien muss auf seine eigene Weise verarbeitet werden. Die Zedernstämme werden viele hundert Kilometer von ihrem Ursprungswald entfernt verschifft, um dann geschnitten, im Ofen getrocknet, gefärbt, gewachst und erneut getrocknet zu werden. Der Ton wird mit Ammoniumhydroxid veredelt, mit Graphit und sulfoniertem Talg vermischt und bei 1.000 Grad Celsius gebrannt, bevor er mit einer heißen Mischung aus Candelillawachs aus Mexiko, Paraffinwachs und hydrierten natürlichen Fetten be- handelt wird. Das Rapsöl wird mit Schwefelchlorid versetzt und danach mit diversen Bindemitteln, Vulkanisationsmitteln und Beschleunigern vermischt. So verwirrend dieses »Bleistiftrezept« auch erscheinen mag, es ist nur eine unvollständige Aufzählung der Bestandteile und kratzt lediglich an der Oberfläche dessen, was wirklich nötig ist, um die Koordination dieser Zutaten sicherzustellen. Denken sie nur an all die Menschen, die am Abbau und Transport des Graphits für die Bleistiftmine beteiligt sind. Dazu gehören nicht nur die Graphitbergleute in Ceylon, sondern auch jene, die ihre Bergbau- werkzeuge herstellen, diejenigen, die die Säcke produzieren, in denen das Graphit transportiert wird, die Hersteller der Schnüre 274 zum Zubinden der Papiersäcke, die Arbeiter, die die Säcke zum Verladen auf Schiffe vorbereiten und schließlich die Menschen, die die Schiffe bauen. Dann gibt es den Kapitän und die Besatzung des Schiffes, Hafenmeister und Leuchtturmwarter, die das Schiff sicher ans Ziel geleiten, die Lastwagenfahrer, Zugführer und Flug- zeugpiloten, die das Material den restlichen Weg bis zur Fabrik transportieren ganz zu schweigen von den Beschäftigten in der Dienstleistungsbranche, die all diese Menschen mit Lebensmitteln, Kleidung und anderen lebenswichtigen Gütern versorgen. Und dabei ging es nur um das Graphit. Am Ende ist es wirklich verblüffend, über die Komplexität der Herstellung des Bleistifts nachzudenken. Niemand könnte all diese Aktivitäten auflisten und im Auge behalten, geschweige denn leiten. Und doch verläuft es reibungslos und jedes Jahr entstehen Millionen neuer Bleistifte, die von Menschen in allen Lebensbereichen und in jedem Winkel der Erde verwendet werden. Der »schlichte« kleine Bleistift, der auf dem Schreibtisch liegt, ist der Beweis dafür. Die Lehre aus Reads Essay ist also, dass so kontraintuitiv es auch erscheinen mag extrem komplexe Abläufe keines zentralen, organisatorischen Gremiums bedürfen, um geordnet zu laufen. Angesichts der Grenzen unseres Wissens könnte ein solches Gremium ohnehin nicht existieren. Was tatsächlich existiert, wie die komplexen Abläufe zeigen, ist eine spontane Ordnung. So faszinierend Reads Einblick in die Komplexität auch ist, so unklar bleibt, auf was sich diese Erkenntnis über die Herstel- lung von Bleistiften hinaus übertragen lässt. Schauen wir uns deshalb ein weiteres Beispiel für etwas an, das wir jeden Tag benutzen das Auto. Statistiken zeigen, dass das Autofahren eine der gefährlichsten Aktivitäten ist, denen wir täglich nachgehen.19 Für viele von uns, die in der Denkweise von Kontrolle durch 275 Gesetze und Vorschriften von oben nach unten verhaftet sind, klingt die Vorstellung, Ampeln, Geschwindigkeitsbegrenzungen, Fahrbahnmarkierungen und andere Vorrichtungen zur Regelung des Verkehrs abzuschaffen, geradezu verrückt. Sind es nicht gerade diese Verkehrsregeln, die für einen reibungslosen Ver- kehrsfluss sorgen? Würde die Abschaffung dieser Maßnahmen nicht unweigerlich zu einer Zunahme von Unfällen führen? Würden sie mir glauben, wenn ich sage, dass genau das Gegenteil der Fall ist? Nein? Es stimmt aber tatsächlich. Jedes Mal, wenn Verkehrsbeschränkungen in Städten aufgehoben wurden, führte das zu sichereren Straßen ganz zu schweigen von den zusätz- lichen Vorteilen wie kürzeren Pendelzeiten sowie höflicheren und weniger gestressten Autofahrern und Fußgängern. Wenn sie dieser Behauptung skeptisch gegenüberstehen, denken sie an die englische Stadt Portishead, in der ein Versuch, Ampeln an einer wichtigen Kreuzung zu entfernen, so erfolgreich war, dass die Einwohner beschlossen, diese Änderung dauerhaft beizubehalten.!! Portishead ist mitnichten ein Zufallstreffer, sondern vielmehr ein Datenpunkt in einer wachsenden Anzahl von Belegen dafür, dass die im Straßenbau als »gemeinsam genutzter Raum« bekannte Gestaltungsideologie tatsächlich zum Nutzen aller funktioniert. 12 Ausgehend von den Prinzipien der spontanen Ordnung postulieren die Befürworter dieses »Shared Space« genannten Ansatzes, dass eine vermeintlich »riskantere« Straße eigentlich sicherer ist. Anstatt die Fahrer mit unpersönlichen, starren Straßenregeln, mit Schildern, Ampeln und Markierungen zu bevormunden, müssen diese auf Straßen ohne solche Vorschriften direkt mit den anderen Verkehrsteilnehmern interagieren. Dadurch sind die Fahrer nicht mehr bloß darauf fokussiert, Hindernisse zwischen sich und der nächsten grünen Ampel zu überwinden, sondern 276 werden gezwungen, die anderen Verkehrsteilnehmer als Menschen wahrzunehmen und aktiv mit ihnen in Kontakt zu treten. Hans Monderman, ein niederländischer Verkehrsplaner und einer der Pioniere dieses Ansatzes zur Neugestaltung von Straßen, entwickelte über 100 Shared-Space-Konzepte in den Provinzen Friesland, Groningen und Drenthe. Zum damals vorherrschenden System, bei dem breite Straßen mit zahllosen Schildern übersät sind, die scheinbar jede Handlung der Fahrer regulieren und steuern wollen, bemerkte er: »All diese Schilder sagen den Autos: »Das ist euer Platz, und wir haben euer Verhalten so organisiert, dass euch nichts passieren kann, solange ihr euch so verhaltet. Das ist eine falsche Geschichte.« Monderman glaubte auch, dass das bestehende System die Fahrer erniedrigt und entmenschlicht und sie gleichzeitig zu einem falschen Gefühl der Sicherheit verleitet. "Wenn man Leute wie Idioten behandelt, werden sie sich wie Idioten benehmen««, 13 argumentierte er. Im Umkehrschluss: Wenn wir Erwachsene als fähige, unabhängige Menschen behandeln, werden sie sich in den meisten Fällen der Herausforderung stellen und entsprechend handeln. »Shared Space« ist kein bloßes Wunschdenken. Das Konzept wurde bereits in zahl- reichen Städten in ganz Europa umgesetzt von Ipswich in England über Ejby in Dänemark bis hin zu Ostende in Belgien und Makkinga in den Niederlanden.14 Das Ergebnis war ein deutlicher Rückgang der Unfallzahlen bei gleichzeitig verkürzten Pendelzeiten. Offenbar neigen Autofahrer, wenn sie auf freien Straßen mit anderen um Raum verhandeln müssen, dazu, sich wie verantwortungsbewusste Erwachsene zu verhalten, sodass durch gegenseitige Rücksicht- nahme eine eigene Form von Ordnung entsteht. 277 Aber kann uns spontane Ordnung auch in anderen Kontexten leiten selbst dort, wo Kriminalität die Norm ist? Schließlich ist es eine Sache, auf den Straßen spontane Ordnung herbeizuführen, aber eine ganz andere, sie in Institutionen zu etablieren, die darauf ausgelegt sind, Räuber, Vergewaltiger und Mörder zu fassen, zu verurteilen und einzusperren. Ist es also möglich, mit Verbrechern anders umzugehen als in unserem derzeitigen System? Könnten Gesetzgeber und Gesetzeshüter, Anwälte und Richter, Gefängnisdirektoren und Wärter durch ein dezentralisiertes, nicht-hierarchisches, nicht-autoritäres Justizsystem ersetzt werden? Und wenn ja wie würde ein solches System aussehen und wie würde es funktionieren? Auch hier mag die Vorstellung, einer spontanen Ordnung freien Lauf zu lassen, absurd erscheinen aber nur, weil wir darauf konditioniert wurden, zu glauben, dass die heutige Struktur von Parlamenten, Gerichten, Polizeidienststellen und Straf- vollzugsanstalten die einzig wirksame Form von Gerechtigkeit sei. In diesem etablierten System gilt »Recht« als das, was vom Gesetzgeber beschlossen, von der Polizei niedergeknüppelt und von Richtern abgesegnet wird. Und wir haben akzeptiert, dass Strafen in Form von Geldzahlungen an den Staat, Freiheitsentzug in Käfigen oder der Zwang zu »gemeinnütziger« Arbeit die einzig denkbaren Wege sind, um Gerechtigkeit herzustellen. Unserem gewohnten System der retributiven Gerechtigkeit steht jedoch ein völlig anderer Ansatz gegenüber eine Rechtsauffassung, die auf dem Prinzip der »restaurativen Gerechtigkeit« beruht. Hier werden nicht allein Staat und Justiz aktiv, sondern auch Opfer und die Gesellschaft. Sie kommen zusammen, um zu beraten, wie mit dem Täter umzugehen ist, der ihnen persönlich und damit der gesamten Gesellschaft Schaden zugefügt hat. Im Gegensatz zum starren System der Vergeltungsjustiz, in dem 278 jede erfolgreiche Strafverfolgung unweigerlich mit einer Geld- oder Haftstrafe endet, eröffnet restaurative Gerechtigkeit ein viel breiteres Spektrum potenzieller Lösungen. Was wäre zum Beispiel, wenn die Opfer eines Raubüberfalls gemeinsam mit einer aus der Gemeinschaft gewählten Jury von Gleichaltrigen entscheiden könnten, dass alle mehr davon hätten, dem Täter direkt zu begegnen und mit ihm zu sprechen, anstatt ihn für ein paar Jahre in eine Zelle zu sperren? Mit anderen Worten: Warum sollten nicht die Opfer selbst ein Mitspracherecht haben, wenn es darum geht, wie mit den Tätern umgegangen wird? Genau wie in unseren bisherigen Beispielen mag es zunächst widersprüchlich erscheinen, spontane Ordnung auch im Straf- vollzug wirken zu lassen. Doch Studien zeigen, dass der Prozess der restaurativen Gerechtigkeit bei den Opfern zu weniger post- traumatischem Stress und einer geringeren Sehnsucht nach Rache führt als das System der Vergeltungsjustiz. Zudem sinkt bei Tätern, die diesen Prozess durchlaufen, die Rückfallquote deutlich stärker als bei jenen, die traditionellen Gerichts- und Strafverfahren unterworfen werden.!5 Das Verfahren wurde bereits weltweit und mit bemerkenswertem Erfolg angewendet. Von den gefährlichsten Slums brasilianischer Großstädte!6 über Rehabilitationsprogramme für Gefangene auf Hawaii? bis hin zu einer wachsenden Zahl von Schulen. 18 Jetzt haben wir eruiert, wie sowohl das Wirtschaftssystem als auch die Straßenverkehrsordnung und das Justizsystem von spontaner Ordnung profitieren können. In jedem Fall haben wir bewiesen, dass es keine zentralen Planer und ehrwürdige »Gesetzgeber« braucht, um die »Ordnung« aufrecht zu erhalten. Das bedeutet nicht, dass wir von heute auf morgen von einer hochgradig zentralisierten zu einer vollständig dezentralisierten 279 Gesellschaft wechseln könnten. Unser ganzes Leben lang sind wir darauf konditioniert worden, mit anderen innerhalb der Gesetze, Regeln und Verfahren zu interagieren, die von unserem hierarchi- schen, föderalen Herrschaftssystem diktiert werden. Es wird eine bewusste »Deprogrammierung« erfordern, um wieder zu lernen, wie wir mit unseren Mitmenschen ohne Institutionen und Kontrolle von oben nach unten umgehen können. Aber es ist möglich. Wir stehen fraglos an der Schwelle einer Transformation von der Abhängigkeit von »Mama« Regierung, die uns den Hintern abwischt, von »Vater« Staat, der Strafen verteilt und »Big Brother«, der uns täglich überwacht hin zur Unabhängigkeit. Während wir wieder lernen, uns selbst zu organisieren und zu führen. Dieser Übergang wird nicht einfach sein. Und das Ergebnis nicht utopisch. Es wird immer Gesetzesbrecher geben und solche, die jede soziale Ordnung ablehnen. Aber wir müssen erkennen, dass der Glaube, man könne mit widerspenstigen Elementen nur klarkommen, indem man immer mehr Macht an zentralisierte Be- hörden abtritt, genau das ist, was uns an den Rand des wirtschaft- lichen und gesellschaftlichen Zusammenbruchs gebracht hat. Die Geschichte ist voll von großen Denkern, die auf eine ein- fache Wahrheit hingearbeitet haben. Sie lautet: »Am besten ist die Regierung, die am wenigsten regiert.« Vielleicht kennen sie diesen Satz von Henry David Thoreau?? aber kennen sie auch den Kontext, in dem er entstand? »Ich nehme das Motto »Am besten ist die Regierung, die am wenigsten regiert« von Herzen an, und ich möchte sehen, dass es schneller und systematischer umgesetzt wird. Wird es verwirklicht, läuft es letztlich auf Folgendes hinaus, was ich ebenfalls glaube: »Die beste Regierung ist 280 die, die überhaupt nicht regiert«; und wenn die Menschen dafür bereit sind, wird das die Art von Regierung sein, die sie haben werden. «20 Das ist, kurz gesagt, unsere Lektion in Sachen spontaner Ordnung. Während unsere Zivilisation gereift ist, haben wir allmählich gelernt, wie wir uns selbst regieren konnen. Irgendwann, eines Tages, wenn wir aus dem alten System herausgewachsen sind, werden wir die wirkungslose »Ordnungg, die von Regierungen und Mochtegern-Machthabern versprochen wird, nicht mehr brauchen. Das Konzept der spontanen Ordnung und Selbstver- waltung, so radikal es für uns im 21. Jahrhundert auch erscheinen mag, beruht auf zeitloser Weisheit, die seit Jahrtausenden über die Generationen weitergegeben wird. Der chinesische Philosoph Lao Tzu drückte es vor mehr als 2.000 Jahren in Kapitel 57 des »Tao Te Ching« wie folgt aus: Beherrsche die Menschen nicht durch Gesetze, Nicht durch Gewalt noch Spionage, Erobere sie mit Untatigkeit. Denn: je mehr Moralvorstellungen und Tabus existieren, Desto mehr Grausamkeit herrscht unter den Menschen; Desto mehr Waffen es gibt, Desto mehr Spaltung entsteht; Desto mehr Künste und Fertigkeiten es gibt, Desto mehr werden Menschen durch Wandel überflüssig; Desto mehr Gesetze und Steuern es gibt, Desto mehr raubt Korruption den Menschen. Doch handle nicht, und Menschen sorgen füreinander; Mache keine Gesetze, und Menschen sind fair zueinander; 281 Eigene kein Interesse, und Menschen kooperieren; Habe keine Erwartungen, und Menschen harmonisieren.21 10 11 12 13 14 Bush, George H. W.: »Address Before a Joint Session of the Congress on the Persian Gulf Crisis and the Federal Budget Deficit«, George H.W. 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Würde man sie bitten, einen Umweltschützer zu nennen, wen würden sie wählen? Wäre es vielleicht John Muir, der amerikanische Naturschützer aus der Zeit um die Jahrhundertwende, der als Mitbegründer des Sierra Clubs bekannt ist und als »Vater der Nationalparks« gefeiert wird? Oder wäre es Rachel Carson, die berühmte Mee- resbiologin, deren Buch »Silent Spring« von 1962 über die Gefahren des Einsatzes von Pestiziden oft als Geburtsstunde der modernen Umweltbewegung angesehen wird? Vielleicht würden sie auch David Suzuki oder David Attenborough nennen oder einen anderen Moderator, dessen Sendungen das Umweltbewusstsein ganzer Generationen von Fernseh- zuschauern geprägt haben. Welche Namen auch immer einem in den Sinn kommen, wenn man an berühmte Umweltschützer denkt Madison Grant gehört mit Sicherheit nicht dazu. Aber wie der New Yorker 2015 fest- stellte, verfügt Grant über die Referenzen, um als Pionier der amerikanischen Naturschutzbewegung zu gelten. Der betreffende Artikel beschreibt ihn nicht nur als »glaubwürdigen Wildtierzoo- logen«, sondern stellt auch fest, dass Grant »maßgeblich an der Gründung des Bronx Zoo beteiligt war und die ersten Organisa- tionen gründete, die sich dem Schutz des amerikanischen Bisons und der kalifornischen Redwoods widmeten«. Danach hebt der Artikel Grants Verbindung zu Teddy Roosevelt und den anderen 284 Prominenten Manhattans hervor, welche die frühen Bemühungen zum Erhalt der natürlichen Ressourcen Amerikas anführten. »Grant verbrachte seine Karriere im Zentrum des gleichen energischen Kreises von Naturschützern wie Roosevelt. Diese Gruppe von Reformern hat viel dazu beigetragen, die Nationalparks, Wälder, Wildschutzgebiete und andere öffentliche Flächen zu schaffen also jenes System von Umweltverantwortung und öffentlichem Zugang, das als »Amerikas beste Idee« bezeichnet wird. Sie entwickelten die Überzeugung, dass der Umgang eines Landes mit seinem Boden und seiner Tierwelt ein Maß für dessen Charakter ist.«1 Angesichts seines gesellschaftlichen Status und seiner beeindru- ckenden Karriere ist auf den ersten Blick nicht ersichtlich, warum sich Grant nicht als einer der Gründungsväter der modernen Umweltbewegung im kollektiven Gedächtnis wiederfindet. Der Grund dafür wird jedoch deutlich, wenn man erfährt, dass Grants anderer großer »Verdienst« ein Buch mit dem Titel »Der Unter- gang der großen Rasse Die Rassen als Grundlage der Geschichte Europas« ist. Eine Hetzschrift aus dem Jahr 1916, in der er vor der »Wiedererstarkung minderwertiger Rassen und Klassen nicht nur in Europa, sondern weltweit« warnte.2 Adolf Hitler war von Grants Theorie der nordischen Überlegenheit so beeindruckt, dass der »Führer« dem Autor persönlich schrieb und das Buch als »meine Bibel« bezeichnete.3 Heutzutage erinnert man sich an Grant für seinen Rassismus, während seine Arbeit im Naturschutz weitgehend in Vergessenheit geraten ist. Wenn sie von Grants Beiträgen zum Umweltschutz erfahren würden, wären viele Zeitgenossen zweifellos verblüfft. Wie konnte jemand, der 285 so vorausschauend über die Umwelt dachte, solch rückständige Überzeugungen zum Thema Rasse haben? Bei näherer Betrachtung ist dieses scheinbar seltsame Nebeneinander von Interessen aber gar nicht so außergewöhnlich. Wie sich zeigt, machte Grants Be- sessenheit von Rassenlehre ihn nicht zu einem Außenseiter in der Naturschutzbewegung seiner Zeit. Wenn überhaupt, gab er einfach nur den Ansichten eine Stimme, die unter seinen High- Society-Freunden in Mode waren. Präsident Teddy Roosevelt lobte Grants Hetzschrift in einem persönlichen Brief, der in späteren Ausgaben als Klappentext verwendet wurde. Für Roosevelt war Grants Werk »ein hervorragendes Buch - in seiner Absicht, seiner Weitsicht und seinem Verständnis jener Tatsachen, die unser Volk am dringendsten begreifen muss.«4 Zu den führenden Köpfen der frühen Naturschutzbewegung, die Grants Arbeit lobten, gehörte auch Henry Fairfield Osborn, Treuhänder des American Museum of Natural History, Leiter der New York Zoological Society und Mitglied des United States Geological Survey. Im Vorwort des Buches meinte Osborn, dass »der Erhalt jener Rasse, die uns den wahren Geist des Amerikanismus gegeben hat, weder eine Frage des Rassenstolzes noch des Rassenvorurteils ist; es ist eine Frage der Liebe zum Vaterland. «5 Der Zusammenhang zwischen dem »Erhalt der nordeuropäischen Rasse« und dem »Erhalt der Umwelt« ist für uns heute zwar nicht offensichtlich, doch für Grant und seine Zeitgenossen war dieser mehr als klar. Hinweise auf diesen Zusammenhang gibt die Tat- sache, dass Grant selbst sich nur für die »majestätischen« Elemente der Natur interessierte. Also den Elch, die Bergziege oder die uralten Mammutbdume. In ähnlicher Weise feierte sein Natur- schutz-Gefährte Roosevelt die »edlen« Elche und Büffel. Zwei Arten, die er sowohl bewahrte als auch jagte. Doch wenn es um »kleinere Formen des Tier- oder Vogellebens« ging, die Beschreibungen wie 286 »herrschaftlich«, »edel« oder »majestätisch« vermeintlich nicht verdienten, zeigte Grant so heißt es in seinem Nachruf - keinerlei Interesse an deren Notlage.® Der gemeinsame Nenner all dieser Männer und ihrer Vorstellungen von Natur: Eugenik. Die alt- bekannte Obsession von Möchtegern-Aristokraten aus aller Welt. Dieser Obsession folgend, waren die edlen und herrschaftlichen Gene der wohlhabenden und erfolgreichen Familien in Grants Umfeld vom Aussterben bedroht genau wie die majestätischen, edlen Tierarten, die nun durch »wilde« und »unzivilisierte« Gene niederer Rassen bedroht wurden. Sowohl Mensch als auch Tier schienen einer ständigen Gefährdung ausgesetzt und bedurften sorgfältiger Bestandspflege. Vor diesem zentralen Punkt schrecken selbst die Verfechter einer ökologisch begründeten Eugenik nicht zurück. So stellt etwa John Glad emeritierter Professor und ehemaliger Direktor des Woodrow Wilson International Center for Scholars in der Zusammenfassung seines Buches »Future Human Evolution: Eugenics in the Twenty-First Century« fest: »Eugenik betrachtet sich selbst als viertes Standbein der Zivilisation, wobei die anderen drei a) eine sparsame Nutzung natürlicher Ressourcen, b) die Verminderung von Umweltverschmutzung und c) die Aufrechterhaltung einer menschlichen Bevölkerung, die die Tragfähigkeit des Planeten nicht überschreitet sind. Eugenik, die man als menschliche Okologie betrachten kann, ist somit ein wesentlicher Bestandteil der Umweltbewegung.«7 Tatsächlich stößt man überall dort, wo man in den oberen Rangen der Umweltbewegung hinschaut, auf denselben euge- nischen Drang nach »Bereinigung der Rasse« und den Wunsch, 287 niederwertigere Klassen von Männern und Frauen, von denen diese Elitisten glauben, dass sie den Genpool ebenso verschmutzen wie die Umwelt, auszurotten. Teddy Roosevelt, führendes Mitglied der konservativen Bewegung, war selbst bekennender Eugeniker. Er tadelte weiße Frauen, die keine Kinder haben wollten und bezeichnete sie als Komplizen beim »Selbstmord der Rasse«. Und in seinen personlichen Briefen an den akademischen Fiihrer der amerikanischen Eugenik-Bewegung, Charles Davenport, wagte Roosevelt gar die Behauptung, dass »die Gesellschaft nicht das Recht hat, Degenerierten zu erlauben, ihresgleichen fortzupflanzen.«8 Henry Fairfield Osborn der bereits erwähnte Geologe, der das Vorwort zu Grants Buch verfasste und den »Conservation Fund« gründete war nicht nur tiberzeugter Eugeniker, sondern auch der Onkel von Frederick Osborn, Griitndungsmitglied der »Ame- rican Eugenics Society« und Griundungsprasident des »Population Council« von John D. Rockefeller III. Die von Rockefeller finan- zierte Organisation widmete sich dem »Problem« der Zunahme unerwünschter Rassen in der Dritten Welt.? Julian Huxley Enkel von Thomas Henry Huxley, bekannt als »Darwins Bulldogge« sowie fiir seine leidenschaftliche Vertei- digung von Darwins Arbeiten zur menschlichen Evolution und außerdem Bruder des Autors von »Schone neue Welt«, Aldous Huxley war selbst Anhänger der Eugenik. Als lebenslanges Mitglied der British Eugenics Society, deren Prasident er von 1959 bis 1962 war, trug Julian Huxley dazu bei, die UNESCO zu gründen und wurde 1946 ihr erster Direktor. Er nutzte das Grindungsdokument der Organisation, » UNESCO: Its Purpose and Its Philosophy«, um eine speziell von Eugenik getragene Agenda zu fordern: 288 »Im Moment ist es wahrscheinlich, dass der indirekte Effekt der Zivilisation eher dysgenisch als eugenisch ist; und in jedem Fall scheint es wahrscheinlich, dass das tote Gewicht genetischer Dummheit, körperlicher Schwäche, geistiger Instabilität und Krankheitsanfälligkeit, das bereits in der menschlichen Spezies existiert, eine zu große Last darstellen wird, als dass echter Fortschritt erzielt werden könnte. Daher, und obwohl es wahr ist, dass jede radikale eugenische Politik für viele Jahre politisch und psycho- logisch unmöglich sein dürfte, wird es für die UNESCO wichtig sein, sicherzustellen, dass das eugenische Problem mit größter Sorgfalt untersucht und dass die Öffentlichkeit über diese drängenden Probleme informiert wird, damit vieles, was derzeit unvorstellbar erscheint, zumindest wieder denkbar wird.«19 Was genau mit diesem Credo verdeckter Eugenik gemeint war, wurde 1961 deutlich, als Huxley und fünfzehn international »füh- rende Naturschützer«11 das Morges-Manifest unterzeichneten, eine Erklärung, die die Gründung einer eingetragenen Wohltätigkeits- organisation in der Schweiz forderte, welche als Stiftung für eine neue Naturschutzorganisation fungieren sollte.12 Diese Stiftung, die noch im September desselben Jahres gegründet wurde, war der World Wildlife Fund (WWF). Neben Huxley waren an der Gründung des WWF beteiligt: Prinz Bernhard der Niederlande, Gründungspräsident, der 1954 auch die Bilderberg-Gruppe gründete. Prinz Philip von England, Gründungspräsident der ersten nationalen Organisation des WWF, des British National Appeal, der einmal erklärte: »Für den Fall, dass ich wiedergeboren 289 werde, würde ich gerne als tödlicher Virus zurückkehren, um etwas zur Lösung der Überbevölkerung beizutragen«13, Godfrey A. Rockefeller, Mitglied der berüchtigten Rockefeller- Dynastie und Enkel des Mitbegründers von Standard Oil. Vor allem die Rockefellers haben seit langem enge Verbindungen zur Eugenik-Bewegung. Sie finanzierten das »Eugenics Record Office« in den USA und das »Kaiser-Wilhelm-Institut« (Nachfolger: Max-Planck-Gesellschaft) in Deutschland, die beide wesentlich dazu beitrugen, die Botschaft der Eugenik auf der ganzen Welt zu verbreiten.14 Darüber hinaus hatte der Rockefeller-Clan einen übergroßen Einfluss auf die globale Umweltbewegung, sowohl direkt, durch die Rockefeller-Stiftung, als auch indirekt, durch David Rockefellers Protege und Ölbaron-Kollegen Maurice Strong. Strong, der 1947 von David Rockefeller »entdeckt« wurde, während er in jungen Jahren als Sicherheitsoffizier bei der UN arbeitete, wurde zum einflussreichsten Mann der Umweltbewegung des 20. Jahrhunderts. Er war der erste Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, organisierte 1992 den »Earth Summit« in Rio und leitete die Schaffung der »Earth Charter« (zusammen mit Steven C. Rockefeller). Zwischen seiner Zeit als Präsident der nationalen kanadischen Ölgesellschaft Petro-Canada und seinem Vorsitz von Ontario Hydro, Nordamerikas größtem Stromver- sorger, war er Vorstandsmitglied einer verwirrenden Reihe von Umwelt- und Entwicklungsorganisationen. Strong half auch bei der Organisation des »4th World Wilderness Congress« in Colorado 1987. Für weitere Informationen über Strong und seine Aktivi- täten siehe »Das seltsame Leben des Maurice Strong« an anderer Stelle in diesem Buch. Auf besagtem Kongress von 1987 schlug Edmund de Rothschild von der berüchtigten Bankiersdynastie Rothschild die Schaffung einer Weltnaturschutzbank vor, die heute als »Globale Umweltfazilität« (GEF) bekannt ist. 290 Tatsächlich haben die Rothschilds in den letzten Jahren dazu angesetzt, die Rockefellers in puncto Engagement für die Umwelt- bewegung einzuholen. Der junge David Mayer de Rothschild, der gerne als »Plastik-Jesus« bezeichnet wird, weil er in einem sechzig Fuß langen Katamaran, der aus recycelten Plastikflaschen bestand, über den Pazifik segelte, predigt permanent zur akuten Gefahr des Klimawandels. 15 Seltsamerweise hat das Publikum, vor dem dieser »Plastik-Jesus« seine Predigten über nachhaltiges Leben hält, ein kombiniertes Nettovermögen und einen »CO,-Fußabdruck«, der mehrere Größenordnungen kleiner ist als sein eigener. In den Annalen der modernen Umweltbewegung finden sich noch viele weitere Geschichten von unglaubwürdigen Umweltaktivisten. Al Gore - Herr »Unbequeme Wahrheit« -dessen Familienver- mögen durch die Arbeit seines Vaters für Occidental Petroleum entstand und dessen persönliches Vermögen durch Geschäfte mit dem ölreichen Katar erheblich wuchs, ist ein perfektes Beispiel dafür.16 Sir James Goldsmith, Mitglied der Bankiersdynastie der Goldsmith-Familie und Gründer des Magazins »The Eco- logist«, ist ein weiteres Beispiel.17 Und dann gibt es natürlich noch die Rockefellers, deren eigene Familienstiftungen heute Angriffe auf Exxon Mobil finanzieren auf ein Unternehmen, das offizieller Nachkomme des Standard Oil Monopols ist, aus dem das Rockefeller-Vermögen einst hervorging. 18 Aber der vielleicht seltsamste Aspekt dieser Geschichte über Plutokraten, Umweltverschmutzer, Eugeniker und Kontroll- freaks, die hinter den Umweltorganisationen stecken, ist, dass niemand fragt, warum sich diese reichen, skrupellosen Royals und »Öligarchen« so leidenschaftlich für den Naturschutz engagieren. Eine der Antworten ist historisch geprägt: Die Umweltbewegung wurde von Beginn an von Rassisten, Eugenikern und Elitisten gesteuert. Die Glieder in dieser »großen Kette des Seins« sind 291 ununterbrochen - von den Anfängen der Naturschutzbewegung, als fanatische Rassisten und Eugeniker wie Madison Grant die ersten Naturschutzorganisationen gründeten, bis heute, wo Sprösslinge der Rockefeller- und Rothschild-Familien die For- schungsinstitute, Interessenvertretungen und Publikationen finanzieren, die moderne Umweltbewegungen führen. Die andere Antwort liegt auf der Hand: Elitäre, rassistische Eu- geniker sind egoistisch. Ihr Ziel ist, den Planeten zu besitzen. Ihre vom »Erhalt« geprägte Agenda ist eine bequeme Ausrede für Imperialisten, die immer mehr von den natürlichen Ressourcen für sich und ihre Nachkommen monopolisieren wollen. Doch es ist nur allzu offensichtlich, dass die opulenten Monopolisten, die an der Spitze der Umweltbewegung stehen, sich um mehr sorgen als die Kontrolle über den Planeten und seine Ressourcen. Im Grunde wollen sie »niedere« Lebensformen ausrotten, die die »majestäti- schen« Blutlinien einer »edlen« Spezies zu verschmutzen drohen. Kurz gesagt, ihr Impuls, den Umweltschutz zu unterstützen, ist identisch mit dem Impuls, der sie dazu antreibt, die Eugenik zu unterstützen. Im Jahr 1909 schrieb Grant, dass die natürliche Se- lektion der Menschheit den Weg zur »vollständigen Beherrschung des Erdballs« geebnet habe, was bedeute, dass seiner Generation »die Verantwortung übertragen worden war, zu entscheiden, welche Lebensformen erhalten werden sollen.«19 Klartext: Die Pflicht zu bestimmen, ob ein Wesen Mensch oder Tier es verdient, zu leben oder zu sterben, liegt bei den inzestuösen Royals, milliardenschweren Öl-Baronen und Finanzoligarchen, die die einflussreichsten Umwelt- und Naturschutzorganisationen finanzieren. Und nach deren snobistischen Maßstäben scheint es so, dass nur sehr wenige von uns für den »Erhalt« geeignet sind. 292 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 Purdy, Jedediah: »Environmentalism’s Racist History«, The New Yorker, 13. August 2015. archive.fo/Oe7kW Grant, Madison: »The Passing of the Great Race: Or The Racial Basis of European History by Madison Grant, Fourth Revised Edition. (New York: Charles Scribner's Sons, 1923.) Seite xxxi. 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Wenn nicht, gibt es hier einen stark vereinfachten Crashkurs in einem Absatz, freundlicherweise bereitgestellt von der guten alten Encyclopedia Britannica: »Schach, eines der ältesten und beliebtesten Brettspiele, wird von zwei Gegnern auf einem karierten Brett mit speziell entworfenen Figuren in Kontrastfarben gespielt, in der Regel weiß und schwarz. Weiß zieht zuerst, danach wechseln sich die Spieler nach festgelegten Regeln ab, wobei jeder Spieler versucht, die Hauptfigur des Gegners, den König, ins Schachmatt zu zwingen - eine Stellung, in der er nicht mehr in der Lage ist, dem Kontrahenten zu entkommen.«1 Ja, genau. Schach. Das »königliche Spiel«, wie es im Laufe der Jahrhunderte aufgrund seiner Beliebtheit beim Adel genannt wurde. Es ist leicht nachvollziehbar, warum das Schachspiel im Verlauf der Geschichte die Vorstellungskraft von Tyrannen, Despoten und Diktatoren beflügelte: Denn es ist eine Metapher für den großen geopolitischen Kampf zwischen Nationen. Das ist keine neue Beobachtung. Die Gleichsetzung von Schach mit Krieg und Eroberung ist fast so alt wie das Spiel selbst. Fast 1.500 Jahre ist es her, dass Chosrow II., der alte sassanidische König, fragte: 294 »Wenn ein Herrscher das Schach nicht versteht, wie kann er dann über ein Königreich herrschen?«.2 Vor 250 Jahren verwendete Johann Hellwig, Mathematiklehrer an der Militärakademie Braun- schweig, ein umfunktioniertes, 1.617 Felder großes Schachbrett als Grundlage für das erste moderne Kriegsspiel.3 150 Jahre ist es her, dass Leo Tolstoi in »Krieg und Frieden« über die Ähnlichkeiten zwischen Krieg und Schach nachdachte.* Nun ist die Anziehungskraft des »königlichen Spiels« auf die- jenigen, die Kontrolle über das globale Schachbrett anstreben, kein Relikt der Vergangenheit, wie Studenten der modernen Politikgeschichte nur allzu gut wissen. Denn der Kampf um geo- politische Vorherrschaft beschäftigt die Intriganten und Strategen des weltumspannenden Imperiums bis zum heutigen Tag. Nehmen wir Zbigniew Brzezinski. Er war Nationaler Sicherheitsberater von US-Präsident Jimmy Carter und ein berühmt-berüchtigter, machiavellistischer Intrigant, der vom späten 20. Jahrhundert bis zu seinem Tod im Jahr 2017 im Zentrum des außenpolitischen Establishments Amerikas stand. In seinem Opus »The Grand Chess- board: American Primacy and Its Geostrategic Imperatives« von 1997 setzte sich Brzezinski nicht nur mit der Frage auseinander, wie die USA ihre globale Dominanz auch bis ins 21. Jahrhundert sichern können, sondern bezeichnete die eurasische Landmasse auch explizit als »das Schachbrett, auf dem der Kampf um die globale Vorherrschaft fortgesetzt wird.«5 Brzezinskis Metapher kommt nicht von ungefähr. Stattdessen spiegelt sie die Tatsache wider, dass sich die Erbauer eines Imperiums —- sowohl der Antike als auch der Moderne - tatsäch- lich als Großmeister eines internationalen Spiels verstehen. Im Großen und Ganzen betrachten die geopolitischen Strategen, die ihre Figuren im Streben um Weltherrschaft über das Brett 295 manövrieren, die einfachen Leute am unteren Ende der Macht- pyramide als bloße Schachfiguren, die bei Bedarf geopfert werden. Ja, Lakaien der »Neuen Weltordnung« wie Brzezinski sehen den Globus tatsächlich als Schachbrett. Und das wirft ein paar Fragen auf: Wie lässt sich das Spiel um ein globales Imperium mit dem Schach- spiel vergleichen, das uns allen vertraut ist? Welche Strategien setzen diese Möchtegern-Herrscher ein, um die Kontrolle über das Schachbrett zu erlangen? Und vor allem: Wie können wir »Bauern« den Fangen dieser hinterlistigen Strategen entkommen und dieses Spiel der Eroberung ein für alle Mal beenden? Bauern auf dem Schachbrett Es gibt kaum ein besseres Beispiel fiir Schachbrettpolitik in der realen Welt als die Geschichte Afghanistans. Günstig an der wichtigsten Landroute zwischen Iran, Zentralasien und Indien gelegen, steht Afghanistan seit Jahrtausenden im Fadenkreuz der Imperialisten. Von den Mazedoniern bis zu den Mongolen, von den Seleukiden bis zu den Sikhs, von den Achameniden bis zu den Amerikanern immer wieder ersannen Imperialisten Strategien, um den afghanischen Sektor des globalen Schachbretts zu erobern. So nahm der Kampf um die Kontrolle über dieses entscheidende Feld im 19. Jahrhundert die Form des »Great Game« an einer Stellvertreterschlacht zwischen dem Britischen Empire und dem Russischen Reich. Dabei ging es nicht einmal um Afghanistan selbst. Die Militarstrategen im britischen Außenministerium sahen in Afghanistan vor allem einen bequemen Puffer zwischen den 296 russischen Rivalen und dem Kronjuwel des Empires: Indien. Die Russen wiederum betrachteten die Kontrolle über Afghanistan als Schlüssel, um Großbritanniens Expansion nach Zentralasien zu stoppen. Im Laufe zahlreicher Scharmützel, Schlachten, Feldzüge und ausgewachsener Kriege bezahlte die afghanische Bevölkerung für ihren strategisch günstigen Standort auf dem Schachbrett immer wieder mit ihrem Leben. Im späten 20. Jahrhundert wurde das Land erneut zu einem entscheidenden Schlachtfeld auf dem großen Schachbrett. Diesmal entbrannten die Kämpfe, als die von der Sowjetunion gestützte Regierung versuchte, eine Reihe von Land- und Sozialreformen durchzusetzen eine Entwicklung, die den Widerstand antikommunistischer, islamischer Hardliner im Land und ihrer Unterstützer in der gesamten muslimischen Welt provozierte. Dabei handelte es sich jedoch nicht um einen spontanen Volksaufstand. Wie sich herausstellte, waren die Unruhen, die zum jahrzehntelangen sowjetisch-afghanischen Krieg (1979-1989) führten, das Ergebnis einer hinterlistigen Taktik, die sich der geopolitische Schachmeister Zbigniew Brze- zinski persönlich ausgedacht hatte. In der Annahme, die internen Spannungen in Afghanistan als Mittel nutzen zu können, um die Sowjets in einen langwierigen Guerillakrieg zu locken und die Rote Armee auszubluten zu lassen, startete er eine geheime Operation »Operation Zyklon« um die afghanischen Rebellen zu finanzieren und zu bewaffnen. Archivaufnahmen der Operation zeigen, wie Brzezinski an die afghanisch-pakistanische Grenze eilt, um zu den islamistischen Milizen zu sprechen, die gegen ihren sowjetischen Feind zu den Waffen griffen. Wie ein Konig, der vor seinen Bauern steht und sie motiviert, sich fiir die gute Sache zu opfern, hob Brzezinski dramatisch den Finger und bekräftigte seine Unterstützung fiir die »heilige« Mission dieser Kämpfer: 297 »Das Land dort drüben gehört euch. Eines Tages werdet ihr dorthin zurückkehren, denn ihr werdet den Kampf gewinnen. Ihr werdet eure Häuser und Moscheen wieder- bekommen, weil eure Sache gerecht ist und weil Gott auf eurer Seite steht.«6 Das war natürlich manipulativer Quatsch. Weder Brzezinski noch das Imperium, das er repräsentierte, interessierten sich für das Schicksal dieser Kämpfer oder die »Heiligkeit« ihres Krieges. Stattdessen war das Imperium daran interessiert, diese Männer als Schachfiguren im großen Spiel gegen die Sowjets zu benutzen. Brzezinski prahlte 1998 sogar in einem Print-Interview mit diesem betrügerischen Schachzug. Auf die Frage, ob er seine Rolle bei der Förderung des Aufstiegs islamistischen Terrors in Afghanistan bereue, antwortete er: »Was soll ich bereuen? Diese geheime Operation war eine ausgezeichnete Idee. Sie hatte den Effekt, dass die Russen in Afghanistan in eine Falle gelockt wurden und Sie wollen, dass ich es bereue? An dem Tag, an dem die Sowjets offiziell die Grenze überschritten, schrieb ich im Wesentlichen an Präsident Carter: »Wir haben jetzt die Gelegenheit, die UdSSR ihrem Vietnamkrieg zu überlassen«. In der Tat musste Moskau fast zehn Jahre lang einen Krieg führen, der für das Regime untragbar war. Ein Konflikt, der zu Demora- lisierung führte und schließlich zum Zerfall des Sowjet- imperiums.«7 Das sind nicht die Worte eines Mannes, der sich Gedanken um das Schicksal der armen, niedergeschlagenen Muslime Afghanistans macht. Es sind die Worte eines Mannes, der ein Buch über das »große Schachbrett« geschrieben hat eines selbsternannten 298 geopolitischen Großmeisters, der mehrere Züge im Voraus plant, während er seine Bauern über das Brett manovriert, um den Gegner schachmatt zu setzen. Leider fand das afghanische Volk keinen Frieden, nachdem es seine Rolle als Bauernopfer in diesem imperialen Spiel erfüllt hatte. Stattdessen bestand seine »Belohnung« darin, von der ersten Reihe aus zusehen zu müssen, wie sein Land in Chaos, Armut und Bürgerkrieg versank. Der Abzug der Sowjets führte zu internen Machtkämpfen um die Kontrolle über Afghanistan. Die Macht- übernahme der Taliban in den 1990er Jahren ebnete den Weg für den Aufstieg von al-Qaida ein weiterer Spielball im Streben des US-Imperiums nach globaler Vorherrschaft. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 führten die USA eine NATO-Invasion und die Besetzung des Landes an. Zwanzig Jahre später mündete der abrupte und chaotische Abzug der amerikanischen Truppen in der Wiederherstellung des Taliban-Regimes.8 Aufgerieben von all den Unruhen liegt Afghanistan heute in Schutt und Asche. Die Bevölkerung, die noch immer keine echte Unabhängigkeit erlangen konnte, ist gezeichnet von jahrzehntelangen Kämpfen und leidet unter der Zerstörung eines Großteils der Infrastruktur. Selbst die afghanischen Kollaborateure einer schizophrenen US-Strategie jene, die sich freiwillig als Schachfiguren für das Spiel ihrer Besatzer zur Verfügung stellten wurden kaltblütig geopfert, sobald die Großmeister des Spiels es für opportun hielten. Nehmen wir den Fall von Zemari Ahmadi, einem Afghanen, der in den letzten Jahren der US-Besatzung für eine amerikanische NGO arbeitete, die Lebensmittel an seine unterernährten Landsleute lieferte. In den hektischen Tagen vor dem hastigen Rückzug der USA im Sommer 2021 verwechselte eine amerikanische MQ-9 Reaper-Drohne Ahmadis Toyota Corolla beladen mit 299 Wasserflaschen zur Verteilung in seiner Nachbarschaft mit einem mit Sprengstoff beladenen Fahrzeug von Terroristen. Man gab den Befehl, seinen Wagen zu zerstören. Bei dem Raketen- angriff wurden Ahmadi und neun seiner Verwandten, darunter sieben Kinder getötet.? Nachdem das Pentagon die Tat zunächst als erfolgreiche Anti-Terror-Operation bezeichnete, sah es sich später gezwungen, einen »tragischen Fehler« einzugestehen.10 Doch nach monatelangen Ermittlungen wurde schließlich fest- gestellt, dass weder die Drohnenpiloten noch ihre Vorgesetzten für diesen »Fehler« verantwortlich gemacht werden konnten.1 Das ist die Logik der Schachbrettpolitik. »Freiheitskämpfer«, die umworben, ausgetrickst, bestochen oder überredet wurden, sich einer der Mannschaften auf dem großen Schachbrett an- zuschließen, erkennen schließlich, dass sie von ihrem neuen König verraten und verkauft wurden. Sie stellen fest, dass sie nur Schachfiguren in einem Spiel waren, von dem sie nicht einmal wussten, dass sie es spielten. Die Geschichte Afghanistans ist keineswegs ein Einzelfall, sondern nur eines von vielen Beispielen dafür, wie die Schachbrettstra- tegen Bauern rekrutieren und opfern, um ihre geopolitischen Ziele zu verfolgen. Ein weiteres Beispiel dafür, wie das große Spiel von Täuschung und Verrat funktioniert, liefert uns die Geschichte der Kurden. Als Angehörige einer eigenständigen, iranischen Ethnie mit eigener Sprache und Kultur, bewohnen die Kurden die geografi- sche Region Kurdistan. Unglücklicherweise ist Kurdistan kein eigenständiger Staat. Stattdessen erstreckt sich die traditionelle Heimat dieses Volkes über den Südosten der Türkei, den Nordirak, den Nordwesten Irans und Nordsyrien über Nationalstaaten, in denen die Kurden weiterhin eine beträchtliche, aber politisch 300 marginalisierte Minderheit darstellen. Obwohl in der chaotischen Zeit nach dem Ersten Weltkrieg mehrere gescheiterte Versuche unternommen wurden, kurdische Königreiche, Republiken und sowjetische Verwaltungseinheiten zu etablieren, blieben die Kurden jahrhundertelang staatenlos. Kurden, die nach Autonomie strebten, hatten selten gute Beziehungen zu den verschiedenen Regierungen, die um ihre Diaspora konkurrieren. Die Türkei zum Beispiel verweigerte bis in die 1980er Jahre jegliche An- erkennung der Kurden als eigenständige Ethnie. Als schließ- lich offiziell zugegeben wurde, dass es Kurden in der Türkei gibt, diente diese Anerkennung dem türkischen Militär nur als Vorwand, um jede Äußerung kurdischer Identität rigoros zu unterdrücken vom Sprechen der kurdischen Sprache bis zum Abspielen kurdischer Musik. 12 Im Irak verschärfte sich der Kampf der Kurden um Selbstbestim- mung in den 1960er Jahren und eskalierte, mit kurzen Pausen, während des Iran-Irak-Krieges (1980-1988). Die Situation gipfelte in einer genozidalen, antikurdischen Kampagne, !3 während der die Baath-Regierung unter Saddam Hussein Bodenoffensiven, Luftangriffe, systematische Zerstörung von Siedlungen, Mas- sendeportationen, Erschießungskommandos und chemische Waffen einsetzte.14 Die Chemiewaffen waren selbstredend nicht irakischen Ursprungs. Sie wurden Saddams Truppen großzügig von den Regierungen der USA, Großbritanniens, Deutschlands und Frankreichs zur Verfügung gestellt.15 Saddams Feldzug führte zum Tod von 182.000 Kurden.16 Angesichts der turbulenten Geschichte der Kurden ist es kaum verwunderlich, dass diese in den letzten Tagen des Golfkriegs dem berüchtigten Aufruf des damaligen US-Präsidenten George H. W. Bush folgten, »das irakische Volk solle die Sache selbst in die 301 Hand nehmen und den Diktator Saddam Hussein zum Rücktritt zwingen«.17 Da die Kurden diese Erklärung als implizite Garantie dafür verstanden, dass das US-Militär das Saddams Truppen in den letzten Tagen des Golfkriegs bereits in die Flucht geschlagen hatte hinter ihnen stehen würde, bemalten sich die kurdischen Bauern mit den Farben von Team USA und nahmen pflichtbewusst ihren Platz auf dem Schachbrett ein. Doch der Aufstand im Irak war nur eine weitere zynische List der Schachbrett-Strategen des US-Imperiums. Bushs mitreißendes Versprechen, die kurdische Sache zu unterstützen, erwies sich als ebenso manipulativ und betrügerisch wie Brzezinskis Versprechen an die Afghanen. Kaum hatten die Kurden zu den Waffen gegriffen, wurden sie von irakischen Hubschraubern, Saddams Langstreckenartillerie und gepanzerten Bodentruppen brutal niedergemetzelt. Präsident Bush sah diesem Angriff nur zu und weigerte sich, den Aufstand zu unterstützen, den er zuvor selbst angezettelt hatte. 18 Es sollte nicht das letzte Mal sein, dass die kurdischen Schach- figuren leichtfertig zugunsten des amerikanischen Imperiums geopfert wurden. In einem Artikel aus dem Jahr 2019 identifizierte der Forscher Jon Schwarz nicht weniger als acht verschiedene Fälle, in denen die US-Regierung die Kurden verriet.1? Zu den Tiefpunkten dieser Geschichte gehört ein geheimes Abkommen zwischen Henry Kissinger und dem Schah von Iran aus den 1970er Jahren, das die irakischen Kurden gerade so weit bewaffnen sollte, dass sie Saddams Regierung schwächen, aber nicht so weit bringen konnten, dass sie tatsächlich Unabhängigkeit erlangen.20 Zum Portfolio amerikanischen Verrats gehört auch, dass die Neokonservativen die Kurden als bequeme Rechtfertigung für die illegale Invasion im Irak im Jahr 2003 benutzten. Von all den verabscheuungswürdigen Taten in den Annalen der Ausbeutung 302 der Kurden durch das Imperium war das vielleicht die schäbigste. Als die Neokonservativen 2002 argumentierten, dass ihr neu gestarteter »Krieg gegen den Terror« einen Regierungswechsel in Bagdad mit sich bringen würde, griffen amerikanische Medien die kurdische Sache wieder auf. Sie behaupteten, dass Saddam Husseins Verbrechen an den Kurden eine humanitäre Recht- fertigung für die Invasion des Irak darstelle.21 Die Kurden jedoch, die zu diesem Zeitpunkt zu Recht misstrauisch gegenüber dem US-Establishment waren, verlangten die Zusicherung, dass sie nicht erneut im Stich gelassen würden, wenn sie gegen Saddam zu den Waffen griffen. Diese Zusicherung kam 2003 in Form einer dramatischen Debatte, die der Sender C-SPAN übertrug. Der neo- konservative Hardliner Bill Kristol unterstützt von seinem unerwarteten Genossen Christopher Hitchens —- versicherte den Zuschauern, dass die USA ihre kurdischen Verbündeten dieses Mal nicht verraten würden: »We will not. We will not!«.22 Es überrascht sicherlich nicht, dass auch diese Zusicherung eine unverfrorene Lüge war. Nur vier Jahre nach seiner leiden- schaftlichen Rede bei C-SPAN veröffentlichte derselbe Bill Kristol einen Artikel in seiner Zeitschrift The Weekly Standard, in dem er erklärte, warum es dieses Mal absolut notwendig sei, die Kurden zu verraten.23 Immer wieder vertrauten die Kurden den Lügen amerikanischer Außenpolitiker und wurden mit schmutzigen Tricks und Verrat belohnt. So dient diese Ethnie als eindringliche Warnung, niemals den Versprechen eines Schachbrettkönigs zu vertrauen. Denn er wird seine loyalen Schachfiguren opfern, wann immer es seinen langfristigen geopolitischen Zielen dient. Es gibt noch viele weitere Bauern auf dem Schachbrett, deren Geschichten es verdienen, erzählt zu werden. So ist auch die 303 Ukraine ein Paradebeispiel für das geopolitische Schachspiel des 21. Jahrhunderts. Eingepfercht zwischen amerikanischen und russischen Großmeistern, befinden sich die Ukrainer wie die Kurden, die Afghanen und unzählige andere im Laufe der Geschichte im Fadenkreuz des Imperiums, allein weil sie das Pech haben, ein begehrtes Feld auf dem Schachbrett zu besetzen. Und wie all die Schachfiguren im imperialen Spiel - lernen die Menschen in der Ukraine gerade, dass die Versprechen ihrer Möchtegern-Könige weder Sicherheit noch Unabhängigkeit garantieren. Stattdessen handelt es sich um Todespakte, für die sich einfache Ukrainer zugunsten ausländischer Mächte auf dem Schachbrett opfern müssen. So düster dieses Bild auch sein mag, es bietet uns zumindest eine greifbare Erklärung für die geopolitischen Machenschaften, die um uns herum stattfinden. Kurz gesagt zeigt uns die Analogie von Schach und Politik eindringlich, dass Imperien nichts anderes wollen, als das Schachspiel zu gewinnen. Die Analogie erinnert uns daran, dass die verschiedenen geopolitischen Fraktionen nur gegeneinander kämpfen, um sich die Kontrolle über dieses oder jenes Feld des Bretts zu sichern. Doch wer mit der unter- drückten, konspirativen Realität der Geschichte vertraut ist, weiß, dass dies keine exakte Darstellung der komplexen Realität ist. Denn wie soll ein simples, zweidimensionales Schachbrett schon die Details eines Kampfes um globale Kontrolle zwischen so vielen, um Kontrolle wetteifernden Akteuren abbilden können? Das funktioniert natürlich nicht. Mit einem dreidimensionalen Schachbrett dagegen klappt das ganz gut. 304 Wie Man 3D-Schach Spielt Vermutlich sind wir inzwischen alle mit herkömmlichem Schach vertraut sowohl mit dem eigentlichen Spiel als auch mit dem globalen, geopolitischen Wettstreit, den wir gerade beleuchtet haben. Wenn wir diese Metapher weiterentwickeln wollen, müssen wir jedoch eine weitere Variante des Spiels in Betracht ziehen das dreidimensionale Schach. Wenn es ihnen geht wie mir, verbinden sie 3D-Schach mit der Science-Fiction-Serie »Star Trek«. In der zweiten Pilotfolge von 1966, »Wo noch kein Mensch zuvor gewesen ist«, lernten die Trekkies ein futuristisch anmutendes, mehrstufiges 3D-Schach- brett kennen.24 Vermutlich haben sie aber noch nie davon gehört, dass ein tatsächlich funktionierendes, dreidimensionales Schach- brett bereits mehr als ein Jahrhundert zuvor, nämlich im Jahr 1851 konstruiert wurde. Damals stellte der baltisch-deutsche Großmeister Lionel Kieseritzky seine eigene kubische Version des Spiels mit den Maßen acht mal acht mal acht (8x8x8) vor und zwar dem deutschen Großmeister Adolf Anderssen. Beim ersten internationalen Schachturnier in London. Diese Version des Spiels, die den Namen »Kubikschack« trug, hatte die Form eines großen Glaskastens, der in kleine würfelförmige Felder unterteilt war, in denen die Schachfiguren an Fäden aufgehängt waren. Während seiner Demonstration soll Kieseritzky aufgeregt ausgerufen haben: »Ich werde den schwarzen König von oben mit dem weißen Springer mattsetzen!« und genau das tat er.25 Eine ganze Reihe von Schachliebhabern hat in den anderthalb Jahrhunderten seit Kieseritzkys dramatischer Demonstration ihre eigenen 3D-Schachvarianten entwickelt. Doch alle diese Varianten folgen den gleichen Prinzipien. Wie beim zweidimensionalen 305 Spiel, das wir alle kennen, bewegen 3D-Spieler ihre Figuren auf dem Brett (oder sollte man besser »Würfel« sagen?) und versuchen, den König des Gegners schachmatt zu setzen. Im Gegensatz zum 2D-Spiel ermöglicht das 3D-Schach den Spielern, ihre Figuren durch die dritte Dimension zu bewegen. Sie können auf die Figuren des Gegners »hochspringen« oder »fallen«. Diese Züge sorgen für ein zusätzliches Maß an Spannung für die Spieler, die sich nun nicht nur der Figuren bewusst sein müssen, die sie von den Seiten bedrohen, sondern auch der Figuren über oder unter ihnen also Figuren, die für Spieler, die auf einer zweidimensionalen Ebene denken, unsichtbar sind. Stellen sie sich nun vor, sie wären eine der Figuren in einem dreidimensionalen Spiel ein Bauer oder ein Turm - und denken, sie würden eine normale Partie 2D-Schach spielen. Wenn sie die Figuren über und unter sich nicht sehen können, wären sie natür- lich schockiert und verwirrt über die Ereignisse, die sich auf ihrem zweidimensionalen Brett abspielen. »Woher kommt diese Figur? Wer kontrolliert sie? Warum ist sie dort aufgetaucht?«. Aber sobald sie sich der dritten Dimension des Spielfelds bewusstwerden, können sie sich auch vorstellen, wie anders sie dieses Spiel wahr- nehmen würden. Dies ist kein bloßes Gedankenexperiment. Wie sich zeigen wird, ist eine Analogie zum 3D-Schach tatsächlich der beste Weg, um die moderne Version des uralten geopolitischen Schachspiels der Imperialisten zu verstehen. Hier ist der Grund: Bisher haben wir darüber nachgedacht, wie die Machenschaften der Strategen des Imperiums (nach ihrer eigenen Einschätzung) einer Reihe von Schachzügen auf einem großen Schachbrett ähneln. Aber jeder, der das wahre Wesen von Geopolitik studiert hat, weiß, dass das imperialistische Schachbrett keine zweidimensionale Spielfläche ist, auf der 306 Nationalstaaten gegen Nationalstaaten um Vorherrschaft kämpfen. Vielmehr handelt es sich um ein dreidimensionales Spiel, in dem verborgene Akteure und zwielichtige Kräfte das Geschehen auf eine Weise manipulieren, die für diejenigen, die das Spiel auf der 2D-Ebene beobachten, unverständlich, beziehungsweise unsichtbar bleibt. Diese Sichtweise auf Politik kann man als verschwörungsrealistische Perspektive bezeichnen. Früher war diese auf die Randbereiche des öffentlichen Diskurses beschränkt. Thematisierte man zum Beispiel die Rolle der Bilderberg-Gruppe bei der Entstehung der Europäischen Union, ein Fakt, der voll- ständig belegbar und zweifelsohne korrekt ist (siehe »Warum wir Bilderberg entgegentreten müssen«), wurde dies als »Ver- schwörungstheorie« abgetan und bei ernsthaften historischen sowie politischen Diskussionen ausgeschlossen. Doch in den letzten Jahren haben wir eine dramatische Verschiebung bezüg- lich solcher Diskussionen erlebt. Zahlreiche Autoren haben in Büchern großer Verlage das Gespenst des »tiefen Staates« herauf- beschworen. Mainstream-Interviewer führten Gespräche über den tiefen Staat beim Public Broadcasting Service (PBS). Sogar die Weltbank veröffentlichte Blogbeiträge, die thematisieren, wie sich der »Deep State« darauf vorbereitet, der »Rechenschafts- revolution« zu begegnen. Anstatt die Existenz des Deep State zu leugnen, weisen Leitartikel in führenden Zeitungen nun sogar darauf hin, dass das »Establishment« des Landes offen eine Herr- schaft durch den Tiefenstaat befürwortet.26 Jetzt, da das Marionettenspiel des tiefen Staates hinter den Ku- lissen eine offen anerkannte Realität ist, scheint es offensichtlich, dass unser bisheriges, zweidimensionales Verständnis von Politik in dem »Team Amerika« gegen »Team Russland« um dieses oder 307 jenes Feld des Schachbretts kämpft einer Aktualisierung bedarf. Schließlich deutet schon der Begriff »Tiefenstaat« darauf hin, dass dieses politische Gebilde eine zusätzliche Dimension besitzt. Es ist nichts, was auf der regulären 2D-Ebene der Politik statt- findet, sondern etwas »Tieferes«. Etwas, das sich unterhalb der oberflächlichen, vereinfachenden Links/Rechts-, Rot/Blau- und NATO/BRICS-Dichotomien abspielt, die etablierte Medien als Realität darstellen. Denken sie nur an den Kalten Krieg. Aus der 2D-Perspektive klingt die Geschichte, so wie sie im Westen dargestellt wird, ziemlich einfach: Die USA kontrollierten die weißen Figuren, die Sowjets die schwarzen. Und diese beiden gut aufeinander abgestimmten Gegner kämpften jahrzehntelang vor allem in Afghanistan, Vietnam und anderen »peripheren« Bereichen des Bretts - bevor das Spiel zu teuer wurde und die sowjetische Mannschaft aufgab. Ende. Doch diese zweidimensionale Sicht- weise greift bei der Beschreibung der tatsächlichen Ereignisse des 20. Jahrhunderts zu kurz und wirft eine Vielzahl scheinbar unlösbarer Fragen auf: Wenn westliche Regierungen wirklich einen existenziellen Kampf gegen die Sowjets führten, warum unterstützten sie die Sowjets dann mit Technologietransfers und zwar nicht nur in den frühen Stadien der bolschewistischen Revolution,27 sondern auch mitten im Kalten Krieg?28 Warum belieferte und rüstete die US-Regierung ihre einstigen Rivalen während dieses angeblichen Krieges wei- terhin über ein Leih- und Pachtprogramm aus? Ein Programm, das sowohl atomare Informationen als auch Uran nach Sowjet- russland transferierte?2? Warum stellten amerikanische Konzerne Mittel für die Schaffung der sowjetischen Kriegsmaschinerie zur Verfügung?39 Warum durfte die Ford Motor Company 1929 einen 308 Vertrag mit der Sowjetunion unterzeichnen, um technische Hilfe beim Aufbau von Automobilproduktionslinien im Gorki-Automobil- werk zu leisten?31 Schließlich pries die sowjetische Presse, wie der Historiker Antony Sutton in seiner Studie »Western Techno- logy and Soviet Economic Development« dokumentiert, offen die militärischen Produktionskapazitäten des Werks an. Tatsächlich wurden »Gorki-Militärfahrzeuge später eingesetzt, um Amerikaner in Korea und Vietnam zu töten«.32 Warum entwarf das Industrie- architekturbüro von Albert Kahn, dem Architekten von Henry Ford, die Wolgograd Tractor Plant,33 eine Panzerproduktionsanlage, die aus Stahl gebaut wurde, der in New York von der McClintic- Marshall Company in einem von amerikanischen Ingenieuren beaufsichtigten Bauprozess hergestellt wurde?34 Und warum hat die Regierung Johnson ihre eigenen Exportkontrollgesetze außer Kraft gesetzt, um mehreren US-Unternehmen zu erlauben, mit Fiat beim Bau des Wolgograder Automobilwerks in den späten 1960er Jahren zusammenzuarbeiten? Wie Sutton einmal mehr dokumentiert, stammten nicht nur wesentliche Bestandteile der hochspezialisierten Ausrüstung des Werks von Gießereima- schinen und Wärmebehandlungsanlagen über Transferlinien für Motorenteile bis hin zu Maschinen für Karosserieteile von US-Zulieferern, das Werk in Wolgograd verfügte auch über weithin bekanntes, militärisches Potenzial. Es war auf dem Höhepunkt des Vietnamkriegs errichtet worden, in dem »die Nordvietnamesen 80 Prozent ihres Nachschubs aus der Sowjetunion erhielten«.35 Auf diese Fragen gibt es Antworten. Aber wir werden sie nicht finden, wenn wir uns das 2D-Schachbrett ansehen. Was aus der zweidimensionalen Perspektive verwirrend erscheint, wird offen- sichtlich, wenn man die dritte Dimension des Spiels berücksichtigt. Im Falle des Kalten Krieges wurde diese dritte Dimension von einer Clique mächtiger Oligarchen besetzt, die enormen Reichtum 309 und weltpolitischen Einfluss zu ihrem Vorteil nutzten. Sie ließen Schachfiguren an strategischen Punkten auf das Brett fallen, um hier einen Konflikt zu verlängern oder ihn dort zu beenden. Diese 3D-Spieler, die niemand sah, der nur die Figuren auf dem 2D-Schachbrett beobachtete, konnten das Spiel nach Belieben manipulieren. Sie benutzten den Begriff »Verschwörungstheore- tiker« - ein von der CIA erfundenes Schimpfwort, das ursprünglich dazu gedacht war, Neugierige davon abzuhalten, die Rolle des Tiefenstaates bei der Ermordung von JFK36 zu untersuchen um jeden zu verhöhnen, der es wagte, über die zweite Dimension hinauszublicken, um die im Spiel gemachten Schritte zu erklären. Natürlich gilt diese 3D-Analyse nicht nur für den Kalten Krieg. Lassen sie uns dieses neu gewonnene Verständnis der dritten politischen Dimension daher nutzen, um das Phänomen des Terrorismus unter falscher Flagge zu untersuchen. Aus der 2D- Perspektive betrachtet, hinterlässt uns die offizielle Geschichte des Aufstiegs der Terrororganisation al-Qaida und des darauf folgenden Angriffs auf die Vereinigten Staaten am 11. September 2001 nämlich mit mehr Fragen als Antworten: Wie konnte Osama bin Laden (und damit auch al-Qaida als später von ihm gegründete Organisation) von einem amerikanischen Verbündeten während des sowjetisch-afghanischen Krieges man beachte, dass sowohl die BBC,37 als auch der britische Journalist Simon Reeve38 und der britische Außenminister Robin Cook3? erklärten, die USA habe Bin Laden in den 1980ern finanziert und unterstützt 2001 erst zum Todfeind Amerikas und in den 2010er Jahren wieder zum Verbündeten werden?40 Wie konnte eine zu- sammengewürfelte Gruppe von afghanischen Außenseitern eine derart präzise, koordinierte Attacke auf die Luftverteidigung der größten Supermacht der Welt durchführen und das nicht nur einmal, sondern gleich viermal innerhalb eines einzigen Tages? 310 Und warum versagte Amerikas Defensive am 11. September komplett, obwohl es zahlreiche Hinweise darauf gab, dass ein Anschlag unmittelbar bevorstand?41 Wieder einmal ergibt das, was aus der 2D-Perspektive rätselhaft wirkt, erst Sinn, wenn wir in dreidimensionalen Kategorien denken und erkennen, dass verborgene Kräfte (der »Deep State«) in der Lage waren, Elemente sowohl der amerikanischen Regie- rung als auch der al-Qaida zu kontrollieren. Sobald wir begreifen, dass alle Fälle von False-Flag-Terrorismus im Laufe der Geschichte auf das Wirken verdeckter Kräfte zurückgehen, die Mitglieder ihres eigenen Teams angegriffen haben vom inszenierten Angriff auf finnische Grenzposten, der 1788 den Russisch-Schwedischen Krieg auslöste, über den Mukden-Vorfall, der 1931 die japanische Besetzung der Mandschurei rechtfertigte, bis zu den Bombenan- schlägen auf Wohnungen, die 199942 die russische Unterstützung für Putins Krieg in Tschetschenien mobilisierten wird deut- lich, dass nur eine 3D-Analyse dieses Phänomen befriedigend erklären kann. Wir könnten unser 3D-Verständnis natürlich auch nutzen, um die vielen Fragen zu beantworten, die sich aus dem neuen Kalten Krieg ergeben, der sich zwischen China und den USA abzeichnet. Warum verkündete Yale News 1972 ohne Umschweife, dass »Mao Tse Tung ohne die Unterstützung von Yale vielleicht nie aus der Versenkung aufgestiegen wäre, um China zu fithren?«43 Warum begab sich David Rockefellers politischer Vertrauter Henry Kis- singer im Juli 1971 auf eine geheime diplomatische Mission nach China, um die Normalisierung der amerikanisch-chinesischen Beziehungen vorzubereiten44 während gleichzeitig chinesische Truppen den Vietcong in ihrem Kampf gegen die amerikanischen Streitkräfte in Vietnam unterstützten?45 Warum wurde dieser 311 strategische Schachzug vom großen Schachbrettmeister Zbigniew Brzezinski gelobt, der als Kissingers Rivale auf der »anderen Seite des Ganges« des außenpolitischen Establishments galt?46 Warum setzte Brzezinski die Normalisierung der Beziehungen energisch fort, als er 1977 das Amt des Nationalen Sicherheits- beraters unter Präsident Jimmy Carter übernahm?47 Warum versammelte David Rockefeller im Juni 1980 »leitende Angestellte von fast 300 großen US-Unternehmen« im Penthouse des Chase Manhattan Bank Building zu einem Treffen mit Rong Yiren, dem Vorsitzenden der staatlichen China International Trust Invest- ment Corporation?48 Warum nutzte Rockefeller dieses Treffen, um ein Abkommen zwischen der chinesischen Regierung, der Bank of China und der Chase Manhattan Bank zu formalisieren, das »die Bereiche der chinesischen Wirtschaft identifiziert und definiert, die am empfänglichsten für amerikanische Techno- logie und Kapitalzufuhr sind«? Außerdem: Warum verpflichtete sich Chase, »bestimmte amerikanische Firmen zu rekrutieren, die sowohl Knowhow als auch das Kapital« für diese Infusion bereitstellten?49 Warum eröffneten DuPont, Ford, General Electric, General Motors, IBM, Intel, Lucent Technologies, Microsoft, Motorola, Rohm & Haas und andere westliche Technologie- und Industriekonzerne in den 1980er und 1990er Jahren Forschungs- und Entwicklungs- einrichtungen in China?50 Warum verstießen amerikanische Unternehmen in den 1990er Jahren aktiv gegen geltendes Recht, indem sie die chinesische Regierung bei ihrem ballistischen Raketenprogramm unterstützten?! Warum ähneln so viele hoch- moderne Hightech-Geräte im chinesischen Militärarsenal - vom Stealth-Fighter Shenyang J-31 der fünften Generation über den unbemannten Heli Sunward SVU-200 Flying Tiger bis hin zum Dongfeng EQ2050 (bekannt als »Chinese Humvee«) —rein zufällig 312 der amerikanischen Militärtechnologie?52 Und warum hält sich diese »chinesische« Technologie so strikt an militärische Spezi- fikationen der USA, dass sie ihren chinesischen Nutzern sogar Informationen in englischer Sprache anzeigt? Eine Kuriosität, die selbst das standhaft gegen Verschwörungstheorien eintretende Magazin Popular Mechanics dazu veranlasste, darüber nachzu- denken, »ob Software und andere Technologie, die ursprünglich aus den Vereinigten Staaten und anderen westlichen Ländern stammt, auf chinesischen Militärflugzeugen fliegt oder nicht«.33 Und wieder werden wir keine Antworten auf unsere Fragen finden, wenn wir das Schachspiel als einen direkten Konflikt auf einem zweidimensionalen Spielbrett sehen. Wenn wir jedoch eine 3D-Alternative postulieren nämlich jene, dass es verborgene Mächte gibt, die finanzielle, wirtschaftliche und militärische Ressourcen einsetzen, die aus der 2D-Perspektive nicht sichtbar sind geht uns ein Licht auf. Plötzlich ergibt das alles irgendwie Sinn. Aber wer sind diese 3D-Spieler? Es sind Menschen in Macht- und Einflusspositionen, die weder »Team West« noch »Team Ost« angehören. Sie sind nicht »Team Amerika«, »Team China« oder »Team Russland«. Sie identifizieren sich nicht mit dem »Team NATO« oder dem »Team BRICS« oder irgendeinem anderen Nationalstaat, Militärbündnis oder einer regionalen Gruppierung. Stattdessen gilt ihre Loyalität ihren Kollegen der internationalen Oligarchie. Denn diese Oligarchen verbindet vor allem eine ähnliche Denkweise. Ihr Ziel ist es nicht, dieses oder jenes Feld des Schachbretts zu kontrollieren sondern den Verstand der Massen. Indem sie die Öffentlichkeit mit patriotischer Propaganda überziehen und andere Teile- und-Herrsche-Taktiken anwenden, hoffen sie, ihre Position ultimativer Macht zu festigen. Damit die Rolle dieser Akteure 313 des Tiefenstaates bei der Manipulation des 3D-Schachbretts nicht als Verschwörungstheorie abgetan wird, muss man darauf hin- weisen, dass die Existenz dieser Clique von Oligarchen keineswegs auf Spekulation beruht. Denn im Laufe der Jahrzehnte haben verschiedene Insider und Vertraute offen darüber geschrieben, Mitglied dieser Clique zu sein. Im Jahr 1928 schrieb zum Beispiel Edward Bernays Sigmund Freuds amerikanischer Neffe und der Mann, den die New York Times als »Vater der Offentlichkeitsarbeit«54 bezeichnete nicht nur über die Existenz dieser Gruppe, sondern auch über deren verborgenen Einfluss auf die Gesellschaft: »Die bewusste und intelligente Manipulation der organi- sierten Gewohnheiten und Meinungen der Massen ist ein wichtiges Element der demokratischen Gesellschaft. Diejenigen, die diesen unsichtbaren Mechanismus der Gesellschaft manipulieren, bilden eine unsichtbare Regierung, die die wahre herrschende Macht unseres Landes ist«.33 Vier Jahrzehnte später konkretisierte Carroll Quigley ein renommierter Geschichtsprofessor, den Bill Clinton wahrend seines Studiums an der Georgetown University als Mentor be- trachtete56 Bernays‘ Behauptung. In seinem 1966 erschienenen Opus »Tragodie und Hoffnung: Eine Geschichte der Welt in unserer Zeit« bestätigte Quigley, dass eine solche »unsichtbare Regierung« tatsächlich existiert. Er behauptete weiter, dass dieses »Netzwerk, wie Quigley den Kreis der Machthaber nannte, ihm Zugang zu seinen geheimen Archiven gewährt habe, wo er Beweise fand, die einige der »konspirativen« Behauptungen rechter Parti- sanen bestätigten: 314 »Es gibt ein internationales anglophiles Netzwerk, und zwar seit einer Generation, das in gewisser Weise so arbeitet, wie die radikale Rechte glaubt, dass die Kommunisten handeln. In der Tat hat dieses Netzwerk, das wir als »Round Table Groups« bezeichnen können, keine Abneigung gegen die Zusammenarbeit mit den Kommunisten oder irgendeiner anderen Gruppe und tut dies häufig. Ich weiß von der Funktionsweise dieses Netzwerks, weil ich es zwanzig Jahre lang studiert habe und es mir Anfang der 1960er Jahre zwei Jahre lang gestattet wurde, seine Papiere und geheimen Aufzeich- nungen zu untersuchen. Ich habe keine Abneigung gegen sie oder gegen die meisten ihrer Ziele und habe die meiste Zeit meines Lebens ihnen und vielen ihrer Instrumente nahegestanden. Ich habe sowohl in der Vergangenheit als auch in jüngster Zeit Einwände gegen einige ihrer Positionen erhoben (...), aber im Allgemeinen besteht die Meinungsverschiedenheit darin, dass die Gruppe unbekannt bleiben möchte, und ich glaube, dass ihre Rolle in der Geschichte bedeutend genug ist, um bekannt zu werden.«57 Spulen wir vier Jahrzehnte vor, finden wir eine dritte Bestä- tigung eines Insiders. Dieses Mal von David Rothkopf, einem Beamten der Regierung Clinton, der nach seinem Ausscheiden aus dem öffentlichen Dienst als Geschäftsführer von Henry Kissingers Beratungsfirma Kissinger Associates tätig war. In seinem Buch von 2008, »Superclass: The Global Power Elite and the World They Are Making«, enthüllte Rothkopf die Existenz einer elitären Gruppe von sechstausend Personen, die in der Lage ist, finanzielle und politische Pläne über internationale Grenzen hinweg umzusetzen: 315 »In den letzten Jahrzehnten ist eine globale Elite entstanden, die weitaus mehr Macht hat als jede andere Gruppe auf dem Planeten. Jedes Mitglied dieser Superklasse hat die Fähigkeit, das Leben von Millionen von Menschen in mehreren Ländern weltweit zu beeinflussen. Jeder übt diese Macht aktiv aus und verstärkt sie oft durch die Entwicklung von Beziehungen zu anderen in dieser Klasse.«58 Wohlgemerkt, dies sind nur einige der vielen Behauptungen, die Insider des Tiefenstaates und 3D-Schachspieler bereit sind, zu Papier zu bringen oder in Interviews zu enthüllen. Wir können uns also nur fragen, was bei den Treffen der Trilateralen Kom- mission, des Bohemian Grove, der Bilderberger oder bei einem der anderen globalistischen Geheimtreffen diskutiert wird. Einige seltene Ausschnitte solcher privaten Gespräche hinter verschlossenen Türen sind aber durchgesickert. Einer davon ist (Überraschung, Überraschung!) eine Schach-Analogie. So be- richteten die Investigativ-Journalisten Bob Woodward und Carl Bernstein 1976, dass Kissinger »uns Militärs demonstrativ als »>»dumme, dumme Tiere« bezeichnete, die als Schachfiguren für die Außenpolitik benutzt werden sollten«.39 Praktisch alle sachkundigen Kommentatoren räumen inzwischen ein, dass der tiefe Staat existiert. Und wie Rothkopf, Bernays und Quigley korrekt feststellten, manipulieren die Spieler des Deep State das Schachbrett weitestgehend abseits der Öffentlichkeit. Dies führt uns zur wichtigsten Frage von allen: Jetzt, da wir uns des 3D-Schachspiels bewusst sind, gilt es nämlich herauszufinden, wie wir die uns zugewiesene Rolle als Bauer ablehnen und aufhören können, das Spiel des Tiefenstaates mitzuspielen? 316 Bauernaufstand Im Januar 2009 schrieb Zbigniew Brzezinski, selbsternannter Großmeister des Geo-Schachs, einen Artikel, in dem er ein be- deutendes, aufkommendes, soziopolitisches Phänomen skizzierte: »Das globale politische Erwachen«. Brzezinski analysierte die Entstehung von politischem Bewusstsein und Aktivismus rund um »Themen wie Klima, Umwelt, Hunger, Gesundheit und soziale Ungleichheit« und stellte fest: »Diese Themen werden zunehmend kontrovers diskutiert, weil sie im Zusammenhang mit dem, was ich in meinen Schriften als >das globale politische Erwachen« beschrieben habe, in den Vordergrund treten ein Ereignis, das an sich bereits eine wahrhaft transformative Entwicklung auf der globalen Bühne darstellt. Zum ersten Mal in der Geschichte der Zivilisation ist fast die gesamte Menschheit politisch aktiviert, bewusst und interaktiv. Nur wenige entlegene Regionen der Welt bleiben unpolitisch oder unberührt von den politischen Unruhen und Bewegungen, die heute global so weit verbreitet sind. Der daraus resultierende globale politische Aktivismus führt zu einem Aufschwung im Streben nach persönlicher Würde, kulturellem Respekt und wirtschaftlichen Chancen in einer Welt, die noch immer von den Erinnerungen an jahrhundertelange koloniale oder imperiale Fremdherrschaft geprägt ist.«60 Dieses »weltpolitische Erwachen« avancierte um diese Zeit zu einer Art Fixierung Brzezinskis. Er erwähnte es in einer Reihe von Kommentaren®! und Interviews®2 sowie in geheimen, inoffiziellen Reden,63 die er 2008 und 2009 hielt. Es ist nicht schwer zu verstehen, warum eine derart gewaltige Umwalzung 317 politischen Bewusstseins Brzezinskis Aufmerksamkeit erregte. Wie dieser Meister-Manipulator zu Recht feststellt, haben durch- schnittliche Menschen zum ersten Mal in der Geschichte nicht nur Zugang zu enormen Mengen von Wissen, sondern auch zu Technologien, die es ihnen ermöglichen, dieses Wissen sofort und weltweit online mit anderen zu teilen. Darüber hinaus sind diese Technologien relativ erschwinglich und passen bequem in die Hosentasche. Dieser allgegenwärtige Zugang zu Infor- mationen und Meinungen hat verständlicherweise zu einer Blüte politischen Bewusstseins und zu einer entsprechenden Zunahme von politischem Aktivismus geführt (siehe »Abenteuer in den neuen Medien« an anderer Stelle in diesem Buch). Doch während die meisten von uns dieses Phänomen als insgesamt positiv einordnen würden, sah Brzezinski darin ein Problem. In einem Moment bemerkenswerter Offenheit sowohl in seiner Ehrlichkeit als auch in seinen erschreckenden Implikationen offenbarte er, was dieses »globale politische Erwachen« für die machiavellistischen Strategen auf dem geopolitischen Schach- brett in Wirklichkeit bedeutet: »Aber diese großen Weltmächte, neue und alte, sehen sich auch mit einer neuen Realität konfrontiert: Während die Zerstörungskraft ihrer militärischen Macht größer ist denn je, ist ihre Fähigkeit, die Kontrolle über die politisch erwachten Massen der Welt durchzusetzen, auf einem historischen Tiefpunkt. Um es ganz offen zu sagen: In früheren Zeiten war es einfacher, eine Million Menschen zu kontrollieren, als eine Million Menschen physisch zu töten. Heute ist es unendlich einfacher, eine Million Menschen zu töten, als eine Million Menschen zu kontrollieren.«64 318 Hier sehen wir, in all seiner unverschämten Offenheit, das Kalkül der Großmeister des geopolitischen Schachbretts: Ist es einfacher, die Massen zu kontrollieren oder sie zu töten? Und wenn es einfacher ist, eine Million Menschen zu töten, als sie zu kontrollieren, warum sollte man dann nicht genau das tun? Es besteht kein Zweifel daran, dass Brzezinskis Analyse im Wesentlichen zutreffend ist. Das Fortbestehen der Menschheit hängt vom Kalkül jener ab, die sich als Weltherrscher sehen. Wenn es einfacher wird, die Bauern zu töten, als sie zu kontrollieren, werden die despotischen Könige des dreidimensionalen Schachbretts genau diese Entscheidung treffen. Der Ernst der Lage lässt keinen Zweifel daran, dass etwas gegen diese missliche Situation unternommen werden muss. Nach allem, was wir bisher gelernt haben, ist es verlockend, unsere Reaktion auf diese Bedrohung in Begriffen zum Thema Schach zu formulieren. Wie können wir dieses Spiel gewinnen? Können wir Schachfiguren zu unserem eigenen Team machen? Können wir die Könige und Königinnen des Tiefenstaates, die versuchen, uns zu kontrollieren, angreifen? Können wir ein paar Felder auf dem großen 3D-Schachbrett zurückerobern? Solche Fragen zu stellen, bedeutet, in eine Falle zu tappen. Indem wir die grundlegende Prämisse der Schachbrettanalyse akzeptieren, akzeptieren wir zugleich die Implikationen dieser Analogie. Wenn die Welt wirklich ein Schachbrett ist, dann folgt daraus, dass wir uns in einem großen Spiel um die Kontrolle über dieses Brett befinden. Und wenn wir uns erst einmal in einen solchen Wettstreit verwickelt haben, bedeutet das, dass Reichtum, Land, Ressourcen und sogar die Menschen selbst in Wirklichkeit nur Schachfiguren sind, die von diesem oder jenem Spieler im Streben nach geopolitischer Dominanz manipuliert werden 319 können. Würden wir dieses Spiel des Imperiums spielen, würden wir nicht nur die verdrehte Mentalität von Brzezinski, Kissinger und Konsorten übernehmen nämlich unsere Mitmenschen als Schachfiguren zu betrachten, die bei Bedarf kontrolliert oder beseitigt werden müssen wir würden uns auch in einer Situation wiederfinden, in der wir niemals gewinnen könnten. Denn jede Strategie, die uns im großen Schachspiel angeboten wurde, führte uns letztlich nur wieder an denselben Punkt. Sollten wir also versuchen, die Kontrolle über das Schachbrett zurückzugewinnen, indem wir »härter abstimmen« und bessere Repräsentanten ins Amt wählen? Nach kurzer Überlegung kommen wir zu dem Schluss, dass diese Strategie bestenfalls ineffektiv und schlimmstenfalls wahnhaft ist. Wie wir bereits gesehen haben, sind das 2D-Schachbrett und die oberflächlichen politischen Institutionen, die fiir die Offentlichkeit sichtbar sind, weitgehend machtlos. Gewählte Politiker werden vom Tiefenstaat durch Bestechung, Nötigung, Erpressung und wenn nötig sogar Mord kontrolliert. Die Wahl zwischen Marionetten des Tiefen- staates bietet demnach kaum eine echte Lösung für unser Problem. Schlimmer noch: Unsere Beteiligung an diesem verlogenen, ma- nipulierten politischen System würde lediglich signalisieren, dass wir den Status quo und seine Ergebnisse akzeptieren. Sollten wir uns also auf eine gewaltsame Revolution einlassen? Sollten wir zu den Waffen greifen, um den Tiefenstaat zu be- kämpfen und das Schachbrett mit Gewalt zurückzuerobern? Auch dieser Weg würde unweigerlich in eine Katastrophe führen. Wie Brzezinski richtig bemerkte, ist es angesichts der Fortschritte in der Kriegstechnologie heute »unendlich leichter, eine Million Menschen zu töten, als eine Million Menschen zu kontrollieren«. Wir wissen, dass die herrschenden Psychopathen nicht zögern 320 würden, die Apokalypse zu entfesseln, falls sie jemals ernsthaft durch einen Massenaufstand bedroht würden. Angesichts der Tatsache, dass sie über Atomwaffenarsenale, Biowaffenlabors und zunehmend automatisierte Streitkräfte verfügen und dass sie Jahrzehnte damit verbracht haben, die Maschinerie techno- logischer Tyrannei unter dem Vorwand des »Heimatschutzes« auszubauen - besteht kaum ein Zweifel daran, wer einen solchen Kampf gewinnen würde. Können wir eventuell Bündnisse mit Ländern des »widerständi- schen Blocks« schließen und deren Kräfte nutzen, um die 3D-Groß- meister des wertewestlichen »Tiefenstaates« zu überwältigen? Könnten wir uns nicht mit Chinesen oder Russen verbünden, um die Kontrolle über das Schachbrett zurückzugewinnen? Leider ist auch diese Strategie zum Scheitern verurteilt. Denn sie geht von der irreführenden Prämisse aus, dass Chinesen und Russen und die anderen vermeintlichen Feinde des Westens eine echte Bedrohung für das Machtgefüge darstellen. Aber Russland und China, obwohl sie vermeintliche Rivalen des NATO-Blocks sind, bekunden weiterhin ihre vollmundige Unterstützung des techno- kratischen Globalismus von der Bekenntnis zur Vorherrschaft der Vereinten Nationen über das Festhalten an den Zielen für nachhaltige Entwicklung bis hin zur Unterstützung bei der Schaf- fung einer internationalen Biosicherheitsdoktrin.®> Schlimmer noch: Selbst wenn diese Strategie erfolgreich wäre wenn die Regierungen Chinas, Russlands und anderer Länder die USA und ihre NATO-Verbündeten auf dem globalen Schachbrett »be- siegen« könnten - blieben wir immer noch bloße Schachfiguren, die dann nur anderen Möchtegern-Königen und -Königinnen verpflichtet wären. Ob diese Möchtegern-Herrscher ihren Sitz in China, Russland, Amerika oder Madagaskar haben, macht keinen Unterschied. Unsere Situation bliebe dieselbe. 321 Nein. Keine dieser Strategien funktioniert. Der einzige Zug in diesem imperialen Spiel, der Aussicht auf einen Sieg verspricht, besteht darin, das Spiel nicht zu spielen. Also hören wir auf damit. Jetzt. Unser Planet ist kein Schachbrett. Er besteht nicht aus Feldern, die aufgeteilt und von konkurrierenden Teams besetzt werden. Er ist auch nicht von Schachfiguren bevölkert, die von diesem oder jenem Spieler im Dienste einer geopolitischen Agenda manipuliert werden können. Stattdessen ist es eine Welt voller souveräner Menschen, von denen jeder mit dem natürlichen Recht geboren wurde, seine eigenen individuellen Entscheidungen darüber zu treffen, wie er sein Leben lebt. Es ist eine Welt, in der jeder von uns frei ist, Geschäfte zu tätigen und mit anderen zu interagieren, wie er es für richtig hält. Frei, die eigene Meinung zu äußern. Frei, sich von Ort zu Ort zu bewegen. Frei, die eigenen Interessen zu verfolgen und selbst über Körper, Gesundheit, Ernährung und Medizin zu entscheiden. Kurz gesagt frei von jedem äußeren Zwang und jeder externen Kontrolle. Es ist eine Welt, in der wir und unsere Mitmenschen als autonome Individuen anerkannt werden, die Würde verdienen und nicht als Schachfiguren, die von anderen manipuliert werden können. Das Leben ist kein Nullsummenspiel, bei dem es um das Stück eines Kuchens geht. Nein. Das Leben ist eine vielversprechende Suche nach Kollaboration, Wissen und Abenteuer. Auf einem wunderschönen, gedeihenden, üppigen und ständig wachsenden Kuchen. Unsere Welt braucht keine Ordnung von oben, die uns von elitären Mitgliedern einer exklusiven »Superklasse« auf- erlegt wird von Menschen, die durch ein magisches politisches Ritual in der Lage sind, dem einfachen Menschen ohne seine Zustimmung ihren Willen aufzuzwingen. Im Gegenteil: Eine 322 blühende Gesellschaft erfordert spontane Ordnung, die entsteht, wenn jeder frei ist, freiwillige Beziehungen auf der Grundlage gegenseitigen Einvernehmens einzugehen. Wir sind keine Bauern auf einem Schachbrett, die in einem Kampf um politische Vorherrschaft ausgebeutet werden können. Und wir müssen kein Schachspiel gewinnen, um die Kontrolle über unser eigenes Leben zu übernehmen. Stattdessen sind wir einfach Menschen, die Wege finden, Seite an Seite mit anderen Menschen und einer Vielzahl von nichtmenschlichen Wesen auf einem fruchtbaren, lebendigen Planeten zu leben. Erst wenn wir die Denkweise der Brzezinskis und Kissingers und all der anderen selbsternannten Großmeister des geopolitischen Schachs komplett ablehnen, können wir wirklich damit beginnen, uns unsere rechtmäßige Macht zurückzuholen. Wir müssen nicht ihr Schachbrett übernehmen. Wir müssen es nicht einmal aus dem Fenster werfen. Stattdessen müssen wir uns einfach ganz vom »Spiel« verabschieden. Denn die Möchtegern-Großmeister können nicht mit uns Schach spielen, wenn wir uns weigern, ihre Bauern zu sein. Das »königliche Spiel« des globalen geopolitischen Schachs ist wie wir gesehen haben ein mehr als seltsames Spiel. Und der einzige Zug, der Aussicht auf Gewinn verspricht, besteht darin, nicht zu spielen. 323 10 11 12 13 14 15 16 17 18 Soltis, Andrew E.: »Chess (game)« Britannica, aktualisiert am 23. Dezember 2023. archive.is/VEA5F Bituin, Gregorio V. Jr.: »Chess and Leadership«, Writing Red, Blue and Green, 26. Januar 2009. archive.is/DLtUP Peterson, Jon: »Playing at The World: A History of Simulating Wars, People and Fantastic Adventures, from Chess to Role-Playing Games«, San Diego: Unreason Press, 2012, Seiten 212-221. Tolstoy, Leo: »War and Peace«, London: Penguin Books, 1997, Seite 855. Brzezinski, Zbigniew: »The Grand Chessboard: American Primacy and its Geostrategic Imperatives«, New York: Basic Books, 1997. Seite 31. »Soldiers of God« Cold War, Season 1, Episode 20, CNN, 1998. 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Als er gefunden wurde, war sein Puls kaum noch messbar, seine Organe hatten »ab- geschaltet« und seine Körpertemperatur betrug nur 22°C. Er wies keine messbare Gehirnfunktion auf, litt unter multiplem Organver- sagen, Blutverlust und schwerer Unterkühlung. Doch schon sechs Wochen später konnte der Mann das Krankenhaus vollständig genesen verlassen. Selbst die Ärzte waren erstaunt anlässlich seines Überlebens. Ein Vertreter der British Dietetic Association, Dr. Frankie Phillips, bemerkte: »Ich finde es ziemlich unglaublich, dass er [während der vierundzwanzigtägigen Tortur] überhaupt keine Flüssigkeit hatte. Physiologisch ist das nicht möglich«. Ich erinnere mich lebhaft an diese Geschichte, weil sie so bizarr, so wundersam war, dass sie besondere Aufmerksamkeit verdiente mehr, als sie sich nur als bloßes Faktum einzuprägen. Also habe ich sie auf meiner Festplatte gespeichert. Obwohl das für mich eine Premiere war, wurde das Speichern wichtiger Artikel schließlich zu meiner standardisierten Vorgehensweise. So entstand aus einem sehr seltsamen Ereignis eine nützliche Gewohnheit. Ähnlich fasziniert war ich von einer Geschichte, die sich 2014 er- eignete. Dieses Mal auf 38.000 Fuß über dem Meeresspiegel. Ein 328 Teenager versteckte sich im Radkasten des Hawaiian Airlines Fluges 45 von San Jose nach Maui und überlebte die fünfein- halbstündige Reise. Zusammengepfercht in einem Raum, der nicht für Menschen gemacht ist, musste er mit Sauerstoffmangel und eisigen Temperaturen kämpfen. Doch er schaffte es. Laut Dr. Armand Dorian, einem Arzt mit Erfahrung in solchen Fällen, »richten sich manchmal die Planeten aus« und schützen den blinden Passagier davor, entweder an Hypoxie oder Unterkühlung zu sterben. In seltenen Fällen heben sich die Effekte gegenseitig auf: »Der Bedarf an Sauerstoff sinkt, wenn der Körper abkühlt. Es ist genau wie beim kryogenen Einfrieren: Der Körper des Jungen ging in einen eingefrorenen Zustand über«.2 Aber warum spreche ich in einem Buch über die »Neue Welt- ordnung« von Wanderern und blinden Passagieren? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir uns das Wildcard-Phänomen ansehen die »unbekannten Unbekannten«, die auftauchen und unser Verständnis der Welt völlig auf den Kopf stellen. Manchmal handelt es sich bei diesen Wildcards um medizinische Phänomene wie den menschlichen Winterschlaf, die sich als faszinierende Anekdoten erweisen. Manchmal aber sind es viel größere Ent- deckungen oder völlig unerwartete Ereignisse, die den Lauf der Geschichte verändern. Penicillin zum Beispiel wurde bekanntlich entdeckt, als Alexander Fleming im August eine Auszeit von seiner Forschung an Bakterien nahm und zuließ, dass einige seiner verschmutzten bakteriologi- schen Proben ein Eigenleben entwickelten. Als er im September ins Labor zurückkehrte, bemerkte er, dass sich auf einer der Schalen Schimmel gebildet hatte. Und siehe da: Der Schimmel tötete die Staphylokokken-Kolonien, die Fleming untersucht hatte. Eine Reihe von Untersuchungen später war das Penicillin 329 entdeckt.? Wilhelm Röntgen entdeckte die Röntgenstrahlen zu- fällig, als er mit Kathodenstrahlen experimentierte. Ein Bildschirm, der neun Meter vom Gerät entfernt war, leuchtete grün, sobald die Strahlen aktiviert wurden. Nur eine Woche später gelang ihm das erste Röntgenfoto ein eindringliches Bild der linken Hand seiner Frau, auf dem deutlich ihr Ehering zu sehen war.* Der Mikrowellenherd entstand, als Percy Spencer, ein Ingenieur bei Raytheon, bemerkte, dass der Erdnussriegel in seiner Tasche schmolz, während er an einem Magnetron einer Vakuumröhre zur Erzeugung von Mikrowellen vorbeiging. Nach ein paar Ex- perimenten erfand er 1946 den ersten Mikrowellenherd. Es sollte jedoch mehr als zwanzig Jahre dauern, bis die Technologie so weit miniaturisiert war, dass sie in Privathaushalten eingesetzt werden konnte. Und weitere zwanzig Jahre, bis die Verkäufe richtig in Schwung kamen.5 Diese unvorhersehbaren Ereignisse beschränken sich jedoch nicht auf wissenschaftliche Entdeckungen. Im Jahr 1768 stimmten die Genuesen zu, ihren Anspruch auf die Insel Korsika abzutreten, nachdem sie jahrhundertelang gegen lokale Unabhéngigkeitsbewegungen, einfallende Türken und andere Unannehmlichkeiten gekämpft hatten. Die Franzosen, die im Siebenjahrigen Krieg Verluste erlitten hatten und die Insel genau im Auge behielten, nahmen das Angebot der Genueser an und begannen mit der Eroberung Korsikas, die sie ein Jahr später, 1769, abschlossen.6 Im gleichen Jahr wurde Napoleon Bonaparte in Ajaccio, der Hauptstadt Korsikas geboren. Nur durch Zufall weltpolitischer Entwicklungen fiel Korsika an Frankreich. Nur wegen dieses Zufalls konnte dieser italienisch sprechende Sohn genuesischer Adliger, der italienische Brauche pflegte, in die französische Armee eintreten und schließlich Kaiser von Frankreich werden. Selbst am Ende seines Lebens 330 sprach Napoleon noch Französisch mit einem starken korsischen Akzent ein Merkmal, das vielen in der französischen Nation, die er befehligte, Anlass zum Spott gab. Zufallsereignisse sind auch in jeder Generation für drastische Veränderungen der Weltwirtschaft verantwortlich. Im Jahr 1857 beauftragten der Anwalt George Bissell und der Bankier James Townsend von der Pennsylvania Rock Oil Company den arbeitslosen Eisenbahnschaffner Edwin Drake damit, nach Titus- ville, Pennsylvania, an die Ufer des Oil Creek zu reisen, um nach Rohöl zu bohren. Drake und sein Assistent hatten jedoch so wenig Erfolg und erlitten so viele Rückschläge, dass das Unternehmen seine Unterstützung zurückzog. Davon unbeirrt nahm Drake einen persönlichen Kredit auf, um mit einer alten Dampfmaschine, die er zu diesem Zweck aufgebaut hatte, weiter zu bohren. Am 27. August 1859 nur wenige Tage nachdem er sein gesamtes Guthaben aufgebraucht hatte stieß Drake in 69 Fuß Tiefe auf Öl. Dies war nicht nur für den Westen Pennsylvanias ein transformatives Ereignis löste es in der Region doch den ersten Ölboom der USA aus sondern auch für die ganze Welt. Denn es war das erste Beispiel einer groß angelegten, kommerziellen Ölbohrung und als solches führte es zu einem Ölboom, der das Wesen der Weltwirtschaft veränderte. Unglücklicherweise für Drake wurde die Ölindustrie jedoch bald von Leuten wie John D. Rockefeller Sr. und seinem monopolistischen Clan dominiert. Da Drake weder die Weitsicht hatte, das Land um seine Bohrstelle herum aufzukaufen, noch seine eigene Bohrtechnik patentieren zu lassen, starb er Jahre später in Armut.7 In ähnlicher Weise hatte das transformative Ereignis unserer Zeit das Aufkommen von Personal Computing und globaler Ver- netzung seinen Ursprung in einem unwahrscheinlichen Zufall. 331 Am 5. Juni 1943 unterzeichneten die US Army und die University of Pennsylvania einen Vertrag zur Entwicklung eines elektronischen Geräts, das Artillerie-Schießtabellen für das Ballistic Research Laboratory berechnen sollte. Das Ergebnis dieses Auftrags, der »Elektronische Numerische Integrator und Computer« kurz ENIAC wurde der Öffentlichkeit im Februar 1946 vorgestellt.8 Er galt als »riesiges Gehirn« und war ein modularer, programmier- barer Universalcomputer, der addieren, subtrahieren und eine zehnstellige Dezimalzahl im Speicher halten konnte. Die Eingabe erfolgte über einen IBM-Kartenleser, die Ausgabe über einen IBM-Kartenlocher. So beeindruckend ENIAC den Tech-Nerds damals auch erschienen sein mag niemand konnte sich das heutige Zeitalter allgegenwärtigen Computings vorstellen. Heute sind Mikroprozessoren und andere technische Wunderwerke so weit fortgeschritten, dass der Durchschnittsmensch mehr Rechenleistung am Handgelenk oder in der Hosentasche trägt, als man sich vor über 70 Jahren hätte ausmalen können, als der ENIAC entwickelt wurde. An dieser Stelle erwarten sie vielleicht einen Vortrag darüber, wie Veränderungen aus dem Nichts kommen können und wie wir finanziell und emotional darauf vorbereitet sein müssen, mit den daraus entstehenden Widrigkeiten umzugehen. Das ist zwar richtig. Und es ließen sich einige gute Argumente dafür anführen. Aber das ist heute nicht mein Thema. Nein, ich schreibe diesen Text in der Hoffnung, in meinen Leserinnen und Lesern wieder ein Gefühl des Staunens und der Demut auslösen zu können Gefühle, die in diesem Zeitalter der Besserwisser, die alles gesehen haben und von nichts mehr überrascht werden, verloren gegangen zu sein scheinen. Entgegen dem, was Zyniker glauben, ist das Universum nämlich weitaus wunderbarer, als wir es uns jemals ausmalen könnten. 332 Es ist der Inbegriff menschlicher Hybris, zu behaupten, die nächste große Entdeckung - jener Fund, der unser Verständnis der Welt völlig verändern wird könne keine Überraschung mehr sein. Ebenso vermessen ist es, anzunehmen, das nächste bedeutende Ereignis, also etwas, das den Lauf der Menschheitsgeschichte neu ausrichten wird, werde kein Zufall, sondern planbar, vorher- sehbar und kalkulierbar sein. In Wahrheit wird es ein unerwar- tetes, ungeplantes Ereignis sein, das uns vom hohen Ross stößt und uns daran erinnert, dass wir eben doch nicht alles wissen. Wie leicht fällt es uns heute, über die »Futuristen« von einst zu spotten, die eine technologische Meisterleistung ihrer Zeit etwa die Erfindung des Luftschiffs bestaunten und dann eine riesige Flotte solcher Giganten am Himmel voraussagten, die Menschen über die Ozeane tragen würde. Wie viel schwerer fällt es uns, zu erkennen, dass auch unsere kühnsten Zukunftsvisionen den nach- folgenden Generationen ebenso lächerlich erscheinen werden. Wenn wir unser Staunen und unsere Demut wiederbeleben, können wir klarer unterscheiden zwischen dem, was wir als das Wesentliche unseres Seins erachten wer wir im Innersten sind und wie wir dies zum Ausdruck bringen und jenen zufälligen Entdeckungen und Ereignissen, die unseren Weg kreuzen. Bedenken sie Folgendes: Alles, was wir über die Welt zu wissen glauben, ist falsch oder zumindest gravierend unvollständig. Unsere Vorstellungen von Medizin, Physik, Mathematik und Geschichte werden durch kommende technologische Durch- brüche und intellektuelle Fortschritte auf den Kopf gestellt. Die Schulbücher von heute werden für unsere Kindeskinder Relikte vergangener Irrtümer sein. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird keiner der geopolitischen Brennpunkte, die uns derzeit beschäf- tigen, der Ort sein, an dem der nächste große Konflikt tatsächlich 333 entflammt. Und die Weisheit der heutigen Märkte wird morgen Anlass zu Gelächter bieten. Letztlich was macht uns im Kern aus? Nicht unser vermeint- liches Wissen über die Welt, nicht unsere fehlerhaften oder gar rückwärtsgewandten Vorstellungen vom Universum. Es ist unsere Menschlichkeit. Sie ist das Fundament unseres kulturellen Erbes, prägt die Moral, Werte, Prinzipien, Ethik und Ideale mit einem Wort: den Charakter dieser Generation und wird auch den Charakter der nächsten formen. Unsere Menschlichkeit ist das Einzige, was am Ende wirklich zählt. Und um wieder Zugang zu diesem menschlichen Kern zu finden, müssen wir vor allem eines neu entdecken: unser Staunen. 1 »Japanese man in mystery survival«, BBC News, 21. Dezember 2006. archive.is/vtkU 2 Mather, Kate and Joseph Serna: »Teen stowaway survives, but how? Boy's body went into a frozen state«, Los Angeles Times, 22. April 2014. archive.is/RSwQn 3 Ligon, B. Lee: »Penicillin: its discovery and early development, Seminars in Pediatric Infectious Diseases, Jahrgang 15, Heft 1, 2004, Seiten 52-57. 4 »Roentgen’s discovery of the x-ray, British Library. archive.is/w2hGw Blitz, Matt: The Amazing True Story of How the Microwave Was Invented by Accident, Popular Mechanics, 24. Februar 2016. archive.is/bxPQQ 6 »Corsica« Encyclopedia Britannica, 26. September 2017. archive.is/cqfAO 7 Yergin, Daniel: »The Prize: The Epic Quest for Oil, Money & Power«, New York: Free Press, 2008, Seiten 10-13. 8 Kanellos, Michael: »ENIAC: A computer is born«, CNET News, 13. Februar 2006. archive.is/HdI7r 334 Ein Brief an die Zukunft »Überall in Europa gehen die Lichter aus; wir werden sie zu Lebzeiten nicht wieder leuchten sehen.« (Edward Grey) 11. April 2020 Ich schreibe diese Zeilen nicht für meine Zeitgenossen. Wir sind die Verdammten. Unser Schicksal ist es, zuzusehen, wie das Licht der Freiheit erlischt. Unsere Aufgabe ist es, Zeugnis abzulegen vom letzten Aufflackern seiner Flamme. Nein, diese Worte sind nicht für meine Zeitgenossen. Ich schreibe sie für jene, die nach uns kommen werden. Für die Bewohner jener Dystopie, deren Geburtswehen wir gerade erleben. Für euch. Euch in der Zukunft - für das Uberbleibsel der einst freien Menschheit, das vielleicht, durch irgendeine glückliche Fügung, die ich mir nicht einmal vorstellen kann, auf diese elektronische Flaschenpost stoßen könnte. Ich weiß, es ist fast hoffnungslos. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Worte die anstehende Säuberung des Internets über- stehen, ist gering. Und selbst wenn sie allen Widrigkeiten zum Trotz an die digitalen Ufer gespült werden, ist die Chance, dass ihr sie versteht, noch geringer. Nicht, weil euch diese Sprache fremd wäre, sondern weil die folgenden Begriffe gar nicht mehr in eurem Wörterbuch stehen: Freiheit. Menschlich- keit. Individuum. 335 Und so mache ich weiter - in der verzweifelten Hoffnung auf Hoff- nung, dass irgendjemand, irgendwo, in jenem dunklen digitalen Zeitalter Augen haben wird, um zu sehen und Ohren, um zu hören. Die Abenddämmerung bricht herein. Es wird dunkel. Machen wir uns nichts vor wir alle wissen es. Wir wissen, was es bedeutet, wenn in nur drei Wochen 17 Millionen Amerikaner - zehn Prozent der Erwerbsbevölkerung arbeitslos werden.! Wenn sich noch Millionen neuer arbeitsloser Ex-Arbeiter auf der ganzen Welt zu ihnen gesellen.2 Wenn sich die Schlangen vor den Suppenküchen über viele Meilen durch das Herz einst stolzer amerikanischer Städte ziehen. Wenn die betrügerische Fiat-Verschuldung auf über 24 Billionen Dollar ansteigen* und die Sowjetisierung der US-Wirtschaft durch die Federal Reserve voll- endet wird.> Wir wissen, was es bedeutet, wenn die Vollstrecker des neu geschaffenen Biosicherheitsstaates damit beginnen, Menschen zu erschießen, weil sie keine Maske tragen.® Wenn Drohnen der Polizei die Quarantäne aus der Luft überwachen? und Roboter die Lockdowns am Boden kontrollieren.? Wenn Regierungen zugeben, jede Bewegung eines jeden Bürgers zu verfolgen? und Kontroll- punkte einrichten, an denen digitale Immunitätspässe bestimmen, wer passieren darf und wer zu Hause bleiben muss. 19 Wir wissen, was es bedeutet, wenn Milliardäre beginnen, uns ein- zureden, dass nur ihre neuen, experimentellen mRNA-Impfstoffe uns aus diesem Albtraum retten können. !! Wenn sie drohen, uns mit unsichtbaren Tintentätowierungen zu markieren, um die Geimpften zu kennzeichnen.1 Wenn sie uns unmissverstandlich klarmachen, dass wir weder kaufen noch verkaufen, weder reisen noch am Wirtschaftsleben teilnehmen werden, solange wir nicht unsere »Immunität« nachweisen können. !3 336 Es bedeutet, dass die Corona-Weltordnung begonnen hat. Ja, sicher. Einige leugnen diese Realität immer noch aus Angst, sich selbst einzugestehen, was längst offensichtlich ist. Viele sind noch immer in jener alten Konditionierung gefangen, wo es ein Imperativ ist, jeden, der Autorität infrage stellt, als »Ver- schwörungstheoretiker« zu verhöhnen. Wir haben einen Namen für diese Leute: Schafe. Die gutgläubigen Massen unserer Zeit werden in ihren Ställen von den stiefel- tragenden Schäferhunden des Polizeistaats in Schach gehalten und von ihren politischen Hirten geführt. Hin und wieder merkt ein alter, weiser Widder, was gespielt wird. Doch weil der Hirte die Herde bisher nur geschoren, aber nie geschlachtet hat, schweigt er fügt sich seinem Schicksal. Warum kämpfen? Das Scheren tut kaum weh. Die Schafe hegten niemals auch nur den leisesten Verdacht, dass der Hirte sie eines Tages doch zur Schlachtbank führen könnte. »Schafe« ist natürlich ein Ausdruck des Spotts. Aber ich denke nun mal gerne, dass der Begriff nicht nur unsere Dummheit meint. Er zeugt auch von einer Naivität, einer Unschuld. Wir sind von Natur aus zutrauliche und sanftmütige Geschöpfe. Friedfertig. Kooperativ. In einer Welt ohne Raubtiere wäre das keine Schwäche, sondern eine Tugend. Aber um euch das zu sagen, bin ich nicht hier. Ich bin hier, um euch zu sagen: Widersteht! Wehrt euch! Kämpft! Ihr seid keine Zahnräder in einer Maschine. Ihr seid freie, wun- derbare Menschen. Keiner wurde geboren, um unter der Knute eines anderen zu leben. Ihr allein entscheidet, wie ihr euer Leben 337 führt nicht ein Bürokrat, nicht ein Polizeiroboter, nicht der kalte Algorithmus eines Immunitäts-Checkpoints oder QR-Codes. Ihr braucht keine Erlaubnis, um zu kaufen oder zu verkaufen, euch zu versammeln, eure Meinung zu sagen oder euer Haus zu verlassen. Ihr seid keine »asymptomatischen Überträger«, wie eure falschen Führer euch weismachen wollen. Ihr müsst euch nicht zu Hause verkriechen, nur weil jemand im weißen Laborkittel es befiehlt. Ich möchte, dass ihr eine Sache ein für alle Mal versteht: Es gab einmal eine Zeit, da hatte die Regierung kein Recht zu wissen, wo ihr wart, mit wem ihr euch getroffen, was ihr gekauft oder den ganzen Tag gemacht habt. Verdammt sie hatte nicht einmal die Möglichkeit dazu, das zu wissen. Es gab einmal eine Zeit, in der ihr euer Haus verlassen konntet, wann immer ihr wolltet. Reisen konntet, wohin ihr wolltet. Handeln konntet, mit wem und wie ihr wolltet. Eine Zeit, in der ihr euch einfach mit euren Nachbarn treffen konntet. Ihr konntet demonstrieren. Protestieren. Feiern. Ich sage euch: Lebt! Lebt so, wie freie Menschen zu leben be- stimmt sind. Ach so, ja was ich da nun eigentlich schreibe? Diese Worte, diese Sprache. Sie ergeben für euch vermutlich keinen Sinn mehr, oder? Diese Konzepte existieren in eurer Zeit nicht mehr. Oder doch? Ich kann es euch eigentlich nicht verübeln. Ihr seid vertrauensvoll, naiv und friedlich. Wie ein Schaf. 338 Aber ach, wie sehr ich weine wegen dem, was aus euch ge- worden ist. Ich habe versucht, es abzuwenden. Bitte glaubt mir ich habe es wirklich versucht. Das Licht der Freiheit erlischt. Und ich bin Zeuge. Ich weiß nicht, ob Geschichte in eurer Zeit noch gelehrt wird. Falls nicht, lasst mich euch auf den neuesten Stand bringen: Laut Mainstream-Geschichtsbüchern unserer Zeit machte der britische Außenminister »Sir« Edward Grey seine eingangs zitierte Bemerkung zu den »Lichtern, die überall in Europa ausgehen«, am Ende der sogenannten »Zwolf Tage«.14 Das war die Periode im Sommer 1914, in der, wie man uns erzählt, die britische Regierung versuchte, einen Weltkrieg zu verhindern. Wir sollen glauben, dass diese vorausschauende Aussage Grey als weisen Diplomaten ausweist, der angesichts des Schmerzes und Leids, von dem er ahnte, dass es bald über die Welt hereinbrechen würde, von Kummer erfüllt war. Aber das ist Geschichte, wie sie von der übelsten Sorte von Gewinnern geschrieben wird. In Wahrheit war Grey einer der Verschwörer, die aktiv daran arbeiteten, den Ersten Weltkrieg herbeizuführen und nicht daran, ihn zu verhindern.?> Darüber hinaus ist die Quelle dieses Zitats tatsächlich Grey selbst. Es wurde erstmals in seinen Nachkriegsmemoiren erwdhnt.16 Die Tränen, die er wegen des Erlöschens dieser Lichter vielleicht vergossen haben mag, waren nichts anderes als Krokodilstränen. Man kann sich gut vorstellen, dass in den Geschichtsbüchern eurer Zeit eine ähnlich verhängnisvolle Äußerung von Bill Gates zu Beginn der Corona-Krise verzeichnet ist. Seine Post-Covid-Me- moiren werden euch zweifellos wissen lassen, dass er, als er aus 339 dem Fenster seiner 127,5 Millionen Dollar teuren, 66.000 Quadrat- meter großen Villa »Xanadu 2.0« in King County?7, Washington, blickte - zufälligerweise genau der Bezirk, von dem euch gesagt wurde, dass er das Epizentrum des Covid-Ausbruchs in den USA war? sagte: »Uberall auf der Welt gehen die Lichter aus; wir werden sie zu Lebzeiten nicht wieder leuchten sehen«. Aber diese Memoiren werden euch zweifellos nicht darüber informieren, dass Gates lächelte, als er das sagte. An meine Kinder, oder die Kinder meiner Kinder, oder welcher Überrest einer einst freien Menschheit auch immer es sein mag, der diese Worte in der gottverlassenen Zukunft entdeckt, in die wir im Gleichschritt marschieren: Es tut mir leid! Ich habe euch im Stich gelassen. Wir alle haben euch im Stich gelassen. Aber denkt daran: Solange das Blut eurer Vorfahren durch eure Adern fließt, wird das Licht der menschlichen Freiheit nicht für immer erlöschen. Lass es leuchten, liebes Schaf. Lass es leuchten. 1 Richter, Wolf: »Week 3 of the Collapse of the US Labor Market«, Wolf Street, 9. April 2020. archive.is/YPoAf 2 Linge, Mary Kay: »Global economy screeches to a halt as coronavirus job losses take toll«, New York Post, 4. April 2020. archive.is/1z1g8 340 10 11 12 13 14 15 16 17 18 Conley, Julia: »Government Needs to Step In: Food Banks Across US Report Unprecedented Demand - and Shortages - as Coronavirus Pandemic Ravages«, Common Dreams, 2. 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Doch ich erinnere mich noch genau daran, wie zufrieden ich mit einer bestimmten Szene war: Zwei Ninjas lieferten sich ein wildes Schwertduell neben einer Ziegelmauer. In meinem Kopf sah ich, wie die Kamera von einer Nahaufnahme der kimpfenden Krieger auf eine Totale umschwenkt und dabei offenbart, dass all das wilde Schwingen der Schwerter unbeabsichtigt das Wort »Ninja« in die Mauer geritzt hatte. Obwohl ich heute nicht mehr erklären kann, warum, war ich überzeugt, dass diese Kampfszene eine unglaublich lustige Idee war. Stolz zeigte ich meiner Mutter mein unfertiges Drehbuch. Sie schien zwar weniger von dem Humor der Szene überzeugt zu sein, war aber dennoch ermutigend und unterstützend wie es Mütter eben sind. 342 Als ich elf Jahre alt war, beantwortete ich eine Schreibaufgabe im Unterricht mit einer Seite über einen fantasievollen Helden mit Axt, der von einer Schlacht zurückkehrte und in seinem Bett einschlief. Die Szene stellte ich mir als den Eröffnungspassus eines epischen Romans vor, der die Heldentaten eines tapferen Kriegers schildert auf seiner Mission, die Welt von einem großen Übel zu befreien. Der Freund, dem ich meinen Aufsatz zeigte, schien meine Vision einer größeren, romanlangen Geschichte nicht zu teilen. Nachdem er die Szene überflogen und mir schnell zurückgegeben hatte, fragte er nur, warum ich eine ganze Seite über jemanden geschrieben hätte, der nach Hause kommt und einfach einschläft. Als ich dreizehn war, las meine Klasse George Orwells »Farm der Tiere«, woraufhin die Lehrerin uns bat, eine Fortsetzung der Geschichte zu schreiben. Die beste Idee in meiner Version von »Animal Farm (und die einzige, an die ich mich erinnere) war, den Wettlauf ins All als ein buchstäbliches Wettrennen zwischen zwei der Bauernhoftiere darzustellen, von denen eines die Sowjets und das andere die Amerikaner repräsentierte. Um ehrlich zu sein, war die Idee nicht einmal meine. Die Lehrerin hatte es mir vorgeschlagen. Nichtsdestotrotz war sie offensichtlich von meinen literarischen Fähigkeiten so beeindruckt, dass sie die Geschichte mit ihren Kollegen im Lehrerzimmer teilte. Gleich in der nächsten Woche ließ unser Sozialkundelehrer den Rest der Klasse meine Geschichte lesen und ein Quiz darüber beantworten. Ich erinnere mich, wie ich da saß, den Kopf auf den Schreibtisch gesenkt, und mein Bestes tat, um nicht vor Scham zu sterben. Ich erinnere mich besonders an den Moment, als mein Schwarm über die schiere Langeweile der Übung die Augen verdrehte. Unnötig zu erwähnen, dass wir nie zusammen ausgingen. 343 Als ich zum ersten Mal in Japan ankam - frisch von Bord (sozusagen) und bereit, ein neues Kapitel meines Lebens zu beginnen beschloss ich, mir die schlechte Angewohnheit abzugewöhnen, nur dann zu schreiben, wenn mich die Inspiration überkam meine bisherige Arbeitsweise und stattdessen regelmäßig zu schreiben. Jeden Morgen, bei Regen oder Sonnenschein, ging ich ins örtliche Cafe und verbrachte eine Stunde dort. Mit einer Tasse Kaffee in der einen und dem Stift in der anderen Hand, arbeitete ich an einer Kurzgeschichte, einem Manuskript, einem Tagebucheintrag, einem Traumprotokoll ganz gleich was Hauptsache, ich schrieb. Nach zwei Jahren hatte ich einen beeindruckend aussehenden Stapel von Dokumenten zusammengetragen, darunter ein fertiges Manuskript eines Romans und ein halbfertiges Manuskript eines anderen. Ich brauche wohl nicht zu erklären, dass ich schon sehr früh wusste, dass ich Schriftsteller werden würde. Ein Romancier, um genau zu sein, der Romane im Stil von Joyce, Faulkner, Proust, Conrad und Orwell und meinen anderen Lieblingsautoren schreibt. Das war, was ich tat. Das war, wer ich bin. Es gab kein Entkommen. Das war in Ordnung. Weit davon entfernt, diesem Schicksal zu entfliehen, habe ich es angenommen. Aber dann geschah etwas Merkwürdiges: Ich wurde kein Schriftsteller. Zumindest nicht in dem Sinne, wie ich es erwartet hatte. Stattdessen wurde ich ... Podcaster? Der über Verschwörungen redet? Im Internet? Und so rann mir der Lebensweg, von dessen Entwicklung ich absolut überzeugt gewesen war, wie Sand durch die Finger. Ich kann sogar das genaue Datum bestimmen, an dem mir klar wurde, dass mein Leben in eine ganz andere Richtung gehen würde, als ich es mir vorgestellt hatte: den 21. März 2007. Es steht direkt hier in meinem Tagebuch, wo ich festhielt, wie 344 meine Gedanken immer öfter um die Informationen zu »Ver- schwörungen« kreisten und diese mein Interesse an Literatur zunehmend in den Hintergrund drängten: »Und überhaupt wie weit wird mich diese neue Philosophie bringen? Es ist schon kurios, wie schnell diese neue Sicht auf die Welt meine alten, selbstbezogenen Ambitionen entlarvte: der Traum, ein jetsettender, millionenschwerer literarischer Intellektueller mit coolem Pseudonym zu sein. Bloße Selbst- täuschung und Wichtigtuerei. Als ob es erstrebenswert wäre, Erfolg zu haben. Ich sage: Behaltet sie, diese Überreste jugendlicher Sehnsüchte, diese kindliche Vorstellung davon, wie die Welt funktioniert. Die eigentliche Frage lautet: Wie widme ich mich am besten dem, was wirklich zählt? Der glanzlosen Arbeit, der sich unsere Vorfahren verschrieben haben. Der Arbeit, Freiheit und Unabhängigkeit zu verteidigen. Zweifellos kann ich als Schreiber vor allem als Chronist meinen größten Beitrag leisten. Jetzt ist es an der Zeit, mit Zorn aufzustehen, Alarm zu schlagen, die Menschen um mich herum aus ihrem Schlaf zu reißen. Ein Jonathan Swift gegen die Neue Weltordnung? Wenn es so sein muss. Alles, was ich weiß, ist, dass er, lebte er heute, eine Webseite hätte. Und vielleicht muss ich das auch. Und denen, die das Spiel leiten, sage ich: Vorsicht! Man weiß nie, was passiert, wenn wir beginnen, das Spielfeld zu verlassen.« Und so endete mein Sturz in den Kaninchenbau, der in meiner kleinen neuen Wohnung in Japan im Herbst 2006 begann, damit, dass ich in meinem eigenen Tagebuch plötzlich meine langgehegten literarischen Ambitionen verleugnete. Obwohl der gesamte Prozess, der mich dazu führte, diesen neuen Weg 345 einzuschlagen, verwirrend und desorientierend war, hätte er mich eigentlich nicht überraschen müssen. Denn all das war schon ein halbes Jahrhundert zuvor prophezeit worden von jenem Autor, den ich heute häufiger zitiere als jeden anderen. Der Autor, der mir in der Mittelstufe einst solche Verlegenheit bereitete: George Orwell. 1946 schrieb Eric Arthur Blair besser bekannt unter seinem Pseudonym George Orwell einen Essay mit dem Titel »Warum ich schreibe«. Obwohl er bei der Veroffentlichung im kurzlebigen Literaturjournal Gangrel erst dreiundvierzig Jahre alt war, hatte Orwell, der zu diesem Zeitpunkt bereits internationalen Ruhm durch »Animal Farm« erlangt hatte und gerade an »1984« arbeitete, sich das Recht verdient, über sein Leben als Schriftsteller nach- zudenken. Weil er sich der Frage widmete, was ihn dazu treibt, den Stift zu Papier zu bringen, notierte Orwell die vier großen, von ihm identifizierbaren Beweggründe fürs Schreiben. Nämlich: »Purer Egoismus: Der Wunsch, klug zu erscheinen, jemand zu sein, über den gesprochen wird, der nach seinem Tod in Erinnerung bleibt, um sich an den Erwachsenen zu rächen, die einen in der Kindheit abgelehnt haben, etc., etc. Es ist Humbug zu behaupten, dass das kein Motiv ist und ein starkes noch dazu.« »Ästhetischer Enthusiasmus: Die Wahrnehmung von Schönheit in der äußeren Welt oder, auf der anderen Seite, in Worten und ihrer richtigen Anordnung.« »Historischer Impuls: Der Wunsch, die Dinge so zu sehen, wie sie sind, wahre Tatsachen herauszufinden und sie für die Nachwelt aufzubewahren.« 346 »Politischer Zweck: Verwendung des Wortes »politisch« im weitesten Sinne. Der Wunsch, die Welt in eine bestimmte Richtung zu drängen, die Vorstellung anderer Menschen von der Art von Gesellschaft, nach der sie streben sollten, zu verändern.« Diese vier Motive, so Orwell, »gibt es in unterschiedlichem Maße bei jedem Schriftsteller, und bei jedem Schriftsteller werden die Verhältnisse von Zeit zu Zeit variieren, je nachdem, in welcher Atmosphäre er lebt«. Würde man nur die erste Hälfte von Eric Arthur Blairs Biografie lesen und versuchen, den Rest zu extrapolieren, könnte man leicht eine falsche Vorstellung davon bekommen, welcher Typ von Schriftsteller er einmal werden könnte. Als Urenkel eines wohlhabenden Gentlemans vom Land, dessen Eltern verzweifelt an dem festhielten, was vom Familienvermögen und - vielleicht noch wichtiger sozialen Status übriggeblieben war, wuchs Blair noch klassenbewusster auf als der durchschnittliche Engländer. Nach seinem Abschluss am renommierten Eton College entschloss er sich, der indisch-kaiserlichen Polizei in Burma beizutreten. Ein fast undenkbarer Schritt. Von einer bequemen Position im Herzen der Oberschicht hinab zu einer niedrigen Stellung in einer entlegenen Ecke eines verblassenden Imperiums. Dies war nur das erste Beispiel für eine lebenslange Gewohnheit: Privilegien und Komfort zu meiden, um eine schärfere Einsicht in die Funktionsweise der wirklichen Welt zu gewinnen. Dieses Muster setzte sich fort, als Blair, nachdem er seinen Posten in Burma aufgegeben und geschworen hatte, Schriftsteller zu werden, erneut auf den Komfort seines Familienlebens verzichtete, um Landstreicher zu werden. 347 Unter dem Namen »P.S. Burton« begann Blair, unter den ärmsten Mitgliedern der Gesellschaft im Londoner East End und im Pariser Arbeiterviertel zu leben und zu arbeiten. Aus diesen Erfahrungen entstanden Essays wie »Der Spike«2 und »Wie die Armen sterben«,3 die seinen Lesern einen schonungslosen Blick auf das Elend gaben, das die unterdrückten Arbeiter jener Zeit erdulden mussten und die zu seinem ersten Buch »Unterwegs in Paris und London« führten. Es war der erste Text, der unter dem Namen »George Orwell« erschien, weil er seiner klassenbewussten Familie die Peinlichkeit ersparen wollte, den eigenen Namen mit jemandem in Verbindung bringen zu müssen, der seine Zeit als Landstreicher verbrachte. Jeder, der sich mit Blairs prägenden Erfahrungen und dem Inhalt von Orwells nächsten Büchern auskennt »Tage in Burma«, »Eine Pfarrerstochter«, »Die Wonnen der Aspidistra« und »Der Weg nach Wigan Pier«, die alle in kurzer Zeit zwischen 1934 und 1936 ver- offentlicht wurden könnte versucht sein, den Verlauf der jungen literarischen Karriere zu erahnen. Schließlich handelt es sich hier um den verlorenen Sohn einer Familie mit schwindendem Vermögen, der seine eigene komfortable Stellung in der Gesell- schaft ablehnt, um ein (zweifellos mittelmäßiger) Autor (letztlich vergessener) sozialistischer Literatur zu werden. Aber zum Glück für uns alle war dies nicht das Ende von Orwells Geschichte. So wichtig seine frühen Schriften auch für die Entwicklung seines sachlichen, geradlinigen Schreibstils gewesen sein mögen im Jahr 1936 war Orwell dennoch ein relativ unbekannter und weit- gehend unbeachteter Autor, der, wäre er diesem Weg weiter gefolgt, heute kaum jemandem in Erinnerung geblieben wäre. Erst als jene Reihe von geopolitischen Ereignissen, die schließlich im Zweiten Weltkrieg gipfelte, in den späten 1930er Jahren ihren 348 Höhepunkt erreichte, wurde sichtbar, wie Orwell die ersten Schritte in Richtung eines anderen Weges unternimmt - einem Weg, der ihn zum weltberühmten und bis heute geschätzten Autor von »Animal Farm« und »1984« machen sollte. Entsetzt über den Aufstieg des Faschismus und - im Gegensatz zu vielen seiner englischen Zeitgenossen die Bedrohung durch Hitler und die von ihm vertretene totalitäre Ideologie sehr ernst nehmend, erkannte Orwell schnell, dass der Sturz der Zweiten Spanischen Republik durch die von den Nazis unterstützte Frak- tion um Francisco Franco einen entscheidenden historischen Moment markierte. Ende Dezember 1936, nur sechs Monate nach seiner Heirat mit Eileen O’Shaughnessy, kam Orwell in Barcelona an und sagte zu John McNair, dem Mann, der im Auftrag der Independent Labour Party britische Freiwillige für die republi- kanische Miliz in Spanien koordinierte: »Ich bin gekommen, um den Faschismus zu bekämpfen«.4 Seine Erfahrungen im Spanischen Bürgerkrieg erreichten ihren Höhepunkt im Mai 1937, als die verschiedenen Fraktionen der republikanischen Seite des Konflikts begannen, sich im Rahmen di- verser Straßenschlachten in Katalonien zu messen. Orwell, der für die »Workers Party of Marxist Unification« (POUM) kämpfte, nahm war, dass er und seine Kameraden von der kommunistischen Presse, als »faschistische Kollaborateure« ins Visier genommen wurden. Dass er nur knapp der anschließenden Exekution von POUM-Mitgliedern entkam, die viele seiner Freunde das Leben kostete, hinterließ bei Orwell einen bleibenden Eindruck. In seinem Essay »Warum ich schreibe« erklärte er dazu: »Der Spanische Bürgerkrieg und andere Ereignisse in den Jahren 1936-1937 gaben den Ausschlag. Von da an wusste 349 ich, wo ich stand. Jede Zeile ernsthafter Arbeit, die ich seit 1936 geschrieben habe, wurde direkt oder indirekt gegen den Totalitarismus und für den demokratischen Sozialismus verfasst, so wie ich ihn verstehe. Es erscheint mir unsinnig, in einer Zeit wie der unseren zu glauben, man könne es vermeiden, über solche Themen zu schreiben. Jeder schreibt darüber in der einen oder anderen Form. Es ist einfach eine Frage, auf welcher Seite man steht und welchen Ansatz man wählt. Und je bewusster man sich seiner politischen Voreingenommen- heit ist, desto größer ist die Chance, politisch zu handeln, ohne dabei seine ästhetische und intellektuelle Integrität zu opfern.« Weil Orwell nur knapp der von der Sowjetunion unterstützten Exekution entkommen war, nahm er unter den englischen Sozialisten eine einzigartige Position ein, die ihm erlaubte, die Bedrohung durch den Totalitarismus zu erkennen. Nicht nur in Bezug auf den Faschismus, sondern auch hinsichtlich des Kommunismus. Es war dieses spezielle Bewusstsein für die realen Schrecken des Totalitären nicht aus philosophischen Studien, sondern tatsächlicher Lebenserfahrung entstanden das Orwell von so vielen seiner Zeitgenossen unterschied. Erst auf diesem Boden der Erkenntnis konnten die Früchte von Orwells künstlerischem Ausdruck vollständig reifen: »Was ich in den letzten zehn Jahren am meisten angestrebt habe, ist, politisches Schreiben zur Kunst zu machen. Mein Ausgangspunkt ist immer ein Gefühl der Parteinahme, ein Sinn für Ungerechtigkeit. Wenn ich mich hinsetze, um ein Buch zu schreiben, sage ich mir nicht: »Ich werde ein Kunstwerk schaffen«. Ich schreibe es, weil es irgendeine 350 Lüge gibt, die ich aufdecken will, irgendeine Tatsache, auf die ich aufmerksam machen möchte und mein erstes Anliegen ist es, Gehör zu finden.« Die Früchte seiner Bemühungen, »politisches Schreiben zur Kunst zu machen« - »Animal Farm« und »1984« werden heute weltweit gefeiert. Doch es besteht kein Zweifel daran, dass diese Werke niemals entstanden wären, hätte Orwell den Tumult der 1930er Jahre nicht erlebt. So wie Orwell feststellte, dass es »Unsinn« sei zu glauben, ein Autor in den 1930ern könne es vermeiden, über den Totalitarismus zu schreiben, der seinerzeit die Welt bedrohte, halte auch ich es für Unsinn zu glauben, dass ein Schriftsteller der Gegenwart es vermeiden könne, sich mit der totalitären Bedrohung von heute auseinanderzusetzen: Mit der Entwicklung einer technokratischen Biosicherheitsdoktrin, die absolute Kontrolle über jeden einzelnen Menschen bis auf die Ebene des Genoms anstrebt. Obwohl diese Entwicklung lediglich eine Fortführung des uralten Strebens nach Weltherrschaft ist, das jeden Möchtegern-Tyrannen der Geschichte antrieb, stellt diese neueste Ausprägung totalitärer Bedrohung - befeuert von Technologien, die selbst Orwell sich niemals hätte vorstellen können die größte Gefahr dar, der die Menschheit je gegenüberstand. Also, warum schreibe ich? Das ist die Frage, von der selbst Orwell zugeben musste, dass er sie nie vollständig beantworten konnte: »Wenn ich die letzten ein oder zwei Seiten noch einmal überblicke, sehe ich, dass ich den Eindruck erweckt habe, meine Beweggründe fürs Schreiben seien völlig uneigen- nützig. Diesen Eindruck möchte ich nicht als endgültigen 351 Eindruck hinterlassen. Alle Schriftsteller sind eitel, egoistisch und faul, und tief in ihren Beweggründen liegt ein Geheimnis. Ein Buch zu schreiben ist ein furchtbarer, erschöpfender Kampf, wie eine lange Phase einer schmerz- haften Krankheit. Man würde so etwas niemals auf sich nehmen, wenn man nicht von einem Dämon getrieben wäre, dem man sich nicht widersetzen und den man nicht verstehen kann.« Dem würde ich sicherlich nicht widersprechen. Aber warum hat mein Schreiben nicht die Form literarischer Fiktion angenommen, von der die jüngere Inkarnation meiner selbst überzeugt war, dass sie meinen Karriereweg prägen würde? Weil ich mir, basierend auf dem, was ich über die Welt weiß, nicht vorstellen kann, meine Sprachfertigkeit auf irgendeine andere Weise zu nutzen, als mit aller Kraft Alarm in Bezug auf die existen- tielle Bedrohung, der die Menschheit gegenübersteht, zu schlagen. Liebe Leserin, lieber Leser, bitte verstehen sie meine Absichten nicht falsch. Ich versuche in keiner Weise, mich mit Orwell zu vergleichen oder meine amateurhaften literarischen Kritzeleien auf das gleiche Podest zu stellen wie dessen monumentales Werk. Ich biete diese Erklärung lediglich an sowohl für mich selbst als auch für sie um zu veranschaulichen, warum ich zu einem Podcaster wurde, der sein Leben den Warnungen vor einer »Neuen Weltordnung« widmet, anstatt ein (wahrscheinlich ignorierter) Autor von (zweifellos mittelmäßigen) fiktiven Werken zu sein. Aber dennoch, soweit es von Bedeutung ist, finde ich gewissen Trost in der Ironie, dass meine nicht-literarische Schriftsteller- Karriere wieder einen Bogen geschlagen hat und nun zu dem Mann zurückkehrt, der meinen frühesten literarischen »Erfolg« 352 inspirierte »Animal Farm 2«. Orwells Einfluss auf mich und die Welt im Allgemeinen hat keineswegs nachgelassen, sondern wächst mit jedem Jahr. Schließlich hat er genau das Vokabular von »Doublethink« und »Thoughtcrime« bis hin zu »Memory Hole« und »Big Brother« geliefert, mit dem wir die Ereignisse be- schreiben, die sich heute um uns herum abspielen. Wie ich immer wieder feststellen muss, ist es nahezu unmöglich, Beispielen für den expandierenden, technokratischen Polizeistaat zu begegnen, ohne diese als »Orwell’sch« zu bezeichnen. Bedauerlicherweise bin ich davon überzeugt, dass Orwell dieser Tatsache in seinem Grab wenig abgewinnen kann. Aber vielleicht weiß er ja zu schätzen, dass wir den Krieg noch nicht verloren haben, solange es unter uns diejenigen gibt, die seine Warnungen noch erst nehmen. 1 Orwell, George: »Why I Write«, The Orwell Foundation, 1946. archive.is/TwFpv Orwell, George: »The Spike«, The Orwell Foundation, 1931. archive.is/uBBnQ Orwell, George: »How the Poor Die, in Fifty Orwell Essays, Project Gutenberg Australia, veröffentlicht im August 2003, aktualisiert April 2019. archive.is/hMigX 4 Syeda, Seema: »War Reporters: George Orwell«, Military History Matters, 22. Juli 2019. archive.is/yk2yD 393 Über den Autor James Corbett wurde 1979 in Calgary, Alberta, Kanada, als jüngster von drei Söhnen geboren. Sein Vater war Bauzeichner, seine Mutter Hausfrau. Das junge Ehepaar zog 1972 von Gateshead im Norden Englands nach Kanada. James besuchte die University of Calgary, wo er 2001 einen Bachelor-Abschluss mit Auszeichnung in englischer Literatur erwarb und das Trinity College in Dublin, Irland, wo er 2003 einen Master-Abschluss (M. Phil.) in anglo-irischer Literatur erhielt. 2004 zog er nach Japan, wo er heute mit seiner Ehefrau und als Vater von zwei Kindern lebt. 355 Index 9/11 Commission (The National Commission on Terrorist Attacks Upon the United States)__249 Reaktion der US-Regierung und Bin Laden (siehe »Bin Laden, Osama«) und FAA (siehe »Federal Aviation Administration«) und NORAD (siehe »North American Aerospace Defense Command«) A Abbey, Edward__158 Afghanistan__34, 210, 296-300, 308 Afrika__120, 136, 142, 143, 219, 221, 222 Afroamerikanisches Institut__ 224 American Airlines__33 Amerikanismus__286 396 American Scholars Symposium__25 Anarchismus__152, 158 Animal Farm__343, 346, 349, 351, 353 Annan, Kofi__214, 215 Argentinien__187 Arizona State University__141 Baca Ranch__225 Bank für Internationalen Zahlungsausgleich__56, 70 Bank of America__34 Bank of Canada__132 Bank of England__91, 132 Barroso, José__ 62 Belgien__34, 277 Bernhard, Prince__98, 262, 266, 289 Bilderberg__57-60, 63, 72, 141, 222, 255-257, 259, 260-268, 289, 307, 316 Bin Laden, Osama__26, 38, 118, 210, 244, 250, 310 Black, Edwin__105 Boston 9/11 Truth Tea Party__71 Brzezinski, Zbigniew__79-81, 295-298, 312, 317-320, 323 Buck, Carrie__103, 104 Buckingham Palace__110 Burma__347, 348 Bush-Familie__38 George H. W.__39, 181, 260, 271, 301 George W.__ 38, 249, 259 Business Council of Canada__138-140 C Cameron, David__258, 259, 265 Canada__132, 137 Canada Smart Border Declaration__138, 139 Canadian Council__138, 140 Canadian International Development Agency__216, 218, 220 Carlyle Group__38 Carter, Jimmy__79 Center for North American Studies__ 141 Central Intelligence Agency (CIA)__38 China__70, 143, 217, 229, 311-313, 321 Citigroup__34 Clarke, Richard__117 Clinton__54, 55, 259, 315 Bill__57, 277, 259, 260, 314 Hillary__57, 260 Common Core State Standards Initiative__149 Copley, Marion__170 Corbett Report__9, 10, 17, 29, 138, 141 CropLife International__172 Crop Trust__189-192 Darwin, Charles__92, 95-98 Davos__215, 216 Demokratie__ 24, 30, 48, 50, 65, 207, 227 Department of Homeland Security (DHS)__137 Deutschland__34, 48, 104, 105, 134, 144, 146, 260, 290, 301 Dicks, Dan__267 Drake, Edwin__331 Drittes Reich__106, 107 Dritte Welt__223 Dubos, René__ 221 397 E Earth Charter__ 223, 226, 290 Earth Council Institute__226 Earth Summit__223, 224, 290 England__53, 55, 90, 91, 101, 115, 132, 234, 259, 277, 289, 355 Eugenik, Eugeniker__14, 93-96, 98, 99-110, 190, 191, 192, 193, 287-292 Eugenics Record Office (ERO)__101, 104, 290 Eugenics Review__96 Eugenik in Amerika__95, 101-103, 105, 107, 108, 190 Eugenik in Deutschland__99, 104-107 Eugenik in GroRbritanien__95, 96, 98-100, 108 Eugenik in Kanada__100 Europa__54, 57, 60, 61, 87, 88, 104, 132, 136, 142, 152, 164, 221, 237, 255, 256, 262, 263, 264, 277, 285, 286, 307, 335,339 Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA)__172 Europäische Zentral- bank (EZB)__132 358 F Federal Aviation Administration (FAA) __ 115 Federal Bureau of Investigtion (FBI)__35, 37-39, 76, 114, 115-117, 119, 121-123, 249 Federal Reserve__ 28, 57, 132, 336 Fiat-Geld__133, 238 Fichte, Johann Gottlieb__144, 145, 146 Food and Agricultural Organization (FAO)__179, 180, 189, 192 Food and Drug Administration (FDA), US__167, 172, 178, 179, 181, 193, 194 Forbes__ 176 Fourth World Wilderness Congress_ 222 Frankreich __34, 48, 145, 261, 301, 330 G G20 Treffen 70 Galton, Francis__ 92-94, 96-98, 101, 108 Genetic Literacy Project__169, 172 Globalismus__73, 136, 150, 160, 321 Gott__86, 89, 109, 145, 298 Goldman Sachs__73, 143 GrolRbritannien__96, 98, 99, 297, 301 Grove, Richard Andrew__ 245, 246 Golfkrieg__301, 302 Grüne Revolution__182-186 Hamilton, Lee__115, 250 Harper, Stephen__139, 140, 261 Hayek, F. A.__272, 273 Hayes, A. Wallace__173, 174, 176,177 Hussein, Saddam__301, 302, 303 Huxley Aldous__96, 206-209 Julian__98, 206, 208, 209, 288, 289 IBM__115, 116, 312, 332 Indien__143, 186, 296, 297 Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC)__216, 223 International Agency for Research on Cancer (IARC)__166-169, 183 International Basic Economy Corporation (IBEC)__184, 185 International Development Research Centre (IDRC)__220 Irak_ 187, 188, 214, 257, 300-303 Japan__17, 22, 24, 31, 34, 56, 132,179, 311, 328, 344, 345, 355 Jefferson, Thomas__147-149, 151 Jennings, Barry__243, 244 Jerusalem__130 K Kalter Krieg__308-311 399 Kanada__ 48, 100, 132, 137, 138-140, 218-220, 222, 228, 229, 235, 261, 265, 355 Kaiser Wilhelm Institut (KWI)__105, 107 Kean, Thomas__122, 250 Kerrey, Bob__250, 251 Kieseritzky, Lionel__305 Kissinger, Henry__222, 250, 302, 311, 312, 315, 316, 320, 323 Klimawandel__291 Korsika__330 Kurdistan__300 Kurden__300-304 L Lasko, Gary__263 Linnean Society__ 98 London__27, 55, 87, 96, 234, 305, 348 Manitoba__216, 218, 235 Manley, John__138, 139, 140 Mexican American Develop- ment Corp__183 Mexiko__137, 138, 140, 182-184, 274 360 Monderman, Hans__277 Monod, Noah__ 218 Monsanto__ 165, 168-178, 181, 187, 188, 193, 194 Multilaterales System__189 Nairobi__219, 221, 222 National Institute of Standards and Technology (NIST) 244 Nationalismus__144, 147, 149, 150, 160 Netflix__208 Neue Weltordnung__15, 59, 226, 237, 271, 272, 329, 345 New York__25, 55,57, 74, 79, 108, 119, 122, 164, 177, 207, 218, 227, 243, 250, 309 New York Times__79, 164, 177, 207, 250, 260, 314 New York Zoological Society 286 Nordamerika__57, 138, 139-143, 164, 245, 255, 256, 290 North American Aerospace Defense Command (NORAD)__118,119 North American Center for Transborder Studies__141 North American Competitive- ness Council (NACC)__ 138 North American integration__142 North Atlantic Treaty Organi- zation (NATO)__58, 73, 115, 237, 257, 299, 308, 313, 321 0 Obama, Barack__30, 57, 87, 140, 150, 258, 259, 260 Oberster Gerichtshof__ 102, 103, 104, 178 Orwell, George__ 206, 207, 342-344, 346-353 P Paris__107, 348 Paul, Ron__71 Pennsylvania__331, 332 Petro-Canada__222, 290 Posilac__193, 194 Postman, Neil__207 Peking__214, 217 Q Qaim, Matin__164 Quigley, Carroll__52, 54, 55, 57, 59, 66, 70, 314, 316 Rockefeller, David__ 218, 222, 226, 290, 311, 312 Rockefeller, John D.__108, 183, 184, 288 Rockefeller, Laurance__225 Rockefeller, Nelson__183, 227 Rockefeller, Steven C.__227, 290 Rockefeller Archive Center__184 Rockefeller Brothers Fund__185 Rockefeller Foundation__105, 183, 184, 189, 220 Rom__60, 215 Roosevelt, Teddy 284-286, 288 Rothschild, David Mayer de__291 Rothschild, Edmund de__ 222, 223, 290 Rothschild-Familie__91, 228, 291 Round Table Groups__53-55, 315 Römische Vertrage__60, 264 361 Russland__73, 143, 307, 308, 313, 321 Ryan, Kevin__37, 246 S Saudi-Arabien__114, 244 Schwab, Klaus__ 215 Science Media Centre__172 Schöne neue Welt__206, 208, 288 Security and Prosperity Partnership (SPP)__138, 139 Séralini, Gilles-Eric_ 171-177 Shared Space__276, 277 Skelton, Charlie__267 Small Business Administration (SBA), US__122,123 Smart Border Declara- tion__138, 139 Social Biology__108 Sowjets__ 204, 297-299, 308, 343 Sowjetunion__204, 217, 297, 309, 350 S&P 500 Index__37 Spartacus__233, 234 Spooner, Lysander__154, 155, 159 Stengel, Richard__29, 30 Stratesec__37, 38, 39 362 Strong, Maurice__214, 215, 216, 218, 219, 222, 229, 290 Strong, Anna Louise__217 Sutton, Antony__309 Suzuki, David__284 Schweden__222 T Tea Party (siehe »Boston 9/11 Truth Tea Party«)__71-75 Totalitarismus__350, 351 Trudeau, Justin__215, 222 Trump, Donald__73, 74, 87 Tyler, Wat__234 U Umweltbewegung__221, 222, 224, 284, 285, 287, 290-292 Ukraine__304 Unabhangigkeitstag__ 232, 240, 241 UNESCO__150, 288, 289 US-Staatsanwalt__123 United States Geological Survey__286 V Vietnam__298, 308, 309, 311 Vereinte Nationen (UN)__50, 65, 98, 143, 150, 164, 179, 192, 215-219, 221, 223, 226-229, 237, 261, 290, 321 W Wedgwood, Josiah__95, 96 Wells, H. G.__98, 271 Weißes Haus__40, 91, 115, 116, 121 Wikipedia__218 Wilson, Woodrow __ 149, 271, 287 Wolfensohn, James__214, 215, 220 Woodward, Bob__316 Weltbank__50, 57, 59, 143, 186, 188, 215, 220, 223, 224, 261, 307 Weltnaturschutzbank__222, 223, 290 World Conservation Union (IUNC)__ 224 World Core Curriculum__150 Weltzollorganisation__143 Weltwirtschaftsforum (WEF)__215-224 Weltgesundheitsorganisation (WHO)__166, 179, 180, 192 World Resources Institute__223 World Trade Center__37, 119, 243, 247, 248 Welthandelsorganisation__50, 143,192 Weltkrieg__104, 107, 134, 262, 271, 301, 348 World Wildlife Fund (WWF)__98, 224, 289 Y Jom-Kippur-Krieg__222 YouTube__20, 24, 25, 27, 29 363 James Corbett REPORTAGE Essays zur Neuen Weltordnung REPORTAGE ist James Corbetts bestes Werk. Aufschlussreich, bissig, witzig er ordnet Fakten und liefert harte Realitäten mit messerscharfem Verstand, Liebe zur Wahrheit und einem tiefem Respekt für unsere Rechte und Freiheiten. Catherine Austin Fitts, The Solari Report James möchte Ihren Geist von der Matrix befreien damit Sie selbst sehen, wie Betrug, Wahnvorstellungen, permanente Propaganda und das unerbittlich Bose aussehen. REPORTAGE ist ein wichtiges Buch zum Lesen und Weitergeben. Patrick Wood, Technocracy News Seit fast zwanzig Jahren gehört James Corbett zu den bestandigsten, fundiertesten und glaubwiirdigsten Stimmen in den unabhangigen Medien und bildet Generationen von Wahrheitssuchenden aus. Whitney Webb, Unlimited Hangout James Corbett ist preisgekronter unabhängiger Autor und Produzent diverser Dokumentationen. Seit 2007 hat er über Artikeln und Interviews veröffentlicht und sich damit interna- tionale Reputation für Integrität und journalistische Weitsicht erworben. Sein erstes Buch analysiert nun in gleicher Manier die Wurzeln, Kultur, Denkweise und rücksichtslose Macht- gier supranationaler Institutionen und Interessengruppen. So verschaffen James’ Essays nicht nur Klarheit in Bezug auf verdeckte Operationen und unterdrückte Teile unserer Ge- schichte, sondern präsentieren darüber hinaus Alternativen und stellenweise sogar Hoffnungsschimmer für das freie, souveräne Individuum, dessen Lebensraum die herrschenden Kräfte kontinuierlich beschneiden. ie EDITIONS 9 783384 690258 moan] ||| [| shukutou.com regenauer.press seine Webseite (www.corbettreport.com) Tausende von Videos, James Corbett REPORTAGE EDITIONS SHUKUTOU James Corbett REPORTAGE Essays zur Neuen Weltordnung REPORTAGE ist James Corbetts bestes Werk. Aufschlussreich, bissig, witzig er ordnet Fakten und liefert harte Realitäten mit messerscharfem Verstand, Liebe zur Wahrheit und einem tiefem Respekt für unsere Rechte und Freiheiten. Catherine Austin Fitts, The Solari Report James möchte Ihren Geist von der Matrix befreien damit Sie selbst sehen, wie Betrug, Wahnvorstellungen, permanente Propaganda und das unerbittlich Bose aussehen. REPORTAGE ist ein wichtiges Buch zum Lesen und Weitergeben. Patrick Wood, Technocracy News Seit fast zwanzig Jahren gehört James Corbett zu den bestandigsten, fundiertesten und glaubwiirdigsten Stimmen in den unabhangigen Medien und bildet Generationen von Wahrheitssuchenden aus. Whitney Webb, Unlimited Hangout James Corbett ist preisgekronter unabhängiger Autor und Produzent diverser Dokumentationen. Seit 2007 hat er über Artikeln und Interviews veröffentlicht und sich damit interna- tionale Reputation für Integrität und journalistische Weitsicht erworben. Sein erstes Buch analysiert nun in gleicher Manier die Wurzeln, Kultur, Denkweise und rücksichtslose Macht- gier supranationaler Institutionen und Interessengruppen. 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